SEPULTURA   LEGION OF THE DAMNED   FLOTSAM AND JETSAM   MORTILLERY  
20.02.2014 @ Rockhouse

Die brasilianische Thrash-Legende hat schon so einige Höhen und Tiefen hinter sich und auch das aktuelle Werk „The Mediator Between The Head And The Heands Must Be The Heart“ spaltete erneut die Fangemeinde. Doch eines kann man den Süd-Amerikanern nicht vorwerfen – nämlich, dass sie des Tourens müde werden. In sehr regelmäßigen Abständen beehren Bandboss Andreas Kisser, Fronthüne Derrick Greene und ihre Kollegen unsere Region und sind auch auf Festivals keine Seltenheit.

Für diese Tour bastelten sich SEPULTURA ein wirklich fettes, abwechslungsreiches und brutales Package, denn mit LEGION OF THE DAMNED als Thrash/Death Act der brutalsten Sorte, den legendären Herren von FLOTSAM AND JETSAM und der Jung-Thrash Formation MORTILLERY war für einen spannenden Abend gesorgt.

Den Abend eröffneten die Kanadier MORTILLERY, die den sich stetig füllenden Saal mit ihrer rohen und energiegeladenen Mischung aus NWOBHM und Thrash von Anfang an gut unterhielten. Die ziemlich einfach gestrickten Songs kommen zwar ohne große Überraschungen und Highlights aus, machen aber durchaus Spaß und versetzen einen zurück in die 80er Jahre und rumpeln stellenweise genauso unbeholfen dahin wie bei vielen Bands aus der damaligen Zeit, was der Qualität aber keinen Abbruch tut sondern eher viel nostalgisches Flair verbreitet. Einflüße von SLAYER, JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN, THE ACCUSED und ZNÖWHITE verbinden sich mit coolen, eingängigen Riffs und dem abwechslungsreichen Gesang von Sängerin Cara McCutchen, die in allen Belangen zu überzeugen wußte, egal ob Klargesang, Thrashgeshoute oder tiefen, leicht grölendem Gesang. Besonders überzeugend war der neue Song "Radiation Sickness", der das Zeug zu einer echten Metalhymne hat. Die drei Jungs und zwei Mädels hinterließen einen durchaus guten Eindruck aber nach sechs Songs wars dann aber auch schon wieder vorbei.

Murder Death Kill
Sacrifice
Despised by Blood
Radiation Sickness
No Way Out
Voracious Undead


Richtig gespannt war ich im Anschluss auf FLOTSAM AND JETSAM. Als Legende gelten die Herren schon seit Ewigkeiten, sagen hierzulande aber nur den wenigsten etwas, ich konnte auch nicht herausfinden, wann sie das letzte Mal in unserer Gegend waren und ob überhaupt schon in Österreich zu sehen. Vielleicht weiß der eine oder andere aber, dass ein gewisser Jason Newsted (Ex-METALLICA) für die Gründung 1981 mitverantwortlich war. Abgesehen von ihm ist die Band aber heute sogar wieder in Original-Besetzung und überraschte zuletzt durch zwei wirklich gelungene Alben („The Cold“ und „Ugly Noise“), die zwar einen guten Schritt vom Thrash weggangen, aber trotzdem durchwegs gefielen. Als neuesten Release bekamen wir dieses Jahr eine gelungene Neueinspielung vom 1988er Klassiker „No Place For Disgrace“.





Live zeigte sich der sichtlich gealterte Eric A.K. sehr stark und energisch, sie hatten aber das Publikum nie wirklich auf ihrer Seite. Man muss aber auch zugeben, dass die teils überlangen Songs der Band nicht immer die eingängigsten sind und man sich live etwas schwer tut, sollte man mit dem Material nicht wirklich vertraut sein. Dennoch holzten die Amerikaner so manch geilen Beat gen Publikum und ernteten Applaus und anerkennendes Nicken. Die Setlist von F&J war sehr abwechslungsreich und so sprang man in Material der fast drei Dekaden immer mal hin und her. Da erfreute natürlich der Beginn mit „Hammerhead“ vom 1986er Debüt oder auch das aus den 90ern stammende „Swatting At Flies“. Zwar konnte das teils etwas eingängigere Material von „Ugly Noise“ durchaus Anklang finden, doch gerade die Old-School Fans freuten sich dann über einen Schwenk zurück zur ersten EP. Gegen Ende stülpte sich, warum auch immer, Eric noch eine Art Spartaner-Helm über den Kopf und verabschiedete das Publikum mit dem Titeltrack des kürzlich neu veröffentlichten Albums. Alles in allem konnten mit FLOTSAM AND JETSAM zwar nicht ganz so überzeugen wie erhofft, doch bleibt mir dieser Auftritt sehr positiv in Erinnerung und ich hoffe sie trauen sich bald mal wieder in unsere Nähe.





Setlist FLOTSAM AND JETSAM:

Hammerhead
Iron Tears
Swatting At Flies
P.A.A.B.
Motherfuckery
Gitty-Up
I Live You Die
No Place For Disgrace


Was soll man noch groß zu LEGION OF THE DAMNED sagen? Wer die Männer aus den Niederlanden bereits live erlebt hat, weiß, dass hier absolut keine Gefangenen gemacht werden. Wie immer spielten Maurice und seine Männer bei fettester Soundwand brutal wie eh und je ihre Death/Thrash Kracher und erzeugten eine großartige Stimmung, schwitzende Headbanger und diverse Moshpits. Neu waren natürlich die Songs des aktuellen Albums „Ravenous Plague“, die sich sehr schön ins Set einfügten, aber dazu kam, dass LotD mittlerweile endlich zwei Gitarristen in ihren Reihen haben und somit neben einem noch fetteren Sound etwas dynamischer wirken. Anstatt einen auf böse Death Metal Band zu machen, zeigte sich Fronmatte Maurice erneut fröhlich, grinsend und beim Publikum kontaktsuchend. Das alles aber in einem schmalen Rahmen, denn es mussten ja auch Kracher wie „Son Of The Jackal“, „Ravenous Abomination“ und „Cult Of The Dead“ auf die zahlreiche Zuschauerschaft gefeuert werden. Das Rockhouse war nämlich nicht nur ausverkauft sondern bereits zu dieser Stunde bis zum Anschlag voll, was sich zwar positiv in der Stimmung niederschlug, temperatur- und luftqualitätsmäßig aber zu wünschen übrig ließ. Davon ließen sich aber eh nur die wenigsten abschrecken und so feierten die Fans einen viel zu schnell hinweg fliegenden Monster-Auftritt von LEGION OF THE DAMNED gemeinsam mit der Band. Fett wie immer!





Setlist LEGION OF THE DAMNED:

Mountain Wolves Under A Crescent Moon
Son Of The Jackal
Ravenous Abominations
Summon All Hate
Pray And Suffer
Black Baron
Death´s Head March
Cult Of The Dead
Morbid Death
Legion Of The Damned


Um 22:00 betraten bereits Kisser, Green, Pinto Jr und Casagrande die Bühne – und schon wurde es laut. Ob es nun klug war das Set mit gleich drei komplett neuen Songs („Trauma Of War“, „Impending Doom“, „The Vatican“ ) und dem Titeltrack des Vorgängers „Kairos“ zu starten, sei dahingestellt, aber auch wenn man mit den neueren Tagen von SEPULTURA nichts anfangen kann, musste jeder an diesem Abend zugeben, dass die Brasilianer von der ersten Sekunde an Vollstoff gaben und die ganze Halle mühelos anstecken konnten. Old-School-Verfechter wurden im Anschluss aber mit einem Schwenk in Richtung „Chaos A.D.“, durch „Propaganda“ kurz versöhnt, ehe man wieder ins Jahr 2013 sprang. Die drei Herren auf den vorderen Plätzen der Bühne gaben sich spielfreudig, beweglich und zeigten ihren Spaß an der Sache. Derrick, der mit seiner Glatze anfangs etwas falsch im Bilde wirkte, zeigte sich stimmlich stark und hüpfte unentwegt über die Bühne. Das Publikum wurde nur selten angesprochen, dafür aber meistens von Andreas, der in den letzten 15 Jahren optisch kaum gealtert scheint, teilweise sogar auf Deutsch.





So fett SEPULTURA angefangen haben, so war im Mittelteil des 90-minütigen Sets doch ein kleines Loch zu spüren, was aber spätestens bei ab „Territory“ nicht mehr zu spüren war. „Refuse/Resist“ und „Arise“ verlangten zum Schluss sowohl körperlich als auch stimmlich von den Fans der alten Stunde nochmal alles ab, ehe man diesen ein kurze Pause gönnte. Dass SEPULTURA nochmal wiederkehren würden war klar, denn ohne „Ratamahatta“ und „Roots Bloody Roots“ hätten die Zuschauer das Rockhouse wohl zerlegt, bei dem Energiepegel wo sie zu diesem Zeitpunkt angelangt waren.





Setlist SEPULTURA:

Trauma Of War
The Vatican
Kairos
Propaganda
Impending Doom
Manipulation Of Tragedy
Convicted In Life
Dusted
The Age Of The Atheist
Desperate Cry
The Hunt (NEW MODEL ARMY Cover)
Spectrum
Da Lam Ao Caos
Inner Self
Territory
Refus/Resist
Arise
-
Ratamahatta
Roots Bloody Roots


Die brasiliansche Legende wird auch heute noch ihrem Ruf gerecht. Das ganze Cavalera/Green Gejammere kann heute sowieso keiner mehr hören, darum lassen wir das hier komplett weg. Wer die neuen SEPULTURA nicht mag, war sowieso nicht anwesend, alles anderen hatten einen wirklich starken Abend im Rockhouse verbracht.


FOTOS + E-CARDS
www.sepultura.com

maxomer
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Beitrag vom 22.02.2014
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