METAL INVASION OPEN AIR 2013 - TAG2: ANNIHILATOR   MORGOTH   EKTOMORF    NAGLFAR   DECAPITATED   HATESPEHERE   DEBAUCHERY   GODDAMNED X    THE MORPHEAN   
03.08.2013 @ Spital am Semmering

Obwohl es in der Nacht gut abgekühlt hat, war bereits am Vormittag wieder von apokalyptischen Wetter-Zuständen zu sprechen. Dementsprechend lagen oder saßen die Besucher des Metal Invasion am frühen Vormittag schon außerhalb ihrer unfreiwilligen Zelt-Sauna unterm mitgebrachten Pavillon oder zwischen Bäumen. Dementsprechend verirrte sich wirklich nur eine kleine Hand voll vor die Bühne um UNHALLOWED und den Death Metaller SUICIDE die Ehre zu erweisen. Wir trauten uns auch nur kurz zur Mittagsstunde rauf auf den Hügel, um die Salzburger THE MORPHEAN zu sehen.

Die sympathischen Jungs, die irgendwo zwischen Modern Metal, Death Metal und Metalcore liegen, gaben trotz brütender Hitze Vollgas. Auch sie hatten das Leid, dass sich nur wenige Leute vor die Stage verirrten und die, die das taten, stellte sich teilweise sogar Bierbänke vor die Absperrung zum Fotograben. Aber, dass THE MORPHEAN, die vorrangig neues Material, das demnächst in Form eines neuen Albums erscheinen wird, präsentierten, trotzdem gut ankamen, merkte man daran, dass sich die Metaller von ihren schattigen Plätzchen im hinteren Teil vor die Bühne bemühten und somit doch eine kleine Meute bildeten.





Setlist THE MORPHEAN:

Manic Hate
Show Your Scars
Mechanical
A Sinners Life
Crossroad
Bastard Machine


Die Black Metaller NIGHTFOREST aus der Steiermark, in der wir uns ja bekanntlich befanden, sparte ich mir um etwas Kraft zu tanken und mich vor Sonnenbrand, Dehydrierung und Hitzeschlag zu schützen. Es folgten GODDAMNED X, die nach dem Tod ihres Sängers Will im vergangenen Jahr eigentlich zu Grabe getragen wurden, aber dank ihrer Verbundenheit mit dem Kaltenbach Open Air ließen sich die Herren doch nochmal einladen. Mit Original-Sänger Helmut Lechner gaben die Wiener also ihr wahrscheinlich letztes Konzert und überzeugten mit ihrem groovigen Death Metal auf ganzer Linie.

Letztes Jahr schon am Metal Invasion in Straubing und im Vorprogramm von ACCEPT, konnte ich mir ein Bild von STEEL ENGRAVED, die hier absolut nicht ins Billing passen wollten, machen. Die Heavy Metaller waren mit Abstand die melodischste Truppe des Festivals und konnte die Death/Thrash Fans eher weniger überzeugen. Warum man die Herren hier unbedingt ins LineUp quetschen musste, ist mir etwas schleierhaft.

Gut, wir freuten uns nun auf DEBAUCHERY, die mit „Kings Of Carnage“ tags zuvor ihr neues Werk unter die Leute brachten. Davon gab es natürlich auch gleich reichlich Material mit Premieren in Form von „Demonslayer“ und „Let There Be Blood“. Dann wurde natürlich mehrmals dem „Blood God“ gehuldigt und groovender Death Metal mit viel Rock´N´Roll Attitüde geboten. Eigentlich gefielen mir die Auftritte von Thomas Gurrath und seinen Mannen immer recht gut, aber an diesem Tag wollten sie einfach nicht zünden. Blutverschmiert und in nicht gerade gemütlich aussehender Lederrüstung schwitzte sich Thomas tapfer durchs Set, musste aber interessanterweise die komplette Gitarrenarbeit alleine übernehmen. Das könnte einer der Gründe sein, warum ich mich einfach nicht so begeistern konnte wie zuvor, denn irgendwo fehlte hier die Soundwand. Gut, Spaß hat das Ganze aber trotzdem gemacht, der Bühnenauftritt war ja auch optisch mit blutigen Nackedei-Mikro-Ständern ganz nett anzusehen. Außerdem spürte man, dass sich DEBAUCHERY in den letzten Jahren fleißig eine große Fangemeinde in Österreich erspielt haben.





Setlist DEBAUCHERY (unvollständig):

Demonslayer
Let There Be Blood
Zombie Blitzkrieg
Back In Blood
Warmachines At War
Blood For The Bloodgod
Blood God Rising


Danach ging es nicht minder zimperlich zu. Die Thrash Metal Veteranen HATESPHERE hatten es bekanntlich nie wirklich leicht. Spätestens mit dem Abgang von Jacob Bredahl im Jahr 2007 wurde es richtig turbulent. Ersatzsänger und Jungspund Joller machte es nicht lange in der Band und so manch anderer Wechsel musste vollzogen werden. Die Alben der letzten Jahre hatten dann hier und da auch ein paar Durchhänger. Aber mit Esben „Esse“ Hansen wurde 2010 ein würdiger Ersatz gefunden und so konnten Pepe und seine Mannen aus der Dänemark Vollstoff am Metal Invasion geben, was sie auch taten und prompt Moshpits erweckten. Nackenbrecher wie „The Coming Chaos“ oder „Deathtrip“ brauchen nicht großartig beschrieben werden, denn wer die Band kennt weiß, dass er nach einem Gig der Dänen am nächsten Tag Eisbeutel für sein Genick benötigt. Wer das verpasst hat, braucht aber nicht traurig sein, denn mit „Murderlust“ erscheint bald der achte Schlag von HATESPHERE, worauf sicher wieder eine ausgedehnte Tour folgen wird.

Nicht minder brutal ging es im Anschluss mit den kopflosen Death Metallern DECAPITATED weiter. Viele verzupften sich aber irgendwo in den Schatten, um etwas Energie zu tanken, sodass sich wieder eine eher überschaubare Anzahl an Fans vor der Bühne einfand. Trotzdem gaben die Tech-Metaller aus Polen so ziemlich alles und begeisterten die Genre-Fans.

Kompromisse wurden auch bei NAGLFAR nicht wirklich gemacht, auch wenn man sich nun stilistisch komplett auf anderen Pfaden bewegt, als es die vorher auftretenden Acts taten. Auch wenn ich mit der immer fest posenden Band nach dem dritten Anlauf nichts anfangen kann, bin ich an diesem Tag mit der Abwechslung im LineUp absolut zufrieden. Death/Thrash/Black und sogar Heavy Metal gab es ja schon. Fans von NAGLFAR konnten mit diesem intensiven und brutalen Black Metal Auftritt absolut zufrieden sein und das zeigten sie mit lautem Jubel auch.





EKTOMORF waren ja einst eine etwas nervige Angelegenheit, denn man konnte sich kein Festival oder größeres Tourpackage ansehen, ohne auf die Ungarn zu treffen. Durch ihre starke Ähnlichkeit mit SOULFLY, die mittlerweile leicht abgenommen hat, war das eigentlich schnell langweilig. Nachdem sich Zoli Farkas und seine Männer in den letzten Jahren etwas rar gemacht haben, machte die Show am Metal Invasion dann doch wieder mehr Spaß. Fast durchgehend mit Vollstoff drückten die Tribal-Thrasher ihr Material aus den Boxen und waren absolut nicht darauf aus Gefangene zu nehmen. Gut gelaunt und mit viel Freude präsentierte sich Zoli stimmgewaltig und forderte die Meute immer mehr zum Ausrasten, Moshen und Mitbrüllen auf. Bei so einfach gestrickten Bangern wie „I Know Them“, „Gypsy“ oder „Outcast“ war es aber auch keine Kunst, die Leute zum Durchdrehen zu bringen.






Setlist EKTOMORF:

Black Flag
Unscarred
Gypsy
Show Your Fist
I´m In Hate
Set Me Free
You Leech
United Nations
Last Fight
I Know Them
I Choke
Outcast

Es wurde Zeit für echten Old-School Death Metal, wie uns der Frontmann der Death Metal Legende MORGOTH Marc Grewe, der einmal mehr mit seinen grün leuchtenden Augen auf sich aufmerksam machte, mehr als einmal in Erinnerung rief. Es sollte zwar zwei Songs lang dauern, bis er uns fragte, ob hier denn Old-School Death Metal Fans seien, aber meine Wette um ein Bier habe ich dadurch gewonnen. Nachdem wir nun wussten, warum wir hier waren – nämlich wegen Old-School Death Metal, bekamen wir diesen auch in bester Manier geboten. Seit 2011 sind die Herren aus Meschede wieder unterwegs und sorgen für heftige Live-Shows mit allerlei Klassikern wie „Unreal Imagination“ oder „Resistance“. Neue Songs oder gar ein Nachfolger des 1995er Werkes „Feel Sorry For The Fanatic“, lassen aber nach wie vor auf sich warten. Macht aber nichts, denn mit so vielen alten Nackenbrechern, bekommt man schon so manch Pit zustande.





Schön langsam ging die Sonne unter, doch kühler wurde es nicht, aber trotz gut 35° im Schatten, kamen immer mehr Leute vor die Bühne und freuten sich auf die schwedischen Melodic/Modern Deather SOILWORK. Schon am Tuska erfreuten die Mannen mit einer tollen Show voller Elan und Hits. Mit „Spectrum Of Eternity“ oder „Tongue“ haben die Herren rund um Frontbulle Björn „Speed“ Strijd, der in den letzten Jahren etwas an Umfang gewann, ein paar neue Kracher am Start, aber am meisten freuten sich Fans der alten Tage über die Klassiker „Follow The Hollow“ und „Like The Average Stalker“, welche leider die einzigen Songs waren, die vor 2005 entstanden sind. Auf der Bühne ging es während der Show richtig rund, denn David Andersson, Sylvain Coudret und vor allem Ola Fink, der ohne seinem Rauschebart nun um gut zehn Jahre jünger aussieht, rauschten quer über die Bühne und zeigten enorme Freude an der Show, die mit „Stabbing The Drama“ schon nach gut 60 Minuten die Bühne für den Headliner des Tages frei machten.





Setlist SOILWORK:

This Momentary Bliss
Parasite Blues
Weapon of Vanity
Like the Average Stalker
Spectrum Of Eternity
Follow the Hollow
Tongue
Nerve
Let This River Flow
Long Live the Misanthrope
Rise Above the Sentiment
Stabbing the Drama


Wie sehr freute ich mich schon auf ANNIHILATOR... lange war es ja jetzt ruhig um den charismatischen Kanadier, Gitarren-Wizard Jeff Waters und seine Kollegen, Gitarristen und Sänger Dave Padden, die in den letzten Jahren zum dynamischen Metal-Duo wurden. Und ich sollte keine Sekunde enttäuscht werden. Zwar begann man mit der neuen „Smear Campaign“ etwas verhalten, da das Teil natürlich noch keiner kennen konnte, aber mit dem nachgeschobenen Überkracher „King Of The Kill“, den Jeff Waters selbst sang, war die Welt wieder in Ordnung. Schön zu sehen, dass neben Jeff und Dave auch Bassist Alberto Campuzano noch in der Band überlebt hat, was ja bei ANNIHILATOR nicht so einfach ist, so ist an den Drums mit Mike Harshaw wieder ein neuer Mann an Bord, vor dem womöglich schon jeder dritte Kanadier einmal bei ANNIHILATOR getrommelt hat. Egal, nicht nachdenken – feiern! „Betrayed“ und „Clown Parade“ zeigten Dave nicht nur in bester Laune, sondern auch bei bester Stimme, während Jeff Grimassen zog und über die Bühne hampelte, als wäre er ein Jungspund, der seine ersten Auftritte absolvierte. Man merkt einfach, wie viel Freude der Mann immer noch an seiner Arbeit hat. Die grandiose Setlist ließ nicht viele Wünsche offen und überraschte sogar durch einen neuen Song vom kommenden Album „Feast“. „No Way Out“ reihte sich mühelos in die Riege der Hits und stellte sich als flotter Kracher heraus.





Weiter ging es mit typischen Live-Granaten wie „Time Bomb“, „Set The World On Fire“ und „W.T.Y.D.“, welches sowieso nicht fehlen dürfen, während man mit „No Zone“ und „Fiasco“ eher seltene Live-Gäste spielte, machten aber ebenso Spaß und sorgten für reichlich Abwechslung. Richtig laut wurde es aber gegen Ende mit dem Überhit „The Fun Palace“ und „I Am In Command“, während „Alison Hell“ als letzter und größter Höhepunkt gesehen werden konnte. Hier wechselten sich Jeff und Dave genial im Gesang ab und feuerten sich gegenseitig Riffsalven und Soli entgegen.






ANNIHILATOR gehören nicht umsonst zu den größten Thrash Institutionen auf unserem Planeten. Dieser Auftritt hat einmal mehr gezeigt, dass Jeff und Dave eine unschlagbare Macht auf der Bühne sind und nach wie vor verdammt viel Spaß dabei haben.

Setlist ANNIHILATOR:

Smear Campaign
King Of The Kill
Betrayed
Clown Parade
No Way Out
Time Bomb
Ultra-Motion
Set The World On Fire
W.T.Y.D.
No Zone
Fiasco
The Fun Palace
Alison Hell


Auf die folgenden und abschließenden Blackies von ENTHRONED hatten offensichtlich nicht mehr viele Leute Lust, denn die Zuschaueranzahl reduzierte sich schlagartig und so verabschiedete ich mich auch bereits nach nur wenigen Songs.

Das Metal Invasion Open Air 2013 war ein wirklich gemütliches Festival im kleineren Rahmen – sehr familiär. Ein paar mehr Besucher hätten es schon sein dürfen, aber vielleicht fehlten diese aufgrund des gleichzeitig stattfindenden Wacken Open Air. Da macht sich jemand die Mühe in Österreich wieder ein ordentliches Festival aufzuziehen und dann gehen gerade die, die am meisten jammern, dass sich nichts tut, nicht hin. Hoffentlich gibt´s im nächsten Jahr dieses kleine, aber feine Festival wieder, denn zu bemängeln gab es wahrlich nicht viel.


Zum Abschluss noch ein Video-Report im Rahmen von OffstageTV:

http://www.youtube.com/watch?v=IUpVxjWtWQ8


FOTOS + E-CARDS
www.metal-invasion-festival.de

maxomer
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Beitrag vom 07.08.2013
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