MARDUK   GRAVE   DEATH WOLF   VALKYRJA   CRITICAL SOLUTION   
17.12.2013 @ ESCAPE Metalcorner

Eigentlich ist es ja noch gar nicht solange her, dass die schwedischen Black Metal Urgesteine von MARDUK das Wiener Escape gemeinsam mit IMMOLATION aufmischten. Etwas mehr als ein Jahr, um etwas präziser zu sein. War damals noch das Release des aktuellen Album „Serpent Sermon“ der Anlass zur Tournee, war es dieses Mal das 20-jährige Jubiläum des 1993er Albums „Those Of The Unlight“, die es nun zu zelebrieren galt. Und da das nicht genug war, beschloss man so nebenbei auch das berüchtigte „Panzer Division Marduk“ in voller Länge zu intonieren. Insofern boten sich ja natürlich sehr viele militärische Analogien und Metaphern an, um die Werbetrommel für das Konzert zu rühren, von wegen die Panzer Division überrollt Europa und so. Bedenkt man, dass das gesamte Band-Ensemble, also GRAVE, DEATH WOLF und VALKYRJA alle mitsamt aus Schweden kommen, hätte man eigentlich auch gleich auf die Schwedischen Streifzüge durch im Dreißigjährigen Krieg durch Europa verweisen können, aber damals gab’s noch keine Panzer und das ist dann was das Marketing betrifft wahrscheinlich auch nicht so sexy.

VALKYRJA erklommen bereits um 19:15 Uhr in voller Black Metal Montur, also mit Corpse Paint, Killernieten und Patronengürtel, die kleine Wiener Kellerbühne. Vor anfangs noch etwas spärlichem Publikum, was bei dieser Uhrzeit aber leider auch zu erwarten war, ging man technisch tadellos ans Werk um eine durchaus imposante Show zu bieten. Jetzt gibt es zwischen VALKYRJA und WATAIN (ebenfalls Black Metal aus Schweden) schon auf den Tonträgern musikalische Parallelen, dass aber auch Bühnenoutfits und auch die auf der Bühne zur Schau getragene Theatralik in der Darbietung der Lieder von Seiten des Sängers ziemlich an die Kollegen erinnern, kam dann doch etwas überraschend. So ein bisschen WATAIN, aber etwas schneller und abzüglich des dick aufgetragenen Okkultismus, der Kerzen und den Ritualen. Eine schwarze Messe wurde also nicht zelebriert, dafür konnte man sich dank des guten Klanges im Raum schön in den interessanten Kompositionen verlieren. Ein bisschen mehr Bass hätte nicht geschadet, aber man kann leider nicht alles haben. Der Auftritt an sich schien durchdacht und angefangen vom Verhalten bei den eingespielten zwischen Tracks (natürlich ruhig mit dem Rücken zum Publikum) bis zum wortlosen Abgang von der Bühne war auch alles penibel einstudiert. Für Publikumsinteraktion blieb in den 35 Minuten also kein Platz, was aber von den Publikumsreaktionen nach den Songs zu schließen aber scheinbar niemanden juckte.






DEATH WOLF waren im Anschluss dann der Stilbruch des Abends. Technische Probleme während der Umbauphase verkürzten ihre Spielzeit aber leider merklich. Die Uneinigkeit zwischen den Bühnentechnikern, welcher Kanal nun für das Mikrofon am Gitarrenverstärker zu wählen sei zog sich merkbar in die Länge, alles wie gesagt auf Kosten der Spielzeit. Schlussendlich bekam aber doch alles auf die Reihe und so konnte man im Escape doch noch den bildhübschen Vollbart des Sängers bestaunen. Der Auftritt ging zwar spielerisch ohne merkbare Schnitzer von statten, der Großteil des Publikums konnte aber mit der (wie mich Wikipedia wissen lässt) Mixtur aus Horror Punk und Heavy Metal nicht gänzlich warm werden. Kurzweilige Unterhaltung war es alle mal, aber der Rahmen war dafür nicht der richtige.






Auch bei GRAVE sollte in der Umbauphase nicht alles so reibungslos klappen, aber immerhin fing der Spaß wieder wie im Zeitplan vorgesehen an. Eröffnet wurde die Show dann wie das aktuelle Album „Endless Procession Of Souls“, nämlich mit dem Intro „Dystopia“ und dem treibenden „Amongst The Marble And The Dead“, womit eigentlich von Anfang an in den Reihen des Publikums für gute Stimmung gesorgt war. Ohne großen Schnick-Schnack wurde puristisch Death Metal der alten Schule gespielt. Manchmal wurde vielleicht eine Grimasse geschnitten um dem bösen Charakter der Musik Ausdruck zu verleihen, aber das war’s dann eigentlich auch schon wieder. Bewegen kann man sich auf der kleinen Bühne im Escape ja ohnehin nicht. Die Setlist war gut durchmischt und lieferte einen guten Querschnitt durch das Schaffenswerk von GRAVE, wobei wirkliche Überraschungen zwar einerseits ausblieben, aber dann auch wiederum keine Wünsche offenblieben. Das infernale „Into The Grave“ setzte dann den Höhepunkt zum Schluss und mit einem Stadion-Finish, wie man so schön sagt, wo Sänger Ola Lindgren noch Dank ins Mikrofon grölte und Bassist Fredda sein Instrument in Lemmy’scher Manier wie ein Gewehr hielt.





Für die Hauptattraktion des Abends wurde die Bühne dann nicht zimperlich eingenebelt, was zusammen mit dem Umstand, dass die Luft im gesteckt vollen Raum – da ausverkauft – ohnehin schon nicht mehr sehr reichlich vorhanden war, für ein gar nicht so angenehmes Raumklima gesorgt hat. Ein subtiles Intro, das die halbe Umbauphase im Hintergrund durchlief und im Prinzip nur aus einer Schlacht-Geräuschkulisse mitsamt Jagdbomber Tiefflug-Samples, was vermutlich, auf die bevorstehende Schlacht (im übertragenen Sinne) vorbereiten sollte. Das ganze wurde halt von dem Störgeräusch, dass der Bassverstärker produzierte etwas übertönt, insofern konnten wahrscheinlich ohnehin nur die ersten zwei Reihen dieses Intro wahrnehmen. Aber spätestens als dann „Panzer Division Marduk“ als Auftakt hingehämmert wurde, war es dann eh allen egal. In der Album-Reihenfolge wurde dann ein brachialer Song nach dem nächsten gespielt. Wobei vor allem das Eröffnungs-Trio „Panzer Division Marduk“, „Blood Dawn“ und „Christraping Black Metal“ sorgte für Furore im Publikum. Dennoch möchte ich festhalten, dass Moshen bei einem Black Metal Konzert so genau genommen nicht geht und schon gar nicht, wenn es offensichtlich drei Personen sind, die auf diese Idee kommen und alle anderen im Umkreis eher ziemlich genervt von dem herumgehopse sind. Aber nun gut, das wäre ja alles nicht so schlimm, aber wenn man dann noch mit prolligem Herumboxen anfängt, während man sich in lauschende Menschen hineinwirft, dann hat man sich wirklich wegen Genreverfehlung disqualifiziert. Setzen, fünf! Gehen Sie wieder zurück zu ihren Metal Core Konzerten und hopsen und prügeln sich dort die Seele aus dem Leib. Es gibt auch bei Metal Konzerten so etwas wie Etiquette und adäquates Verhalten.





Nach der Panzer Division gab’s dann eine kurze Verschnaufpause für Musiker und Publikum bevor es mit „Those Of The Unlight“ wieder hart auf hart weiter ging. Selbstredend war der ganze Auftritt technisch tadellos und auch der Sound war, wie schon das letzte Mal auch im Escape, sehr gelungen. Die Blastbeats saßen genauso wie die Gitarrensoli und Mortuus schien stimmlich in Höchstform zu sein. „Darkness Breeds Immortality“, „Burn My Coffin“, „On Darkened Wings“ und „Wolves“, alles Lieder denen bemerkenswerte Live-Qualitäten innewohnen. Man könnte jetzt einwenden, dass durch die Übernahme der Reihenfolge der Lieder von der jeweiligen CD die Setlist des Überraschungscharakters beraubt und somit für Langweile sorgen könnte, nur würde man diesen Einwand sofort als vollkommen unbegründet wieder an den Kopf zurückgeworfen bekommen. 20 Jahre später und vor den eigenen Augen und Ohren vorgetragen ist die Interpretation des jeweiligen Liedes ohnehin eine gewisse Überraschung für sich. Nach etwas mehr als einer Stunde ging es dann ohne Zugabe, aber unter Beifall von der Bühne. Alles in allem eine wirklich gelungene Jubiläumsshow, in der zwei Klassiker der Black Metal Musikgeschichte gebührend gefeiert wurden. MARDUK und das Escape scheinen eine sehr bewährte Kombination zu sein.
www.escape-metalcorner.at

Asator
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Beitrag vom 13.01.2014
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