DYING FETUS   GOATWHORE   MALVOLENCE   FALLUJAH  
11.12.2014 @ Viper Room

Und am Anfang herrschte das Chaos. Zumindest an diesem Dezemberabend in Wien, als FALLUJAH auf Facebook bekannt gaben, dass ihr Auftritt um 19 Uhr beginnen würde. Zeitgleich dazu stellte man seitens des Viper Room aber eine Running Order mit dem Beginn 19:30 Uhr ins Netz. Gestimmt hat dann letztendlich aber beides nicht. Gegen 19:30 Uhr war man nämlich immer noch mit dem Soundcheck beschäftigt und jene eifrigen Leute, die schon zu dieser frühen Stunde in die Venue wollten, wurden noch vertröstet und weggeschickt. Soll eben vorkommen, konfus war´s halt doch ein bisschen. Irgendwann - so gegen 19:45 Uhr mit eher kleiner Verspätung - ging es dann relativ plötzlich los. So plötzlich, dass einerseits FALLUJAH-Sänger Alex Hofmann die Leute zunächst einmal zur Bühne beordern musste und andererseits der Tontechniker noch ein paar Minuten brauchte um die Bassdrum-Mikrofonierung in Gang zu bringen. Technical Death Metal ohne Bassdrum ist übrigens ein bisschen fad. Dem chaotischen Beginn und der Tatsache, dass es ein Donnerstag Abend war zum Trotz, war auch bei FALLUJAH die Halle halbwegs voll. Und die boten live das, was ihre Alben versprechen: Versierten modernen Technical Death, selbstredend technisch recht anspruchsvoll umgesetzt. Die Stimmung im Publikum war dabei gut, obgleich noch etwas verhalten, was wohl mitunter an der Uhrzeit liegen mochte. Spielzeit gab´s aber leider nur denkbar wenig, nämlich 25 Minuten um genau zu sein.

MALEVOLENCE nach FALLUJAH tanzten musikalisch im Billing etwas aus der Reihe. Zeitmäßig bereits sehr in Verzug - das sollte sich noch den restlichen Abend hindurchziehen - wurden die jungen Herren als zweiter Akt des Abends auf die Bühne geschickt. Der beim Soundcheck kurz angespielten LAMB OF GOD-Nummer folgte im Set dann keine volle Coverversion. Es ging insgesamt aber ohnehin sehr "metalcore-ig" zur Sache, womit auch die zahlreichen Teenager mit umgedrehten Kapperl erklärt gewesen wären. Der "Moshpit" war gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig - zwei verhinderte Capoeira-Hanseln, die sich mit Luftschlägen und Lufttritten in Szene setzen wollten inklusive. Sah so an sich schon merkwürdig aus, auf einem Death Metal-Konzert aber umso mehr. Ohne behaupten zu können MALEVOLENCE als Band wirklich zu kennen, muss dem Songmaterial eine gewisse Vorhersagbarkeit attestiert werden. Beim Core-affinen Teil des Pulbikums kamen die Jungspunde aber über die 30 Minuten Spielzeit hinweg ganz gut an. Unterhaltung eher für die jüngeren Semester.





GOATWHORE, die als Co-Headliner mit auf Tour waren, stachen dann durch die ein Black-metallisch angehauchte Ästhik hervor, sprich Armschinenen mit Killernieten und sowieso durch und durch in schwarz gehüllt. Wer GOATWHORE schon einmal live erleben durfte, weiß was einen bei den intensiven Live-Shows erwartet. Von ersten Schlag an wurde erbarmungslos in feinster Black-Thrash Manier losgebrettert, zunächst zwar mit etwas durchwachsenem Sound, was die Intensität der Musik aber nur minimal beeinträchtigte. In der Setlist fügten sich auch die neueren Songs von der aktuellen Scheibe "Constricting Rage Of The Merciless", die es zu bewerben galt, gut ein. Nachdem man auf besagtem Album aber ohnehin keinen Stilbruch beging, war das dann auch irgendwie zu erwarten. Für das Publikum eine gute Gelegenheit, um sich den Nacken schon einmal für den Headliner aufzuwärmen. Ein starker Auftritt auf jeden Fall.





Das Warten auf DYING FETUS beinhaltende dann eine quälend lange Umbauphase, wobei ein kompletter Schlagzeugwechsel im den nicht gerade für seine geräumige Bühne bekannten Viper Room seinen Teil dazu beitrug. So angespannt die Erwartungshaltung im Publikum - schließlich galt es Energien abzubauen - auch war, der Aufgang auf die Bühne erfolgte dann dafür umso unscheinbarer. Quasi wortlos auf die Bühne und in die Saiten hauen. Vor der Bühne zeigte man sich aber bemerkenswert reaktionsschnell und erging sich in viel Geheadbange und Moshpits. Das Animationsprogramm für so ziemlich jeden Song. Knackiger Sound, technisch extrem versiert und sowieso brutal durch und durch. Die Vocals beider Herren Gallagher und Beasley waren sowieso Gänsehaut erzeugend. Etwas böse aber, dass beim letzten Song ("Your Treachery Dies With You") einerseits geforderte wurde, dass man doch bitte stagediven möge, aber andererseits im gleichen Atemzug auch einen "vicious circle pit" direkt vor der Bühne einreklamierte. Beides zusammen geht aber halt irgendwie schlecht und die zwei Diver des Abends (ein Herr wollte ja dann gleich ein zweites Mal, nachdem der erste Versuch nicht fruchtete) kamen nicht allzu weit, bevor sie in der Menge versanken. Abgesehen davon eine sehr gute Setlist mit ungefähr einer Stunde Spielzeit, die sowohl mit alten als auch neueren Liedern auftrumpfte. Nicht zuletzt konnten die Songs von "Reign Supreme" überzeugten, z.B. "Second Skin", "Subjected To A Beating" oder das ewig brutale "In The Trenches". Auf der Bühne verflüssigten sich John Gallagher und Kollegen zunehmend, was bei der angenehmen Raumtemperatur von gefühlten 30 Grad aber auch nicht verwunderlich war. Noch wenig sogar, wenn man die immense physische Belastung eines DYING FETUS Konzerts - nicht zuletzt für den Drummer - in Betracht zieht. Eine Stunde Vollgas und brachiale Härte. So hat man es gern.





Wer´s gern wackelig mag, kann sich übrigens das Ganze Spektakel auf Youtube nachsehen, nur so als Tipp nebenbei.


Asator
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Beitrag vom 17.02.2015
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