ROTTING CHRIST   TWILIGHT OF THE GODS   NEGURA BUNGET   IMPLODE   SPARTAN   
20.10.2013 @ ESCAPE Metalcorner

Bei manchen Bands fragt man sich ja hin und wieder wirklich, warum sie in Österreich auf solche Klein- bist Kleinstbühnen gesteckt werden, wie eben jene im berüchtigten Wiener Escape. Zugegebenen, diese Intimität hat schon dann und wann mal etwas für sich und seit die hiesigen Tontechniker eine erfreuliche Serie am Laufen haben, auch schwierigen Bands einen gelungenen Sound zu verpassen, ist’s eigentlich immer eher ein Grund zur Freude Bands im Escape sehen zu können und nicht im, sagen wir mal, Gasometer, auch bekannt als manifestierter akustischer Alptraum. Dass aber solche altgedienten Herren wir ROTTING CHRIST und die Heavy Metal „Supergroup“ TWILIGHT OF THE GODS keine größeren Hallen füllen, trifft einen dann halt schon ein bisschen im Herzen. Nun gut, die Ausstattung der Musiker fand dieses Mal zum Glück auch tatsächlich auf der Bühne Platz und sehr zur allgemeinen Erleichterung, spielten die versprochenen Bands dann auch tatsächlich. Das ist leider beim Escape in letzter Zeit nicht immer der Fall gewesen, aber das nur am Rande, um meinem Unmut über die Spontanabsage von NILE endlich einmal Luft zu verschaffen.

Den Auftakt machten die Herren von SPARTAN vor einem Publikum, das man wohl leider mit einer Hand abzählen konnte. Zu solchen unchristlichen Zeiten, also alles vor 20 Uhr, ist das aber eher das Schicksal jeder lokalen Eröffnungskapelle. Bemüht wurde ein kurzes Set für die Interessierten dargeboten, während die folgende Band, IMPLODE, bereits am anderen Ende des Raumes mit den Instrumenten in der Hand in den Startlöchern scharrte. Diese erklomm dann auch behände die Bühne um für den wohl größten Stilbruch des Abends zu sorgen, was bei dem eher abwechslungsreich gestalten Tour-Billing eigentlich recht beachtlich ist. Den Altersschnitt rissen sie, gemeinsam mit SPARTAN, auch ziemlich nach unten, was aber wiederum weniger verwunderlich war. Am nacktem Oberkörper und der modischen Kurzhaarfrisur des Sängers konnte man die Death-Core Richtung bereits vor den ersten Akkorden erahnen, aber nun gut, Stereotype kommen manchmal auch nicht von ungefähr. Technisch gesehen lieferten die jungen Herrschaften von IMPLODE eine recht tadellose Leistung ab, lediglich der Entschluss die Basstrommel zu triggern und so stark hervor zu mischen war nicht unbedingt der beste. Erbarmungslos wurde jeder noch so kleine Fehler hörbar, aber das fällt zumeist nur zufällig anwesenden Hobby-Musikern im Publikum auf. Richtig zünden wollte die Stimmung nicht, dafür war das Publikum wohl auch zu rar gesät und die Aussicht auf experimentellen Ambient Folk Black Metal auch nicht unbedingt der größte Motivator sich der ‚corigen‘ Aggressivität hinzugeben. So ging es dann die folgenden 30 Minuten dahin bis NEGURA BUNGET anfingen, sich auf der Bühne breit zu machen.






Zwar begann sich der Publikumsbereich langsam zu füllen, auf der Bühne kam dann aber doch deutlich mehr Masse auf den Quadratmeter. Neben den obligatorischen großkalibrigen Gitarren- und Bassverstärkern, dem doppelt bebasstrommelten Schlagzeug, einem Keyboard und der Handvoll für das Metalgenre eher ungewöhnlichen Instrumenten, fanden dann tatsächlich noch fünf Personen auf eben dieser Bühne Platz zum Stehen. Mit einem guten Sound versorgten NEGURA BUNGET das versammelte Publikum mit sehr stimmigen Klängen, wobei natürlich genug Flöten und Tröten genauso zum Einsatz kamen wie hübsch verzierte hängende Bretter zum Rhythmus-Klopfen. Das ganze Unterfangen war streckenweise von nicht unerheblichem logistischem Aufwand begleitet. So mussten Gitarristen und Bassisten als Halterung für ein überlanges Blasinstrument herhalten. Den Widrigkeiten kleiner Bühnen zum Trotz wurden die wenigen Lieder, die in den 45 Minuten untergebracht werden konnten, routiniert zum Besten gegeben und auch an diesem Abend sollte es ein wirklich sehenswerter Auftritt einer immer wieder sehenswert Band werden.





Mit TWILIGHT OF THE GODS erklomm dann wie erwähnt ein regelrechtes „All-Star“-Ensemble der Black und Pagan Metal-Szene die Bühne. Ursprünglich als BATHORY Tribute-Band gegründet und umher gereist, hatte man nun auch ein von Kritikern gelobtes Album im Gepäck. Songs wie „Destiny Forged In Blood“ oder „Preacher Man“ hatten live noch einmal viel mehr Pepp, was nicht zuletzt an der technisch tadellosen Umsetzung lag. Alan Averill, auch bekannt als Frontmann der irischen Band PRIMORDIAL, schien einen guten Tag erwischt zu haben und brillierte vor allem in den hohen Stimmlagen über die ganze Länge des Sets. Untermal natürlich mit seiner gewohnt theatralischen Gestik, von Zeit zu Zeit durch den Griff zur Flasche Shiraz unterbrochen. Währenddessen war Nick Barker hinter Amps und seinem Drumkit versteckt und groovte treffsicher vor sich hin. Obwohl die Arbeit mit TWILIGHT OF THE GODS eigentlich körperlich merkbar entspannter sein sollte als die Blast-Orgien von LOCK-UP, GOD SEED oder DIMMU BORGIR, schien es um seine Fitness nicht so gut bestimmt zu sein. Von den wenigen Blicken, die man von ihm erhaschen konnte zu urteilen, bewegte er sich eher konstant an der Grenze zum Herzinfarkt. Zum Glück blieb allen Anwesenden ein solcher medizinischer Notfall aber erspart und bei guter Stimmung im inzwischen gut gefüllten Keller lieferte man einen tadellosen Auftritt. BATHORY-Stücke wurden übrigens keine zum Besten gegeben, dafür ging sich das eigene Album „Fire On The Mountain“ in den circa 50 Minuten zur Gänze aus.





Setlist TWILIGHT OF THE GODS:

Destiny Forged in Blood
Children of Cain
Preacher Man
Sword of Damocles
At Dawn We Ride
The End of History
Fire On The Moutain

Gegen Ende des Abends waren dann ROTTING CHRIST für einen erfolgreichen Abschluss verantwortlich. Der gute Sound und der gefüllte Keller untermauerten die gute Atmosphäre, die die altgedienten griechischen Black Metaller gekonnt aufzogen. Einzig die Gitarrenleads gingen manchmal etwas unter, was aber der einzige Wermutstropfen bleiben sollte. Unterhaltungen mit dem Publikum wurden in nicht-ganz-so-korrektem und streckenweise auch gar nicht so leicht verständlichem Englisch geführt, woran sich aber auch niemand wirklich stieß. Die melodiegetragenen Songs der neueren Alben fügten sich mit alten, deftigeren Nummer zu einer sehr abwechslungsreichen Playlist zusammen, die die meisten Anwesenden auch zufrieden zu stellen schien. Natürlich gibt’s bei dem beachtlichen Schaffenskatalog von ROTTING CHRIST etliche nicht erfüllte Liederwünsche, aber das liegt eben in der Natur der Sache.





Setlist ROTTING CHRIST:

666
Kata ton Demona Eautou
Athanati Este
King of a Stellar War
The Sign of Evil Existence
Transform All Suffering Into Plagues
Societas Satanasv (THOU ART LORD cover)
In Yumen-Xibalba
The Sign of Prime Creation
Grandis Spiritus Diavolos
Non Serviam
Noctis Era
Archon

Eine Stunde lang wurde ohne Schnitzer gute Unterhaltung geboten. Es wird mir aber wohl weiterhin ein Rätsel bleiben, warum manche Bands auch im Escape darauf bestehen die Bühne vor der geplanten „Zugabe“ zu verlassen. Kann diese Treppe zum Backstage-Bereich am Ende der Bühne wirklich so gemütlich sein, dass man sich freiwillig über die gerammelt volle Bühne zu ihr durch kämpft? Man wird es wohl nie erfahren. Ein schöner Abend war es aber trotzdem.

www.rotting-christ.com

Asator
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Beitrag vom 04.11.2013
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