UNZUCHT   YOUR ARMY   VLAD IN TEARS  
30.11.2013 @ Backstage

2009 gegründet und sehr liveaktiv waren UNZUCHT Anfang 2013 mit ihrem im Vorjahr erschienen Debütalbum “Todsünde 8”, das schnell auf den 3. Platz der deutschen alternativen Charts wanderte, bereits einmal im Backstage in München zu Gast. Diesmal nicht in der Halle wie bei ihrer ersten gemeinsamen Co-Headliner-Tour mit LORD OF THE LOST, sondern in dem kleinen und feinen Club des Backstage gaben sich die deutschen senkrechtstarter UNZUCHT, im Rahmen ihrer ersten alleinigen Headliner-Tour “Rosenkreuzer” die Ehre. Diesen Herbst, kurz nach dem Erscheinen ihrer neuen und somit zweiten Scheibe, die den gleichen Namen wie ihre derzeitige Tour trägt, konnten sie die geplanten Tourtermine durch die positiven Reviews schnell verdoppeln. Somit geht das unzüchtige Schauspiel im Jänner 2014 weiter, leider ausschließlich in Deutschland.

Mit im Gepäck hatten sie als Support VLAD IN TEARS aus Italien, die den Abend eröffneten und sichtlich Freude und Spaß mitbrachten, aber meiner Meinung nach den Genrenamen Gothic-Metal nicht ganz erfüllen, da massive Einflüsse auch aus dem Bereich Glamrock mitgeschwungen sind. Ob gut oder nicht sei dahingestellt, mich haben sie nicht überzeugt. Allerdings konnten sie einige anwesende Fans zum Mitrocken bringen, was wahrscheinlich dem Bassisten zu verbuchen ist, da dieser eher als Frontman wirkte, als der Sänger und mit seinem Lachen und seiner Präsenz viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Eine Band die noch zusammenwachsen muss, in der aber durchaus Potential steckt.





YOUR ARMY haben anschließend übernommen und die wahnsinns Stimme der Frontfrau Lucy Caffrey musste einen einfach mitreißen. Anfangs war sie noch etwas zurückhaltend, aber mit jedem weiteren Song legte sich dies und sie rockte den Club. Die einzelnen Instrumente wurden in einem sehr schönen wechselnden Spiel teilweise einzeln hervorgehoben, um dann sofort wieder zu einem stimmigen Konglomerat zu verschmelzen. Je mehr sie selbst auftauten, umso mehr stieg die Stimmung und übertrug sich auf die Besucher des Clubs, was gut an den immer mehr in die Höhe gestreckten Händen zu sehen war. Leider waren der Sound im Gesamten zu laut um ein gutes laut-leise Spiel heraus hören zu können, was die Tatsache, dass der Schlagzeuger sein Instrument mit regelrechter Gewalt malträtierte auch nicht besser machte. Nicht falsch verstehen, er versteht sein Handwerk durchaus, aber es wirkte nicht, da es einfach zu laut war. Weiters waren die Mikros des Gitarristen und des Schlagzeugers so leise eingestellt, dass man sie gleich hätte weglassen können.





Die Tontechnik lies etwas zu wünschen über, was sich zu meinem Bedauern auch bei den Headlinern nicht bessern sollte. Zwar waren sie nicht mehr ganz so laut und übersteuert, aber laufend mussten sie, die Mikros betreffend, Zeichen geben, dass diese angepasst werden sollen. Zum Glück hat dies ihrer Darbietung keinen Abbruch getan.

Während des Intros zu “Rosenkreuzer” haben die Jungs von der UNZUCHT dann die Bühne in aller Ruhe betreten und als die Stimme des Frontsängers Der Schulz: “Wir kommen mit euch durchzudrehen” tönte, rissen sie die Besucher des vollen Backstageclubs in ihren Bann. Schnell zeigte sich, dass sie innerhalb des letzten Jahres, als ich sie das erste Mal live gesehen habe, weiter gewachsen sind und viel an Souveränität dazu gewonnen haben, auch wenn dieser Gig mit nicht ganz so viel Power begonnen hat, was wohl daran liegt, dass das neue Album “Rosenkreuzer” etwas melancholischer und dunkler ist als ihr Debütalbum “Todsünde 8“, trotzdem aber die unverkennbare Unterschrift der UNZUCHT trägt. Die Stimme des Sängers war bei den ersten zwei Songs etwas belegt und zwischendurch sang er sie sich immer wieder mit purer Kraft frei, dennoch hielt er bis zum letzten Titel tapfer durch, bei dem man dann doch merkte, dass der Frost draußen offensichtlich seinen Tribut verlangt hat.

Spätestens als dann die ersten Songs aus dem Album “Todsünde 8” kamen, begannen die Fans dann wirklich mit der UNZUCHT durchzudrehen und die Jungs rockten die Bühne. Der Schulz riss mit seinem offenen freundlichen Lachen jeden Einzelnen im Club mit, Fuhrmann am Schlagzeug zeigte wieder einmal sein Können und trug kraftvoll in perfekten Zusammenspiel mit Blaschke am Bass zur tragenden Dynamik bei. De Clercq, der die tiefen gecrowlten Passagen am Mikro und mit der Gitarre den melodischen Part übernimmt, durfte sich am Ende noch über ein Sprühbad eines Fans erfreuen. Da er selbst einige Wasserladungen spuckender Weise über die Leute verteilt hatte, war dies wohl die Retourkutsche, die er durchaus mit Humor nahm und alle zum Lachen brachte.





Bei dem Titel “Nur Die Ewigkeit“, der auf Amazon gratis zu downloaden ist, flutete Zuneigung und offenes Gefühl wie eine Welle auf die Bühne. Wie die Fans alle wissen ist dieser Song einem verstorbenen Freund, Hagen, gewidmet und trägt viel von den Gefühlen der Band an ihre Fans weiter. Schnell wurde die Melancholie aber wieder aufgelöst und es ging unzüchtig weiter. Bei dem Titel “Unzucht” verursachte der Sänger selbst eine kleine Panne, die ihm ein Lachen kostete, aber nicht aus der Ruhe brachte, indem er sich das Kabel seines Mikros aussteckte, genau zu dem Zeitpunkt, als er De Clercq ansingen wollte mit der Textpassage “Du bist der geile Fasan, vor Eitelkeit ganz braun gebrannt, …”, aber es ist schön so etwas zu sehen, denn spätestens jetzt wissen auch Zweifler, dass sicher alles live ist. Bei der ersten Zugabe kam dann endlich die “Kleine Geile Nonne” und ab diesem Zeitpunkt kam sogar in die Leute auf der Galerie Leben, die bis zu diesem Zeitpunkt zu unserem Amüsement beigetragen haben, da wir uns wunderten wie man bei so schwungvoller, tragender Musik so ruhig bleiben kann. Selbst Besucher, mit denen ich gesprochen habe, die nur durch Zufall zu diesem Konzert gekommen sind, konnten UNZUCHT in ihren Bann ziehen und haben in ihnen neue begeisterte Fans gefunden. Ihr erster Weg nach dem Konzert führte zum Merchstand, um die UNZUCHT Alben zu erstehen. Letzten Endes kamen die Jungs insgesamt drei Mal heraus um Zugaben zu spielen und ein fantastischer Konzertabend wurde mit “Engel Der Vernichtung” beendet. Erst jetzt fiel mir zugegebener Maßen auf wie voll der Club tatsächlich geworden war, dass die Leute bis zum Eingang standen und dass einige Besucher des EISREGEN Konzerts, das in der Halle drüben lief, zur UNZUCHT übergelaufen waren.
www.unzucht-music.com

Scatoelfen
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Beitrag vom 14.12.2013
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