ROCK IN VIENNA 2016: RAMMSTEIN   APOCALYPTICA   SLAYER   ANTHRAX   PAIN  
03.06.2016 @ Donauinsel

Zum zweiten Male lud das Rock In Vienna auf die Donauinsel ein, wo im vergangenen Jahr tausende Rock- und Metalfans KISS, METALLICA, MUSE, SABATON, LIMP BIZKIT und viele weitere Künstler aus verschiedensten Teilen der Erde mit ihren Klassiker und Hits abfeiern konnten. Dieses Jahr konnte man vor allem mit den Headlinern IRON MAIDEN, dem Urgestein IGGY POP und RAMMSTEIN, die sich schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr in Österreich blicken ließen, locken.

Wir kamen zwar eigentlich pünktlich zu PAIN auf der Donauinsel an, doch Peter Tägtgren musste ohne uns und tausende andere Fans auskommen, da diese an den schier unendlichen Schlangen an den Kassen und Bändchenausgaben verharren mussten. Da wirkte der Veranstalter doch eine gute Spur überfordert, denn das hat man bei anderen, deutlich größeren Festivals schon weitaus besser gesehen. Doch das Rock In Vienna ist noch relativ jung und wir hoffen auf eine gravierende Verbesserung im kommenden Jahr.

So schafften wir es rechtzeitig zu den Thrash-Veteranen ANTHRAX auf der Soulstage, die wie im Vorjahr, genau neben der Mindstage platziert wurde, einzutreffen. Die Jungs aus den Staaten waren motiviert und energisch wie eh und je. Mit „Among The Living“ und „Caught In A Mosh“ hauten die Jungs rund um Scott Ian und Joey Belladonna sogleich zwei Klassiker raus, die den großen Fanscharen gehörig einheizten. Joey grinsend und bei guter Stimme, leider aber nicht bei klarem Sound, machte das Beste aus den knapp 40 Minuten und ließ nichts anbrennen. Nur knappe Ansagen, dafür ein Hit nach dem anderen, zu denen sich auch die neuen Songs „Evil Twin“ und „Breathing Lightning“ sowie der Kracher vom Vorgänger „Fight ´Em Till You Can´t“, gesellten. Den krönenden Abschluss machte aber dann der Dauerbrenner „Indians“, der ebenso abgefeiert wurde wie das punkige „Anti-Social“. ANTHRAX sind live immer wieder eine Wucht, doch ein Slot am Nachmittag mit nur neun Tracks wird dieser Truppe einfach nicht gerecht.
[maxomer]






Setlist ANTHRAX:

(Impaled)
Among The Living
Caught In A Mosh
Got The Time
Madhouse
Antisocial
Fight ´Em Till You Can´t
Evil Twin
Breathing Lightning
Indians

Nun hätten eigentlich SLAYER auf der Bühne stehen sollen, doch der Veranstalter hatte noch ein besonderes Ass im Ärmel und stellte mit einer Ansage klar, dass der nächste Act von oben kommt. So warf eine kleine Maschine die Red Bull Skydiver raus, die mit farbigen Kondensstreifen und waghalsigen Manövern die Rockfans kurz in Atem hielten.





Nicht nur ANTHRAX hatten es eilig, auch das Festival, denn Verschnaufpausen gab es abgesehen von der Skydiver-Einlage kaum zwischen den Acts, sodass Bierholen oder etwas zu Futtern schon stressig werden konnte. Doch nun kam unser nächster Stopp bei SLAYER, der den zweiten Teil der halben Big-4 auf dem Rock in Vienna darstellte. Wer die Thrash-Legende schon mal live gesehen hat, der weiß, was einen erwartet. Pures Metal-Chaos und das garantierten Tom Araya, Kerry King, Gary Holt und Paul Bostaph auch an jenem Nachmittag. Mit „Repentless“ und „Disciple“ rührte man zu Beginn gleich gewaltig um, ehe man mit „Postmortem“ weit in die Vergangenheit reiste, aber nicht minder heftig zu Werke ging. Der bärtige Tom und seine Mannen servierten ein ausgewogenes Set quer durch die Diskografie in der man neben dem erwähnten Titeltrack des neuen Albums auch „You Against You“ als Erinnerung daran präsentierte. „Raining Blood“ durfte aber auch nicht fehlen, denn der Klassiker sorgte nochmal für mehr Stimmung, ehe man zum Schluss mit „Angel Of Death“ dem verstorbenen Gitarrist Jeff Hanneman mit dem riesigen Backprint, das nicht zufällig an Heineken erinnert, gedachte. Ein wie gewohnt solides Thrash-Feuerwerk der Amerikaner, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
[maxomer]





Setlist SLAYER:

(Delusions Of Saviour)
Repentless
Disciple
Postmortem
Hate Worldwide
War Ensemble
You Against You
Mandatory Suicide
Raining Blood
Dead Skin Mask
Born Of Fire
South Of Heaven
Angel Of Death

Den vorletzten Slot des Tages hatten die Finnen von APOCALYPTICA, die mit ihrem selbstbetitelten Cello Rock den undankbaren Slot vor RAMMSTEIN hatten. Doch die Herren an den Cellos Eicca Toppinen, Paavo Lötjönen und Perttu Kivilaakso sind Vollblutprofis und schon zu lange im Geschäft als dass solche Kleinigkeiten sie aus der Ruhe bringen könnten. Im sehr gut gefüllten Areal starteten die Nordländer ihre bunt gemischte Setlist mit „Reign Of Fear“, vom letzten Werk „Shadowmaker“ aus dem Jahre 2015. APOCALYPTICA sind hervorragende Musiker keine Frage, aber ohne Sänger können schon Ermüdungserscheinungen beim geneigten Hörer auftreten, umso besser, dass man mit Frankie Perez einen geeigneten Kandidaten für die Vocals fand.

„I´m Not Jesus“, das im Original mit Corey Taylor eingesungen wurde, erwies sich sofort als Eignungstest für den jungen Herren, der bravourös bestanden wurde. Die Finnen ohne ihren Karrierekick aus 1996 „Plays Metallica By Four Cellos“ funktioniert live wahrscheinlich nur schwer und so durften „Master Of Puppets“ oder das laut mitgebrüllte Sigfried And Roy... ähhmmm... „Seek & Destroy“ nicht fehlen. METALLICA kommen immer gut an, wie man an den Publikumsreaktionen merkte.

Doch den würdigen Abschluss boten die drei Cellisten mit Edvard Griegs Jahrhunderthit „Hall Of The Mountain King“, bei dem wohl jeder mindestens mitwippen musste. APOCALYPTICA sind sicher nicht jeder Manns oder Fraus Geschmack, machten jedoch einen starken Eindruck und können als Pluspunkt vermerkt werden.
[AndyVanHalen]





Setlist APOCALYPTICA:

Reign Of Fear
Refuse / Resist (SEPULTURA)
I´m Not Jesus
House Of Chains
Master Of Puppets (METALLICA)
Bittersweet
Seek & Destroy (METALLICA)
Shadowmaker
I Don´t Care
Hall Of The Mountain King


Der krönende Abschluss, oder der Hauptanreisegrund der meisten Besucher, waren mit absoluter Sicherheit die Germanen von RAMMSTEIN, die nach drei langen Jahren wieder mal den Weg nach Österreich fanden. War bei den vorigen Acts schon kaum noch ein Durchkommen durch die schieren Menschenmassen möglich, drohten beim letzten Auftritt des Tages die bei den Veranstaltern für freudige Gesichter sorgenden 45.000 Zuseher das Gelände und besonders den Front-Of Stage Bereich zu sprengen.





Die Luft schien fast zu vibrieren vor Spannung als kurz vor halb zehn endlich der Vorhang mit den Konterfeis von Lemmy Kilmister und David Bowie fiel und Till Lindemann samt seinen fünf Mitstreitern die Bühne enterten. Ohne Verzögerung startete das Sextett mit „Ramm 4“ (ein Medley aus so ziemlich jedem RAMMSTEIN Song) das 17 Songs umfassende Konzert, das von Beginn an keine Wünsche offen ließ. Das Wetter hielt auch zu später Stunde noch und wem wirklich etwas kalt war, dem wurde dank Pyrotechnik der Extraklasse von vorne, hinten oben und auch seitlich eingeheizt. RAMMSTEIN lieferten bei der kurzen Spielzeit von knapp 90 Minuten ein Best Of, das gespickt war mit den größten Hits der Band, das die Fanherzen höher schlagen ließen. Til war perfekt bei Stimme, wechselte regelmäßig seine Outfits, die mal düster und mal fast morbid komisch wirkten und mimte den gewohnt herausragenden Frontmann. Wie gewohnt von den Deutschen sparte man sich Ansagen an das Fußvolk und hatte so mehr Zeit für die Klassiker der Historie. Was bei anderen Formationen arrogant wirken könnte, ist bei den Berlinern eine perfekt durchorganisierter Ablauf, der keinen Platz für Fehler oder Abweichungen zulässt.

Weiter ging es mit „Reise, Reise“, dem brachialen „Zerstören“ oder dem düsteren „Keine Lust“, das aus tausenden Kehlen mitgesungen wurde. Mehr Stimmung geht kaum und das textsichere Publikum trug die sechs Jungs durch den Abend. Wer glaubte, es gäbe keine Steigerung mehr von Explosionen und Raketen, der kennt wohl „Feuer Frei!“ nicht. Was hier abgefackelt wurde an Pyros mit speziellen Kranwägen hinter und vor der Bühne, das hat wohl keine andere Band zu bieten.






Die drei Herren an den Äxten Paul H. Landers, Oliver Riedel, in einer Art Mönchskutte gekleidet, und Richard Zven Kruspe, sorgten Dank ihrer Routine für einen brachialen Sound, der keine Wünsche offen ließ. Hier agierte eine perfekt zusammengeschweißte Truppe, die seit Jahren in originalem Line Up unterwegs ist. Christian „Flake“ Lorenz am Keyboard bedürfe wohl eines ganzen Berichtes für sich alleine, wenn man sich mit seinem nennen wir es mal Tanzstil oder seinen Outfits beschäftigen würde, doch um auf das Wesentliche zu kommen, RAMMSTEIN ohne den unverkennbaren Sound des Tastenfickers wäre nur halb so viel Wert.

Der Abend verflog in Windeseile mit dem melancholischen „Seemann“, „Mein Herz brennt“, dem mitsing(oder-schrei)-Song schlechthin oder „Links 2-3-4“, bei dem Til im Stechschritt über die Bühne marschierte. Und nun sollte es das schon gewesen sein, da sich die sechs Akteure verabschiedeten und hinter die Bühne verschwanden? Nein sicher nicht und die Zugabe hatte es in sich und holte das letzte aus den Donauinsel-Besuchern. Zu „Sonne“ braucht man wohl nicht viel erzählen, außer, dass die Nummer funktioniert und einfach mitgesungen werden muss. Kurze Aufregung, als das Mikro von Herrn Lindemann den Geist aufgab und die Fans die restlichen Textzeilen beendeten.

Ein weiteres Highlight folgte, als sich alle Mitglieder an den linken Rand der Bühne setzten und eine unplugged Version von „Ohne Dich“ spielte. Paul und Richard an den Akustikgitarren und Til mit tief melancholischem Gesang sorgten für Gänsehaut und einer würdigen Einleitung ehe, na klar, „Engel“ die Meute ein letztes Mal in Ekstase versetzte. So wird gerockt! RAMMSTEIN sollte man live erlebt haben, denn hier sind wahrlich Profis am Werk die ihr Handwerk beherrschen. Bitte keine drei Jahre Zeit lassen ehe man euch in good old Austria erneut bestaunen darf.
[AndyVanHalen]





Setlist RAMMSTEIN:

Ramm 4
Reise, Reise
Hallelujah
Zerstören
Keine Lust
Feuer frei!
Seemann
Ich Tu Dir Weh
Du Riechst So Gut
Mein Herz Brennt
Links 2-3-4
Ich Will
Du Hast
Stripped
-
Sonne
Ohne Dich (Akustik)
Engel

Und so ging der erste Tag erfolgreich und zufriedenstellend zu Ende. Zum Vorjahr konnten die Besucherzahlen deutlich gesteigert werden, was natürlich für längere Wartezeiten an Toiletten, Fressbuden sowie dem einzigen Bankomaten am Gelände sorgte. Doch auch das Verlassen des Geländes lief vorbildlich, einzig die übliche Abzocke beim Becherpfand Retournieren ("wir haben kein Kleingeld mehr") kann man sich sparen, da man mit den überzogenen Preisen von 5 € pro Getränk, wohl auch so genug verdient.


FOTOS + E-CARDS
www.rockinvienna.at

AndyVanHalen
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Beitrag vom 06.06.2016
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