OPETH   ALECST  
30.10.2014 @ Arena

Die große Halle der Arena Wien ist eigentlich wirklich keine kleine Venue, aber halt doch bedeutend kleiner als der Gasometer. Da konnte man OPETH nämlich bei ihrem letzten Auftritt in Wien bestaunen. Das wirkt jetzt vielleicht wie ein Downgrading, ist es aber eigentlich nicht. Die Arena war nämlich gerammelt voll, ausverkauft sogar. Und sowieso die angenehmere Location für das Publikum. Einerseits von der Atmosphäre, andererseits auch vom Sound her. Bitter halt für jene, die sich nicht rechtzeitig ein Ticket gesichert hatten, aber schöner für jene mit Ticket. Die Show war nämlich schon ein paar Tage zuvor ausverkauft.

Los ging der Spaß schon recht früh. ALCEST, die von Mikael Åkerfeldt selbst als Support ausgesucht wurden, eröffneten bereits vor 20 Uhr den Konzertabend. Die Halle war zwar auch anfangs nicht schlecht gefüllt, aber irgendwie rechnet man einfach nicht damit, dass ein Konzert mit zwei Bands schon vor acht Uhr losgeht. Wenig überraschend also, dass sich mit Fortschreiten des Sets auch immer mehr Menschen vor der Bühne tummelten. Stimmig trotzte man mit den Shoegaze-Nummern des aktuellen Albums "Shelter" den anfänglichen Klangproblemen. Zart melancholische Gitarrenmelodien setzen sich gegen überbordende Bässe eben eher schlecht durch. Gleiches gilt für die Gesänge von Neige und Zero. Die Klangprobleme pendelten sich dann aber relativ schnell wieder ein, was gemeinsam mit der durchwegs guten Publikumsresonanz für eine schöne Atmosphäre sorgte. Für viel Publikumsinteraktion ist in einem eher kurzen Set von 40 Minuten leider nicht sehr viel Platz, aber gut, da soll es Schlimmeres geben. Ein bisschen Animation zum Klatschen während den Songs und das eine oder andere "Dankeschön" und man ist zufrieden. Spielerisch gab man sich keine Blößen und auch Neiges gutturale Vocals bekam man zu hören, die immer noch schön kräftig rüber kommen. Der Schwerpunkt lag aber natürlich auf dem aktuellen Album, das dann doch eher etwas sanft daher kommt - Shoegaze eben. Eine gute Show auf jeden Fall, fairerweise muss man aber sagen, dass ALCEST-Auftritte auf kleineren Bühnen irgendwie doch besser funktionieren.





Setlist ALCEST:

Opale
Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles
Autre Temps
L´eveil Des Muses
Percées De Lumière
Délivrance


Nachdem das gesamte Equipment von ALCEST flink abgebaut worden war, wurden die gesammelten Gerätschaften von OPETH, die bereits die ganze Zeit über schwarz abgehangen auf der Bühne thronten, enthüllt. Nach einem mehr oder weniger kurzer Line-Check und genereller Bastelei, läutete schließlich ein Introtrack OPETH ein. Mit "Eternal Rains Will Come" vom aktuellen Album "Pale Communion" startete man recht rockig ins Set, das zunächst auch von einigen Soundproblemen geplagt war. Die legten sich zum Glück aber relativ schnell und als OPETH mit "Bleak" in die dritte Nummer des Abends eintauchten bestand Klarheit, dass dieses Mal nicht nur cleaner Gesang aufgetischt wird. Ebenfalls erfreulich, dass sich Mikaels Ansage im Interview, dass es ihm im Moment stimmlich so gut wie schon lange nicht mehr ginge, bewahrheiteten. Die Growls waren so kraftvoll, wie man sie sich nur wünschen konnte und der Gesang saß sowieso. Und dass jedes Mitglied von OPETH sein Instrument beherrscht, sollte eigentlich nicht extra erwähnt werden müssen.

Gitarrentechniker war übrigens Per "Sodomizer" Eriksson von BLOODBATH, der Herrn Akerfeldt regelmäßig mit neuen Plektren versorgen musste, wenn eben jener auf die Idee kam Menschen in den ersten Reihen mit eben solchen zu bewerfen. Gerufen wurde er aber nur mit "Sanitizer", was jetzt schon ein bisschen gemein ist. Spektakulärster Auftritt war aber jener Einsatz, als Mikaels Gitarrenamp scheinbar den Geist aufgab. Während hinter den Amps schwedische Flüche ausgerufen wurde, stellte sich heraus, dass Mikael und nicht der Amp schuld an der Sache war. Im Gegensatz zum letzten Auftritt im Gasometer blieben also zum Glück langwierige Gitarrenprobleme aus, dafür gab es halt auch kein Drumsolo. Einzig Frederiks Gitarre schien beim letzten Song vor der "Zugabe" - das großartige "The Grand Conjuration" inklusive Live-Percussion übrigens - zu streiken, das Problem konnte aber anscheinend schnell behoben werden.





Überhaupt gab sich Mikael zwischen den Songs sehr redselig, was auch daran liegen mochte, dass die Pausen durch das Umstimmen der Saiteninstrumente insgesamt relativ lange ausfielen. Interessanterweise ist OPETH übrigens jene Band, bei der mit Abstand eben in genau diesen Pausen völlig wahllos Songtitel nach vorne plärren. Was für einen eher zivilisierten Konzertbesucher schon eher etwas lästig sein kann ist normalerweise für die Menschen auf der Bühne auch nicht gerade angenehmer. Ähnlich das eher neue Phänomen, dass zu jedem Zeitpunkt mindestens ein Smartphone in die Höhe gehalten wird, weil es anscheinend angenehmer ist das Treiben auf der Bühne über einen kleinen Monitor zu verfolgen als ohne elektronische Hilfsmittel. Aber es wäre nicht Mikael Åkerfeldt, wenn man solche Umstände nicht auch in recht unterhaltsame Ansprachen zwischen den Songs einfließen lassen könnte. Situationskomik wie sie im Buche steht.

Die Playlist war eine schöne Mischung aus den härteren und sanfteren Schaffensphasen von OPETH. Mit Ausnahme von "Orchid" wurde übrigens jedes Album mit einem Song bedacht. "Pale Communion" war als aktuelles Werk mit drei Songs natürlich etwas stärker vertreten, aber die Playlist war also an sich sehr ausgewogen. Zu Schluss ging es dann einmal kurz von der Bühne hinunter und unter Jubel wieder hinauf, wie es halt so üblich ist. Die einzelnen Musiker wurden auch noch kurz vorgestellt, wobei Gitarrist Frederik und Keyboarder Joakim mit je einem kurzen Solo ihre doch etwas beeindruckenden Fähigkeiten zum Besten gaben. Dann wurde noch "Deliverance" als krönenden Abschluss intoniert. Sicherlich einer der besten Live-Auftritte, die man dieses Jahr in Wien erleben durfte. Schön war´s. Jederzeit wieder.





Setlist OPETH:

Eternal Rains Will Come
Cusp Of Eternity
Bleak
The Moor
Advent
Elysian Woes
Windowpane
The Devil´s Orchard
April Ethereal
The Lotus Eater
The Grand Conjuration
-
Deliverance



FOTOS + E-CARDS
www.opeth.com

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Beitrag vom 04.11.2014
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