SATYRICON   CHTHONIC  
01.12.2013 @ Arena

Fast fünf Jahre hat es gedauert, dass es das altgediente norwegische Black Metal Duo SATYRICON wieder nach Wien verschlägt. Damals, 2008, hatte man mit SHINING und DARK FORTRESS noch sehr eurozentrische Verstärkung im Boot. Verglichen dazu ging es dieses Jahr mit den Taiwanesen von CHTHONIC ungleich exotischer zu. Werbungstechnisch lief aber so einiges schief und irgendwie erfuhr man erst durch das Kartonschild des auf Konzerten omnipräsenten Augustinverkäufers unserer Herzen davon, dass dort mit CHTHONIC eigentlich eine gar nicht so unbekannte Vorband an diesem Abend aufspielte. Und noch dazu war es das erste Mal, dass man CHTHONIC in Wien zu sehen bekam.

Wie bei einer mehr oder weniger unangekündigten Vorband zu erwarten ist, war der Saal nicht unbedingt zum Bersten gefüllt als die Bühne erklommen wurde. Das ganze Unterfangen wirkte auch etwas cybergrothesk, wobei das zu großen Teilen dem Helm des Keyboarders geschuldet war, gespickt mit einem Sammelsurium von Waschmaschinenschläuchen wirkte das auf eine etwas bizarre Weise sogar ein bisschen futuristisch. Als musikalische ist wahrscheinlich das Hybridgenre Dark Metal mit folkloristischen Elementen als Beschreibung geeignet. So ein bisschen was von exotischen CRADLE OF FILTH lag ohnehin in der Luft, wenn Vokalist Freddy Lim im Hochfrequenzbereich zu Kreischen begann. Im Gegensatz zu Good Ol‘ Mr. Filth gelang ihm das live aber auch tadellos, lediglich seine kurzen Zwischenspiele auf der Erhu gingen im Klang-Wirrwarr unter. Gegen Ende des Sets füllte sich der Saal zunehmend und scheinbar fand das Wiener Publikum Gefallen an den raren Gästen, die sich in den 35 Minuten gut verkauften und dafür im Anschluss am Merchandise-Stand des öfteren vor die Linse gebeten wurden.





Die Umbauphase zu SATYRICON fiel dann etwas länger aus, wovon man aber irgendwie auch ausgehen musste. Nach der für die hiesige Bar wahrscheinlich sehr umsatzstarken gefühlten halben Stunde offenbarte sich auf der Bühne das für die Norweger typische Bild. Frosts imposantes Drumkit thronte bedrohlich über allem und Satyrs Trident-Mikrophonhalter taugt auch als Blickfang. Eröffnet wurde dann mit dem Intro „Voice Of Shadows“, dass auch das aktuelle Album einläutet. Frost, dieser Tage mit einer etwas altbackenen Bartkreation zu bestaunen, bezog ohne sich wirklich sehen zu lassen hinter seinem Schlagwerkstellung und sollte dahinter auch nicht so schnell wieder zum Vorschein kommen. Satyr, anfangs noch mit Gitarre bewaffnet, schritt wieder mit langer Mähne die eigens auf der Bühne aufgebauten Stufen herab, damit der ganze Einzug auch schön durchchoreographiert war. Interessanterweise wurde dem Intro dann nichts vom aktuellen Schaffenskatalog der Band nachgelegt, sondern legte mit „Hvite Krists Død“ einen überraschenden Zeitsprung in die traditionellere Black Metal Ära hin. Ein Problem, dass sich dann auch über das ganze Set hinweg fortsetzen sollte, waren die chronisch zu leise gemischten Gitarren. Vor allem bei schnellen Nummern gingen sie im Blast- und Bassgewitter unter, wodurch man gezwungen war sich die Gitarrenlinien aus der Erinnerung in den Kopf zu rufen. Dennoch war das Publikum von Anfang an voller Elan bei der Sache und meldete sich von Zeit zu Zeit sehr lautstark zu Wort. Ein augenscheinlich gut gelaunter Satyr wurde gegen Ender der Show dann sogar mit einem Werbe-T-Shirt bedacht beziehungsweise beworfen. Er nahm’s mit Humor und meinte lediglich, dass er sich selbstverständlich über Werbung und Flyer freue, denn schließlich fährt man 20 Jahre durch die Weltgeschichte und spielt Black Metal nur um sich von Zeit zu Zeit zu denken „Gott sei Dank, ein Flyer! Genau das was ich jetzt brauche!“.





Die gute Stimmung im Publikum und die unerwartet lauten Zugabeforderungen des Wiener Publikums veranlassten die Band nach der von vornherein eingeplanten Zugabe „K.I.N.G.“ und „Mother North“ noch einmal die von den Roadies bereits davon getragenen Instrumente zurück zu verlangen und das auf dieser Tour kaum gespielte, aber nicht minder hörenswerte „Fuel For Hatred“ zu intonieren. Als Belohnung bekam dann Satyr dann auch seinen gewünschten Moshpit und wieder einmal langanhaltenden Applaus.

Setlist SATYRICON:

Voice Of Shadows
Hvite Krists Død
Now Diabolical
Black Crow On A Tombstone
Our World It Rumbles Tonight
Nekrohaven
Possessed
Tro Og Kraft
Wolfpack
Infinity Of Time And Space
To the Mountains
The Pentagram Burns
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Mother North
K.I.N.G.
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Fuel For Hatred

Alles in allem, ein sehr starkes Lebenszeichen von SATYRICON, die ihre Live-Qualitäten wieder einmal eindrucksvoll unterstrichen.



FOTOS + E-CARDS
www.satyricon.no

Asator
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Beitrag vom 11.12.2013
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