LEPROUS   BLINDEAD   CONXIOUS  
18.10.2013 @ Replugged

Die Norwegischen Avantgarde Progressive Metaller LEPROUS sind leider immer noch so etwas wie ein Geheimtipp, doch die zuletzt veröffentlichten Werke „Bilateral“ und „Coal“ zeigen, dass das Quintett absolut Potential zu mehr hat. Intensivität wird bei dieser außergewöhnlichen Band groß geschrieben. Auf Tournee mit AMORPHIS vor knapp zwei Jahren und am diesjährigen Tuska Festival zeigten die Männer, dass sie diese dichte Atmosphäre auch mühelos auf die Bühne transportieren können bzw. diese sogar noch zu steigern vermögen. Da war die Headliner-Tour mit Stopp im Wiener Replugged also Pflicht.

Den Abend eröffnen durften die Wiener CONXIUS, die auf jeden Fall dem Rock zugeordnet werden können, doch irgendwie fiel es mir schwer nach ein paar gehörten Songs, die Truppe, die seit 1991 unterwegs ist, wirklich genauer einzuordnen. Recherchen zu Folge lassen sich die Wiener von Prog-Rock Legenden wie YES, FATES WARNING oder DREAM THEATER inspirieren. Durch den Wegfall der Keyboards sind direkte Vergleiche auch nicht zu ziehen. Einfache Kost spielen CONXIOUS definitiv nicht. Das Publikum im Replugged war aber größtenteils begeistert und feierte ein knappe halbe Stunde mit den Lokalmatadoren. Eröffnung also geglückt.





Auch die düsteren Rocker von BLINDEAD wollten sich so gar nicht in eine Schublade stecken lassen und boten melancholischen Rock mit Herz und Seele. Die Polen passten somit schon eine Ecke besser zum Headliner und überzeugten von der ersten Minute an, auch wenn so manch Song stilistisch etwas ausriss und man zwischendurch kurz glaubte, man befinde sich nun auf einem anderen Konzert, was aber wiederum einen gewissen Reiz ausmachte. So fand man neben Dark Rock, auch Doom, gewisse Post-core Anteile so wie Prog-Elemente wieder. Auf jeden Fall ein Erlebnis für alle Sinne und Musik auf die man sich einlassen sollte, um sich 100% zu entfalten.





Es sollte etwas länger dauern als geplant, bis die Norweger endlich den kleinen, halbwegs gut gefüllten Saal betraten und gleich großen Jubel ernteten. Ohne Umschweife stiegen Frontmann und Keyboarder Einar Solberg und seine Kollegen in das lange und intensive Set ein. Die Reise startete mit einem ausführlichen Trip durch das aktuelle Werk „Coal“. Doch Songs wie das eröffnende „Foe“, welches mit seinen „Ahahahaaa“-Passagen durch Mark und Bein geht, das überlange, aber dennoch etwas eingängigere „The Valley“ oder das heftige „Chronic“ zeigen die Band abwechslungsreich, stark und äußerst intensiv. Leicht verdaulich ist das wahrlich nicht, doch wirklich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Verstärkt wurde das Ganze noch durch eine gelungene visuelle Komponente. Denn neben dem passenden, aber den Umständen entsprechend recht starren Stageacting auf der viel zu kleinen Bühne, brachten LERPOUS eine tolle Lichtanlage und vier LCD-TVs mit Visuals mit. Gut, die Sinnhaftigkeit hinter den Bildern kann angezweifelt werden, denn da trafen Oliven und Karotten auf Hämmer, Ketten auf Wind, viel zu viel Lippenstift auf unappetitliche Münder und vieles mehr. Eine künstlerische Komponente kann man dem aber nicht absprechen und so verstörend die Bilder oft waren, so waren sie irgendwie auch absolut passend.





Auch der Sound im Replugged ließ mich wunschlos zurück. Vor allem der saftige Basssound von neuem Mann Martin Skrebergene beeindruckte mich von Anfang an. Auch die Keyboardklänge von Einar, der immer mal wieder beim Spiel und Gesang ausrastete, waren glasklar zu hören. Einziger technischer Defekt betraf einen der TVs, der irgendwann mal spontan den Geist aufgab, was dem Ganzen aber nichts anhaben konnte.





Erst beim fünften Song „Restless“ schwenkte man zum ersten Mal in die Vergangenheit, nämlich zu „Bilateral“. Der locker beginnende Song sorgte für eine kurze Verschnaufpause ehe es mit „Thorn“ wieder richtig anstrengend wurde. Die Norweger hielten sich nicht lange mit Ansagen und Pausen auf, sondern ließen die Songs für sich sprechen und hielten mühelos die dichte Atmosphäre und melancholische Stimmung aufrecht. Weiter ging es mit dem vielschichtigen und meist recht flotten „Forced Entry“ und dem 9-Minüter „Echo“ und „Contamine Me, bei dem Einar Solberg, der stimmlich sowieso schon alles gab, seine Stimme aufs Äußerste strapazierte. Nach gut 90 Minuten verließen die Herren unter lautem Jubel die Bühne, ließen aber nicht lange auf sich warten. Zum ersten Mal gab es ein paar mehr Worte von der Band und man zündete den ersten und einzigen Hit vom zweiten Werk „Tall Poppy Syndrom“: „Passing“ stand dem bisher Gebotenen absolut in Nichts nach und sorgte einmal mehr für Gänsehaut. Es war schon weit nach Mitternacht, doch ans Aufhören dachte das norwegische Gespann noch immer nicht und mobilisierte letzte Reserven mit dem brutalen „Waste Of Air“.





Setlist LEPROUS:

Foe
The Valley
Chronic
The Cloak
Restless
Thorn
Forced Entry
Coal
Acquired Taste
Echo
Contamine Me
-
Passing
Waste Of Air

Trotz meiner großen Müdigkeit gegen Ende der Show wollte ich keine Minute der knapp 110 Minuten Show von LEPROUS missen. Tor Oddmund Suhrke, Einar Solberg, Øystein Landsverk, Tobias Ørnes Andersen und Neuzugang Martin Skrebergene sind wahre Meister ihrer Instrumente und verwandelten diesen Abend bzw. diese Nacht in ein intensives, unvergessliches Erlebnis mit unzähligen Höhepunkten und keinen Schwächen. Das muss man unbedingt erlebt haben.


FOTOS + E-CARDS
www.leprous.net

maxomer
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Beitrag vom 22.10.2013
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