IN FLAMES   BLACK TEMPLE  
18.11.2015 @ Posthof

Gut ein Jahr ist es her, dass die Melodic Death Metal Pioniere IN FLAMES in Wien ihr aktuelles Album „Siren Charms“ präsentierten. Bei gutem Sound, gelungener Lichtshow und wie gewohnt starker Performance zeigten sich Anders Fridén und seine Jungs trotz grobem, aber vorhersehbarem Umschwung im Stil als gewohnte Live-Macht. Dass die Göteborger jetzt auf der zweiten Tour seit Release dieses Werkes auch in Linz halt machten, war dann doch überraschend, verirrten sich die Herren doch 2004 zum letzten Mal in den Posthof. Diesem, und wahrscheinlich auch jenem Umstand, dass aufgrund des Kulturmonats dank Arbeiterkammer die Tickets zum Preis von 10€ angeboten wurden, verdanken die Veranstalter den schon früh restlos ausverkauften Saal.

Dass die Nordmänner bereits vor einem Jahr in Österreich waren und auch im vergangenen Sommer am Nova Rock für eine fette Performance sorgten, schreckte wohl niemanden ab, den Posthof zu besuchen, ganz im Gegenteil, die Band baute bei diesen Gelegenheiten wohl ihre Fanbase noch weiter aus. Dementsprechend befanden sich auch recht viele, sehr junge Fans an diesem Abend im Publikum. Man bedenke, IN FLAMES existieren bereits seit nunmehr 25 Jahren und erzielten ihren Durchbruch Mitte der 90er mit waschechten Melodic Death Scheiben, weshalb man eher Old-School Fans und Kuttenträger erwarten sollte.

Dank den Schweden BLACK TEMPLE, tat sich im Vorprogramm eine kleine Überraschung auf, denn die Jungs, die auch nicht zufällig diesen Slot ergatterten, hat sie doch Anders Fridén höchstpersönlich entdeckt und bei seinem Label Razzia Notes unter Vertrag genommen, lieferten eine außergewöhnliche Performance.

In düsterem Licht und dichtem Nebel stand das Trio zunächst regungslos, von einem Intro, passend zu dieser Atmosphäre begleitet, auf der Bühne, ehe die Hölle auf selbiger losbrach. Mit „Acid Rain“ gaben die drei Herren, bei ziemlichen rohem und fast etwas matschigem Sound sofort Vollstoff. Der noisige Postcore brach über die Crowd herein, doch die wusste scheinbar nicht so recht, wie ihr geschah und so brauchten BLACK TEMPLE auch etwas Anlaufzeit um zu zünden. Die Songs vom, kürzlich über Century Media auch im restlichen Europa veröffentlichten Werk „It All Ends“ erzielten im späteren Verlauf dann doch ihre Wirkung und spätestens das eingängigere „Unlikely Event“ erreichte vollends das Publikum. Auch wenn die Musik etwas brauchte um auf Betriebstemperatur zu kommen, so war es durchaus eine Freude den dreien bei ihrer energischen Performance zuzusehen. Sänger und Bassist Jonas und Gitarrist Witold wirbelten über die Bühne, schädelten was das Zeug hielt und animierten das Publikum so gut es ging. Jonas ließ zudem das Publikum zwischendurch nicht vergessen, dass wir ja wegen IN FLAMES hier sind und betonte, dass auch er sich auf den Gig sowie über die gemeinsame Tour, die bereits seit sechs Woche läuft freue.





Womöglich stilistisch nicht der passendere Supporter, den man hier präsentierte, auch mit matschigem Sound, fand ich den Auftritt der energischen Schweden trotzdem durchaus solide.

Setlist BLACK TEMPLE:

Acid Rain
Oncoming Fire
100 Years
Low Points
Unlikely Event
Sleepy River

Nach einer etwas längeren Pause wurde es gegen 21:10 finster im Saal als das im Live Set längst überfällige Zwischenstück „Jester´s Door“ vom „Sounds Of A Playground Fading“ Album den Gig von IN FLAMES mit Gänsehaut einläutete. Den sperrigen Opener „Everythings´s Gone“ vom aktuellen Werk fand ich jedoch weniger passend. Zudem war Anders so gut wie nicht zu hören und der Sound zu diesem Zeitpunkt im Allgemeinen als katastrophal zu bezeichnen. Dennoch war sofort eine schiere Energie zu spüren. Das opulente Bühnenbild mit Visuals wo man nur hinblickte war eine Augenweide. Das von GoPros live aufgenommene Treiben auf der Bühne, wurde zudem über die zahlreichen Bildschirme in leicht künstlerischer Form gezeigt, was mächtig Eindruck hinterließ. „Alias“ erfreute mich im Anschluss auch nicht besonders, doch sprach man damit sehr wirkungsvoll das ganz junge Publikum an, wie man an der regen Beteiligung am Gesang schnell merkte. Erst „Darker Times“ zündete bei mir und vielen Fans der härteren Töne von IN FLAMES.

Trotz meiner Liebe zum bald folgenden „Black & White“ wollte dieses einzigartige Gefühl, dass die Schweden bei mir stets zu erzeugen vermochten, leider, irgendwie nicht aufkommen. Klar, Themen wie der neue Stil, die Entfernung vom Death Metal oder ein Mangel an Klassikern, könnte man hier nun zu Tode kauen, doch in Wien störten diese Veränderungen der Band auch nur bedingt. Auch der Dauerbrenner „Pinball Map“ konnte den Funken nicht komplett überspringen lassen – einen ersten Moshpit gab es allerdings, wenn auch noch von etwas verhaltenem Publikum. Schön war zwar, dass die Herren ihr Set im Vergleich zum Vorjahr gehörig umkrempelten, doch gerade die Auswahl der Songs aus „Siren Charms“ war recht enttäuschend, da hätte es auf jeden Fall bessere Alternativen gegeben.





Nun genug der Kritik: Anders, Björn, Niclas, Peter und Daniel gaben sich redlich Mühe um das Publikum bei Laune zu halten. Der charismatische und immer noch sehr bärtige Fronter sparte zwar an Worten um mehr Songmaterial präsentieren zu können, doch die Ereignisse in Frankreich, weshalb IN FLAMES auch ihren Paris-Gig absagten, wollte er dann doch thematisieren und so die Fans aufmuntern durch die Show alles für ein paar Stunden zu vergessen, um einfach Spaß haben zu können. Für so manch weitere Ansage sowie die Verabschiedung von Drummer Daniel Svensson, der nach dieser Tour seiner Band den Rücken kehren und eine Brauerei eröffnen wird, nahm er sich dennoch Zeit. Außerdem lobte er lachend einen Fan, der sogar zwischen zwei Songs die Crowd surfte.





Endlich: „Bullet Ride“ löste den Knopf und die Stimmung steigerte sich immer mehr, denn nicht nur mehr Bewegung und steigende Hitze kamen in den Saal, es ging danach Schlag auf Schlag. Der Hüpf-Song „Only For The Weak“ wurde mit den Worten „You problably heard this song a million times“ angekündigt, ehe man sich mit “Food For The Gods” zum ersten Mal in die 90er zurück wagte. Anders meinte scherzhaft: „For the people who don´t know what the fuck is going on here, that was a song from 97.” Den ausgelassenen Reaktionen nach, war diese Information wohl mehr als Überflüssig. Das ruhigere „Satelites And Austronaunts“ sowie das brutale „The Hive“ waren weitere Klassiker. Nur „Ordinary Story“ wollte (trotz Wall of Death) nicht sonderlich munden. Lag es erneut am Sound, der sich eigentlich im Verlauf des Konzertes drastisch besserte, oder versuchten IN FLAMES tatsächlich den Song mit Widerhall-Effekten und verändertem Gesang moderner erscheinen zu lassen? Mit dem guten alten Melodic Death Metal auf dem dazugehörigen Album „Colony“ hatte diese Interpretation jedenfalls nicht mehr viel gemein. Danach beendete man mit dem furiosen „Take This Life“ das Set und verabschiedete sich hinter die Bühne.

Dass sich die Herren nicht lange bitten lassen war klar, und so kamen IN FLAMES für gleich fünf Zugaben (damit insgesamt 23 Songs) zurück auf die Bretter. Die Hit-Single „Cloud Connected“ darf sowieso in keinem Set fehlen und auch „Where The Dead Ships Dwell“ und der abschließende Gänsehaut-Track „My Sweet Shadow“ erkämpften sich in den letzten Jahren einen Fixplatz im Set.





Setlist IN FLAMES:

Jester´s Door
Everything’s Gone
Alias
Darker Times
Siren Charms
Black & White
Pinball Map
Disconnected
Leeches
Like You Better Dead
Bullet Ride
Only For The Weak
Food For The Gods
Ordinary Story
Crawl Through Knives
Satellites And Astronauts
The Hive
Take This Life
-
Cloud Connected
Where The Dead Ships Dwell
Deliver Us
Paralyzed
My Sweet Shadow

Puh, was für ein Ritt. Da haben IN FLAMES noch im letzten Drittel nicht nur die Kurve gekriegt, sondern die etwas zaghafte erste Hälfte komplett vergessen gemacht. 110 Minuten und man lechzte immer noch nach mehr, zumal Dauerbrenner wie „The Quiet Place“, „Trigger“ oder „Clayman“ schmerzlich vermisst wurden. Doch bekanntlich kann man nicht alles haben und wir freuen uns auf eine hoffentlich baldige Wiederkehr der Schweden, die hier ihren Status als unumstößliche Live-Macht (Melodic Death - Modern Metal hin oder her) erfolgreich verteidigt haben. Die notorischen Nörgler und Ignoranten sind sowieso zu Hause geblieben... ich jedenfalls – auch ein Fan der ersten Stunde – werde beim nächsten Mal wieder dabei sein, wenn der Posthof in Flammen steht.


FOTOS + E-CARDS
www.inflames.com

maxomer
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Beitrag vom 20.11.2015
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