GAMMA RAY   RHAPSODY OF FIRE   ELVENKING  
20.03.2014 @ Retro Music Hall, Prag

Das sich der Power Metal Tourtross von GAMMA RAY, RHAPSODY OF FIRE und ELVENKING nicht nach Österreich bequemte, pilgerte Earshot einmal mehr in die tschechische Hauptstadt Prag, wo gerade die deutschen Veteranen aus Hamburg Stammgast sind, durfte ich diese doch bereits auf der Hellish Rock Tour mit HELLOWEEN im verganen Jahr und ein paar Jahre zuvor als Headliner gemeinsam mit FREEDOM CALL dort erleben. In die Retro Music Hall verschlug es uns bisher aber noch nie. Eigentlich sollte das Konzert bereits um 20:00 beginnen, doch die Tore öffneten sich für die bereits sehr ungeduldigen Fans erst gegen 20:45, was schon mal etwas auf die Stimmung drückte.

Die Halle selbst zeigte sich doch sehr klein, verwinkelt und bereits beim Eintritt schon stickig. Eigentlich handelt es sich hier auch um eine Disko mit Gallerie im ersten Stock, doch die Sicht auf die Bühne war von vielen Ecken nicht optimal, weshalb man sich in die Menge quetschen musste, um wirklich gut sehen zu können. Beim italienischen Opener ELVENKING war das aber noch nicht ganz so problematisch, weil sich die ausverkaufte Halle noch nicht zu Gänze füllte.

Die Herren mit ihrem folkloristisch angehauchten Power Metal wussten am letztjährigen Masters Of Rock leider nur bedingt zu überzeugen, gaben aber auch in Prag ihr Möglichstes um eine gute Stimmung zu erzeugen, was ihnen auch halbwegs gelang. In der knappen halben Stunde hatten die Herren auf der Bühne sichtlich Spaß und präsentierten einen Querschnitt aus ihrer Diskografie mit viel Elan und Spielfreude, wordurch sie die Menge schon gut aufwärmten und Lust auf mehr machten.





Setlist ELVENKING:

The Loser
Runereader
Elvenlegions
The Divided Heart
Moonbeam Stone Circle
The Winter Wake

RHAPSODY bzw. RHAPSODY OF FIRE waren live immer so eine Sache. Die episch, bombastischen Songs der Italiener sind natürlich nicht so leicht auf die Bühne zu transportieren und die mit Pomp gefüllten Kompositionen – gerade die der früheren Tage – kommen somit nicht ohne Material vom Band aus, doch über die Jahre hinweg haben die Südländer einen Weg gefunden eine packende Live-Show zu kreieren, die sie an diesem Abend souverän mit toller Setlist servierten. Dass die Band auch ohne Gitarrenvirtuose Luca Turilli auskommen kann, zeigte bereits das neue gelungene Werk „Dark Wings Of Steel“ von dem es auch sogleich als Set-Opener „Rising Fro Tragic Flames“ zu hören gab. Mit an dem Erfolg verantwortlich ist natürlich Neuzugang Roberto Di Micheli, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger weniger auf die Neoklassik,sondern mehr auf deftige Heavy Metal Riffs setzt. Allem voran überzeugte aber natürlich Frontmann Fabio Lione mit einer perfekten gesanglichen Darbietung, denn dieser überzeugte nicht nur bei flotten Klassikern wie „Land Of Immortals“ oder dem Überhit „Unholy Warcry“, sondern vor allem durch seinen Einsatz bei der italienischen Ballade „Lamento Eroico“. Es sollte mit dem Titeltrack „Dark Wings Of Steel“ noch ein zweiter neue Song folgen, ansonsten blieben Überraschungen eher aus, was aber nicht weiter schlimm ist, denn „Dawn Of Victory“ und „Holy Thunderforce“ sind gern gehörte Songs und so ließen RHAPSODY OF FIRE beim lautstarken und mittlerweile schon stark schwitzenden Publikum keine Wünsche mehr übrig.





Setlist RHAPSODY OF FIRE:

Vis Divina
Rising From Tragic Flames
Land Of Immortals
The March Of The Swordmaster
Unholy Warcry
Dark Wings Of Steel
Lamento Eroico
Holy Thunderforce
Dawn Of Victory
Reign Of Terror
Emerald Sword

Zum über eine Stunde verspäteten Auftritt der Hamburger Power Metal-Veteranen GAMMA RAY kochte die Halle schon wirklich. Da in der Retro Music Hall das Rauchen noch erlaubt ist, was kräftig genutzt wurde und die Halle zum Bersten voll war, ließ die Luftqualität natürlich zu wünschen übrig. Die Zuschauer ließen sich aber nicht viel anmerken und feierten mit ihren Helden 90 Minuten einen überaus souveränen und routinierten Auftritt. Wie gewohnt eröffnete man das Set mit dem legendären Intro „Welcome“, schob aber gleich eine Überraschung nach. Mit „Avalon“ präsentierte man mutiger weise zu Beginn gleich einen neuen Song – und dann noch dazu einen 9-Minüter. Live funktioniert „Avalon“ ganz gut und spielt mit verschiedenen Stimmungen und Tempi, da den Track aber noch niemand kannte, blieb es verhältnismäßig recht ruhig. GAMMA RAY sollten meiner Meinung nach ihrem Speed Metal Wurzeln treu sein und mit einem flotten Paukenschlag beginnen. Darauf mussten wir uns aber auch weiterhin gedulden, den erst grub man mit „Rich And Famous“ und „Heaven Can Wait“ zwei tolle und recht positiv wirkende Klassiker aus, ehe man mit dem neuen „Hellbent“ die UpTempo JUDAS PRIEST-Keule rausholte. Die Stimmung wurde immer besser und auch „Razorblade Sigh“ und „Tribute To The Past“ sind absolute Live-Granaten. Kai, der ungewöhnlich ruhig, aber trotzdem gut aufgelegt wirkte, gab sich an diesem Abend nicht sehr redefreudig, animierte die Fans aber zwischendurch immer mal wieder zum Mitgehen, bremste das Tempo aber bald mit einem weiteren Track vom neuen Werk „Empire Of The Undead“, von dem wir ganze fünf Songs zu hören bekamen. „Time For Deliverance“ ist eine nette Ballade, die aber irgendwie zu abrupt die Geschwindigkeit raus nahm.





Zum Ende hin gab es aber noch ein tolles Hitfeuerwerk. Vielleicht nicht recht kreativ aber wirkungsvoll zeigten sich GAMMA RAY mit dem „Land Of The Free“ Trio „Rebllion In Dreamland“ in gekürzert Fassung, dem UpTempo-Kracher „Man On A Mission“ und dem immer wieder genialen Titeltrack. Danach verabschiedete man sich kurz hinter die Bühne und erschien mit der neueren aber wie ich finde verzichtbaren Bandhymne „To The Metal“, bei dem das Publikum nochmal schön mit eingebuden wurde, ehe wenig überraschend der Happy-Metal Rausschmeißer „Send Me A Sign“ nochmals Bewegung in die Bude brachte. Überraschend auch der Verzicht auf einen HELLWEEN Klassiker.





Setlist GAMMA RAY:

Welcome
Avalon
Rich And Famous
Heaven Can Wait
Hellbent
Razorblade Sigh
Tribute To The Past
Time For Deliverance
Drum Solo
Blood Religion
Master Of Confuseion
Empire Of The Undead
Rebellion In Dreamland
Land Of The Free
Man On A Mission
-
To The Metal
Send Me A Sign

GAMMA RAY sind und bleiben eine wirklich starke Live-Band. An diesem Abend blieb aber ein etwas fader Beigeschmack haften. Das hatte mehrere Gründe. Zum Einen der verspätete und unverständliche Beginn des Events und die nicht optimal konstruierte Halle, die in Sachen Platz, Luft und Sicht mehr als zu wünschen übrig ließ. Zum Anderen zeigten sich GAMMA RAY an diesem Abend einfach zu routiniert und konstruiert mit überaschungsarmer Setlist und gleich fünf Songs eines Album, das noch nicht mal erschienen ist. Der letzte Punkt wird sich aber definitiv im späteren Verlauf der Tour noch ändern, denn wenn die Fans die Songs auch kennen, wirkt sich das auf die Stimmung aus. Nach meinem siebten Besuch bei einem Konzert der Hamburger und so vielen Jahren Erfahrung, erhoffe ich mir eigentlich schon noch ein paar mehr Höhepunkte auf einem Konzert. Aber das ist wirklich Jammern auf höchstem Niveau, denn GAMMA RAY ist und bleibt eine der besten Bands auf diesem Gebiet.


FOTOS + E-CARDS
www.gammaray.org

maxomer
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Beitrag vom 23.03.2014
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