SLAYER   ANTHRAX   KVELERTAK  
07.11.2015 @ Gasometer

Wie fängt man einen Live-Bericht zu SLAYER an? Mit einem einfach „SLLLAAAAAAAYYYYYER“, wäre wohl nicht unpassend, aber irgendwie doch komisch. Aber im Endeffekt hört man genau diese (zugegeben doch sehr aussagekräftige) Rufe an allen Ecken, wenn die Ami-Thrash Titanen auf Festivals oder in Hallen gastieren. Am Samstag war es im Wiener Gasometer wieder soweit. Das Konzert lange ausverkauft und auch noch einen weiteren Held der Big4 in Form vom ANTHRAX im Vorprogramm... was sollte da noch schiefgehen?

Den Anfang durfte gegen 19:30 bereits die Norweger KVELERTAK machen. Vielleicht nicht ganz in Bild der Big4 des Thrash passend, machten die Nordmänner trotz grauenhaft schwammigem Sound keine schlechte Figur. Wie gewohnt betrat Frontmann Erlend Hjelvik die Bühne mit Eulenkopf und präsentierte stolz sein Bierbäuchlein, das sofort im Takt mit samt fliegenden Haaren und Bart mit rotierte. Energisch, brutal und dennoch auf eine gewisse Art eingängig, legten die Eulenmänner eine durchwegs intensive Show hin. Da ließen sich die ersten Reihen, die schon verdammt dicht besiedelt waren schnell anstecken und feierten die komplett auf Norwegisch vorgetragenen Songs ab. Dass hier eine so schiere Energie von der Bühne kam, war sowohl der Bewegungsfreude der fünf Herren als auch der dreifachen Gitarrenattacke zu verdanken, aber womöglich auch der nicht optimale Sound. Interessant zu sehen war auch, dass Gitarrist Bjarde Lund Rolland seinen Sechssaiter mehr wie einen Bass bediente, was sich durch ständiges Slapping und Plucking bemerkbar machte. Die halbe Stunde nutzten KEVELERTAK ganz souverän um sich neue Fans zu erarbeiten, denn die eigenwillige Mischung aus Death, Black und Hardcore zog schnell in den Bann.





Dennoch freuten sich viele Fans auf den nächsten Act. ANTHRAX feiern dieser Tage 30 Jahre „Spreading The Disease“, veröffentlichen in Kürze ihr elftes Album und sind live sowieso immer eine Wucht. Und so auch an diesem Abend. Die Amis rund um Scott Ian gaben von der ersten Sekunde an Vollstoff, so dass die Stimmung schnell zu explodieren schien. Ein Hit wurde nach dem anderen abgefeuert. Der Titel „Caught In A Mosh“ war trotz Platzmangel sofort Programm, „Got The Time“ und der Überhit „Madhouse“ wurden rausgeballert ohne Zeit zu verlieren, denn jetzt erst begrüßte der quirlige Joey Belladonna die Fans in Wien ehe es mit „Antisocial“ weiterging. Klarerweise wurde der Hit lautstark mitgebrüllt und abgefeiert als gäbe es kein Morgen mehr.





Aber auch auf der Bühne ging es mehr als rund. Bassist Frank Bello konnte sowieso keine Sekunde ruhig stehen, schoss quer über die Bühne, hin und zurück und moshte, so dass sein Gesicht so gut wie nie zu sehen war, und wenn doch, dann mit dickem Grinser und diversen Grimassen. Eine Spur ruhiger, aber dennoch mit sichtlichem Engagement gingen es Scott und Neuzugang Jon Donais an, während Jon Dette, der nach wie vor Charly Benannte, der immer mal wieder wegen Handproblemen aussetzen muss, würdig vertrat. Und Belladonna, der mit seinen 55 Lenzen irgendwie schon aussieht wie so manch Großmutter, ließ von seinem Alter keine Sekunde etwas erkennen, auch er machte einige Kilometer und war bei bester Stimme. Einziger Wermutstropfen beim Gig von ANTHRAX war der übersteuerte und viel zu laute Bass.

Aber die Amis waren souverän genug um diesen Umstand schnell vergessen zu lassen. Scott Ian wieß auf das kommende Werk hin und so präsentierte man „Evil Twin“, das aber noch etwas sperrig daher kommt und Hits wie dem unausweichlichen „Indians“, oder dem abschließenden „Among The Living“ vom erwähnten Debüt nicht ganz das Wasser reichen konnte. Dafür kann ich mir die vom letzten Album stammenden Tracks „Fight Em Till You Can´t“ und „In The End“ eigentlich nicht mehr aus dem Set wegdenken, haben die Thrash-Granate und die Gänsehaut-Hymne doch ihren ganz eigenen Charme. Hier hieß es definitiv warm anziehen für SLAYER.





Setlist ANTHRAX:

Caught In A Mosh
Got The Time (JOE JACKSON)
Madhouse
Antisocial (TRUST)
Evil Twin
Fight Em Till You Cant
Indians
March Of The S.O.D. (STORMTROOPERS OF DEATH)
In The End
Among The Living

Die Herren dürften aber um den Umstand gewusst haben, dass sie hier einen verdammt heißen Partner im LineUp haben und machten mit einer Leinwand die die Bühne verhängte gleich auf dicke Hose. Mit nur fünf Minuten Verspätung startete dann auch schon das Intro und dicke umgedrehte Kreuze und Pentagramme flimmerten über den Vorhang eher dieser mit einem Knall fiel und schon wurde der neue Kracher „Repentless“ rausgeballert. Danach ging es mit opulentem Bühnenbild, großer Lichtshow und leider wieder sehr schwammigen Sound Schlag auf Schlag. „Postmortem“ wurde gleich an den Anfang gesetzt, „Hate Worldwide“ schloss sich nahtlos an und zu „Disciple“ brüllte sich Tom Araya wie gewohnt mit den treffenden Worten „God hates us all...“ die Seele aus dem Leib. Karry King ließ den Bart wackeln und schredderte sich gekonnt durch seine Soli, während Gary Holt (EXODUS) auf der Bühne stand wie eine Eins und wirkte, als wäre das schon immer so gewesen. Währenddessen bretterte Paul Bostaph hinter der riesigen Schießbude alles raus, was da war; zu sehen war er hinter dem Monstrum von Drumkit aber nicht.





Zur musikalischen Komponente, die man bei SLAYER wohl nicht mehr großartig vorstellen braucht, gestellten sich für eine Thrash Metal Band eher unübliche Elemente wie das genannte Bühnenbild sowie umgedrehte Alukreuze, die an der Decke hingen und auch zwischendurch mal heruntergelassen wurden. Ansonsten waren die Herren die meiste Zeit in rotes Licht und viel Nebel gehüllt. Zwei weitere Songs vom aktuellen Werk „Repentless“ wurden in Form der Single „Implode“ sowie „Vices“, die sich wenig überraschend, nahtlos ins Set einfügten, vorgestellt. Ansonsten gab es aber keine großartigen Überraschungen, denn Dauerbrenner wie „Dead Skind Mask“, „Hell Awaits“ oder „Mandatory Suicide“ werden wohl nie aus dem Set fallen. Nach sage und schreibe 17 Songs und so gut wie keinen Ansagen verabschiedeten sich SLAYER von den Brettern und ließen keinen Zweifel daran, dass es ein Wiedersehen gibt, denn ohne „South Of Heaven“, „Raining Blood“ und „Angel Of Death“ würden sich Tom und Kerry wohl kaum von der Bühne runter trauen.





Setlist SLAYER:

(Delusions Of Saviour)
Repentless
Postmortem
Hate Worldwide
Disciple
God Send Death
War Ensemble
When the Stillness Comes
Vices
Mandatory Suicide
Chemical Warfare
Die By The Sword
Black Magic
Implode
Seasons In The Abyss
Hell Awaits
Dead Skin Mask
World Painted Blood
-
South Of Heaven
Raining Blood
Angel Of Death

SLAYER boten einen mehr als soliden Auftritt, der jeden Slaytanic zufriedenstellen sollte, doch bei mir und sicher einigen anderen Zuschauern stellte sich gerade im Mittelteil ein gewisser Blur ein. Die Songs flogen ohne große Ausrufezeichen nur so an einem vorbei und erst die Zugabe mit den ganz großen Hits erzeugte gegen Ende wieder die großartige Stimmung des Anfangs. Somit hatten ANTHRAX, die zu jeder Sekunde vollends zu begeistern wussten einfach die Nase vorne und lassen auf eine vollwertige Headliner-Tour zum neuen Album hoffen. Thrash-Fans wurden auf jeden Fall hier von allen Seiten bedient, wenn auch mit verbesserungswürdigem Sound. Aber wenn SLAYER zum Konzert ruft, wenden wieder genügend mit „SSSLAAAAYYYYEEER“ antworten und zur Stelle sein – so sicher wie das Amen im Gebet.

www.slayer.net
anthrax.com
kvelertak.com


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Beitrag vom 09.11.2015
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