ABORTED   ORIGIN   EXHUMED   MIASMAL  
04.12.2014 @ Viper Room

Anfang Dezember ging es ja, was technisch anspruchsvollen und brutalen Death Metal betrifft, in Wien rund. Und wenn man sich da als Auftakt über das unheilvolle Gespann von ORIGIN und ABORTED freuen darf, zeigt dass schon mal in welchem Härtegrad man hier unterwegs ist.

Die schwedischen Herrschaften von MIASMAL setzten dabei übrigens den Auftakt des Abends. Ein bisschen thrashlastiger Death Metal zum Einstand, mit Musikern die wie ein gelebter Anachronismus schienen, sahen doch alle so aus, als ob sie gerade den 70er Jahren entsprungen wären. Koteletten und Stirnfransen inklusive, dazu ausgewaschene Jeans und die dazugehörige offene Jeansjacke über einem stolzen Bierbauch. Eigentlich ein schönes Bühnenbild. Der Auftritt an sich war im Grunde recht solide und ging ohne auffällige Patzer über die Bühne, wenngleich die Show jetzt auch nicht direkt weltbewegend war. Gleichfalls wollte das Publikum einfach nicht so wirklich in Fahrt kommen. Das sollte sich auch im Folgenden bei EXHUMED nicht so wirklich ändern, wobei die Herren etwas mehr Aufwand zur Publikumsanimation betrieben.





Blutverschmierte Mikrowelle auf dem Gitarrenamp, und ein eigens angestellter Kettensägen-schwingender Publikumsanimator mit Atemsschutzmaske und Schürze. Die Kettensäge lief übrigens tatsächlich beim Lauf durchs Publikum (von der Bühne nach hinten und dann wieder retour), Kette war dann aber keine drauf, das hätte sonst zu einer bedenklichen Steigerung der Mortalität und dadurch empfindlichen Einbußen bei den Merch-Einnahmen geführt. Das wollte man dann wahrscheinlich doch nicht. Der Benzingeruch trug übrigens schön zur Atmosphäre bei und wenn ich mich nicht irre konnte man in den vordersten Reihen auch ein schönes Plastik-Imitat eines abgetrennten Beines im Moshpit entdecken. Währenddessen wurde auf der Bühne schön weiter dahin gebrettelt bis so gegen Ende des Sets besagter Animateur wieder zur Band stieß und den Gitarristen mit einer stilvollen Trichter-Schlauch-Kombination, die aussah wie ein offenen Schädel samt Wirbelsäule, "erdrosselte" und zu Boden brachte. Dann gab es durch besagten Trichter ein Dosenbier als Infusion und der Gitarrist bedankte sich scheinbar speibend. Man kann es auch ein bisschen übertreiben. Ganz am Schluss sah man dann auch, was der Inhalt der ominösen Mikrowelle war, ein Plastikschädel-Imitat nämlich, Kunstblut inklusive.





Dann wurde es Zeit für ORIGIN, deren Sängern Jason Keyser die Umbauphase augenscheinlich schon etwas zu lang wurde, zumal er ein bisschen wie ein gefangenes Tier auf der Bühne auf und ab schritt, als ob er es nicht erwarten könnte die angestaute Energie während der Show loszulassen. So wars dann übrigens auch ein bisschen, aber Herr Keyser ist ohnehin für seine bewegungsbetonte Bühnenpräsenz bekannt. Was man aber - zumindest anfangs - nicht vom Publikum behaupten konnte, dass zuerst einmal nach vorne gemahnt werden musste. Die technische Brillanz ORIGINs steht ja ohnehin außer Frage, das war auch jetzt in Wien nicht anders, aber beim Sound hätte es noch Raum nach oben gegeben. Und der Übergang in "Expulsion Of Fury" als zweiten Song ist dann sowieso sehr brutal. So wie es sich halt gehört. Keyser wurde übrigens nicht müde Publikumspartizipation einzufordern, also Mosh- und Circlepits, Headbangen, und sogar eine "slient Wall of Death", die noch vor dem eigentlichem Song stattfinden musste, sonst - so die Drohung - würde die Band überhaupt gar nicht mit dem Song anfangen. Auch der Forderung nach Crowdsurfing wurde nachgegeben und der Herr aus dem Publikum sogar durchgereicht.

Ansonsten war das Publikum, vor allem in den ersten Reihen dazwischen hin und hergerissen, ob man jetzt headbangen sollte, oder weiterhin ob der dargebotenen musikalischen Leistung auf der Bühne mit offenem Mund auf die Musiker zu starren. Crowdgesurft wurde übrigens auch und selbst Jason Keyser wagte einen Versuch, wurde aber recht schnell wieder auf die Bühne zurück geworfen. Ebenfalls schön war die recht ungeplante Zugabe von ORIGIN, zwar bereits damit angefangen hatten die Instrumente abzubauen, aber dann von den anhaltenden Sprechchören doch noch zu einem kurzen Song animiert wurden. Gespielt wurde dann noch einer der kurzen Songs von "Entity", ich glaube "Swarm" war es, möchte mich da jetzt aber nicht zu sehr darauf festlegen. Dann durfte ORIGIN schweißgebadet wieder unter Sprechchören die Bühne endgültig verlassen. Solche Spontanität sieht man eigentlich gerne.





Bei ABORTED gings vorne ähnlich zu, sprich Gemoshe und Headgebange. Also wildes Treiben durch und durch, vor sowie auf der Bühne. Sänger Svencho sprang wie von der Biene gestochen auf der Stage herum, was übrigens tatsächlich glatt als Work-Out durchgehend könnte. Die stimmliche Leistung konnte übrigens mit der sportlichen locker mithalten. Die Vocals waren schön kräftig, aber ohnehin war ABORTED als Band recht tadellos unterwegs. Das spiegelte sich auch im ähnlich bewegungsfreudigen Publikum wider. Ein weiteres Schmankerl war übrigens, dass Matt Harvey von EXHUMED auf die Bühne geholt wurde und bei einem Song die Guest-Vocals machte. Der Song wurde übrigens als "Schnitzel Upon Schnitzel" vorgestellt, was aber bei weitem nicht die einzige Schnitzel-Referenz in den Ansagen bleiben sollte. Immerhin, es gibt doch noch so etwas wie kulturelle Exportschlager aus Österreich.





Bei der hier wohl seit jeher eingeplanten Zugabe zog sich dann auch jemand in den vordersten Reihen tatsächlich das T-Shirt zum Moshen aus. Damit hat man auch das volle Death/Grind-Programm in ungefähr einer Stunde ABORTED bekommen. Schweiß und Bier flossen in Strömen. Darf auch mal sein.

www.facebook.com/Abortedofficial

Asator
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Beitrag vom 25.12.2014
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