WAVE GOTIK TREFFEN: LORD OF THE LOST   KAUAN   DARKHAUS   DIARY OF DREAMS   TROLLFEST   HEIDEVOLK   GERNOTSHAGEN   HEYDENRAUSCH   AURELIO VOLTAIRE   HARPYIE   WALDTRAENE   NACHTWINDHEIM   BRIGANDU  
15.05.2016 @ Leipzig

Nach einem sonnigen Freitag und einem durchwachsenen Samstag, zeigte sich der Sonntag von der nassen Seite. Es gab zwar kurze Sonnenfenster, aber meist hatte der Regen Leipzig in seinen Fängen. Der Sonntag ist traditionellerweise der Tag, an dem im Heidnischen Dorf auch härtere Klänge dominieren, außerdem ist meist da die Besucheranzahl am Höchsten, aber durch das Wetter blieb die Menge überschaubar.

Bei meiner Ankunft standen gerade die Deutschen BRIGANDU auf der Heidenbühne. Nur wenige Leute fanden sich vor der Stage ein, denn einige ließen sich etwas entfernt von der Bühne auf der Wiese nieder. BRIGANDU bemühten sich zwar mit Harfe, Trommeln und Gitarre die Leute mit ihren keltischen Weisen zu bezaubern, aber irgendwie gelang es leider nicht so richtig. Vielleicht lag es auch an der mangelnden optischen Präsenz, da die Bandmitglieder teilweise mit Regenjacken auf der Bühne saßen. Mag ja zweckmäßig sein, aber Stimmung kam dabei irgendwie keine auf. Auch mit Aussagen von Sängerin Hilde Brun, dass das Publikum nun einmal durch diesen Auftritt durch müsste, haben sich die Sympathien für BRIGANDU nicht verstärkt.





Nach so viel geballtem Frust konnte es eigentlich nur besser werden. An diesem Tag waren zwei Thüringer Bands am Start, und in diesem deutschen Bundesland weiß man offenbar noch, wie man seine Musiker unterstützt. Als erste waren WALDTRAENE an der Reihe, und auch wenn es vor der Bühne ziemlich leer blieb, so sammelte sich in einiger Entfernung eine ganze Reihe Fans an, die die beiden Musiker von Anfang an tatkräftig mit Applaus unterstützte. Erneut bewiesen die Beiden, dass es nicht mehr als eine Gitarre, eine Flöte und schöne Stimmen braucht, um das Publikum bestens zu unterhalten. Auch der Wettergott hatte ein Einsehen mit den beiden Künstlern und der Auftritt fand im Sonnenschein statt. Horda erzählte einige Hintergründe zu den WALDTRAENE-Liedern und gelegentlich wurde auch eifrig mitgesungen. Nach einiger Zeit fanden sich auch ein paar Tänzer vor der Bühne ein, die eine Art witziges Ballett aufführten.





Setlist WALDTRAENE:

Intro
Sturm
Wotans Boten
Ulfhednar
Feinde In Waffen
Erben Des Donnerstag
Schild An Schild
Aus Goldenen Hallen
Himinbjorg
Unter Wolfes Banner
Heidenblut
Heidnische Liedkunst

Dann wurde es doch deutlich voller vor der Bühne und bei einem Jahrmarkts-Musik-Intro erschienen so nach und nach die Musiker von HARPYIE, einer siebenköpfigen Folk-Metal-Band aus Nordrhein-Westfahlen. Sänger Aello trug eine Schnabelmaske und einen Stock wie ein Zirkusdirektor, und begrüßte die Anwesenden mit den Worten "Willkommen bei der Freak-Show"! Auch die anderen Musiker waren phantasievoll gekleidet und die Stimmung bei den flotten Songs war von Anfang an bestens. Nach einer Weile wurde Aello die Maske doch zu unbequem und er zeigte sein wahres Gesicht - mit rot verschmierten Lippen. HARPYIE präsentierten einen Querschnitt aus ihrem bisherigen Schaffen und konnten das Publikum schwer begeistern, wie man an den immer wieder hochgerissenen Armen deutlich erkennen konnte. Mit "Blue" wurde auch ein ungewöhnliches Cover von EIFFEL65 präsentiert, das Publikum hatte aber seine helle Freude und sang bei dem bekannten Song lautstark mit. So wurde der Auftritt ein gelungenes Erlebnis für alle und für HARPYIE gab es danach sicher einige neue Fans.





Setlist HARPYIE:

Freakshow
Monster
Fauler Zauber
Elisa
Dunkle Wissenschaft
Der schwarze Mann
Tanz auf meinem Grab
Das Zweigesicht
Wahnsinn
Blue (EIFFEL65 Cover)
Sturmvögel

Danach wurde die Bühne leer geräumt und nur ein einzelner Mann mit Gitarre in der einen Hand und einer grünen Flasche in der anderen erschien. AURELIO VOLTAIRE ist innerhalb der Szene wohl deutlich bekannter als ich vermutet hatte, denn die Reihen waren dicht geschlossen, und allen war die Vorfreude deutlich anzumerken. Der gebürtige Kubaner, der jedoch schon ewig in den USA lebt, zählt in der amerikanischen Gothic-Szene zu den ganz Großen. Mit launigen Sprüchen - auch in gebrochenem Deutsch - auf den Lippen und den Klängen einer akustischen Gitarre, unterhielt AURELIO sein Publikum bestens. Mit einigen frei interpretierten Cover-Songs, wie etwa "Du Hast" von RAMMSTEIN, brachte er die Leute dazu, inbrünstig mit zu singen. Aber natürlich hatte der Sänger auch eigene Songs im Repertoire und auch bei diesen wurde tatkräftig mitgefeiert. AURELIO VOLTAIRE bewieß sich an diesem Tag als genialer Entertainer und dass er nach der Show seinen Fans für Autogramme und Fotos zur Verfügung stand, brachte ihm noch zusätzliche Sympathiepunkte ein.

Strömender Regen begleitete die Umbaupause für die zweite Thüringer Band des Tages, aber als GERNOTSHAGEN zu spielen begannen, wurde es wenigstens kurz trocken. Als Sänger Askan mit Axt und Schild auf die Bühne kam, drängten immer mehr Leute nach vorne um den druckvollen Klängen der Pagan/Folk Metaller zu lauschen. Askan war düster geschminkt und hatte in seiner Lederrüstung viel von einem wilden Kämpfer an sich. Aber auch die anderen Musiker waren in altertümliche Kleider gehüllt und mit schwarzen Streifen beschmiert, um den kämpferischen Stil in der Musik noch zu untermalen. Die Musik von GERNOTSHAGEN war dynamisch aber auch sehr melodisch und der wechselvolle Gesang betonte die kampfesmutige Stimmung noch zusätzlich. Auch wenn nach einer Weile wieder strömender Regen einsetzte, flüchteten nur die wenigsten unter irgendwelche Dächer - die meisten blieben vor der Bühne und lauschten bis zum Ende den tollen Songs von GERNOTSHAGEN - wahrer Fan-Treue mag auch der Regen nichts anhaben!





Setlist GERNOTSHAGEN:

Weltenbrand
Einherjer
Einsam
Freyas Schoß
Eisenwald
Thursenhain
Schlachtenbruder
Skirnir

Auch die nachfolgende Band verfolgt seit langem ähnliche musikalische Wege, HEIDEVOLK sind seit vielen Jahren immer gern gesehene Gäste auf Konzertbühnen, aber durch viele Besetzungswechsel ist irgendwann der besondere Charme dieser Band verloren gegangen. Dennoch waren viele Leute vor der Bühne als die Niederländer ihre dynamischen Songs ins Publikum schmetterten. Neben neueren Songs wurden natürlich auch die alten Erfolgstitel präsentiert und bei „Nehalennia“, „Ostara“ und natürlich auch dem Ort entsprechend „Saksenland“ wurde lauthals mitgesungen. Zum Abschluss wurde noch der beliebteste HEIDEVOLK-Song „Vulgaris Magistralis“ draufgelegt und damit war das Party-Feeling trotz zeitweisem Regen perfekt.





Zwischendurch wagte ich auch einen Abstecher zur Brunnenbühne, die durch Farbgebung und Größe mehr von einem Jahrmarktswagen als einer Bühne hatte. Dort spielten die Tiroler HEYDENRAUSCH in tollen Kostümen für die Besucher auf. Ich kannte diese Band bis zu diesem Moment noch nicht, aber wenn schon eine österreichische Band bei so einem großen Event spielt, dann muss man da auch hin. HEYDENRAUSCH unterscheiden sich ein bisschen von den üblichen Mittelalterbands, da sie Geschichten mit Musikbegleitung erzählen. Sänger Haki war auch sehr bemüht, den Zusehern diese Geschichten näher zu bringen und besonders die tanzenden Kinder vor der Bühne hatten jede Menge Spaß mit der Band und konnten teilweise auch ihre Eltern zum Mittanzen überreden. Die meisten Lieder waren auf Deutsch, aber bei einem Titel namens „Yarilo“ verwendete Sänger Haki die Bosnische Sprache, was für zusätzliche Intensität sorgte. Mich haben HEYDENRAUSCH überzeugt und ich würde mir sehr wünschen, dass auch andere die Tiroler in ihr musikalisches Herz einschließen.





Auf der großen Heidenbühne stand als nächster Programmpunkt norwegischer Klamauk am Programm. TROLLFEST schafften es in den letzten Jahren, mit derben Späßen und seltsamen Verkleidungen eine sehr große Fangemeinde aufzubauen und waren bei vielen großen Festivals gern gesehene Gäste. So war es auch an diesem Tag und trotz strömenden Regens waren sehr viele vor der Bühne, um sich von TROLLFEST unterhalten zu lassen. Die Norweger sind wohl solches Sauwetter gewohnt und gaben von Anfang an Vollgas und rissen damit das Publikum mit. Irgendwann dachte wohl keiner mehr den Regen und die Feierlaune behielt die Oberhand. So verlief auch dieser Auftritt der Norweger wie immer – völlig schräg, abgefahren und lustig, aber genau das hatten sich die Fans ja auch erwartet.





Ein weiterer Abstecher zur Brunnenbühne, um noch ein bisschen mit HEYDENRAUSCH zu plaudern, brachte mich noch in den Genuss der mittelalterlichen Weisen von NACHTWINDHEIM. Die Sachsen hatten ja keine so weite Anreise zum Wave Gotik Treffen und wohl auch einige Fans mitgebracht, die sich im Rhythmus der mittelalterlichen Klänge bewegten. NACHTWINDHEIM kamen ohne Gesang aus und verließen sich nur auf die Musik. Als mir der Trommler während des Fotografierens die Zunge zeigte, ließ ich die Herren wieder alleine mit ihren Instrumenten.





Das fiel mir auch nicht schwer, da auf der Heidenbühne mein persönliches Highlight des Tages auf dem Programm stand. KAUAN begeisterten mich bereits letztes Jahr am Darktroll Festival und so war es umso schöner, die Russen so bald wiederzusehen. Die Musik von KAUAN zu beschreiben ist sehr schwer. Am ehesten könnte man sie als einen Mix aus Folk/Doom und Black Metal bezeichnen. Leider dauerte der Umbau sehr lange und da es mittlerweile durch den vielen Regen sehr kalt geworden wurde, verließen Einige frühzeitig das Gelände. Diejenigen die ausgeharrt hatten, belohnte man mit sehr feiner atmosphärischer Musik, zu der es nicht sehr viel Gesang gab. Die Keyboarderin und Geigerin sorgten zusätzlich für Klangfülle und man konnte sich der Ausstrahlung dieser Sounds einfach nicht entziehen. KAUAN waren ein perfekter Abschluss an diesem Tag im Heidnischen Dorf, und durchgefroren aber glücklich zogen danach alle von dannen.





Setlist KAUAN:

Aidin laulu
Aamu ja Kaste
Lumikuuro
Pirut
Unsoi

Aber nicht nur im Heidnischen Dorf gab es an diesem Tag tolle Musik, auch in der Agra-Halle standen beliebte Bands auf dem Programm. Den Beginn machten LORD OF THE LOST und wieviele treue Fans die Hamburger mittlerweile haben, konnte man daran erkennen, dass sich die große Halle binnen kürzester Zeit füllte. So war es auch nicht verwunderlich, dass von Anfang an beste Stimmung herrschte und viele begeistert die Arme nach oben rissen um LORD OF THE LOST so richtig abzufeiern. Die Jungs boten einen Mix aus all ihren Alben, aber auch ein neuer Song mit dem Titel „The Love Of God“ wurde vorgestellt. Als der charismatische Sänger Chris Harms zum Elektrocello griff, gab es dafür auch jede Menge Beifall, sowie auch für sein Stagediving und die anderen Kontakte zu den Fans. Die Zeit verging wie im Fluge und trotz einer Spielzeit von mehr als einer Stunde, ist dieser Gig vielen zu kurz ausgefallen. Da Chris Harms nachts noch als DJ am Werk war, nutzten wohl viele noch die Gelegenheit, um mit dem Herrn die Nacht zum Tage zu machen.





Setlist LORD OF THE LOST:

Six Feet Underground
Blood For Blood
The Love Of God
Fists Up In The Air
We´re All Created Evil
Black Lolita
Sex On Legs
Prison
Beyond Beautiful
From Venus To Mars
Afterlife
Die Tomorrow
Kill It With Fire
Dry The Rain
La Bomba
Credo

Die nachfolgende Band war bereits mit Chris Harms und seinen Jungs auf Tour, weswegem der Großteil des Publikums auch zum Auftritt von DARKHAUS in der Halle blieb. Obwohl die Schotten zum ersten Mal beim Wave Gotik Treffen spielten, sah man viele Fans mit DARKHAUS-Shirts. So war es nicht verwunderlich, dass auch bei dieser Darkwave-Band die Stimmung unter den Fans durchgehend bestens war. DARKHAUS setzten nicht auf große Bühnenaufbauten – die waren eher spartanisch – sondern viel mehr auf sympathische Ausstrahlung und tolle Songs, und das freute die Besucher, die mitklatschten und teilweise auch tanzten. So lohnte sich für die Schotten die weite Reise und wenn die Jungs erneut auf Tour gehen, werden sie sicher keine Angst mehr vor leeren Hallen haben müssen.





Setlist DARKHAUS:

Providence
Drive
Break Down The Walls
Ghost
Life Worth Living
Son Of A Gun
Don´t Close Your Eyes
The Fire Within
Hour Of Need
Looks Like Rain
Grace Divine
Side Effect Of Love
Breaking The Silence

In ähnlicher Manier ging es auch weiter. Für die Deutschen DIARY OF DREAMS war das Wave Gotik Treffen quasi ein Heimspiel und es wurde noch einmal voller in der Agra. Auch DIARY OF DREAMS blieben ihren Fans nichts schuldig und das belohnten die Besucher mit jeder Menge Beifall. Nachdem kein Platz mehr zum Mittanzen war, mussten sich die Leute mit dem Hochreißen der Arme zufrieden geben um ihre Begeisterung auszudrücken. Eine absolut gelungene Sache für Band und Fans und so soll es ja auch sein.


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Beitrag vom 20.06.2016
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