VXPXOXAXAXWXAXMXC   GENUINE ASPECT  
30.01.2015 @ Venster99

Eins gleich vorneweg: Ich bin eigentlich nur wegen VAGINAL PENETRATION OF AN AMELUS WITH A MUSTY CARROT, oder etwas kürzer VxPxOxAxAxWxAxMxC oder noch kürzer VxPx zu dieser Party gegangen. Das ist jetzt für jemanden der in seiner Berichterstattung über das musikalische Geschehen in Österreich - und im speziellen in Wien - eher um Objektivität bemüht ist ein denkbar schlechter Einstieg. Man muss aber auch so ehrlich sein können, so etwas ein zu gestehen. Um die Sache noch schlimmer zu machen, gab auch die einzige Kamera an diesem Tag den Geist auf, weshalb die Smartphonekamera für "hochqualitative" Fotographie herhalten musste. Nun genug der eingänglichen Entschuldigungen.

Was Live-Auftritte betrifft ist VxPx wahrscheinlich eines der obskursten Phänomene, die Österreich zu bieten hat. Das fängt schon mal damit an, dass das Line-Up der Formation dermaßen flexibel ist, dass man auch zwei Konzerte zugleich spielen kann. Auch dieses Mal war nicht die gesamte orginale Besetzung dabei, aber zumindest waren beide Saiteninstrumente vertreten. Für den gewöhnlichen Gesangskünstler Franz Stockreiter aka Fötusgulasch wurde ein angeblich rumänischer Ersatzmann, "Vladi", angeheuert. Gitarrist Robert aka Werner Kniesek meinte dazu nach dem Konzert lediglich salopp: "Scheissegal. Bei uns kann eh jeder singen. Das ist völlig wurscht".



Nur die nobelsten Locations sind gerade gut genug für sie: VxPx in Action


Die "Pugantula Party" fand übrigens im Wiener Nobelschuppen Venster99 statt, das mit Dosenbier um 2,50 Euro und den wohl gepflegtesten Sanitäranlagen der Stadt aufwarten kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sogar erwähnen, dass es keinen Backstageraum im herkömmlichen Sinne gibt, sondern nur ein Lager neben der Bühne. Das wäre jetzt nicht so besonders, wenn der Raum nicht ausschließlich durch Entfernen der Türklinke als Ganzes verschließbar wäre. Aber das nur als kleine Anekdote nebenbei. Dafür fördert das die Interaktion von Bands und Publikum abseits der Bühne.

Im Publikum sind jene Leute, die extra für VxPx anreisen, übrigens meist leicht zu identifizieren. Ganzkörper-Kostüme (an diesem Abend ein Teddy und ein Esel) sowie Leopardenleggins zu einem MARDUK-Shirt samt Leder-Gilet an einem Herren, fallen selbst bei ansonsten auch sehr heterogenem Publikum schnell auf. Insgesamt spielten vier Bands bei der Pugantula Party auf, aus zeitlichen Gründen waren für mich aber nicht mehr als zwei drinnen. Darunter die Wiener Formation GENUINE ASPECT. Zuletzt noch beim Finale des letztjährigen Metalchamp Bandcontest in der schnöden Szene Wien zu sehen, jetzt schon im Venster99. Die Arbeit an der Basis ist eben nicht zu vernachlässigen. Da wie dort eine gute Show und auch an diesem Abend wieder sehenswert im Einsatz um die Grenzen des Metalgenres mit Cello und Violine zu sprengen. Sänger sind ohnehin überbewertet. Weitere Randbemerkung: Ad hoc Schätzungen des Autors zufolge lag der Wert des Equipments der Musiker auf der Bühne während des Auftritts von GENUINE ASPECT wahrscheinlich über dem der gesamten Inneneinrichtung des Venster.

So ein Goregrind-Konzert Marke VxPx unterscheidet sich ja bekannterweise von den Live-Darbietungen in anderen Metal-Subgenres. Das mag jetzt zum Teil daran liegen, dass alberne Kostümierung vor und nicht wie gewöhnlich auf der Bühne vorzufinden ist, erschöpft sich aber nicht daran. Wenn das infernale "Hallo Herr Wurzer" des ehemaligen Lugner-G´spusi, genannt "Bambi", als Intro ertönt und sowohl auf als auch vor der Bühne das Tanzbein geschwungen wird, kann das für mit der Szene nicht vertrauen Menschen schon ein bisschen befremdlichen anmuten. Intros samt Drumtracks wurden übrigens recht spartanisch via Privatlaptop und VLC-Player eingespieltt. Ein Musiker musste sich also immer erbarmen den nächsten Track händisch anzuwerfen, während Gastsänger "Vladi" die auf einen Pappteller gekritzelte Playlist konsultierte, um den nächsten Song ansagen zu können. Mit dem allgemeinen Einwurf, dass er soeben gehört hätte, dass ein gewisser österreichischer Politiker auf einem gewissen zufällig am gleichen Tag stattfindenden Ball mehr tanzen würde als die Menge im Venster machte sich "Vladi" aber wenige Freunde. Dabei wollte er doch nur die Menschen zum Tanze bewegen. Das gelang aber ohnehin ganz gut.



Wer braucht schon eine gedruckte Setlist?: Gitarrist Robert nach der Show


Songs wie "Rancid Monstrosity", "Mass Suicide With A Rusty Comb" oder "Lacerate Some Farmers With A Harvester" werden augenscheinlich als durchaus tanzbar angenommen. Da fiel es auch nicht weiter auf, dass bei "Eyeball Peeler" der Drumcomputer die ersten Takte alleine spielen durfte, bis der Rest der Band dann sukzessive einsetzte. Monitoring auf der Bühne ist schon etwas Schönes, wenn man es hat und man hören kann, was gerade gespielt wird. Vor der Bühne übrigens der gewöhnliche Wahnsinn. Der Mensch im Eselkostüm begann gegen Ende der Show unmittelbar vor der Bühne - nach dem man ihn übrigens schon mehrmals von jener hinunter komplimentieren musste - wild mit einem Klobesen zu gestikulieren. Der war - wie man fürchten muss - aus der Venster-Toilette entwendet und damit nicht unbenutzt. Aber hoffen wir das Beste. Ceterum censeo VxPx sollte sofort ein Amadeus-Award überreicht werden. Dass die dort am Runder sitzenden Dilettanten diesen wertvollen Teil österreichischer Musikkultur seit Jahren übersehen, muss wohl als einer der größten Justizskandale der Zweiten Republik gewertet werden. Aber immerhin brach das Wiener Öffi-System zusammen, weil VxPx spielten. Kann an nichts anderem gelegen haben. Schon gar nicht an diesem einem Ball, gegen den sich das Motto der After-Show-Party wandte.
www.facebook.com/VxPxOxAxAxWxAxMxCx

Asator
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Beitrag vom 20.02.2015
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