NOVA ROCK 2014 - TAG3: BLACK SABBATH   AVENGED SEVENFOLD   ROB ZOMBIE   HATEBREED   BLACK LABEL SOCIETY   ARCH ENEMY   POWERMAN 5000  
15.06.2014 @ Pannonia Fields II

Die Zeit vergeht auf einem Festival im Schnitt drei Mal so schnell wie im normalen Leben und so kam Tag 3 des Festivals zwar nicht unerwartet, aber doch überraschend schnell – und dieser hatte ja auch noch ein paar Highlights. Das erste davon war ARCH ENEMY.

Das hatte einen ganz einfachen Grund, nämlich den Tausch am Micro. Angela Gossow, die zwar nicht mehr für ARCH ENEMY singt, dafür aber im Management tätig ist, übergab die Arbeit überraschend an die jüngere Alissa White-Gluz. Auf dem neuen Werk „War Eternal“, dass zu 100% nach der Band tönt und bewusst auf Nummer Sicher geht, konnte sich die Dame bereits beweisen und ließ auch außer Zweifel, dass sie die alten Songs singen können wird, jedoch war die Spannung groß, wie sich die Dame, die einst bei THE ARGONIST brüllte, auch live beweisen kann. Fulminant stieg man ins Set ein und feuerte sofort den Kracher „Yesterday Is Dead And Gone“ und schob sofort den neuen Track „War Eternal“ nach. Die Feuertaufe war geschafft und auch als Anheizerin zeigte sich Alissa geübt – Bühnenerfahrung hat die Dame ja. Beim flotten „As The Pages Burn“ verschluckte sie sich dann doch etwas und gerade bei „We Will Rise“ bei dem sie ja enorm viel Platz zum Singen hat, merkte man, dass das Volumen von Gossow nicht erreicht wird, was jedoch noch kommen kann. Derweil riffte sich Riffmeister Amott gemeinsam mit seinem neueren Kollegen Nick Cordle souverän durch das Set und erzeugte somit eine fette Soundwand, die man von der Band kennt und liebt, während Bassist Sharlee D´Angelo über die Bühne fegte und für Druck sorgte.





Somit haben ARCH ENEMY nur minimal an Intensität und Charme verloren. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Tour im Herbst, wo sie dann sicher mit mehr Erfahrung als noch größere Einheit auftreten werden.

Setlist ARCH ENEMY:

Khaos Overture (Intro)
Yesterday Is Dead And Gone
War Eternal
My Apocalypse
As The Pages Burn
Dead Eyes See No Future
We Will Rise
Nemesis
Enter The Machine (Outro)

Im Anschluss durften die WALKING PAPERS – wer? Keine Ahnung! – die Blue Stage rocken. Warum? Ebenso keinen Plan. Der gebotene Blues-Pop-Rock war so dermaßen uninteressant, dass ich und viele andere schnell das Weite suchten. Wie die erst 2012 gegründete Truppe aus Seattle diesen Slot bekommen konnte, bleibt somit ein Rätsel, das eigentlich gar nicht gelüftet werden will, da das nicht die Mühe wert ist. BAD RELIGION sparte ich mir ebenso, da bei der brütenden Hitze der Weg zu Red Stage einfach nicht ohne Verluste zu meistern war. Der aufgewirbelte Staub war zudem ein Hindernis.

Den halben Weg zur Red Bull Stage um einen kurzen Blick auf POWERMAN 5000 zu werfen riskierte ich dann aber doch. Die um die Jahrtausendwende aufkommende Electro-Nu-Metal Welle wurde von den Amis damals genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, aber ebenso wie SPINESHANK, 4LYN, STATIC X und weitere Vertreter des Genres verschwanden über kurz oder lang alle irgendwo in der Versenkung. Die Jungs gaben aber mit etwas Verspätung mächtig Gas und brachten die Zuschauer zum Hüpfen, Schwitzen und wirbelten mächtig Staub auf. Leider waren die Synthies so dermaßen aufdringlich, dass die Gitarren total untergangen und Sänger Michael Cummings war auch teilweise sehr verzerrt wahrzunehmen. Spaß machte das Ganze trotz gewisser Eintönigkeit trotzdem – Zeitgemäß ist das Genre ja eigentlich auch nicht mehr. Der Weg zurück zur Blue Stage wurde aber dennoch sehr bald angegangen und das aus gutem Grund.

Setlist POWERMAN 5000

Invad, Destroy, Repeat
You’re Gonna Love It, If You Like It Or Not
Nobody´s Real
How To Be A Human
Bombshell
Supernova Goes Pop
When Worlds Collide

So wartete ich gemütlich auf den Auftritt von BLACK LABEL SOCIETY. Zakk Wylde und seine Mannen sollen ja live eine wahre Macht sein. Und so war es dann auch. Die Soundwand war enorm, Zakk vielleicht etwas leise und nicht so stimmgewaltig wie erwartet, aber das war zu verkraften, da die Herren so dermaßen rockten mit Hits wie das eingängige „Suicide Messiah“ oder „Stillborn“. Das aktuelle und düster ausgefallene „Catacombs Of The Black Vatican“ wurde mit „My Dying Time“ und „Heart Of Darkness“ trotz der kurzen Spielzeit auch noch ausgiebig vorgestellt und als sehr gut befunden. So mimte Riffgott Zakk Wylde eine gute Stunde lang die coole Sau und zeiget seine Truppe trotz Umbesetzung als Einheit und starke Live-Band, die aber wohl in einer Club-Show mit etwas mehr Zeit sicher besser aufgehoben ist.





Setlist BLACK LABEL SOCIETY:

My Dying Time
Godspeed Hell Bound
Destructive Overdrive
The Rose Petalled Garden
Heart Of Darkness
Suicide Messiah
Concrete Jungle
Stillborn

Während HUNTRESS die Red Bull Stage beackerten und sich Hip Hop Fans über FETTES BROT freuten, wurde die Bangerschaft mit HATEBREED belohnt. Dass die Jungs wissen, was man auf den Bühnen dieser Welt macht, ist kürzlich im Linzer Posthof erneut in Stein gemeißelt worden, die Vorfreude wurde aber natürlich getrübt, da an dieser Stelle nun eigentlich MEGADETH stehen sollten. Da David Ellefsons Bruder kürzlich verstarb, durften eben die Ami-Hardcore Monster HATEBREED einspringen. Und die Bresche wurde souverän genutzt. Jamie Jasta und seine Jungs gaben von Anfang bis Ende Vollstoff, brachten das Nova Rock zum Stauben ohne Ende, erzeugten unzählige Mikro-Moshpits und brachten die Leute zum Ausrasten. Gut mit Material wie dem Opener „To The Threshold“, „Defeasit“, „Live For This“ und “Destroy Everything” hat man auch unzählige Argumente in der Hinterhand um durchzudrehen. Für Jeff Haneman gab es noch das Tribut „Ghosts Of War“ und auch Ellefsons Familie wurde Beileid bekundet. Sehr sympathisch, so wie man es von Jamie gewohnt ist. So zogen HATEBREED als eine der brutalsten Bands des Festival siegreich von Dannen und machten Platz für Kultobjekt ROB ZOMBIE.





Setlist HATEBREED:

To The Threshold
Dead Man Breathing
Judgement Strikes
Everyone Bleeds Now
In Ashes They Shall Reap
Defeatist
Tear It Down
Smash Your Enemies
Live For This
Last Breath
Honor Never Dies
I Will Be Heard
Destroy Everything
Ghosts Of War

Ich war nie ein großer Fan des Schaffens von ROB ZOMBIE – vor allem die zuletzt veröffentlichten Alben waren nicht besonders gelungen, teilweise sogar peinlich. Doch es eilt ihm ein riesiger Live-Ruf voraus. Diesen kann ich nach dieser Vorstellung beim besten Willen nicht nachvollziehen. Der bärtige Horror-Fan und seine Band gaben zwar Vollgas, bewegeten sich viel und gaben sich reichlich Mühe die Fans bei Laune zu halten, doch die schlichten Songs wollten live einfach nicht zünden und bald stellte sich eine gewisse Monotonie ein, diese wurde alsbald zur Langeweile, denn abgesehen von den sehr unterhaltsamen Ansagen, bei denen Rob über das widerliche Festival-Leben scherzte, wollte einfach keine Freude oder Stimmung aufkommen. Vor allem weil man die größeren Hits recht bald abgefeuert hat und noch mit einem richtig belanglosen Drum-Solo Zeit schindete. Mehr als solide kann man das Ganze nicht bezeichnen. Da rettete auch das ALICE COOPER Cover nicht mehr, denn spätestens bei überlangem Gitarren-Herumgewichse á la MALMSTEEN, nur eben in schlecht, sollte jeder eigentlich die Flucht ergriffen haben. Die-Hard Fans hatten da vielleicht mehr Spaß, ich persönlich fand das Ganze eher lächerlich





Setlist ROB ZOMBIE:

Dragula
Superbeast
Living Dead Girl
Dead City Radio…
Drum Solo
More Human Than Human (WHITE ZOMBIE)
Sick Bubble-Gum
House Of 1000 Corpses
Am I Evil (DIAMOND HEAD)
Thunder Kiss 65 (WHITE ZOMBIE)
Guitar Solo
Schools Out (ALICE COOPER)

Man bekommt immer zwei Chancen im Leben – so sagt man jedenfalls – und so machte ich die Not zur Tugend und ging trotz misslungenem und gähnend langweiligen Wien-Konzert an AVENGED SEVENFOLD positiv heran. Und siehe da, wenn die Amis keine Stimmungsraketen wie 5 FINGER DEATH PUNCH im Vorprgramm haben, die ihnen die Show stehlen, dann funktioniert es auch. AVENGED SEVENFOLD starteten wirklich gekonnt in ihr Set und wirkten bei Weitem nicht so unbeteiligt wie vor gut einem halben Jahr. Da machten Songs wie „Bat Country“ oder „Ciritcal Acclaim“ gleich viel mehr Spaß. Pyros, Feuerwerk und der eine oder andere Knall machten dann optisch und akustisch natürlich auch noch etwas her. Die Stimmung war großartig und die Band bei guter Laune. Die Setlist selbst hatte mir persönlich aber zu viel Fokus auf die langatmigen und zuletzt veröffentlichten Alben „Nightmare“ und „Hail To The King“. Da kamen natürlich nicht selten Erinnerungen an METALLICA und IRON MAIDEN hoch, was aber ja von der Truppe zu erwarten war. Groß war die Freude bei mir persönlich aber zum Schluss beim flotten „Unholy Confessions“, das nochmal etwas herausreissen konnte und zeigt, dass AVENGED SEVENFOLD komprimiert auf 70 Minuten durchaus überzeugen können – wenn sie denn auch wirklich wollen. Da wurde auf jeden Fall wieder Boden gut gemacht und der Weg für BLACK SABBATH war frei.





Setlist AVENGED SEVENFOLD:

Shepherd Of Fire
Critical Acclaim
Bat Country
Hail To The King
Doing Time
Buried Alive
So Far Away
Nightmare
Afterlife
This Means War
Almost Easy
Unholy Confessions


Ich hatte ja von BLACK SABBATH nicht viel erwartet – ein gute Show mit Retro-Feeling vielleicht, aber was da abging ist nur schwer in Worte zu fassen. Zuerst wurde die Sicht auf die Bühne mit einem Vorhang versperrt, doch die „Heaven & Hell“ Teufel waren im Hintergrund schon gut zu erkennen. Dann hörte man Ozzy neckisch „HeyHey“ schreien – und schon jetzt war die Stimmung gut, doch als dann endlich und doch etwas verspätet die Sirene zu „War Pigs“ anging, war bereits Gänsehaut vorprogrammiert. Und plötzlich setzt der Gitarrensound ein und alle Zweifel waren wie weggefegt. Was da aus den Boxen kam, war nicht von dieser Erde. Ein klarer Gitarrensound als würde Iommi direkt vor einem stehen, ein Bass von Geezer der alles niederdrückte und ein Drummer dessen Energie nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren war. Ich habe auf einem Festival noch nie so einen Live-Sound erlebt. Gut, BLACK SABBATH waren beim ersten Song noch nicht eine komplette Einheit und hatten Timing-Probleme und Ozzy der bekanntlich nicht der beste SABBATH Sänger ist, traf auch nicht jeden Ton, doch spätestens bei „Snowblind“ funktionierte da auch alles perfekt.

Ozzy war bei bester Laune, scherzte, hüpfte und torkelte über die Bühne und freute sich wie ein 12-jähriger zu Weihnachten. Das steckte natürlich sofort die Zuschauerschaft an und ließ diese in Songs wie dem hypnotischen „Black Sabbath“, dem grovenden „Fairies Wear Boots“ und dem Überhit „Iron Man“ versinken. Mein persönliches Highlight „Children Of The Grave“ kam erst etwas später und nachdem man sich hinter die Bühne verabschiedete, lieferte man noch das unausweichliche „Paranoid“ bei dem nochmal das ganze Festival bebte und BLACK SABBATH weiterhin den Status als lebende Legende erhalten lässt. Einfach episch!

Setlist BLACK SABBATH:

War Pigs
Into The Void
Snowblind
Age Of Reason
Behind The Wall Of Sleep
N.I.B.
Fairies War Boots
Rat Sallad
Drum Solo
Iron Man
God Is Dead?
Children Of The Grave
-
Sabbath Bloody Sabbath (Intro)
Paranoid
Zeitgeist (Outro)

Das Nova Rock verging wie im Flug und lief überraschend friedlich und ohne große Komplikationen ab – von den Soundproblemen auf der Red Stage und ein paar Verzögerungen sehen wir mal ab. Mal sehen ob man 2015 wieder ein paar Überraschungen liefern kann.


FOTOS + E-CARDS
www.novarock.at

maxomer
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Beitrag vom 20.06.2014
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