HYPOCRISY   ESSENCE  
14.04.2013 @ Szene

Manche Dinge im Leben werden einfach von tragischen Ereignissen überschattet, davon bleibt auch die Welt der harten und metallischen Klänge nicht verschont. Und dann war das Gastspiel der schwedischen Death Metaller von HYPOCRISY neulich in Wien leider auch so ein Fall. Bis zu jener Nacht vom 5. auf den 6. April, in der Bassist Sawomir „Mortifier“ Kusterka Herzrhythmusstörungen erlag, standen für das Konzert in Wien noch die polnischen Blackened Death Experten von HATE auf dem Plan, eine zerstörerische Kombo, die einen angenehmen Abend voller brachialer Klänge versprochen hätte. Das HATE nach dem Verlust eines Bandmitgliedes die Tour abgebrochen haben will und kann man ihnen nicht krumm nehmen. HYPOCRISY und ESSENCE spielten den Rest dieses Tour-Abschnitts noch professionell zu Ende und ließen sich bei ihrer Show an diesem Abend kaum etwas anmerken. Dennoch hing immer ein leichter Schatten über den Auftritten.

Aber nun zur eigentlich Sache, nämlich den Auftritten der beiden Bands. Für die Eröffnung des musikalischen Abends sorgten eben die jungen Herren von ESSENCE, wobei so mancher Konzertbesucher, darunter Yours truly, sicherlich erstaunt war, wie jung diese Herren auf der Bühne tatsächlich wirkten. Der Ersteindruck, als sie die Bühne erklommen, war irgendwie merkwürdig, und diese Merkwürdigkeit lässt sich auf ein einziges Kleidungsstück reduzieren, nämlich diese unfassbar dämliche Mütze des gitarrenspielenden Sängers, die er noch dazu nicht richtig am Kopf hatte. Wenn man so etwas sieht, möchte man eigentlich zu den betreffenden Personen hingehen und ihnen erklären, wie das Konzept einer Kopfbedeckung funktioniert. Vielleicht bin das aber auch nur ich, und zumindest, ein paar Leute in meinem damals näheren Umfeld, denen es bei diesem Anblick ähnlich erging. Die kurze Gelfrisur tat sein Übriges. Zu seiner Verteidigung sollte man aber erwähnen, dass diese ominöse Mütze nicht ganz freiwillig getragen wurde, wie nach drei Songs verkündetet wurde, sondern einer von mehreren Scherzen bei diesem Konzert war, da es schließlich ihre letzte Show der Tour war. Nun denn, technisch hatten ESSENCE aber einiges drauf und boten über weite Strecken eine tadellose Vorstellung mit ihrer Mixtur aus Old School Thrash und Melodic Metal, für diejenigen die gerne in Schubladen denken. Mit viel Eifer und theatralischer Gestik und Mimik kämpfte man sich durch das Set und beim letzten Song folgte dann auch der finale Gag der Tour, natürlich auf Kosten des Drummers. Die Prügelknaben der Musikwelt, wie es scheint. Ein fieser Roadie baute das Drumkit nämlich noch während des letzten Songs ab, so weit, bis nur mehr die Bassdrum, die Snare und der Hi-Hat übrig waren. Den Rest spielte der man an den Stöcken zwar noch brav weiter, aber eben nur imaginär. Dann verabschiedeten sich die Herren höflich von der gut gefüllten Halle und schlurften von der Bühne, womit der Umbau für HYPOCRISY beginnen konnte.

Selbstverständlich war das ganze Equipment der Schweden bereits aufgebaut und das Drumset von Horgh thronte bereits auf einem hohen Podest bedrohlich über den Häuptern von ESSENCE, bedeckt von einem rabenschwarzen schweren Vorhang. Interessanterweise war die Umbauphase trotzdem elendig lange, man lässt sich ja schließlich mehr Zeit, wenn man sie hat. 40 Minuten dauerte das Spektakel, das durch mehr oder weniger (eher weniger) emsiges Treiben auf der Bühne gekennzeichnet war. Mit der ersten Singleauskopplung des neuen Albums, „End of Disclosure“ (so der Name von Lied und Album) legten sie aber einen etwas verhaltenen Start hin, wobei das eher durch den Song an sich geschuldet war, denn schon mit der zweiten und schnelleren Nummern steigerte sich die Stimmung im Publikum schlagartig. Die Halle war zu diesem Zeitpunkt übrigens schon prall gefüllt und wie das nun mal so üblich ist wirbelten viele Haare durch die Luft. Der Sound war kräftig, etwas zu kräftig von Zeit zu Zeit. So eine getriggerte Bassdrum kann, wenn zu laut aufgedreht, schon dazu neigen alles andere zu übertönen. Abgesehen davon war die Show gewohnt souverän, anders ist man es von den Herren rund um Peter Tägtgren aber auch nicht gewohnt. Natürlich lag die Betonung auf dem neuen Album, das es schließlich unter das Volk zu bringen galt, dennoch kamen die alten Songs nicht zu kurz.





Interessanterweise schaffte es kein Song des Vorgängeralbums auf die Setlist, was eigentlich ein bisschen schade war, schließlich gibt es darauf auch recht feine Songs. Aber gut, wenn man schon so viele Alben auf dem Buckel hat wie HYPOCRISY, müssen für eine Setlist wohl immer Opfer gebracht werden. Der Laune im Publikum tat das natürlich keinen Bruch und vor allem bei den letzten zwei Songs „Adjusting The Sun“ und „Eraser“ flogen wieder die Haare durch die Luft. Auch wenn dieser Auftritt durch den tragischen Ausfall von HATE unter keinem guten Stern stand, schaffte man es, das Beste aus diesem Abend zu machen.



Setlist HYPOCRISY:

End Of Disclosure
Tales of Thy Spineless
Fractured Millennium
Left To Rot
The Eye
The Abyss
Fire In The Sky
Necronomicon
Buried
Fearless
United We Fall
44 Double Zero
Elastic Inverted Visions
Warpath
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Roswell 47
Adjusting The Sun
Eraser

www.hypocrisy.cc

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Beitrag vom 03.05.2013
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