CULT OF LUNA   GOD SEED  
03.05.2014 @ Posthof

Der Rhythmus des Metals im Posthof ist etwas aus dem Takt geraten. Was früher in schöner Regelmäßigkeit die Ohren der Metaljünger erfreute, ist ist heute vor allem im Posthof Mangelware geworden.
Umso mehr freute ich mich über die Ankündigung, daß es GOD SEED und CULT OF LUNA im Doppelpack geben wird. Erstaunlich viel Publikum schon von der ersten Sekunde an.

Mit ca. zehn Minuten Verspätung dann das Intro von GOD SEED: Ein tiefes Atmen und Röcheln aus der der Tiefe der Finsternis. Auf einmal standen sie da, the Kings of hell und Gaahl, die Fürsten der Finsternis mit ihren finsteren Gefährten, ehemals GORGOROTH, heute GOD SEED. Für mich die eigentlichen Headliner dieses Abends, die Aushängeschilder des Black Metals aus Bergen, Norwegen.

Black Metal vom Feinsten, entledigt jeglicher melodischen Störgeräusche, beschränkt auf das Wesentliche, auf die eigentlichen Wurzeln dieses Genres.
Größtenteils Nummern aus ihrer 2012 erschienen Langrille „I Begin“ präsentierend, liefen sie am heutigen Abend zu ihrer Höchstform auf. Hätte man heute Abend nicht auf die gepeinigten Nonnen am Kreuz wie in den letzten Auftritten verzichtet, wäre der Genuss des heutigen Auftritts vermutlich ins Unermessliche gestiegen. In Österreich jedoch hätten solch harmlose Bühnenrequisiten sicherlich zu einem Verbot des gesamten Auftritts geführt. Mit ein wenig Fantasie konnte man dennoch jede Menge Kreuze und Gekreuzigte wahrnehmen. Das Publikum war wie paralysiert, für eingefleischte Ministranten war es eine Messe, eine schwarze Messe.





Jetzt schnell auf ein Bier und innerlich abkühlen. CULT OF LUNA beginnt inzwischen mit dem Umbau. Zwei Schlagwerke, zusätzliche Scheinwerfer... Typisch penible schwedische Feinarbeit. Nahezu eine halbe Stunde Warten - doch das Warten hat sich gelohnt.

CULT OF LUNA - seit über zehn Jahren die Vertreter des Post-Metals, begeben sich also nach längerer Abstinenz wider auf Tour. Im Gepäck die letzten zwei CD’s „Vertikal“ und „Vertikal II“. Sieben sympathische Herren aus Schweden, optisch brav und unprätentiös, jedoch in ihren Post-Hardcore-Passagen im deutlichen Widerspruch zu ihren äußeren Erscheinungsbild stehend. Die vielen elektronischen Elemente lassen eindeutig die tiefe Inspiration des Films "Metropolis" von Fritz Lang erkennen. Die längere Bühnenabstinenz hat sich hinsichtlich der Kreativität und der Verfeinerung des altbekannten Stils eindeutig ausgezahlt. Den sieben Mann von CULT OF LUNA einen eindeutigen Genre-Stempel aufzudrücken, wäre sicher zu einfach und primitiv. Zu viele Elemente treffen hier zusammen: Post-Metal, Post-Hardcore, Doom, Post-Rock... Diese Elemente in vielfacher Form zu interpretieren und zu verknüpfen: Das ist CULT OF LUNA.





Setlist CULT OF LUNA:

The Sweep
Light Chaser
Following Betulas
I: The Weapon
Ghost Trail
Vicarious Redemption
Dark City, Dead Man
Passing Through
Disharmonia
In Awe Of

Wie gesagt, CULT OF LUNA waren in Ordnung. Das Gehirn von GOD SEED auf CULT OF LUNA umzustellen, war sicher die größte Herausforderung des Abends.
Meine persönliche Empfindung: GOD SEED - freundlich, sympathisch, viel Kontakt mit dem Publikum, auch viel Blickkontakt. CULT OF LUNA - unpersönlich, keinerlei Kontakt zum Publikum, Maschinen auf der Bühne. Ist vielleicht gewollt, kommt aber nicht so gut an. Fotografier-Verbot schon nach fünf Minuten!
Insgesamt jedoch eine geiler Abend! Vielen Dank an den Posthof! Hoffentlich in Zukunft öfter!!

www.godseedband.com
www.cultofluna.com


FOTOS + E-CARDS


dr.churchburner

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Beitrag vom 08.05.2014
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