TANKARD   FOUR IN A CAGE   MORTAL STRIKE  
12.10.2013 @ Szene

Nach gefühlten 100 Jahren (in Wirklichkeit waren es nur vier) verirren sich die Frankfurter Biermetaller endlich wieder mal in unsere Gefilde. Grund genug sich auf den Weg in die Szene nach Wien zu machen, bereit für eine Dosis deutschen Thrashs.

Den Anfang machten die lokalen Thrasher von MORTAL STRIKE, die mit ihrem schön old-schooligen, leicht rumpeligen Thrash die schon gut gefüllte Halle von Anfang an fest im Griff hatten. Im vorderen Drittel der Halle begleitete ein permanenter Moshpit die ziemlich agressive aber trotzdem sehr eingängige Performance der Band. Vor allem die Songs des aktuellen Albums, allem voran "Unleash The Hounds Of War" (mit coolem mitgröhl Refrain) und "Here Comes The Tank" sind Nackenbrecher erster Güte und machen es dem Zuschauer unmöglich ruhig dazustehen. Hier muss man unweigerlich mitbangen, ob man will oder nicht.





Zum Höhepunkt der Show wurde allerdings der Gastauftritt von TANKARDs Gerre bei "Es geht rund", wobei auch eine Strophe des Eintracht Frankfurt Songs "Schwarz Weiß wie Schnee" zum Besten gegeben wurde. Hat wie der gesamte Song Spaß gemacht und war eine perfekte Überleitung zum Abschluss des Sets - "Es gibt kein Bier auf Hawaii", welches in der ONKEL TOM Version noch mal so richtig für Stimmung sorgte. Alles in Allem eine wirklich sehenswerte Show einer lokalen Thrashband, von der man in Zukunft sicher noch so einiges hören wird.

Die darauf folgenden Niederösterreicher FOUR IN A CAGE hatten es dann schwer das Publikum bei Laune zu halten, auch weil sie stilistisch nicht so recht ins Programm passen wollten. Etwas Metalcore hier, etwas Thrash da, angereichert mit klassischen Metalelementen und einer großen Portion TRIVIUM - so könnte man den Stil der Jungs wohl am treffendsten beschreiben. Allerdings will diese Mischung nicht so recht zünden, auch wenn alle in der Band gute Musiker sind und das auch eindrucksvoll unter Beweis stellten. Trotzdem präsentieren sich die Songs ziemlich sperrig und auch gesanglich gibts da noch so einige Schwachstellen, speziell bei den melodischeren Parts und das Metalcore-typische Geschrei ist eher nervig. Top hingegen die Leistung bei den etwas tieferen, agressiven Parts. Trotz allem eine Band mit Riesenpotential, die, wenn sie sich mehr auf eine Stilrichtung konzentrieren würde, sicher von sich reden machen kann.





Nach kurzer Umbaupause und melodischem Intro war es dann endlich soweit, die hessischen Biervernichter stürmten die Bühne und starteten furios mit "Zombie Attack" und "Time Warp" in einen wahnsinnig energiegeladenen Set voller Klassiker und neuerem Material. Die gut gefüllte Szene war von Anfang an am Toben und Sänger Gerre hatte die Meute voll im Griff. Die Frankfurter fütterten das Publikum mit feinsten Thrashhappen wie "The Morning After", "Stay Thirsty", "Rapid Fire", "Chemical Invasion" oder "Die With A Beer In Your Hand" und das Publikum fraß ihnen dankbar aus der Hand, was sich in einem permanenten Moshpit und allgemein ausgelassener Stimmung manifestierte.

Die Band selber war auch permanent in Bewegung, allem voran Gerre, der wie eine Mischung aus Derwisch und Rumpelstilzchen über die Bühne rannte und sprang und alle Anwesenden dazu animierte Vollgas zu geben, was auch gelang. Als Dank dafür wurde er von der ersten Reihe mit Bier und Jägermeister versorgt (seinem Gesichtsausdruck zufolge nicht sein Lieblingsgetränk). Kurze Verschnaufpausen gabs nur bei den zeitweise ziemlich coolen und witzigen Ansagen, wie zum Beispiel vor "Not One Day Dead" - "Uns gibt es nun seit 31 Jahren. 31 Jahre schlechtes Aussehen, 31 Jahre keinen Erfolg - und ihr seid dabei. Vielen Dank Leute, aber worauf wir schon ein bißchen stolz sind ist, dass wir uns nicht einen Tag aufgelöst haben. Uns hats immer gegeben - Not one day fucking dead !" Auch dass "Rectifier" immer als einzige Ballade angekündigt wird sorgt für Schmunzeln, ist es doch so ziemlich der schnellste TANKARD Song aller Zeiten.





Natürlich durften auch die Songs des aktuellen Albums nicht fehlen. "Rapid Fire" ist ohnehin ein Liveknaller in allerbester TANKARD Manier, aber auch das etwas langsamere "Metal Ladyboy" und "A Girl Called Cerveza" machen live ziemlichen Spaß. Speziell die Tanzeinlage mit einer Zuschauerin vor "A Girl Called Cerveza" war durchaus witzig und der Gesichtsausdruck der Dame war unbezahlbar als Gerre sie fragte, ob der Kerl da unten ihr Freund sei. Auf die bejahende Antwort folgte ein knappes "jetzt nicht mehr". Total cool und zum Tränen Lachen.

"Freibier", das in keiner TANKARD Setlist seit Jahren fehlt, beendete dann viel zu bald das reguläre Set. Die Menge war immer noch am Toben und so dauerte es nicht allzu lange bis sich die Band zu den Zugaben erneut auf die Bühne begaben. "Alien", "A Girl Called Cerveza" und das obligatorische Schlussstück "Empty Tankard" forderten allen Beteiligten noch einmal alles ab. Leider war danach wirklich Schluss, ließ aber ohne Ausnahme zufriedene Fans zurück.





Setlist Tankard:

Zombie Attack
Time Warp
The Morning After
Need Money for Beer
Not One Day Dead (But One Day Mad)
Octane Warriors
The Beauty And The Beast
Slipping from Reality
Stay Thirsty!
Rapid Fire (A Tyrant's Elegy)
Rules For Fools
Maniac Forces
Die With A Beer In Your Hand
The Metal Ladyboy
Space Beer
Rectifier
Chemical Invasion
Freibier
-
Alien
A Girl Called Cerveza
(Empty) Tankard


TANKARD geben live immer alles und präsentieren sich dabei extrem sympathisch und haben sich somit ihren Kultstatus und die immer weiter wachsende Fangemeinde mehr als nur verdient. Sollte sich die Band irgendwann mal in eure Nähe verirren zögert nicht hinzugehen. Hier kann man nichts falsch machen - saucooler Thrash der ohne Ende Spaß macht.
www.tankard.info

Tom
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Beitrag vom 21.10.2013
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