CANNIBAL CORPSE   REVOCATION   AEON  
22.11.2014 @ Szene

Es gibt ja solche Bands, die immer ein ziemlich heterogenes Publikum ansprechen - stilistisch, sowie alterstechnisch. CANNIBAL CORPSE gehört da definitiv dazu. Da kann man schon mal mit ansehen, wie sich der Bar junge Grünschnäbel mit dem Hosenbund der Baggy-Pants in der Kniekehle und der Baseballmütze auf dem Kopf neben kuttentragenden Mitvierziger tümmeln. Das ist meist irgendwie interessant mit anzusehen. Weniger amüsant ist aber schon, dass bei Shows von CANNIBAL CORPSE kleine Teile des Publikums gern zu Verhaltensauffälligkeiten neigen. Das sollte auch dieses Mal wieder der Fall sein.

Die schwedischen AEON durften nämlich mit leichter Verspätung, aber dafür mit umso grässlicherem Sound den Konzertabend eröffnen. Das war auch gleichzeitig das Signal für einen Herren mittleren Alters, sich extra nach vorne zu stellen - sozusagen in Poleposition zu bringen - um die Musiker an seinem noch nicht ganz leeren Bierbecher teilhaben zu lassen. Destruktives Herumplärren in den Songpausen inklusive. Gut, AEON sind aber nicht erst seit gestern im Musikgeschäft unterwegs und steckten das ganze Spektakel ganz gut weg. Für das Publikum war es aber ebenso eine Mixtur aus doch eher gestört sein und Fremdschämen, wenn jemand sein Missfallen mit der Musik unbedingt durch ständiges Hochhalten beider Mittelfinger signalisieren muss. Der Sound wurde dann auch allmählich besser und damit einhergehend auch die Stimmung im Allgemeinen. Die Halle war eigentlich recht voll, da ausverkauft und One-Way-Ticket. In der Publikumsinteraktion wirkte AEON übrigens gar etwas verlegen, dadurch war die Stille auf der Bühne zwischen den Songs schon etwas eigentümlich. Auf den Instrumenten gab man sich dafür aber umso routinierter und spielte eine wirklich sehenswerte Show.





Gegen Ende der Show gab´s dann auch einen zweiten Bierwurf von besagtem Störenfried, der dieses Mal aber mit einer höflichen Rüge der Band quittiert wurde. Ein junger, wenngleich etwas übereifriger Fan pöbelte den Werfer sogleich ordentlich an, sodass man schon bei der ersten Band Grund zur Sorge hatte, dass sich da eine Schlägerei entwickelt. Das wäre dann gelinde gesagt ein denkbar schlechter Start in den Abend gewesen. Soweit kam es aber dann zum Glück nicht. Im Übrigen blieb das Treiben vor der Bühne im Backstagebereich nicht unbemerkt und noch vor Ende der AEON Show wurde der Querulant dann auch - auf Wunsch der Headliner - von einem Security-Mitarbeiter höflich nach draußen gebeten, wobei jener natürlich jegliche Missetat abstritt. Das half aber alles nichts, gegangen wurde er dann trotzdem. Wenn die Band sagt, er fliegt, fliegt er. Die meisten hat´s eh gefreut, degoutantes Verhalten ist dann ja noch nichts sehr Erbauliches. Auch bei Death Metal-Konzerten darf man Wert auf ein bisschen Etikette legen.

REVOCATION hatten im Anschluss dann von Beginn an einen besseren Sound als ihre schwedischen Vorgänger. Auf der Bühne wirkten sie sympathisch und spielten technisch sehr versiert. Das kam auch beim Publikum gut an, das die Halle wiederum gut gefüllt hatte. Den Song "Madness Opus" - den härtesten den sie nach eigenen Angaben je geschrieben haben, und nebenbei gesagt auch der beste im Set - widmeten sie übrigens den H.P. Lovecraft-Fans im Publikum. Gefühlte vier Menschen fühlten sich angesprochen. Trotz der Offenlegung frappierender literarischer Bildungslücken eigentlich eine nette Widmung. Im Publikum herrschte meistens auch recht viel Bewegung. Wenn man nicht wie von der Tarantel gestochen herumlief, ließ man zumindest den Kopf energisch kreisen. Nebenbei sei übrigens an dieser Stelle ein ungeschriebenes Gesetz von Death Metal-Konzerten erwähnt: Der Mosh- und/oder Circle-Pit hat seine Grenze immer genau dort, wo man selber gerade steht. Und wenn man es schafft das eigene Getränk zu verteidigen und nicht an die Umgebung abzutreten, bekommt dafür in der Hälfte der Fälle das Getränk einer benachbarten Person darüber geschüttet. Die Show von REVOCATION diente zur weiteren empirischen Untermauerung dieser Gesetzmäßigkeit.





CANNIBAL CORPSE durften dann zum Schluss auch auf die Bühne, diesmal sogar mit gutem Sound. Die Bassgitarre von Herrn Webbster war mitunter vielleicht etwas zu leise. Das ist dann immer etwas schade, wenn man in über die Saiten fegen sieht, aber irgendwie nicht wirklich hört, was er da jetzt genau so Eindrucksvolles spielt. Man muss aber festhalten, dass die Songs des neuen Albums - die übrigens blockweise abgefertigt wurden - definitiv einen guten Drive besitzen, die alten aber natürlich auch und bei 13 Alben fällt die Songauswahl schon schwer. Man fand trotzdem einen guten Mix aus älteren und neueren Songs, wirklich jammern konnte man nicht. Der seelensgute Herr Corpsegrinder war übrigens nicht ganz so höflich im Umgang mit Bierwerfern, die sich mit dem Beginn von CANNIBAL CORPSE schlagartig vermehrt zu haben schienen. Androht wurde dann zweierlei nämlich a) die Bühne zu verlassen und b) es persönlich mit ihm zu tun zu bekommen, nachdem man raus geworfen wurde. Eine typische Corpsegrinder-Ansage eben, während der man schön hören konnte wie ein leerer Bierbecher auf einem Kopf einschlug. Applaus gab´s dann auch, aber für die Ansage, nicht für den gezielten Becherwurf. Die Becher flogen dann weiter übers Publikum, aber zumindest nicht mehr auf die Bühne und die Show wurde auch nicht frühzeitig abgebrochen.

Eine Stunde und 20 Minuten konnte man dann CANNIBAL CORPSE in Höchstform genießen, was ja eine tolle Gelegenheit ist um wieder ein bisschen beim Headbangen in Übung zu kommen. Eine Wall of Death wurde übrigens auch vom Publikum gefordert, es wurde aber nichts daraus. Das mag einige jetzt stören, andere aber nicht. Insgesamt also ein versöhnliches Ende für einen Abend, an dem man sich doch über den einen oder anderen Besucher ärgern musste. In diesem Sinne hätte auch der Song "They deserve to die!" gut ins Set gepasst. Aber man kann leider nicht alles haben.





Setlist CANNIBAL CORPSE:

Staring Trough The Eyes Of The Dead
Fucked With A Knife
Stripped, Raped And Strangled
Kill Or Become
Sadistic Embodiment
Icepick Lobotomy
Scourge Of Iron
Demented Aggression
Evisceration Plague
Dormant Bodies Bursting
Addicted To Vaginal Skin
The Wretched Spawn
Pounded Into Dust
I Cum Blood
Disposal Of The Body
Make Them Suffer
A Skull Full Of Maggots
-
Hammer Smashed Face
Devoured By Vermin


Asator
Weitere Beiträge von Asator


Zurück

Beitrag vom 09.12.2014
War dieser Bericht
interessant?

344 Stimme(n)
Durchschnitt: 5.35
Diesen Beitrag bewerten:
  
Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: