ROCK IN VIENNA 2016: IRON MAIDEN   ZAKK WYLDE   DRAGONFORCE   POWERWOLF   SHINEDOWN   TREMONTI  
05.06.2016 @ Donauinsel

Die erste Band die ich an einem strahlend schönen Sonntagnachmittag sah war TREMONTI. Die Band rund um Mark Tremonti (CREED, ALTER BRIDGE) eröffneten mit „Radical Change“ und mir war sofort klar, das reißt jetzt nicht wirklich jemanden vom Hocker. Das ganze Konzert lässt sich auch mit einem kurzen Satz schnell zusammenfassen: Das war jetzt gar nicht mal so gut. Alles andere wäre Zeitverschwendung.





Setlist TREMONTI:

Radical Change
Cauterize
Betray Me
You Waste Your Time
Wish You Well


Die Jungs von SHINEDOWN spielten sofort im Anschluss auf der Mindstage und zeigten dem Herrn Tremonti, wie man es an einem Festivalnachmittag richtig angeht und holten aus der knappen Spielzeit, in der sich lediglich fünf Songs ausgingen, alles Mögliche heraus. Sänger Brent Smith ließ auch noch eine Schneise in den Golden Circle ziehen, um zum Publikum hinter den Wellenbrechern zu kommen und alle zum gemeinsamen Gehopse, bei gefühlten 50 Grad im Schatten, zu animieren. Aber das Konzept ging auf, das Publikum war begeistert und die Band wandert auf die Liste der Acts, die man sich unbedingt mal als Einzelshow reinziehen sollte.





Setlist SHINEDOWN:

Sound of Madness
Diamond Eyes (Boom-Lay Boom-Lay Boom)
Second Chance
Cut The Cord
Enemies


Auf den nächsten Act war ich dann schon doch etwas gespannt, da er ja erst am letzten Mittwoch im Linzer Posthof aufgetreten ist und die Meisten die dort waren sehr begeistert waren. ZAKK WYLDE (Ex-OZZY OSBOURNE, BLACK LABEL SOCIETY) stand am Programm und der wilde Bartträger entgeisterte das Publikum mit einem lahmen Set, das sich gewaschen hat. Der Mann kann vielleicht gut Gitarre spielen, aber das Singen sollte er vielleicht lassen. Das Gequake löste bei mir eine Gänsehaut unter den Fußsohlen aus und ich flüchtete mich außerhalb des Golden Circles in den Schatten, um auf POWERWOLF zu warten. Scheinbar ist es aber nicht nur mir so gegangen, denn es findet sich auch keine Setlist dieses uninspirierten Gigs im Internet!





Vor POWERWOLF füllte sich der Golden Circle zusehends und nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass man am Nachmittag jeden in den goldenen Bereich rein lässt, egal welches Band er am Armgelenk trägt. Am späteren Abend bzw. vor den Hauptacts ist dann der Bereich wieder für die mehr zahlenden Gäste bereitgestellt. Die Idee ist ja schön und gut und wenn noch nicht so viele Zuschauer auf dem Gelände sind, ist es auch egal. Nur das Ganze hatte einen organisatorischen Denkfehler. Der Veranstalter ging davon aus, dass die normalen Gäste den Bereich nach den Bands die sie sehen wollen, oder wenn sie etwas zu trinken kaufen und danach kurz für gut abgefüllte Rocker austreten müssen, den Circle wieder verlassen und vor den Headlinern den Golden Circle Tickets-Besitzer so wieder Platz machen. Blöd nur, wenn sich im Golden Circle auch zwei Getränkestände und die sanitären Anlagen befinden. Also gab es keinen Grund die guten Plätze je wieder anderen zu überlassen! Das bedarf noch etwas Nacharbeit und Verbesserung bis zum nächsten Mal. Aber wieder zurück zu den Bands.





POWERWOLF nahmen die Bühne ein und machten mit ihrem Dschingis Kahn-Metal von der ersten Minute klar, wer hier eine richtige Party- und Festivalband ist. Die Greywolf Brüder unter Rudelführer Atilla Dorn machten gute Stimmung. Attila war großartig bei Stimme und erzählte zwischendurch im Rumänen-Deutsch einige Bandschnurren und hielt so das Publikum bei Laune und ließ den Langweilerauftritt des wilden Zakks schnell vergessen. „VIELEN DANKE“

Setlist POWERWOLF :

Blessed & Possessed
Coleus Sanctus
Amen & Attack
Armata Strigoi
Resurrection By Erection
Army Of The Night
Werewolves Of Armenia
We Drink Your Blood


GOJIRA und KREATOR waren auf den beiden großen Bühnen zu Gange, aber ich begab mich zur Jolly Roger Stage um mir DRAGONFORCE zu geben. Warum diese Band auf dem ausrangierten Klowagen spielen musste, wird wohl für alle Zeiten ein Rätsel bleiben. Ich hab ein größeres Badezimmer zuhause und wenn ich den Lichtschalter schnell ein und ausschalte ist auch die Lichtshow imposanter als auf dieser Bühne. Aber der Gig begann schon mal mit einer gehörigen Verspätung, da man Probleme mit einem Mikro hatte oder man wurde sich nicht einig, wie man sich in dieser Sardinendose aufteilen soll. Als man dann soweit war brach der erste gröbere Regenguss über das Gelände nieder. Das Publikum flüchtete unter die nahe gelegene U-Bahn Brücke und harrte dem Wetter aus. Nachdem auch das wieder erledigt war fing man bei DRAGONFORCE erneut mit einem Soundcheck an. Mit mehr als einer Stunde Verspätung startete der Gig und endete inmitten der ersten Nummer, da Sam Totman´s Gitarre den Geist aufgab. Man konnte fast den Eindruck bekommen, dass sich nach der katastrophalen 2006er Tour, technisch doch nicht wirklich etwas geändert hat bei DRAGONFORCE. Nachdem die Gitarre ausgetauscht wurde und ein erneuter Soundcheck (dieses Mal aber nur für die Gitarre) durchgeführt wurde, konnte es richtig losgehen und dem einen oder anderen blieb der Mund offen stehen, da sie nicht glauben konnten, was sie gerade erleben durften. Hermann Li shredderte sich durch die Songs, dass es nur so eine Freude war und der neue Sänger Marc Hudson (neu ist gut gesagt, da er ja schon seit 2011 dabei ist) screamte perfekt dazu. Leider war auf der kleinen Bühne kein Platz für die Trampoline des Keyboarders und so musste man auf seine Akrobatikeinlagen größtenteils verzichten. Trotzdem waren die fünf Nummern ein Highlight des Sonntags und die Band hätte sich zumindest einen Auftritt auf der Mindstage verdient.

Setlist:

Operation Ground And Pound
Heroes Of Our Time
Symphony Of The Night
Cry Thunder
Through The Fire And Flames


Nachdem sich jetzt natürlich alles zeitlich verschoben hatte, konnte ich nur mehr den letzten Song von NIGHTWISH, „Last Ride Of The Day“, bei meiner Rückkehr zur Soulstage hören. Ich hätte den Auftritt mit Floor Jansen gerne gesehen, da ich bis jetzt eigentlich alle NIGHTWISH-Konstellationen live gehört habe, nur eben die neue noch nicht! Ich muss aber leider sagen, dass mir der kurze Eindruck vom letzten Song, der ursprünglich von Anette Olzon eingesungen wurde, zu Floor Jansens Stimme überhaupt nicht gepasst hat. Scheinbar ergeht es jetzt Floor so mit den Nummern die für Anette geschrieben wurden, wie jener damals mit den Songs von Tarja.






Während auf der Mindstage IN EXTREMO ihren Dudelsack-Metal begannen, suchte ich mir vor der Soulstage schon ein schönes Plätzchen für den kommenden Headliner. Eine zuvor gut gemeinte Geste eines Freundes, er habe noch ein Paar Regenhäute vom Ö3 Stand besorgt und würde mir eine geben, schlug ich im altgewordenen Leichtsinn aus und bereute es ca. 30 Minuten später bitterlich. Es begann zu schütten wie aus Kübeln und meine Sweater-Jacke hatte binnen Sekunden ca. 10 kg mehr an Gewicht dazubekommen! IN EXTREMO mussten aus Sicherheitsgründen (die ich nicht ganz verstehe, da die Band ja eigentlich im Trockenen stand und sich die Zuschauer trotzdem nicht von der Bühne wegbewegten) ihren Gig erstmal für 20 Minuten abbrechen, um ihn dann komplett zu Grabe zu tragen.

Ich befürchtete auch, dass der Gig von IRON MAIDEN sprichwörtlich ins Wasser fallen würde, aber die Wetterprognosen (zumindest die groben) sagten keine weiteren Stürme und Regenfronten vorher und so begannen IRON MAIDEN pünktlich um 20:50 Uhr ihr Set.

Nach „ Doctor, Doctor“ und einem Video-Intro (in dem Eddie die EdForce One aus dem Dschungel befreit) zeigten Eddies Boys warum sie noch immer an der Spitze bzw. eigentlich die Nummer 1 im Metal sind.

Mit „If Eternity Should Fail” starteten die Band ein zweistündiges Feuerwerk der Spielfreude und guten Laune und das meine ich so ernst wie ich es schreibe. Ich habe selten eine so gut gelaunte Band wie IRON MAIDEN live gesehen in den letzten Jahren. Bruce Dickinson machte einen fitten Eindruck wie schon lange nicht, auch stimmlich muss ich sagen, hat er sich gesteigert und man kannte ihm rein gar nichts an, was er in den letzten eineinhalb Jahren durchgemacht hat. Auch der Rest der Jungs war gut gelaunt und es wurde herumgealbert zwischen und auch während der einzelnen Songs. Nicko McBrain feierte seinen 64. Geburtstag und wurde vom Publikum und auch kurz von Bruce („When I´m 64”) besungen. Die Setlist wechselte sich mit Nummern vom neuen Album und natürlich einigen Klassikern ab. Und für alle die herummosern es wäre die schlechteste Setlist ever oder viel zu viel neue Lieder würden gespielt, denen sei folgendes gesagt: Natürlich werden auf dieser Tour viele neue Songs vom letzten Album gespielt, heißt doch die Tour so wie ihr letztes Album „ The Book Of Soul“ und es handelt sich hier um eine Tour zur letzten Veröffentlichung und nicht um eine Best Of Tournee wie auf den „Somewhere Back In Time“ oder der „Maiden England 88“ Tour.

Das hatten wir eh inkl. Neuveröffentlichungen der alten Scheiben und Best Of Alben zur Genüge. Da ist es doch mal erfrischend zwischendurch live auch mal ein paar neue Weisen zu hören, womit ich jetzt wieder zum Konzert zurückkehre und zwar mit einem Highlight unter den neuen Songs „The Red And The Black“. Ein wahrlicher Genuss was da an Gitarrenarbeit geleistet wird! Aber es war jede einzelne Nummer auf den Punkt gespielt und gesungen wie nie zuvor und ich hab die Herren am letzten Sonntag das 19 Mal live gesehen und trau mich das zu behaupten. Und wem nach dem Regen noch nicht kalt war, verpasste „Fear Of The Dark“ die Gänsehaut. Bleibt nur zu hoffen, dass der Verfasser der „Fear Of The Dark“ Album-Kritik aus dem Maiden Sonderheft, sich im Publikum befand, dann weiß er jetzt mit Sicherheit, warum Maiden diese „schlechte Nummer“ unverständlicherweise noch immer live zum Besten gibt und es ist zu hoffen, dass sie auch noch lange auf zukünftigen Setlists zu finden ist! Mit den Zugaben „The Number Of The Beast“, „Blood Brothers“ und „Waysted Years” verabschiedeten sich IRON MAIDEN kurz vor elf Uhr und hinterließen mich waschlnass aber überglücklich und mit dem Wissen, dass ich der richtigen Band seit ewigen Zeiten die Treue halte! Up The Irons!





Setlist:

If Eternity Should Fail
Speed Of Light
Children Of The Damned
Tears Of A Clown
The Red And The Black
The Trooper
Powerslave
Death Or Glory
The Book Of Souls
Hallowed Be Thy Name
Fear Of The Dark
Iron Maiden
-
The Number Of The Beast
Blood Brothers
Wasted Years

Abschließend kann man den Veranstaltern und Organisatoren zum Rock in Vienna 2016 im Großen und Ganzen nur gratulieren. Bis auf die Wartezeiten am Einlass, der Eskapade bei der Becherrückgabe am Freitag nach RAMMSTEIN und das oben erwähnte Problem mit dem Golden Circle am Sonntag verlief das ganze Festival zur vollsten Zufriedenheit aller Gäste.

Hier hat man die Fehler von anderen Veranstaltungen schon im Vorfeld ausgemerzt und auftretende neue Probleme schnell in den Griff bekommen und das macht das Rock in Vienna sicherlich zur Nummer 1 in Österreich in Sachen Festival.



FOTOS + E-CARDS
www.rockinvienna.at

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Beitrag vom 09.06.2016
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