WAVE GOTIK TREFFEN: DARKHER   THE UNDERGROUND YOUTH   LAST LEAF DOWN   VIELLE   DONNER UND DORIA  
13.05.2016 @ Leipzig

Bereits zum 25. Mal fand in Leipzig das Wave Gotik Treffen statt und dafür ließen sich die Veranstalter wieder so einiges einfallen. Bereits vor dem offiziellen Beginn gab es am 12.5.2016 eine Jubiläumsfeier im Belantis Vergnügungspark südlich von Leipzig, zu dem man mit WGT-Eintrittskarte oder Bändchen freien Eintritt erhielt. Es wurden eigene Shuttle-Busse zur Verfügung gestellt und zur Krönung des Abends fackelte man ein Feuerwerk ab.

Da ich erst am Abend in Leipzig ankam, konnte ich an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen und so begann das Festival für mich erst am Freitag den 13.5.2016, der jedoch allem Aberglauben zum Trotz der wettermäßig schönste Tag des Wave Gotik Treffens war.

So ein Jubiläum ist auch die beste Gelegenheit für einen Rückblick auf die Anfänge und einen Vergleich mit der Gegenwart:

Beginn 1992:
Zwei Abende, acht Künstler, ein Veranstaltungsort – Eiskeller in Leipzig Connewitz – ca. 2000 Besucher

Heute:
Fünf Tage , ca. 250 Künstler, 50 Veranstaltungsorte – ca. 20.000 Besucher

Daran kann man deutlich erkennen, welchen Stellenwert dieses Festival mittlerweile weltweit hat. Beim Wave Gotik Treffen kann jeder seine Wünsche ausleben und gerade das macht den besonderen Reiz aus. Es ist kein Gothic-Festival im eigentlichen Sinne, sondern es steht viel mehr für ein Lebensgefühl. Fast die ganze Stadt ist gefüllt mit schwarz gekleideten Menschen. Aber es gibt auch sehr viele, die mittelalterliche Gewänder tragen, oder auch wunderschön gekleidete Damen in Reifröcken und Herren in altertümlichen Anzügen. Man fühlt sich dadurch in eine ferne Vergangenheit zurückversetzt und das in Verbindung mit der wunderschönen Leipziger Altstadt ergibt ein einzigartiges Erlebnis, das kein anderes Festival vermitteln kann.





Auch dieses Jahr besuchten ca. 20.000 Menschen das Wave Gotik Treffen, aber durch die Aufteilung auf ca. 50 Locations, die über die ganze Stadt verteilt waren, fiel diese eigentliche Menschenmasse gar nicht wirklich auf. Es gibt sogar eine eigene Straßenbahnlinie - Linie 31 mit in Schwarz gehaltenem Schild – die die wichtigsten Locations miteinander verband. Wer jedoch nicht mit der Straßenbahn anreisen wollte, der ist stilecht im Leichenwagen vorgefahren. Davon sah man deutlich mehr als gewöhnlich und alle wurden stylisch aufgepeppt.
Aber die meisten benutzten doch die Straßenbahnen, mit denen die Fahrt für Festivalbesucher kostenlos war, und so konnte es schon passieren, dass einem in der Tram Wikinger, jemand in Fantasy-Uniform, Cyber- und sonstige Goths oder auch in mittelalterliche Kleidung gehüllte Leute begegneten - ganz unter dem Motto "Alles ist möglich - und auch erlaubt"!

Das Programm war sehr umfangreich und zum ersten Mal in zwei Teile getrennt. Ein Teil befasste sich ausschließlich mit dem Musikprogramm, während im zweiten Teil die ganzen Lesungen, Ausstellungen und Sonstiges nachzulesen waren. Trotz der Programmfülle war eine Orientierung auf den Plänen problemlos - herausfordernd waren nur die vielen Überschneidungen und die teilweise großen Entfernungen zwischen den Locations.





Mehr als 200 Künstler aus der ganzen Welt ließen es sich nicht nehmen, bei diesem Event dabei zu sein. Hauptschauplätze für die Konzerte waren die Agra-Halle, der Kohlrabizirkus, das Heidnische Dorf, aber auch an anderen Plätzen in der Stadt konnte man Live-Musik erleben. In unzähligen Klubs luden zudem Szene-DJs aus aller Welt bis zum Morgengrauen zum Tanzen ein.

Neben der Musik bot man auch Lesungen, Ausstellungen, Theater und Filmaufführungen. So war es kein Wunder, dass einem die Tage immer zu kurz wurden und man sich oft schweren Herzens entscheiden musste, wenn mehrere interessante Events zur gleichen Zeit stattfanden.
Haupttreffpunkt für alle war das Agra-Gelände, auf dem sich auch der große Campingplatz und die große Verkaufshalle befand, in der wirklich alles angeboten wurde, was das Gothic-Herz begehrt.

Da jedoch um die Mittagszeit außer dem Schaulaufen mancher Besucher in ihren fantasievollen Gewändern bei der Agra noch nichts los war, bin ich erst einmal ins Heidnische Dorf gegangen. Dort boten wieder jede Menge mittelalterliche Händler ihre Waren feil, man konnte allerlei seltsame Getränke zu sich nehmen und auch was das Essen betraf war die Auswahl sehr groß. Auf der Brunnenbühne haben DONNER UND DORIA Mittelalterliche Klänge zum Besten gegeben und einige hatten sich versammelt und tanzten fröhlich mit. Genau das macht den besonderen Charme des Heidnischen Dorfes aus, dass man durchgehend Musik geboten bekam und auch sonst immer der Spaß im Vordergrund steht - sei es beim Bogenschießen, bei der Jungfrauenversteigerung oder zahlreichen anderen Aktivitäten. Langeweile gibt es nicht und da auch viele Familien anwesend waren, wird auch für die kleinen Besucher viel Programm geboten.





Auf der großen Heidenbühne ging es jedoch nicht immer nur um spaßig zu, sondern auch mit ernsthafter Musik begeistert. An diesem Tag spielte unter anderem dort die Leipziger Gruppe VIELLE auf. Gleich zehn Leute fanden sich auf der Bühne ein, die eine große Anzahl von Instrumenten, wie etwa Geige, Balalaika, Drehleier, diverse Trommeln und auch ein seltsames großes Streichinstrument, auf dem nur eine Saite aufgezogen war, mitbrachten. Die musikalische Darbietung war zu Beginn sehr ruhig, wurde aber im weiteren Verlauf etwas flotter und variantenreicher. Gleich drei Sängerinnen ließen abwechselnd ihre Stimmen erklingen, was einen angenehmen Gesamteindruck hinterließ.





Im Anschluss entschloss ich mich, das Heidnische Dorf zu verlassen um zum Clara Zetkin Park aufzubrechen, wo das Viktorianische Picknick am Programm stand. Dieses Event findet jedes Jahr am ersten Festivaltag statt und dafür gibt es auch einen Dresscode und eine Aufforderung, Picknick-Utensilien mitzunehmen. Viele hielten sich daran, allerdings wird von Jahr zu Jahr der Anteil an normal gekleideten Menschen größer, sodass leider das besondere Flair mehr und mehr verloren geht. Manche gaben sich wirklich sehr viel Mühe um dieses Picknick stilecht zu feiern, und warfen sich jederzeit gerne für Fotos in Pose.





Nach einer Weile verließ ich den Park wieder um zum Alten Landratsamt zu fahren. Dort sind traditionellerweise am Freitag immer großartige Bands am Werk, obwohl der Sound in diesem Saal jedes Mal ein Experiment ist, und gelegentlich grauenhaft misslingt. Aber die Shoegaze-Band LAST LEAF DOWN aus der Schweiz war dermaßen verlockend für mich, dass ich das Risiko einging. Bei stimmungsvollem Intro kamen die Musiker auf die Bühne und konnten von vornherein die schon zahlreich anwesenden Zuschauer in ihren Bann ziehen. Mit einem Mix aus langsamen und druckvollen Sounds und angenehmem Gesang lockten die Schweizer nach und nach immer mehr Leute in die Location und die Ansage von Sänger Benjamin Schenk, dass LAST LEAF DOWN noch nie vor so vielen Leuten gespielt hatten und wie sehr sie sich darüber freuen würden, sorgte noch für zusätzliche Sympathiepunkte für die Schweizer. Danach standen die Jungs noch vor der Location und plauderten mit ihren Fans, was ebenfalls sehr gut ankam. Der weite Ausflug nach Leipzig hat sich für die Schweizer also voll gelohnt und einige neue Fans würden die Jungs sicher gerne wieder einmal auf der Bühne erleben.





Setlist LAST LEAF DOWN:

Refulgence
The Theme
In Dreams
Inmost Life
In These Waters
Ghost Trails
Purple Skies
The Thought That I Saw You
Deaf Heart
Mislead
Fake Lights In The Sky
Thruth Is A Liar
The Path

Sehr rasch wurde umgebaut, das große Drumset musste zwei kleineren Trommeln weichen - dahinter nahm eine blonde Dame und im Vordergrund fanden sich drei Herren mit Gitarre oder Bass ein. Ich hatte noch nie zuvor von THE UNDERGROUND YOUTH gehört und laut eigenen Angaben ist ihre Musik eine Mischung aus Shoegaze, Post-Punk und Psychedelic Rock. Zu hämmerndem Getrommel gab es eigenwillige und sehr experimentelle Sounds, oftmalige Wechsel zwischen schneller und langsamer Spielweise und ruhigen, tiefen Gesang. Die Wirkung wirkte teilweise etwas befremdlich, kam jedoch bei einigen Besuchern sehr gut an. THE UNDERGROUND YOUTH konnten zumindest den Großteil der Besucher überzeugen, ich persönlich konnte damit aber nicht sehr viel anfangen.





Der eigentliche Grund für mich im Alten Landratsamt auszuharren, war nachfolgende Band. DARKHER ist der Künstlername von Jayn H. Wissenberg, einer charismatischen Sängerin und Songschreiberin aus West Yorkshire. Über die EP "The Kingdom Field" hatte ich die Musik der Britin schätzen gelernt und mich sehr darauf gefreut, die Songs endlich live zu erleben. Neben Jayn stand noch ein Gitarrist auf der Bühne und an den Drums saß ein bemalter Mann mit Indianer-Kopfschmuck. Ansonsten ging gewaltig viel daneben und die Umbaupause dauerte ewig. Zu Beginn passte der Sound noch einigermaßen und Jayn ließ ihre wunderbare Stimme erklingen. Aber nach einer Weile stellte sich ein furchtbarer Dauerton ein der unerträglich wurde und mich im Endeffekt aus der Halle vertrieb. Hoffentlich ergibt sich irgendwann eine neue Gelegenheit, DARKHER auf der Bühne zu erleben – ganz ohne technische Probleme.





Auf dem Weg zum Bahnhof kam ich dann am Hotel Astoria vorbei, dem vom deutschen Musiker ASP mit seinen letzten Werken mit dem Titel „Verfallen“ ein musikalisches Denkmal gesetzt wurde. Es war schade zu sehen, was aus einem einst wunderschönen Gebäude werden kann, wenn es 20 Jahre lang leer steht.

Da es noch nicht so spät war, habe ich mich auf den Weg zum Kohlrabizirkus gemacht. Dort wären PROJECT PITCHFORK am Programm gestanden, aber die extrem lange Schlange ließ mich dann doch wieder umdrehen. So war der Abend früher zu Ende als geplant, aber da es dann doch keine vernünftigen Alternativen gab, fügte ich mich den Umständen und fuhr zum Hotel, um für den nächsten Tag fit zu sein.


www.facebook.com/DARKHERMUSIC
www.facebook.com/TheUndergroundYouth
www.facebook.com/lastleafdown
www.facebook.com/Vielle.Band
www.donner-und-doria.de



FOTOS + E-CARDS
www.wave-gotik-treffen.de/

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Beitrag vom 16.06.2016
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