MASTERS OF ROCK - TAG3: HELLOWEEN   ARCH ENEMY   MICHAEL SCHENKER   FREEDOM CALL   GRAND MAGUS   CIVIL WAR   SEBASTIEN  
12.07.2014 @ Areál likérky Jelínek

Inzwischen fiel es schon etwas schwerer aus den Federn zu kommen, da sich schon die ersten Verschleißerscheinungen zeigten. Doch nach ein paar Powerriegeln, dem Guten-Morgen-Radler und den ersten Metal-Tönen sind fast alle Beschwerden vergessen und einem neuen Tag voller Musik stand nichts mehr im Weg.
Das erste Mal begaben wir uns um die Mittagszeit auf das Festivalgelände um den Tschechen von SALAMANDRA zu lauschen. Nach X Besuchen ist uns diese Formation schon ein Begriff und gehört zu den wenigen einheimischen Gruppen die mich bisher überzeugen konnten. Bereits 1998 gegründet, kann man hier schon von Routine sprechen, die man auch sieht. Präsentiert wird klassischer Speed Metal mit einem durchaus souveränen Sänger. Doch erst als Chris Bay von FREEDOM CALL die Bühne zum gemeinsam Duett betritt, steigert sich die Stimmung deutlich. Nach zwei Nummern verlässt Chris die Bühne aber wieder und die Dame hinter dem Keyboard trägt ihren Teil bei. Sehr sympathische Truppe!

Nachdem SALAMANDRA eindrucksvoll zeigten, dass auch in Tschechien Power Metal großartig klingen kann, legten die auch dort heimischen Melodic Metaller SEBASTIEN nach. Neben der regulären Band standen, wie schon vor zwei Jahren, wieder prominente Sänger und Musiker auf der Gästeliste. Der bereits damals anwesende Roland Grapow (Ex-HELLOWEEN, MASTERPLAN) gab sich neben Heavy Metal Legende Tony Martin (Ex-BLACK SABBATH) und einer Dame, dessen Identität ich nicht herausfinden konnte, die Ehre. Während das eigene Material der Band zwar gefiel, aber nicht wirklich überzeugen konnte, herrschte von der ersten Sekunde an, als Mister Martin auf der Bühne stand, Gänsehaut. Der sympathische Herr, der mittlerweile die 57 Lenze erreicht hat, ist heute noch immer bei bester, nein mächtigster Stimme und entführte uns mit dem BLACK SABBATH Hit „Headless Cross“ zurück in die 80er. Der Mann steht zwar etwas im Schatten von Ozzy und Dio, doch die knapp zehn Jahre bei SABBATH sind definitiv nicht zu verachten und stimmlich steht er auch dem Namensgeber der Ronnie James Dio Stage sicher in nichts nach. Leider dauerte sein Beitrag nicht lange und wurde bald von Grapow, der Gitarre spielte und auch einen Song mitträllerte und der Sängerin ersetzt. Die Dame selbst klang aber leider reichlich schief. Zum Schluss gab es aber mit dem Symponic Metal Spektakel „Cucifixion With The Heart“ einen gelungenen Ausklang. Bleibt nur die Frage, wenn man sich so einen großartigen Gastmusiker krallt, warum man dann nicht doch etwas mehr Songs performen?





Ein gutes Stück heftiger ging es im Anschluss mit den griechischen Thrashern SUICIDAL ANGELS zu. Die Herren werden zwar immer wieder als SLAYER-Klon bezeichnet, haben aber durchaus ihre Qualitäten, bekamen immer gute Kritiken für ihre Alben und sind bekannt für furiose Live-Shows. Und auch am Masters Of Rock legten sich die Südländer mächtig ins Zeug. Wurde auch Zeit, denn zwei Jahre zuvor sagten die Herren nämlich enttäuschenderweise ganz kurzfristig ab.

Nun stand wieder heimische Kost auf der Speisekarte. CITRON, die ich auch schon vor ein paar Jahren eher zufällig entdeckte, gehören zu den besseren Vertretern ihrer Heimat. Doch vielleicht blieben mir auch nur die beiden oben ohne Tänzerinnen in Erinnerung, die damals das männliche Publikum anheizten. Diesmal gab es zwar auch heiße Mädels, doch die Hüllen wurden nicht fallen gelassen, aber eine Gastsängerin mit dem Namen Tanja verstärkte die Truppe musikalisch. Keine Ahnung wer die Gute war, doch wenn man die Reaktionen vor der Bühne beobachtete, dürfte die Dame hier durchaus bekannt sein. Und wie man es gewohnt ist, war auch hier kaum noch Platz am Gelände, denn treu ihren eigenen Musikern gegenüber sind sie unsere Nachbarn aus dem Osten. Doch den ganzen Auftritt wollte ich dann auch nicht mitmachen, denn es hieß Kräfte sammeln für ein weiteres Highlight.
[AndyVanHalen]

GRAND MAGUS standen in den Startlöchern, um mit ihrem Dreimann-Doom-Sound alles in Grund und Boden zu spielen. Doch zuvor durfte Arnold Schwarzenegger im Intro als Conan ran. Phantastisch gewähltes Intro, das auch nach zig-maligem Hören immer noch für Gänsehaut sorgt. Seit dem ersten Auftritt 2010 und dem undankbaren Slot um halb elf Uhr morgens ist einige Zeit vergangen und so dürfen die Schweden um 17 Uhr ran. Brecher wie „I, The Jury“, „Valhalla Rising“ oder meinem Lieblingssong „Hammer Of The North“ funktionieren einfach perfekt und animieren zum Bangen. Gewohnt druckvoller Sound dem man drei Leuten nicht zu traut, gepaart mit eingängigen Texten und einer Spielfreude die seines gleichen sucht sind GRAND MAGUS schon lange kein Geheimtipp mehr. Endtäuschend jedoch die Stimmung und die Anzahl an Menschen die sich vor die Bühne verirrten, da hätte sich Janne „JB“ Christoffersson, Mats „Fox“ Heden und Ludwig Witt doch mehr verdient. Was nicht ist, kann ja noch werden, mir hat es auf jeden Fall gefallen und ich freu mich schon auf meinen achten Besuch der Stockholmer.





Setlist GRAND MAGUS:

I, The Jury
On Hooves Of Gold
Valhalla Rising
Sword Of The Ocean
Ravens Guide Our Way
Steel Versus Steel
Iron Will
Triumph and Power
Hammer Of The North

Kurz darauf wurde es Zeit für eine ausgiebige Happy-Metal-Party. Die Power Metaller FREEDOM CALL standen bei strahlendem Sonnenschein und ebenso sonnigem Gemüt auf der Bühne und feuerten einen Hit nach dem anderen ab. Chris und seine Jungs waren sichtlich gut gelaunt und erfreuten sich der positiven Resonanz der Tschechen, die mit der Band sowohl epische Highlights á la „The Quest“ oder „Tears Of Babylon“ als auch die Gute-Laune Stücke „Come On Home“ und „Power & Glory“ abfeierten. Natürlich durften auch die Power Metal Kracher „We Are One“ und „Freedom Call“ nicht fehlen, wohingegen „Union Of The Strong“ vom neuen Werk „Beyond“ überraschenderweise gleich zu Beginn abgefeuert wurde und sich wunderbar ins Set einfügte. Auch FC sorgten dank lautstarken Fan-Chören nicht nur einmal für Gänsehaut und Staunen, aber eine Stunde FREEDOM CALL ist einfach nicht genug, denn der Gig verging einfach viel zu schnell und der Wunsch nach mehr war riesen groß. Da die sympathischen Deutschen des Tourens sowieso nicht müde werden, gibt es aber sowieso bald Live-Nachschub.





Setlist FREEDOM CALL:

Union Of The Strong
We Are One
Freedom Call
Farewell
The Quest
Heart Of A Warrior
Power & Glory
Come On Home
Tears Of Babylon
Warriors
Land Of Light

Aus dem Lande des Lichts hinein in die Geschichte des Rock. Legende Michael Schenker gab sich die Ehre. Der kleine Bruder des SCORPIONS-Anführer Rudolf Schenker eilt ein großer Ruf vorraus. Ein paar Jahre bei den SCORPIONS, ein paar bei UFO und schon einige starke Solo-Schreiben, wie zuletzt die MICHAEL SCHENKER´S TEMPLE OF ROCK und MSG, sicherten ihm einen Platz am Rock-Olymp. Da waren nicht nur wir gespannt auf den Auftritt des Meisters, sondern auch fast sämtliche Bands des heutigen Tages, die sich seitlich von der Bühne versammelten, um Klassikern wie "Doctor Doctor", das mittlerweile jedem als IRON MAIDEN Intro bekannt sein sollte, dem genialen "Where The Wild Winds Blow" oder dem unvermeidbaren "Rock You Like A Hurricane" zu lauschen. Die Band rund um ihn hatte mächtig Spaß auf der Bühne und vor allem Stimmwunder Doogie White (MALMSTEEN, CORNERSTONE) gab sich beste Mühe, um auch die Zuschauer bei Laune zu halten, während Michael und Kollege Wayne Fndley die Gitarrenhälse mit breiten Grinsern würgten. Außerdem wurde "Before The Devil Knows Youre Dead" noch RONNIE JAMES DIO gewidmet.





Ein etwas kurzer, aber wirklich gelungener Auftritt dieses Talents ging für alle beteiligten positiv zu Ende, denn wer kann nach einem furiosen "Rock You Like A Hurricane" und "Rock Bottom" als Finale auch nur einen Hauch von Enttäuschung spüren? Gut, "Blackout", das zuvor schon öfter präsentiert wurde, wäre vielleicht noch das Sahnehäubchen gewesen, aber man kann bekanntlich nicht alles haben.





Setlist MICHAEL SCHENKER:

Doctor Doctor (UFO)
Where the Wild Wind Blows
Lovedrive(Scorpions)
Another Piece Of Meat(Scorpions)
Assault Attack
Armed And Ready
Instrumental
Before The Devil Knows Youre Dead
Lights Out (UFO)
Too Hot To Handle (UFO)
Rock You Like A Hurricane (Scorpions)
Rock Bottom (UFO)


Nach diesem Exkurs in die Geschichte des Rock, ging es schlagartig in die Moderne und vor allem Brutale. ARCH ENEMY standen noch vor einiger Zeit vor dem Nichts und Michael Amott wollte nach dem Ausstieg von Angela Gossow schon alles hinschmeißen. Doch gerade sie rettete dank ihrer Freundin und nun Nachfolger Alissa White-Gluz die Melodic Death Metaller vor dem Untergang.

Am Nova Rock konnte die Band zwar zeigen, dass noch mit ihnen zu rechnen ist, doch in den 50 Minuten am Nachmittag durften sie ihr komplettes Potential noch nicht entfalten. Dennoch: was ARCH ENEMY am Masters Of Rock aufführten, konnte ich beim besten Willen nicht erwarten. Eine Show wie im Bilderbuch. Die Lichter gingen aus und das Intro „Khaos Overture“ sorgte für Spannung, vor allem weil die Fanrufe schon laut waren. Der Hit „Yesterday Is Dead And Gone“ fegte sofort alle Zweifel davon. Alissa ist eine Frontsau wie man sie sich wünscht. Sie feuerte die Fans an, gab sich stimmgewaltig und bühnenerfahren. Von Unsicherheit oder Nervosität war keine Sekunde etwas zu spüren. Währenddessen feuerten Amott und Kollege Nik Cordle Salven an Riffs, Soli und Leads auf die Zuhörerschaft und Bass-Hühne Sharlee D´Angelo gab seinen Bestes um für Druck zu sorgen. „Ravenous“, das getragene „My Apocalypse“, „Dead Eyes See No Future“ und „We Will Rise“ gehören zum Standard-Repertoire der Band und haben mit Alissa nichts an Stärke verloren, während das Instrumental „Snow Bound“ und „No Gods, No Masters“ für Verschnaufpausen sorgten. Doch auch das furiose „As The Pages Burn“ und „War Eternal“ vom gleichnamigen neuen Werk, stehen den Klassikern nicht wirklich in etwas nach.





Zum Abschluss gab es noch den Überhit und Ohrwurm „Nemeesis" und das zweite Instrumental „Fields Of Desolation“, ehe man sich während des Outros „Enter The Machine“ von den begeisterten Fans verabschiedete. ARCH ENEMY waren an diesem Abend ähnlich wie SABATON eine Einheit und Live-Macht, die ich so nicht erwartet hatte. Michael und Alissa haben es wirklich mühelos geschafft, dass sich die Fans fragen: „Wer bitte ist Angela?“ – ebenso wie der Ablauf des Wechsels im Hintergrund, kann man zu deren Live-Schaffen nur sagen: „well done!“





Setlist ARCH ENEMY:

Khaos Overture (Intro)
Yesterday Is Dead and Gone
War Eternal
Ravenous
Revolution Begins
My Apocalypse
You Will Know My Name
Bloodstained Cross
Dead Eyes See No Future
As The Pages Burn
No Gods, No Masters
Dead Bury Their Dead
We Will Rise
-
Snow Bound
Nemesis
Fields Of Desolation
Enter the Machine (Outro)


Schon im Vorhinein war ich etwas skeptisch, was den Auftritt der Hamburger Kürbisköpfe von HELLOWEEN angeht. Klar, das aktuelle Werk „Straight Out Of Hell“ ist stark und macht Spaß, doch bereits bei der dazugehörigen Tour im vergangenen Jahr merkte man eine gewisse Müdigkeit und Lustlosigkeit im Bandgefüge. Außerdem wird Frontmann Andi Deris, der sich mehr oder weniger seinem Vorgänger Michael Kiske, der ja einen Tag später zu ungefähr zur selben Zeit einen Termin hatte, stellen musste, immer mehr zum Streitthema. Der Einstieg mit „Walls Of Jericho“ war natürlich wie immer gelungen und die Stimmung war großartig. Doch bereits bei „Eagle Fly Free“, welches mich dank Änderungen in der Betonung etwas nervt, trübte den Spaß etwas. Dass man dann mit „Nabataea“, „Where The Sinners Go“ und „Waiting For The Thunder“ die Hittdichte drastisch reduzierte machte das Ganze auch nicht besser. Doch mit „Starlight“ und „Ride The Sky“, beides Schätze vom Debüt „Walls Of Jericho“ machten die Hanseaten dann doch wieder einiges gut. Zum Glück hüpfte, tänzelte und grinste sich Markus Großkopf nach wie vor über die Bühne, während Michael Weikath mit Posen und Grimassen-Ziehen beschäftigt war. Nur Sascha Gerstner wirkte irgendwie etwas unbeteiligt, zog aber souverän sein Ding durch.





Was HELLOWEEN schon immer konnte, ist die Geduld zu strapazieren, denn anstatt eines zum x-ten Mal gehörten Drum-Solos und 10-minütigen Mitsingspielchen, hätte man dann doch endlich mal wieder den einen oder anderen selten gespielten Hit ausgraben können. Dafür machten aber „Power“ und „Dr. Stein“ umso mehr Spaß. Das in kompletter Länge gespielte „Halloween“ war da natürlich ebenso willkommen, doch wie man „I Want Out“ richtig spielt, sollten wir erst am folgenden Tag dank UNISONIC erfahren.

So gute Musiker HELLOWEEN auch sind, irgendwie könnte es bald passieren, dass sie zu einer Parodie ihrer selbst verkommen. Die unnötige Zeitschinderei und der nachlassende Gesang von Andi Deris schrecken sogar mich als langjährigen Fan ab. Ich hoffe wirklich, dass sich da bald etwas zum Positiven ändert, denn gute Stimmung und ein paar Klassiker reichen auch nicht ewig.





Setlist HELLOWEEN:

Walls Of Jericho (Intro)
Eagle Fly Free
Nabataea
Where The Sinners Go
Waiting For The Thunder
Starlight
Ride The Sky
Drum Solo
Where The Rain Grows
Live Now!
Power
Are You Metal?
Dr. Stein
-
Halloween
Future World
I Want Out
A Tale That Wasn´t Right (Outro)

Als letztes durften die Jungs von CIVIL WAR ihr Können zeigen und dass sie es drauf haben war den meisten bewusst. Dass es, als bei SABATON gleich vier Mitglieder die Formation verließen, einen gewaltigen Aufschrei gab, war zu erwarten, doch dass die beiden Gitarristen Rikard Sundén und Oskar Montelius, Drummer Daniel Mullback und Keyboarder Daniel Mÿhr gemeinsam weiter machten war dann doch nicht zu erwarten. Als Sänger wurde niemand geringerer als ASTRAL DOORS Gesangsgott Patrik Johansson gewonnen. Somit stand einem feinen Konzert nichts mehr im Wege. Wie dem Bandnamen nach dreht sich vieles um den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wo wir auch schon beim Musikalischen wären, wäre nicht die markante Stimme von Patrik, die mit Joakim gar nichts gemeinsam hat, so gebe es bei machen Songs durchaus Verwechslungsgefahr. Hervor zu heben wären der Live-Kracher „I Will Rule The Universe“ der nicht mehr aus den Gehirnwindungen verschwindet und „Rome Is Falling“, das ebenfalls als guter Stoff bezeichnet werden kann. CIVIL WAR haben definitiv Potenzial und können noch mächtig Staub aufwirbeln, mich haben die Jungs auf jeden Fall als neuen Fan dazugewonnen.





Setlist CIVIL WAR:

Saint Patricks Day
Sons Of Avalon
Gettysburg
Brother Judas
Lucifers Court
I Will Rule the Universe
King Of The Sun
Civil War
Rome Is Falling

Und wieder ging ein Tag bestehend aus Hitze, guter Unterhaltung, fettigem Essen und feinem Metal und Rock zu Ende. Tag vier kann also nach einer kurzen Nacht gerne kommen, wir sind bereit.


FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

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Beitrag vom 23.07.2014
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