ABBATH   INQUISITION   SELBSTENTLEIBUNG   TULSADOOM  
15.02.2016 @ Simm City

Der Februar ist ein Monat, der es krankheitstechnisch meist in sich hat und das ist wohl gemeinhin bekannt. Dass selbst Künstler vor fiesen Infekten nicht gefeit sind, ist ebenfalls kein Geheimnis, aber nichtsdestotrotz immer sehr ärgerlich, wenn es einen Künstler erwischt, dessen Konzert man soeben besucht. Noch ärgerlicher, wenn besagter Künstler, nämlich Abbath von ABBATH (ehemals bei der norwegischen Metal Institution IMMORTAL tätig) das erste Mal seit viel zu langer Zeit das schöne Wien beehrt. Ein Abend, der zumindest auf dem Papier sehr vielversprechend aussah. Einzig über das Ambiente der Simm City lässt sich wohl ein bisschen streiten.

Mit TUSLADOOM und SELBSTENTLEIBUNG durften zwei namhafte heimische Acts den Abend in der malerischen Mehrzweckhalle - die mit dem charmanten Parkettboden ein bisschen einen Maturaball-in-der-Provinz Flair versprühte - einleiten. Der Auftritt von TULSADOOM und auch den Anfang von SELBSTEINLEIBUNG fielen für den Redakteur leider einem terminlichen Konflikt zum Opfer. Aber was so beobachtet wurde, schienen SELBSTENTLEIBUNG den größten Teil ihres Sets in gewohnt souveräner Manier herunter zu spielen. Die morbide Ästhetik und Theatralik der Musiker auf der Bühne in Kombination mit dem Pfarrsaal-Charme der Halle hatte dennoch schon etwas beinahe Irritierendes. Immerhin lernt man die musikalische Mischung aus langsam daher stampfender Verzweiflung, Gitarrensoli der alten Schule und gelegentlichen Blastbeats aus einer neuen Perspektive kennen. Und die Zeit, die SELBSTENTLEIBUNG auf der Bühne zugestanden wurde, war auch angemessen.

Setlist SELBSTENTLEIBUNG:

Schatten
Kategorie: Tot
Namenlos
Therapie 3.1
Desomorphin
Kontrollverlust
Hinter Spiegeln Und Beton

Was man wiederum für die nachfolgenden INQUISITION leider nicht behaupten konnte. Bei wirklich gutem Sound durfte das US-amerikanische Black Metal-Duo mit dem obskuren Sprechgesang lediglich eine halbe Stunde lang ihr Werk präsentieren. Zu kurz für einen Co-Headliner mit imposanter Bühnenpräsenz. Man sollte ja übrigens meinen, dass ein Duo auf der Bühne der relativ großen Bühne der Simm City etwas verloren wirken könnte. Tut es aber im Fall von INQUISTION nicht. Dafür zieht einen die Präsenz von Sänger/Gitarrist Dagon und Schlagzeuger Incubus zu sehr in den Bann. Der bei INQUISITION überraschend gute Sound unterstrich das Spektakel noch zusätzlich, eine sehr wuchtige Bassdrum und eine markant hervorstechende Snare bildeten mit der schneidenden Gitarre ein Klangbild, das in dieser Wucht auch von Bands mit deutlich mehr beteiligten Instrumenten selten erreicht wird. Songs wie "Dark Mutilation Rites" werden dadurch noch in höhere Spähren als die Albumversion gehoben. Warum INQUISITION so schnell wieder von der Bühne geschickt wurden mag einem hier einfach nicht einleuchten.

Setlist INQUISITION:

Force Of The Floating Tomb
Ancient Monumental War Hymn
Dark Mutilation Rites
Master Of The Cosmological Black Cauldron
Embraced By The Unholy Powers Of Death And Destruction
Command Of The Dark Crown

Die Umbauphase hin zu ABBATH war dann nämlich der Ungewissheit der Einsatzfähigkeit von Abbath geschuldet, aber das wusste zu diesem Zeitpunkt kaum jemand im Publikum - fast doppelt so lange wie der Auftritt von INQUISITION und noch dazu stets von einem nagenden Gefühl des "jo schaß, das schaut jetzt aber gar nicht gut aus" begleitet. Insofern war die Ankunft von Abbath himself auf der Bühne, der sich gleich vorneweg mit heiserer Stimme für die Umstände entschuldigte, dann doch etwas erleichternd. Auch wenn die Ankündigung, es versuchen zu wollen ein paar Songs zu spielen, jetzt an sich eigentlich auch nicht so beruhigend ist. Doch war es zumindest das, für was die meisten der knapp 400 Damen und Herren nach Simmering gepilgert sind. Nachdem dann noch ein paar Minuten des Wartens angehängt wurden, ging es dann mit dem fetzigen "To War!" tatsächlich los, nur um dann in eine weitere längere Pause zu münden. Das schien dann sogar die Band zu verwirren, wodurch sich neben Abbath nur Bassist King auf der Bühne befand als der zweite Song hätte losgehen sollen. Ab dann lief es aber weitgehend "smooth", wie man zu sagen pflegt und mit jedem Song schien sich Abbaths Stimme zu festigen. Auf der Bühne scheint der Herr sowieso in seinem Element zu sein, sozusagen für die Bühne geboren.

Mit gewandtem Witz führte er durch das leider zu kurze, aber immerhin sehr kraftvolle Set. Abbath, schon seit jeher der Komiker im Grenzbereich zur durch und durch ernsthaft grimmigen Black Metal-Szene. Der Klamauk scheint ihm immer schon im Blut zu liegen. Mit ABBATH wird das Ganze noch einmal mehr in den Vordergrund gesetzt. Nicht notwendigerweise nur auf der Bühne, sondern vor allem auch im Merchbereich. Das "Abbath Road" T-Shirt mit hübscher BEATLES-Referenz als Bild ist dabei eigentlich tatsächlich amüsant, trifft wohl aber nicht jeden seriösen Black Metal-Geschmack. Wohl auch nicht zuletzt, weil der Schriftzug auf den ersten Blick leserlich ist.

Zurück auf der Bühne wurde Abbaths musikalisches Schaffen mit einem Querschnitt durch die Jahre zelebriert. Dabei fanden neben Songs des aktuellen Solo-Albums auch Klassiker von IMMORTAL und Songs von I den Einzug in die Setlist. In jedem Fall wurden die Songs sauber und hörenswert intoniert. Bitterer Beigeschmack: Schlappe fünf Songs wurden von der Tour-Setlist gestrichen, davon zwei IMMORTAL-Songs. Da kann durchaus Unmut aufkommen, jedem Versprechen die Show möglichst bald nachzuholen zum Trotz. Nach ungefähr 35 Minuten wurde die Bühne schon wieder verlassen, der Frust im Publikum manifestierte sich in dem einen oder anderen Bierbecher der in Richtung der Bühne flog. Ein Antiklimax für einen Abend der einen Höhepunkt verdient hätte. Es steht aber fest, dass Abbath nicht auf IMMORTAL angewiesen ist um zu überzeugen, angeschlagene Gesundheit hin oder her. Das nächste Mal dann hoffentlich mit mehr Spielzeit. Sowohl für ABBATH als auch für den Co-Headliner.

Setlist ABBATH:

To War!
Winter Bane
Nebular Ravens Winter (IMMORTAL)
Warriors (I Cover)
Ashes Of The Damned
Fenrir Hunts
Tyrants (IMMORTAL)
One by One (IMMORTAL)
www.abbath.net

Asator
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Beitrag vom 07.03.2016
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