MASTERS OF ROCK - TAG2: SABATON   BEHEMOTH   EPICA   KORPIKLAANI   ROCK SYMPHONY   DIE HAPPY   VISIONS OF ATLANTIS   GLORYHAMMER  
11.07.2014 @ Areál likérky Jelínek

Nach einem fulminanten ersten Tag starten wir mit etwas gemischten Gefühlen in den Freitag. Abgesehen von SABATON wollte nicht wirklich ein Highlight aus der Running Order herausblitzen und das Wetter blieb weiterhin recht feucht. Dennoch rafften wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück bereits zur Mittagsstunde auf und machten uns auf den Weg zur Stage, wo noch eine recht junge Band namens THE SNUFF stand. Der Regen ließ uns aber eher im Bierzelt ausharren, bis GLORYHAMMER auf die Bretter starteten.

Im vergangenen Jahr überraschte uns ALESTORM Keyboarder und Sänger Chris Bowes mit seiner neuen True Metal Kapelle GLORYHAMMER. Der kraftvolle Sound, der eine Mischung aus RHAPSODY, HAMMERFALL und weiteren Genrevertretern darstellt, macht auch live mächtig Spaß. Das Material vom Debüt „Tales From The Kingdom Of Five“ geht gut ins Ohr, macht Freude und hat unendlich Power. Die Schotten hatten trotz immer noch dezent fallendem Nass sichtlich Spaß auf der Bühne und steckten mühelos die Fanscharen davor an. So konnte man dank „The Unicorn Invasion Of Dundee“ frohen Mutes die bösen Einhörner bekämpfen, im „Hail To Crail“ Chor miteinstimmen oder einfach mit dem stimmgewaltigen Deutschen Frontmann Thomas Winkler ein Hoch auf „Angus McFive“ anstimmen. Optisch setzt die Truppe ebenfalls Trends und so gibt es elbische Rüstungen und mittelalterliche Kostüme zu entdecken. Leider ging auch dieser Auftritt viel zu schnell zu Ende.





Setlist GLORYHAMMER:

(Anstruthers Dark Prophecy)
The Unicorn Invasion Of Dundee
Angus McFife
Quest for the Hammer Of Glory
Magic Dragon
Silent Tears Of Frozen Princess
Amulet Of Justice
Hail To Crail
Beneath Cowdenbeath
The Epic Rage Of Furious Thunder

Die Tschechen DOGA hatten eine große Fangemeinde mit und überzeugten diese mit ihrer eigenen Heavy Metal Mischung, die sie bereits seit 1989 zelebrieren. Unglaublich wie die dort heimischen Bands, die außerhalb der tschechischen Republik kaum bekannt sind, immer wieder tausende Fans vor die Bühne locken. Gut, die auf ihrer Amtssprache vorgetragenen Texte tragen sicher nicht zum internationalen Durchbruch bei, aber ansonsten bot die Truppe ein tolle Show, die den Anhängern sichtlich Spaß machte.

Der dritte und leider schon letzte Österreich-Export VISIONS OF ATLANTIS stand in den Startlöchern. Man konnte gespannt sein, was die Truppe nach unzähligen Strapazen in den letzten Jahren zu bieten hat. Zahlreiche Besetzungswechsel, krankheitsbedingte Ausfälle und eine verstorbene Sängerin sind keine besonders gute Voraussetzung für eine stabile Band. Doch die Zeichen standen auf Sturm. Mit Clementine Delauney (SERENITY, WHYZDOM) und Siegfried Samer (DRAGONY) wurde im vergangenen Jahr ein neues Front-Duo gefunden, während man am Bass und Schlagzeug gleich doppelt für kurzfristigen Live-Ersatz sorgen musste. Dafür sind aber Keyboarder Chris und Gitarrist Werner aus der Urbesetzung wieder zurück in der Band. Aber genug geschwafelt, denn VoA starteten energisch in ihr Set und boten eine gute Stunde tolle Unterhaltung. Man merkte hier und da zwar, dass noch nicht alles rund läuft im Bandgefüge, doch wirkliche Kritik konnte man nicht anbringen, vor allem bei den erwähnten Umständen. Das abwechslungsreiche Material und der Ausblick auf ein nagelneues Album machten auf jeden Fall Lust auf mehr und zeigt, dass auch österreichische Truppen auf dem Masters Of Rock sehr schön Platz haben.





Setlist VISIONS OF ATLANTIS:

Lovebearing Storm
Lords Of The Sea
Lost
Seven Seas
At The Back Of Beyond
Cast Away
Winternight
New Dawn
Last Shut Of Your Eyes
Through My Eyes

Mit den Deutschen von DIE HAPPY habe ich mich selbst eigentlich noch nie beschäftigt. Die Herren und Frontdame zeigten aber von Anfang an eine energische Performance und bewiesen auf Anhieb, dass sie schon einiges an Erfahrung mit auf die Bühne bringen. Stilistisch wollte mir das poppige Material aber so gar nicht zusagen und auch die Zuschauerreaktionen waren verhaltener als noch bei anderen Truppen zuvor. Man muss aber auf jeden Fall zugeben, dass Marta eine enorm starke Stimme hat, wie auch Genre-Feinde anerkennend feststellen sollten. Trotzdem konnte mich die Musik von DIE HAPPY nicht sonderlich fesseln und somit wurde erstmal etwas zu Essen gesucht und etwas beim Merchandise gestöbert, welches dieses Jahr etwas dezenter ausfiel, wenn es um die Auswahl an Metal-Utensilien ging.





Nun sollten alle Fans der Klassik auf ihre Kosten kommen, denn das ROCKSYMPHONY ORCHESTA pflügte sich durch die Rockgeschichte. Auf der rappelvollen Bühne fand man alle Instrumente, die einem einfallen könnten und die Damen und Herren wussten damit umzugehen. Über die Songauswahl könnte man hier ebenfalls eine Diskussion lostreten, denn nach drei Titel war klar, recht viele Ideen hatten die Musiker nicht. Auch wenn die Performance recht gut war, sind „Smoke On The Water“, Highway To Hell“ oder "I Was Made For Loving You“ schon so ausgelutscht, dass die Hälfte davon viel wäre. Warum nicht mal etwas im klassischen Mantel bringen, das man so noch nie gehört hat? GUNS N ROSES, METALLICA und IRON MAIDEN durften auch nicht fehlen, die Songs kann sich wohl jeder denken und KISS durfte gleich vier Mal ran. „Rock N Roll All Night“ gleich zwei Mal zu spielen, zeugt ebenfalls von Mut. Somit blieb ROCKSYMPHONY ORCHESTA ein zweischneidiges Schwert, bei dem sicher mehr möglich gewesen wäre. Positiv hervorzuheben sind aber die gesanglichen Leistungen von Marta (DIE HAPPY) und ihrem männlichen Kollegen, den ich aber leider nicht kannte. Alles in allem auf jeden Fall eine nette Einlage.
[AndyVanHalen]





Setlist:

Enter Sandman (METALLICA)
Sharp Dressed Man (ZZ TOP)
Sweet Child O Mine (GUNS N ROSES)
Send Me An Angel (SCORPIONS)
Still Loving You (SCOPRIONS)
Wind Of Change (SCORPIONS)
Smoke On The Water (DEEP PURPLE)
Instrumental (DREAM THEATER)
Highway To Hell (AC/DC)
I Was Made For Loving You (KISS)
Detroit Rock City (KISS)
Forever (KISS)
Rock N Roll All Night (KISS)
Rock You Like A Hurricane (SCORPIONS)
Run To The Hills (IRON MAIDEN)
Rock N Roll All Night (Reprise) (KISS)

Um etwas Kontrast zu schaffen, wurde die Hauskapelle des Master Of Rock eingeladen, genau die finnische Folk Sauftruppe KORPIKLANI durfte wieder für biergeschwängerte Stimmung sorgen. Die Truppe rund um Jonne Järvelä am Mikro, hatte die Menge wie gewohnt in der Hand mit der Partynummer „Vodka“ oder dem 4 Promille Song „Happy Little Boozer“, bei dem so richtig die Post abging. Auch wenn man kein Fan dieser Band ist, bei dem zuletzt genannten Lied fällt es einem sehr schwer nicht zu schmunzeln und mit zu schunkeln. Großer Fokus wurde auf neueres Material vom letzten Album „Manala“ gelegt, das zeigt, dass die Finnen nicht nur Songs für Alkoholiker machen können. Man sieht sich dann wohl in zwei Jahren wieder in Tschechien.
[AndyVanHalen]


Setlist KORPIKLAANI:

Tuonelan Tuvilla
Ruumiinmultaa
Metsämies
Kantaiso
Juodaan viinaa
Petoelaimen Kuola
Sumussa hämärän aamun
Vaarinpolkka
Kultanainen
Uniaika
Louhen yhdeksäs poika
Uni
Vodka
Ievan polkka
Rauta
Wooden Pints
Pellonpekko
Happy Little Boozer

Nachdem wir an diesem Tag mit VISIONS OF ATLANTIS, DIE HAPPY und dem Gastbeitrag von Marta Jandová bei der Rock-Symphony schon einige Symphonic Bands mit weiblichen Vocals auf der Stage waren, konnte man nun geteilter Meinung sein, ob es sinnvoll war, auch EPICA noch an diesem Tag zu buchen. Fans des Genres freute es sicher, der Rest hätte wohl mehr Freude an einer Aufteilung dieser Bands gehabt.

Aber sei es wie es sei. EPICA zeigten sich mit der sympathischen und stimmgewaltigen Simone Simmons wie gewohnt in bester Form. Die bombastischen, teils auch sehr heftigen Songs erzeugten sofort eine tolle Atmosphäre und Simone verzauberte von der ersten Minute an. Perfekt inszeniert und durchstrukturiert boten die Niederländer einen kurzweiligen Auftritt, bei dem nur die Growls von Gitarrist Mark Jansen einfach nicht besonders gut klingen wollten, was wohl am Sound lag, der aber ansonsten halbwegs anständig tönte. Den Anwesenden gefiel es aber, wenn man die üppige Menschenschar vor der Bühne beobachtete. Ist ja nichts neues, dass das weibliche Geschlecht am Gesang hier besonders gut ankommt.





Setlist EPICA:

Originem
The Second Stone
The Essence Of Silence
Victims Of Contingency
Unleashed
Storm The Sorrow
The Obsessive Devotion
Reverence (Living in the Heart)
Natural Corruption
Cry For The Moon
Unchain Utopia
Consign To Oblivion

Nachdem am Vorabend der Headliner ANTHRAX fast ins Wasser gefallen wäre, mussten wir bei SABATON nur mit einer wirklich kühlen Abendbrise klarkommen. Diese sollte aber wirklich nicht ins Gewicht fallen, denn die Schweden heizten dem Publikum 90 Minuten, die wie nichts verflogen, gewaltig ein. Bereits der in der Pressekonferenz angekündigte und echt fett aussehende Panzer, der das Drumkit von Neuzugang Hannes van Dahl (EVERGREY) zierte, machte die Spannung unerträglich. Nach dem bereits typischen „The Final Countdown“ Intro wurde zum zweiten Song vom Band „March To War“ selbiger ausgepackt und schon wirbelten Joakim und Co. auf die Bühne zum furiosen Opener „Ghost Division“, zu dem gleich heftiges Feuerwerk und Knallkörper vom Panzer aus abgefeuert wurden. Sofort entstand Gänsehaut und bereits zu dieser Minute hatten die Schweden die Fanscharen fest im Griff.





Nicht umsonst mutierten SABATON in nur wenigen Jahren vom Geheimtipp am Nachmittag über das Late-Night Special zum waschechten Headliner. Und diesem Titel wurden sie zu 100% gerecht. Der neue Song „To Hell And Back“ fügte sich nahtlos und eingängig an den grandiosen Einstieg, während „Coralus Rex“ und „Uprising“ durch die Diskografie führten und zum Mitsingen einluden. Joakim und seine Jungs waren wie immer bei bester Laune, agil wie eh und je und ein perfekt eingespieltes Team. Die Ansagen des Fronters machten wieder reichlich Spaß und zeigten, dass er wahrlich Freude an seiner Arbeit hat. Auch die eine oder andere Penis-Geschichte wurde von den Fans mit viel Humor aufgefasst. Zwischendurch wurden ein paar Pivo geschüttet und Geschenke in Form der Sonnenbrille und Picks verschenkt und stolz der tschechische Pass präsentiert, den der halb-tschechische Fronter besitzt, während man sich natürlich weiteren Krachern, wie den neuen Songs „Soldier Of 3 Armies“ und „Resist And Bite“, widmete. Mit der Erklärung, dass die Jungs nur Blödsinn in Kopf haben und nichts dafür können, da sie nur „Swedish Pagans“ sind, läutete man das letzte Drittel ein. Zwischendurch nahm Joakim selbst die Gitarre in die Hand und blödelte vorerst mit einem "Smoke On The Water" Riff herum, ehe er von Chris und Thobbe ein paar fette Soli um die Ohren geworfen bekam, was er mit dem Mittelfinger quitierte.





Die Setlist ließ fast keine Wünsche offen, denn „Primo Victoria“, „Attero Dominatus“ und der Party-Hit „Metal Crüe“ funktionieren auch beim neunten Live-Anlauf, auf den ich bereits zurücksehen kann, noch perfekt und haben nichts an Energie verloren. SABATON haben sich ihren Status erarbeitet und auf jeden Fall verdient. Ich freue mich auf weitere Shows voller Energie, guter Laune, Pyros und schwedischen Knallköpfen!

Setlist SABATON:

(The Final Countdown)
(The March To War)
Ghost Division
To Hell and Back
Carolus Rex
Screaming Eagles
Uprising
Soldier Of 3 Armies
Resist And Bite
Attero Dominatus
Poltava
Swedish Pagans
Dominium Maris Baltici
The Lion From The North
Far From The Fame
-
The Art Of War
Primo Victoria
Metal Crüe
Dead Soldiers Waltz (Outro)
(Masters Of The World)

Als so mancher schweißgetränkte Rocker eigentlich nur noch ins Zelt oder den Wohnwagen wollte, hieß es durchhalten, denn das polnische Black Metal Schlachtschiff BEHEMOTH lud zu später Stunde noch zum Headbangen ein. Auch nach Mitternacht zeigte sich das Publikum topfit und so mancher weiß geschminkte Pandabär wurde gesichtet. Musikalisch trifft das Quartett nicht ganz meinen Geschmack, doch die Stimmung war gut, Schnaps gab es ebenfalls noch und so lauschte man bruatlen Songs wie „O Father O Satan O Sun!“ oder „Chant For Eschaton 2000" die ordentlich Krach machten. Optisch lautete das Motto schwarz ist Trumpf und verhüllt in einen düsteren Mantel machte besonders Sänger Nergal eine gute Figur. Bis zwei Uhr in der Früh hielt ich dann doch nicht durch und so hörte ich die letzten Töne des Konzertes nur mehr auf der Luftmatratze liegend. Kein überragender, aber durchaus guter Tag aus Metal-Sicht ging zu Ende.
[AndyVanHalen]

Setlist BEHEMOTH (unvollständig)

Blow Your Trumpets Gabriel
Ora Pro Nobis Lucifer
Conquer All
Chant For Eschaton 2000
-
O Father O Satan O Sun!



FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

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Beitrag vom 21.07.2014
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