TUSKA 2013 - TAG1: KING DIAMOND   AMORPHIS   BOLT THROWER   IHSAHN   WINTERSUN   DREAMTALE   TESSERACT   LEPROUS  
28.06.2013 @ Suvilahti, Helsinki

Auch wenn es dank unseren ehemaligen Kollegen Harald, Irina und Kristina schon einige Beiträge zum finnischen Aushänge-Festival Tuska gibt, so waren wir eigentlich überhaupt nicht darauf gefasst, was uns dort erwartet. Vom Zentrum aus sind es je nach Einstiegsstelle zwei, drei Haltestellen bis zum Gelände in Suvilahti, wo das Tuska erst zum dritten Male stattfand, da man damals aus dem zentral gelegenen Park dorthin übersiedelt ist. Dort angekommen erwartet einen schon eine recht ansehnliche Schlange vor den Toren, die eine halbe Stunde vor Beginn der ersten Band aufsperrten. Doch alles ging dort recht flott von Statten und dann muss ich gleich verdutzt drein blicken, denn eine Garderobe zum Abgeben von Jacken, Taschen, Regenschirmen usw. habe ich auf einem Open Air ja doch noch nie erlebt. Zwei Euro sind natürlich auch ein happiger Preis dafür, aber zu den lieben Euros, werden wir nachher noch mehr Worte verlieren. Gut, dann geht es zur nächsten Schleuse, wo wir abgetastet werden und die Taschen kontrolliert.





Interessanterweise muss man seinen Regenschirm abgeben, aber Campingsessel, Fahnenmasten und diverse Gehstöcke, die rein als Accessoires dienten, kamen mühelos an der Kontrolle vorbei. Alkohol durfte sowieso nicht mit hinein genommen werden, dafür aber Antialkoholisches, aber nur, wenn es original verschlossen ist. Kollegin Catrine musste ihre Wasserflasche leeren, da diese nicht verschlossen war, durfte die Flasche mit rein nehmen und fünf Meter weiter gleich wieder mit Gratiswasser befüllen – finnische Logik. Bevor es zum Erkunden des Geländes geht, schauen wir, dass wir schnell in die Halle zur 3rd Stage kommen um den Festival-Opener LEPROUS zu erleben.


Die Norweger konnten als erste Band gleich mit glasklarem Sound auftrumpfen. Dieser gab ihnen natürlich enorme Vorteile, denn der vertrackte progressive Sound dieser Ausnahmeband sucht sowieso seinesgleichen. Optisch etwas verändert präsentieren sich die Jungs jetzt in schicken schwarzen Anzügen und mit Kurzhaarschnitt. Vor allem Fronter und Keyboarder Einar Solberger ist ohne seine Dreads fast nicht wieder zu erkennen. Auch wenn keine langen Haare mehr flogen, gaben LEPROUS alles auf der Bühne und sorgten für reichlich Bewegung in der jetzt schon recht heißen Halle. Einar zeigte bei den vier Songs in 25 Minuten sein komplettes und enormes stimmliches Repertoire und hämmerte unentwegt auf sein Keyboard ein, während die Gitarristen Tor Oddmund Suhrke und Øystein Landsverk nicht minder aggressiv agierten. Der avantgardistisch angehauchte Prog-Sound der Norweger funktionierte in der dunklen Halle wunderbar, riss die Fans mit und eröffnete das Festival souverän. Ich freue mich schon riesig auf die Tour im Herbst. Aber noch am selben Tag sollte es ein Wiedersehen mit den sympathischen Jungs geben, denn ein Interview stand an und die Norweger sollten außerdem mit IHSAHN nochmals die Bühne betreten.





Setlist LEPROUS:

The Valley
Chronic
Restless
Thorn

Die parallel auf der Mainstage zockenden TESSERACT, die vor wenigen Wochen für die ausgefallenen THE DILLINGER ESCAPE PLAN einsprangen, konnten wir nur kurz von der Weite genießen, während wir nach dem Interview von den finnischen Deathern ABHORRENCE schon ein paar Songs erleben durften. Der recht schlicht gehaltene Death Metal mochte mich aber nicht wirklich mitreißen. Eigentlich gibt es die Band seit 1991 nicht mehr, doch Gitarrist Tomi Koivusaari, der auch AMORPHIS mitgründete, reaktivierte die Band anscheinend nochmal, aber ob das exklusiv für das Tuska war, oder ob die Truppe weitermacht, konnte ich bisher noch nicht eruieren. Wir warten gespannt ab.





Setlist ABHORRENCE:

Pestilential Mists
Holy Laws Of Pain
Devourger Of Souls
Caught In A Vortex
Adorational Of Abscessed Cadavers
Pleasure Of Putrid Flesh
Disintegration Of The Flesh
Vulgar Necrolatry

Danach erkundeten wir erstmals das Gelände und waren gleich irritiert, als wir in der Nähe der Fressbuden gleich mal ein Zelt mit Waschmaschinen entdeckten. Was es damit auf sich hatte, sollten wir erst später herausfinden, denn jetzt ging es in die Bier-Area. Ja richtig gehört, auf dem Tuska kann man das kühle Gebräu nur in einem abgesperrten Bereich genießen. Alkohol durfte nur dort konsumiert und auch nicht mit raus genommen werden. Klingt zwar ärgerlich, hat aber einige Vorteile. Ich habe noch nie so ein sauberes Festivalgelände gesehen. Nicht nur, dass keine Becher rumlagen, es marschierten auch durchgehend Putzgeschwader übers Gelände. Außerdem flogen nie irgendwo Bierbecher bzw. Dosen und man muss sich auch nicht fürchten im Moshpit angeschüttet zu werden. Außerdem hatten die Veranstalter die potentiellen Alk-Leichen gut im Blick und Griff. Zwar musste man sich manchmal etwas länger anstellen und dann für 0,5L Dosen knapp 7€ plus 2€ Pfand löhnen, dafür gab es eigene Pfand-Abholstände, um Wartezeiten zu verkürzen. Statt den 2€ bekam man auf Wunsch auch zwei kleine Säckchen Chips. Dass man Bands verpassen würde, darüber brauchte man sich auch keine Sorgen zu machen, denn man hatte von der Bier-Area aus einen guten Blick auf die Radio-Rock Stage und die Inferno-Stage. Man konnte es sich alternativ aber auch in der Wiese bequem machen.

Es folgten WINTERSUN. Man merkt jetzt schon, dass man am Tuska Festival absolut auf einheimische Truppen setzt. Warum auch nicht? In Finnland findet man an jeder Ecke ein Metal Band und an jeder fünften eine international wirklich erfolgreiche noch dazu. So auch Jari Mäenepääs‘ (Ex-ENSIFERUM) WINTERSUN. Ganz nachvollziehen kann ich den Hype um diese Band nicht. Zwar hatte man mit „Wintersun“ vor fast zehn Jahren ein amtliches Debüt vorzuweisen, danach war aber erst mal Schicht und man nervte die Fans jahrelang mit dem „Time“-Running Gag, der im vergangenen Jahr nun doch endlich rauskam und außer knapp 40 Minuten Epic Metal mit vielen Längen und Lückenfüllern nicht viel zu bieten hatte. Nun live ging es mir ebenso, denn die überlangen Songs haben doch ihre Längen und nur selten riss mich ein Song der Band mit. Technisch kann man Jari und seinen Männern aber absolut keinen Vorwurf machen. Schade nur, dass man live nicht mal einen Keyboarder mit hatte und den kompletten Bombast aus der Dose miterleben musste. Somit für mich eine eher durchwachsene Angelegenheit.





Setlist WINTERSUN:

Sons Of Winter And Stars
Land Of Snow And Sorrow
Winter Madness
Beautiful Death
Time
Starchild


Aber gut, wir traten die Flucht nach vorne an und besuchten in der Halle die lokalen Power Metal Helden DREAMTALE, was sich als goldrichtig erwies. Mit viel Elan, Power und Charme führten die Fünf Finnen durch ihr recht kurzes Set, ließen aber nichts anbrennen. Frontmann Erkki Seppänen in Camo und trotz der Hitze mit Haube am Kopf mimte den Partylöwen und hatte die Meute mühelos in seiner Hand. Die Stimmung war bei Krachern wie den neuen „Island Of My Heart“ oder „Tides Of War“ sofort großartig, während das Intro zuvor noch für Gänsehaut und düstere Stimmung sorgte.

Die Fans sangen bereits überschwänglich mit, während auf der Bühne so viel Bewegung herrschte wie an diesem Tage nirgends zuvor. Nochmal um eine gute Ecke spaßiger wurde es dann bei dem Disco-Power Metal Hit „Failed State“. Das Teil klingt zwar merkwürdig, macht aber so viel Laune, dass man sich nur mühelos an sich halten kann. Leider beschloss man das Set nach knapp 30 Minuten mit „Take What The Heavens Create“ und verzichtete komplett auf Songs vor der Ära Seppänen, was in der kurzen Spielzeit aber zu verzeihen ist, außerdem ist Erkki ja auch der erste Sänger, der es schaffte mehr als ein Album bei der Band zu überleben.





Setlist DREAMTALE:

The Shore (Intro)
Island Of My Heart
Tides Of War
Firestorm
Where Eternal Jesters Reign
Failed State
Take What The Heavens Create
Destiny´s Chance (Outro)

Nach nur wenigen Minuten ging es auf der Inferno-Stage schon wieder los. Gespannt war ich schon lange auf den ehemaligen EMPEROR Frontmann Vegard Sverre Tveitan alias IHSAHN mit seiner Solo-Performance. Wie schon erwähnt versammelt der Meister die komplette Mannschaft von LEPROUS hinter sich und bot an diesem Tag eine unspektakuläre Show mit seinem Post-Black Metal. Die progressive Musik von IHSAHN hat nur noch wenig mit seinen einstigen Taten zu tun und lässt nur hier und da etwas Black Metal in Form seines Gesangs, der sich sonst eher in ruhigen Regionen befindet, zu tun. Hätte er nicht LEPROUS mit an Bord würde auch auf der Bühne nichts passieren, denn er schlicht in Schwarz gekleidet und mit Sonnenbrille, bewegte sich nur hier und da mal ein paar Schritte zurück und solierte das eine oder andere Mal, dafür sorgten Keyboarder Einar, der auch der Schwager von IHSAHN ist, Gitarrist Tor Oddmund und Co. für Bewegung und gingen in den härteren Passagen dann schon mal richtig ab. So richtig wollte der Funke trotzdem nicht überspringen.





Mit BOLT THROWER folgte aber dann ein Fels in der Brandung, denn bei der UK-Combo kann heute eigentlich überhaupt nichts mehr schiefgehen und so servierten Karl Willetts und seine Männer und Frau, eine Bank von einem Konzert. Brutal, bei bestem Sound und mit viel Spielfreude servierten die Schützen Kaliber wie „Realm Of Chaos“, „Warmaster“ oder „When Glory Beckons“, welches dem jüngst verstorbenen Jeff Hanneman von SLAYER gewidmet wurde. Dieser Auftritt war insofern auch etwas ganz besonderes, da BOLT THROWER ansonsten 2013 keine einzige Live-Show geplant haben und so kamen wir in den exklusiven Genuss von brutalem, aber sympathischen Death Metal der Extraklasse. Karl fragte gegen Ende dann nochmal ganz charmant – „Where Next To Conquer?“ und beendete das tolle Set mit „In Battle There Is No Law“.





Setlist BOLT THROWER:

Anti-Tank (Dead Armour): Part I
The Killchain
Anti-Tank (Dead Armour): Part II
Realm Of Chaos
Battle For Britain (Intro)
The IVth Crusade
Mercenary
Warmaster
Anti-Tank (Dead Armour): Part III
When Glory Beckons
World Eater / Cenotaph
Entrenched
…For Victory
No Guts, No Glory
The Killchain
Powder Burns
Where Next To Conquer
When Cannons Fade
Intermission (Outro)
-
In Battle There’s No Law



Wem das nicht finnisch genug war, konnte sich in der Halle mit KUOLEMANLAAKSO vergnügen. Die Doom/Deather waren sehr gut besucht und machten großartige Stimmung. Leider ging sich nur ein Song aus, weshalb ich nicht viel mehr dazu sagen kann. Nervig ist vielleicht manchmal, dass man bei den finnischen Texten nichts versteht, schlimmer aber, dass alle Bands aus diesem Land auch die Ansagen in Finnisch hielten, was spätestens bei den Publikumslachern bei STAM1NA sehr schade war.





Über AMORPHIS braucht man heutzutage wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Bei einem Heimspiel konnte den Finnen sowieso nichts mehr passieren und so absolvierten Tomi Joutsen, der mittlerweile seit ganzen acht Jahren den Fronter der Band mimt und nicht mehr wegzudenken ist, Tomi Kouvusaari, Esa Holpainen und ihre Männer einen ihrer mehr als soliden Gigs mit einigen Hits, Klassikern und natürlich neuen Songs vom aktuellen Werke „Circle“. Mit „Shades Of Grey“ und „Sampo“ war der Einstieg schon recht gelungen, aber so richtig mitreißen konnte man dann mit „Silver Bride“, welches nur noch von den abschließenden „The Smoke“ und „House Of Sleep“ getoppt werden konnte. Zu den Ansagen kann ich natürlich erneut nichts sagen. Leider.





Setlist AMORPHIS:

Shades Of Grey
Sampo
Silver Bride
Narrow Path
Hopeless Days
Into Hiding
On Rich And Poor
Nightbird´s Song
The Wanderer
The Smoke
House Of Sleep


Der Tag verging im Flug und schon senkte sich die Sonne etwas, bedauerlicherweise aber genau in Richtung Mainstage glühend, was für den Headliner des Tages eher von Nachteil war, denn bereits um 20:30 musste Horror-Meister KING DIAMOND auf die Bretter. Zuvor bot sich aber eine überaus schicke Bühne den Fans. Im Vordergrund stand ein riesiger Eisenzaun, der rund um einen Friedhof stehen könnte, während im Hintergrund einige Treppen und eine Art Kirche aufgebaut waren. Erst kamen natürlich die Musiker auf die Bühne und starteten die ersten Klänge zu „The Candle“ – und schon stapfte der Däne Kim Bendix Petersen alias KING DIAMOND auf die Bühne und spornte die Fans zum Mitsingen an. Und das obwohl männliche Fans wohl nur schwer seine stimmlichen Regionen erreichen können. Man kann von dem Mann und dessen Musik halten was man will, aber eine Show der Extraklasse ist bei dem Meister auf jeden Fall garantiert. Neben dem schicken Bühnenaufbau mit verdrehten Kreuzen, Pentagrammen und sonstigen Accessoires begrüßte man auch noch eine Sängerin, eine Hexe im Rollstuhl, eine schwangere Braut und so manch weiteren Special Guest auf der Bühne. Und so zog der King, der ja auch MERCYFUL FATE frontet eine wahrlich sehenswerte Show ab, die einem Metal-Musical glich und sehr viel Spaß machte.





Witzigerweise schien die Sonne der Horror-Legende dann direkt auf der Bühne ins Gesicht, was dann doch etwas bizarr anmutete bei der sehr dämonischen und luziferisch gestalteten Bühnenshow. Er selbst meinte zu Beginn Schon: "The sun is melting me". Hätte vielleicht in der Dunkelheit mit viel Nebel und Lichtshow doch besser gewirkt. Aber apropos MERCYFUL FATE – mit „Come To The Sabbath“ und „Evil“ spielte man auch zweite Songs seiner anderen Band, die neben den uralten KING DIAMOND Songs "The Family Ghost" (1990) und "Sleepless Nights" (1989) eine wahrlich gute Figur machten. Mit "Shapes Of Black" servierte man auch noch einen Song vom zuletzt veröffentlichten Werk "Give Me Your Soul... Please", während "Black Horsemen" gefolgt vom Outro "Instanity" das Set souverän beendete.





Setlist KING DIAMOND:

The Candle
Welcome Home
At The Graves
Up From The Grave
Voodoo
Let It Be Done (Intro)
Dreams
Sleepless Nights
Drum Solo
Shapes Of Black
Come To The Sabbath (MERCYFUL FATE)
Eye Of The Witch
-
The Family Ghost
Evil (MERCYFUL FATE)
-
Black Horsemen
Insanity (Outro)

Somit war der erste Tag des TUSKA 2013 Geschichte und wir waren mehr als zufrieden mit dem Dargebotenen. Die Bandauswahl war abwechslungsreich und qualitativ hochwertig, der Sound bei allen Bands gut, bis Klasse und die Veranstaltung selbst ließ keine Wünsche offen.

…was tut man nun nach einem umfangreichen Tuska-Festivaltag mit Highlights wie KING DIAMOND, AMORPHIS oder BOLT THROWER, wo der Abend mit 22:00 Uhr doch noch so jung ist? Genau, man geht auf ein Konzert!




FOTOS + E-CARDS
www.tuska-festival.fi

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Beitrag vom 09.07.2013
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