MASTERS OF ROCK 2013 - TAG2: DEVIN TOWNSEND PROJECT   RAGE & LINGUA MORTIS   THE 69 EYES   PRONG   ELVENKING   AUDREY HORNE   NEONFLY  
12.07.2013 @ Areál likérky Jelínek

Tag zwei ist angebrochen und halbwegs ausgeschlafen und gut gelaunt freuten wir uns auf weitere Highlight und Überraschungen dieses Festivals, denn mit dem LINGUA MORTIS ORCHESTRA und DEVIN TOWNSEND als Headliner stand uns schon einiges bevor, aber auch die Newcomer NEONFLY und die immer wieder starken AUDREY HORNE erwarteten uns heute.

Auf die Briten NEONFLY war ich schon extrem gespannt. Mit den Power Metallern kam ich im Vorjahr auf dem Masters Of Rock zum ersten Mal in Kontakt. Die sympathischen Jungs gaben dort bereits eine Pressekonferenz und spielten auf der Second Stage auf. Zu ihrem und wie sich heuer rausstellen sollte, auch meinem Leid, bekam die Band einen Slot parallel zu FREEDOM CALL zugeteilt. Die Veranstalter waren aber anscheinend so angetan von den Engländern, dass sie prompt für 2013 einen Mainstage Slot einheimsten.





Die Truppe rund um Frontmann Willy Norton stand nicht mal drei Minuten auf der Bühne und hatte das Publikum schon fest im Griff. Die Zuschauerzahlen waren für die Uhrzeit enorm und das tschechische Publikum begeistert. Mit ihren unverschämt eingängigen Hymnen „Ship With No Sails“ oder meinem aktuellen Lieblingssong der Band „Morning Star“ vom Debüt „Outshine The Sun“ zeigten NEONFLY was sie auf dem Kasten haben und dass sie sich nicht vor Genregrößen zu verstecken brauchen. Praktisch auch, dass sich die Songs bereits nach der Hälfte super mitsingen lassen. Stimmlich war Willy top und die Gitarristen Frederick Thunder und Patrick Harrington beschossen sich mit starken Riffs und abgefahrenen Soli. Aber auch die neuen Songs (das dazugehörige Album erscheint 2014), unter denen sich zum Beispiel „Heart Of The Sun“ und "Better Angels" befand, machten Lust auf mehr. Apropos Lust, mit zwei luftig angezogenen Blondinen, die mit Feuer und Funken rumspielten, versuchte man die Zuschauer noch weiter anzustacheln. Passt zwar vielleicht nicht gerade zur sonst recht energischen Power Metal Show, war aber für manch Zuschauer sicher nett anzusehen, nötig aber nur bedingt, denn NEONFLY lassen eindeutig vor allem die Musik für sich sprechen und könnten nach DRAGONFORCE das nächste große Ding aus England sein. Warten wir´s ab.
[maxomer]





Setlist NEONFLY:

Broken Wings
The Enemy
Ship With No Sails
A Gift To Remember
Better Angels
Whispered Dreams
The Revenant
Spitting Blood
Heart Of The Sun
Morning Star

Danach durften die italienischen Folk-Power Metaller ELVENKING auf dem tschechischen Festival debütieren. Auch ich kam noch nicht in den Genuss, ein Konzert dieser Truppe live zu erleben. Die Alben „Wyrd“ (2004) und „The Winter Wake“(2006) gefielen mir eigentlich ganz gut. Auch das aktuelle Werk „Era“, welches natürlich ausgiebig mit „I Am The Monster“, „The Loser“ und „Through Wolf´s Eyes“ vorgestellt wurde klingt recht ordentlich. Das restliche Set war eine gemischte Reise durch die Diskografie. Optisch, mit einer Art Kriegsbemalung und passendem Outfit präsentierten sich ELVENKING souverän, doch musikalisch wollte der Funke einfach nicht überspringen. Zwar mühten sie sich ab und feuerten die Fans an, doch der etwas matschige Sound und die doch eher episch angehauchten Songs, wollten live nicht so ganz funktionieren. Solide war das Ganze aber trotzdem.
[maxomer]





Setlist ELVENKING:

Trows Kind
I Am The Monster
Runereader
The Loser
To Oak Woods Bestowed (Intro)
Pagan Purity
The Divided Heart
Through Wolf´s Eyes
Neverending Nights
The Winter Wake


Nach dieser wirklich gelungenen Leistung war bereits das nächste Highlight vorprogrammiert. Die Rocker AUDREY HORNE durften bereits, und immer im Abstand von zwei Jahren, zum dritten Male das Masters Of Rock beehren. Mit 16:20 hatten sie außerdem ihren bisher besten Slot ergattert, musste man in den Vorjahren gegen Mittag schon auf die Bühne. Verdient haben es sich die sympathischen Norweger sowieso, denn die drei Gigs, die ich von ihnen erleben durfte, hatten es immer in sich. Von den immer wieder mehr als starken Alben brauchen wir gar nicht erst reden. Naja, vielleicht doch – wenigstens das aktuelle Werk „Youngblood“ hat eine Erwähnung verdient, denn zum einen stellt dieses einen kleinen Umbruch in noch rockigere und klassische Gefilde dar, zum anderen bestand der Großteils des Sets aus Songs von diesem. Teils schade, ja denn Klassiker gibt es auch schon genug in zehn Jahren Bandgeschichte, Aber Toschi, der coolerweise auch in den Graben zu den Zuschauern sprang, um mit denen zu feiern, und seine Männer glänzten auch mit ihrer neuen Single „Redemption Blues“, „Pretty Little Sunshine“ und dem schlichten aber starken „There Goes A Lady“. Agil und spielfreudig wie eh und je zogen sie mit ihrer sympathischen Art die Zuschauer trotz des heißen Nachmittags und mit der Sonne im Gesicht, auf ihre Seite und machten Lust auf mehr, denn die gute Stunde ging einfach viel zu schnell zu Ende. Ein weiterer Wermutstropfen war auch, dass AUDREY HORNE das Megaphon zu Hause vergessen haben.
[maxomer]





Setlist AUDREY HORNE:

Redemption Blues
Youngblood
Show And Tell
Pretty Little Sunshine
Card With The Devil
There Goes A Lady
This Ends Here
Firehose
Threshold
Blaze Of Ashes
Straight Into Your Grave

Mit PRONG hatte ich mich bisher noch nicht wirklich beschäftigt, doch das coole Zombiebanner im Hintergrund und das angenehme Wetter zogen mich dann doch vor die Bühne. Das US-Amerikanische Trio bestehend aus Sänger und Gitarrist Tommy Viktor, Bassist Tony Campos, der sich auch gerne mal ins Fangetümmel bzw. den davor liegenden Fotograben schmeißt und dem Mann an den Drums Alexei Rodriguez hat seinen Stil irgendwo zwischen KORN und NINE INCH NAILS gefunden. Seit Mitte der 80er zieht Tommy als einziges verbliebenes Original-Mitglied über die Bühnen der Welt, um die Fans musikalisch zu begeistern. Bei mir gelang das nur teilweise, zwar brachten die Jungs einen fetten Sound auf die Bühne doch die Stimme des Fronters klang mir zu süßlich. Solider Auftritt, doch nicht ganz mein Stil. Dennoch, die Zuschauer gingen zu Songs wie "Revenge Best Served Cold", "Snap Your Fingers, Nap Your Neck" oder "Beg To Differ", die auch Metallern, die sich mit den Amis noch nicht sonderlich beschäftigten, bekannt sein sollte, sehr schon ab und auch die Stimmung war trotz enormer Hitze sehr gut. Außerdem wurde so für mehr musikalische Abwechslung an dem Tag gesorgt.
[AndyVanHalen]



(Foto by Sabine / Moremetal)


Setlist PRONG:

For Dear Life
Beg To Differ
Unconditional
Lost And Found
Cut-Rate
Rude Awakening
Revenge... Best Served Cold
Broken Peace
Carved In Stone
Whose Fist Is This Anyway?
Snap Your Fingers, Nap Your Neck
Power Of The Damager


Als nächstes durften finnische Sleaze- und Gothic-Rocker von THE 69 EYES die Bühne entern. Und wie sie das taten. Der Bursche am Mikro mit dem klingenden Namen Jyrki 69 ist die geborene Frontsau. Mit cooler Sonnenbrille und der Joey Ramone Gedächtnisfrisur ausgestattet agierte er über die Bühne und animierte selbst Angetrunkene zum Mitfeiern. Stimmlich werde ich immer wieder an den Meister der „Lamourhatscher“ Chris Isaak erinnert, ein bisschen Elvis klingt ebenfalls durch. Als Highlight wäre die Nummer „Brandon Lee“ zu erwähnen, die mir am besten gefiel und bei der Bazie an der Gitarre zeigen konnte was er kann. THE 69 EYES waren also nicht nur optisch eine Bereicherung für das diesjährige MoR.
[AndyVanHalen]





Aktuell kursieren ja unzählige Lobesreden um das LINGUA MORTIS ORCHESTRA Album “LMO”. Wem dieser Name bekannt vorkommt, der sollte auch schnell wissen worum es sich handelt, denn eigentlich würde ich dieses Projekt eher als RAGE & Friends + Orchester bezeichnen. Frühere Auftritte und Alben wie „Speak Of The Dead“ (2006) oder „XIII“ (1998) mit Orchester firmierten einfach unter dem Namen RAGE und ließen Mastermind und Gitarrenvirtuose Viktor Smolski seine klassische Ader ausleben. Somit traf an diesem Abend heftiger Heavy Metal der Marke RAGE auf orchestrale und klassische Musik. Mit dabei waren als LINGUA MORTIS ORCHESTER getarnt, das tschechische Philharmonie-Orchester, die beiden Sängerinnen Jeannette Marchewka und Dana Harnge, sowie Ex-METALLIUM Fronter Henning Basse, die das Trio kräftig unterstützten. Klar, dass die Bühne hier bis zum Anschlag voll war und eine ganz eigene Atmosphäre entstand.





Während die beiden Sängerinnen eher überflüssig waren und von der Performance her recht steif wirkten, war es interessanterweise gerade der Dirigent, der richtig abging und für Stimmung auf der Bühne sorgte. Peavy, Viktor und André waren eh in guter Form wie immer und Henning gab sich redlich Mühe mit dem RAGE Fronter mit zu halten, was ihm auch gelang. Zwar klopfte das Ensemble einige RAGE Klassiker wie „From The Cradle To The Grave“, oder „Straight To Hell“ runter, interessanter waren aber natürlich die neuen Songs vom LMO Album. „Cleansed By Fire“ und „Scapegoat“ wetterten gleich bombastisch, aber bandtypisch heftig von der Bühne runter. Ruhigere Momente gab es aber dann doch mit Teilen der „Suite Lingua Mortis“. Ich durfte die deutsche Truppe schon mehrmals live erleben, doch was sie hier abzogen, übertraf mit Abstand alles bisher da gewesene. Hut ab vor dem Mut und der intensiven Arbeit die sich Viktor Smolski und seine Truppe da angetan haben. Wir waren begeistert. In Kürze wird das ganze Spektakel nochmal bei der XTreme Heavy Night in Österreich zu erleben sein. Nicht verpassen! Außerdem erscheint „LMO“ am 2. August.
[maxomer]





Setlist RAGE feat. LINGUA MORTIS ORCHESTRA:

Cleansed By Fire (LMO)
From The Cradle To The Grave
Scapegoat (LMO)
The Devil´s Bride (LMO)
Empty Hollow
Lament (LMO)
Prelude Of Souls
Innocent
Depression
No Regrets
Witches´ Judge (LMO)
Straight To Hell

Beim Headliner des Tages war ich etwas skeptisch, hat der verrückte Metal Professor HeavyDevy mit seinem DEVIN TOWNSEND PROJECT auf seinen letzten Alben doch viel zu ruhige und langatmige und teils recht belanglose Töne angeschlagen. Man nehme da das Heavy Pop Album „Addicted“ oder das Psychedelic-Werk „Ki“, das unscheinbare „Ghost“ oder das aktuelle und abwechslungsreiche „Epicloud“, in dem es „back to the silent roots“ ging. Die Bandbreite des Kanadiers ist also enorm. Außerdem hat der Meister ja mit „Ziltoid The Omniscient“ und seinen Jahren bei STRAPPING YOUNG LAD so manch Klassiker geschaffen. Im Vorfeld erfuhren wir, dass man bei diesem Auftritt auf den zweiten Gitarristen Dave Young verzichtete. Da konnte man natürlich skeptisch sein, ob Devin, Basser Brian Waddel und Drummer Ryan van Poederooyen die opulente Musik auf die Bühnen transportieren können.





Und was soll ich sagen, Devin blies von der ersten Minute nicht nur alle Zweifel aus meinen Gedanken, sondern auch alles andere an die Wand. Der Soundwand vom DEVIN TOWNSEND PORJECT war unmenschlich. Perfekt auf die Bühne transportiert. Keinen Plan, ob Devin hin und wieder mal SYL Songs live präsentiert, aber auf dem MoR mussten wir darauf verzichten, was aber nicht weiter störte, denn auch „Truth“ oder „War“ von seinen Solo-Platten ließen trotz opulenten Keyboards aus der Dose nichts an Brutalität missen. Mit „By Your Command“ schoss man auch schon recht bald einen „Ziltoid“ Song raus, bei dem sich auch das Maskottchen vom Artwork zeigte. Etwas ruhiger, aber nicht weniger intensiv präsentierte sich „Where We Belong“. Obwohl der Fronter ans Mikro gefesselt war, nutzte er jede freie Sekunde, um über die Bühne zu fegen und richtig abzugehen, was den Fans sichtlich gefiel. Die Grimassen, die Mister Townsend ununterbrochen zeigte, hatten außerdem einen großen Unterhaltungswert.
[maxomer]





Für mich war das DEVIN TOWNSEND eine der größten Überraschungen auf dem Masters Of Rock und ich freue mich auf weitere Konzerte dieses außergewöhnlichen Musikers.


Setlist DEVIN TOWNSEND PROJECT:

Truth
By Your Command
Life
Deadhead
Where We Belong
War
Planet Of The Apes
Supercrush!
Kingdom
Juular
Liberation
More!
Grace
Bad Devil

Eigentlich sollten nun THE EXPLOITED die Bühne entern, doch stattdessen gab es eine mir komplett unbekannte Band aus Schottland namens CERTAIN DEATH. Im Netz konnte ich absolut nichts Brauchbares zu dieser Band finden, denn die beiden gefundenen Truppen namens CERTAIN DEATH aus Schweden und der USA sind andere und nicht mehr existente Bands. Angeblich soll aber einer der EXPLOITED Mannen bei dieser Band aktiv sein. Nun gut, so oder so war das Rumgehopse und Gepose der beiden stark im Hardcore verwurzelten Sänger absolut lächerlich. Stimmungskanonen durften sich die Bandmitglieder vielleicht nennen, aber der uninspirierte Hardcore, ließ mich eigentlich sehr flüchten. Ein absolut unpassender Abschluss nach so vielen starken Auftritten.
[maxomer]





Noch ein paar Schnäpschen vom Jelinek geschlürft und schon ging es ab ins Bett um für Tag 3 fit zu sein, denn vier Tage Festival gehen natürlich stark an die Substanz.


FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

maxomer
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Beitrag vom 25.07.2013
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