SAXON   SKID ROW   HALCYON WAY  
18.11.2014 @ Posthof

Man könnte Rock-Konzerte, die im Herbst im Posthof stattfinden, auch als Klassentreffen der Bandshirt- und Kuttenträger bezeichnen, denn unser Bundesland kann sich ja nicht wirklich als gesegnet bezeichnen, wenn es um Konzerte dieses Genres geht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man jede Menge ausgehungerte (im musikalischen Sinne) Freunde und Bekannte trifft, die einfach Lust auf eine gehörige Portion Stahl haben und dafür nicht zig Kilometer in Kauf nehmen wollen. Diesmal verirrten sich die NWOBHM Urgesteine von SAXON in den Linzer Posthof, die nach dem genialen Auftritt am See Rock Festival im Sommer nun schon wieder Österreichischen Boden betraten. Im Gepäck niemand Geringeren als die Haudegen von SKID ROW und die US-Amerikaner HALCYON WAY.

Eine ganz ansehnliche Menschentraube im Saal wollte wissen, was einem bei den mir unbekannten HALCYON WAY erwartete. Und um gleich ganz ehrlich zu sein, nicht recht viel. Matschiger Sound, entbehrliches Gitarren Geschredder und ein eher durchschnittlicher Sänger sorgten kaum für Stimmung unter den Anwesenden. Musikalisch ist man im Progressive bzw. Power Metal Bereich unterwegs mit eingeworfenen Growls. Meiner Meinung nach eine eher unpassend gewählte Truppe im Slot. Nach zehn Minuten hatte meiner einer dann auch schon genug und dass nicht nur ich so dachte, sah man an der übergehenden Bar im Außenbereich.





Setlist HALCYON WAY:

Conquer
On Black Wings
Web Of Lies
Hatred Is My Cause
Save Your Tears
Desecration Day


Viel besser machten es danach SKID ROW aus New Jersey, bei denen sich deutlich mehr Menschen vor die Bühne verirrten. Nachdem ich heuer schon Ex Sänger Sebastian Bach am Masters Of Rock lauschen durfte und die Stimme des Blondschopfes nicht mehr das Gelbe vom Ei ist, war ich gespannt, wie sich sein Nachfolger Johnny Solinger anstellen würde. Keine Frage - um Welten besser. Auch wenn nicht jeder Ton perfekt getroffen wurde, hatte Johnny die Meute von Anfang auf seiner Seite und sorgte für eine ausgelassene Atmosphäre. SKID ROW bekamen nur 45 Minuten Spielzeit zugesprochen und so musste die Zeit natürlich genutzt werden. Man konzentrierte sich auf das Wesentliche und hielt die Ansprachen kurz, um so viele Songs wie möglich abfeuern zu können. Das Set wurde mit „Slave To The Grind“ würdig eröffnet. „18 And Life“ erhöhte das Bewegungspensum der Fans dann noch um eine Spur und die Stimmung war am bisherigen Höhepunkt. Johnny kitzelte alles aus den Anwesenden heraus und auch der Rest der Truppe war gut in Form. Besonders Gitarrist Scott Hill nutzte den Platz auf der Bühne ausgiebig zum Posen und Scherzen. Zum Finale durften neben dem vom aktuellen Album stammenden "We Are The Damned" zwei Schmankerl der Bandhistorie natürlich nicht fehlen, das giftige „Monkey Business“ und eh klar „Youth Gone Wild“ sorgten für einen gelungenen Abschluss. SKID ROW in dieser Form in Linz, gerne wieder.





Setlist SKID ROW:

Slave To The Grind
Piece Of Me
Makin A Mess
Big Guns
18 And Life
Thick Is The Skin
Psycho Therapy (RAMONES Cover)
Monkey Business
We Are The Damned
Youth Gone Wild


Pünktlich um 21:30 folgte „It´s A Long Way To The Top (If You Want To Rock´n´Roll) und Reifengequietschte, das als Intro diente, ehe Biff und seine Truppe den Saal betraten. Vielleicht nicht ganz nüchtern, doch die Vorfreude war riesig, da die Briten heuer in Graz ein erstklassiges Konzert ablieferten und kommt ja unter den Besten vor, dass man einmal über den Durst trinkt. Und eines gleich vorweg, meine Erwartungen wurden zu 100 Prozent erfüllt. Eine Setlist die keine Wünsche offen ließ, eine sympathische Truppe die die Nähe zu den Fans suchte, perfekte Musiker und eine grandiose Stimmung die für einen gelungenen Rock Abend sorgten. Wenn eine Band einen seiner größten Hits gleich zu Beginn abfeuert, muss sie entweder sehr mutig sein, oder eine enorme Songauswahl ihr Eigen nennen. Bei SAXON trifft eindeutig Punkt zwei zu.





Wie zu erwarten war nach diesem Beginn auch die Stimmung, ehe mit der 80er Jahre Hymne „Power And The Glory“ und „Solid Ball Of Rock“ gleich weiter scharf geschossen wurde. Welch großartige Songs! Anschließend ein persönliches Highlight, da „Lionheart“ vom gleichnamigen Album gezockt wurde und ich bisher noch nicht in den Genuss kam eine Nummer dieses unterbewerteten Werkes live zu erleben. Sechs Minuten pure Kraft gemischt mit einem eingängigen Sound und einem Mitgröhl-Refrain allererster Güte. Peter „Biff“ Byford erwischte wie schon im Sommer einen sehr guten Tag und kann stolz sein, auch nach 40 Jahren noch so eine großartige Stimme sein Eigen nennen zu dürfen. Die Axt-Fraktion Tim „Nibbs“ Carter, Doug Scarratt und Gründungsmitglied Paul Quinn zockten was das Zeug hielt und heizten mit vereinzelten Solis den Anwesenden ordentlich ein. Zu Titeln wie „Strong Arm Of The Law“, „Heavy Metal Thunder“ oder „The Eagle Has Landed“ braucht man glaube ich nicht viel sagen, die funktionieren live einfach kompromisslos. Biff war gut drauf an diesem Abend und plauderte immer wieder aus dem Nähkästchen, zwischendurch wurde kurz diskutiert aus welchem Jahr denn welcher Song ist, aber man muss ja nicht alles wissen, eine England-Fahne von einem Fan wurde unterschrieben und die Fans wurden animiert zum Mitsingen, ehe es schon mit den nächsten Gustostücken weiterging. „Crusader“ wurde wohl am lautesten mitgesungen, ehe der Klassiker „Princess Of The Night“ deutlich machte, dass sich der Auftritt dem Ende näherte. Doch das war es noch nicht, nach kurzer Erholungspause durften „Wheels Of Steel“ und „Denim & Leather“ nicht fehlen, bei denen nochmal ordentlich die Post abging. Ein Hitfeuerwerk vom Feinsten, was die Briten hier los ließen. Somit blieben keine musikalischen Wünsche offen und ein feiner musikalischer Leckerbissen endete nach 110 Minuten Spielzeit. Respekt den älteren Herren, dass hier fast zwei Stunden gerockt wurde. Ich hoffe, dass SAXON noch lange motiviert sind, denn in dieser Form kann man die Legenden nicht oft genug sehen.





Setlist SAXON:

Motorcycle Man
Sacrifice
Power And The Glory
Solid Ball Of Rock
Lionheart
Bands Played On
Got To Rock (To Stay Alive)
Strong Arm Of The Law
Frozen Rainbow
Heavy Metal Thunder
Demon Sweeney Todd
Suzie Hold On
The Eagle Has Landed
20.000 Ft
747 (Strangers In The Night)
Crusader
Princess Of The Night
-
Wheels Of Steel
Denim & Leather


Alles in allem ein gelungener Abend im Posthof, bei dem man auch mit den Besucherzahlen ganz zufrieden sein kann. Geht doch auch öfter, oder?


FOTOS + E-CARDS
www.saxon747.com

AndyVanHalen
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Beitrag vom 21.11.2014
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