TUSKA 2016: CHILDREN OF BODOM   KATATONIA   GOJIRA   DIABLO   HATEBREED   MYRKUR   BLOCK BUSTER   SWALLOW THE SUN   NERVOSA   MÖRBID VOMIT   NUCLEAR OMNICIDE  
03.07.2016 @ Suvilahti, Helsinki

Der dritte Tag des Tuska Open Airs war leider nicht mit Sonnenschein gesegnet, es blieb aber zum Glück Großteils trocken. Nachdem an den Vortagen bereits immer um 13.00 Uhr Einlass war, wurden am Sonntag erst um 14.00 Uhr die Tore geöffnet, was fast etwas zu kurz für die erste Band des Tages, die bereits um 14.10 Uhr zu spielen begann, war.

So herrschte vor der Main Stage gähnende Leere, als BLOCK BUSTER mit dem Auftritt starteten. Die Finnen sind bereits ein paar Jahre in Sachen Hard Rock unterwegs und ließen sich keinerlei Enttäuschung über das nicht sehr große Publikum anmerken. Mit viel Spielfreude, druckvollen Riffs und angenehmem Gesang konnten die Finnen begeistern und so füllte sich zum Glück während des Gigs der Platz vor der Bühne deutlich, sodass sich der Auftritt für BLOCK BUSTER doch noch lohnte.

Die erste Band auf der Inferno Stage in der Halle waren NUCLEAR OMNICIDE. Auch diese Band stammt aus Finnland und hat sich den härteren Sounds verschrieben. Bereits zum Intro aus Sirenengeheul, einem gesprochenen Text über Bomben und einem Countdown sprangen die fünf Musiker auf die Bühne und begannen beinharten Thrash Metal zu spielen. Alle fetzten durch die Gegend, so dass fotografieren zur Glückssache wurde. Als mir Sänger Benny Raivio dann noch mit nassen Haaren die Kamera versaute, verschwand ich ziemlich schnell aus dem Fotograben. Den vielen Zuschauern hat es jedoch sehr gut gefallen und relativ früh entstand der erste Moshpit. Also haben NUCLEAR OMNICIDE für ihre Fans alles richtig gemacht, und nur darauf kommt es an.





Für mich stand als nächstes auf der Helsinki Stage mein absolutes Highlight des Festivals am Programm. MYRKUR konnten bereits beim Konzert in Wien restlos begeistern und für mich war es einfach nur toll, Amalie Bruun und ihre Band so bald wiederzusehen. Und scheinbar hatte nicht nur ich Interesse – das extrem volle Zelt war nicht nur mit dem einsetzenden Regen zu erklären. MYRKUR stehen für tollen Atmospheric Black Metal. Die Musiker erschienen schwarz gekleidet und mit beschmierten Gesichtern und präsentierten druckvolle und sehr melodische Sounds. Amalie trat im weißen Kleid zum Keyboard und alle waren sofort von ihrer Erscheinung fasziniert. Auf der Bühne stand ein Mikroständer aus gewundenen Ästen mit gleich zwei Mikros – eins für den tollen Klargesang und eins für die Growls. Zwischendurch hängte sich Amalie auch eine Gitarre um und bewies, dass sie dieses Instrument durchaus beherrschte. Das Publikum war restlos von diesem Auftritt von MYRKUR begeistert und somit hatte sich der Ausflug nach Finnland auf jeden Fall für die Dänen mehr als gelohnt.





Auf der Inferno Stage standen danach deutlich härtere Sounds am Programm. MÖRBID VOMIT sind Vertreter des extrem harten Death Metals. Nachdem sich die Halle nach und nach füllte, traten die vier Finnen schwarz bemalt und blutbesudelt auf die Bühne, um von Anfang an den Fans bretternde Sounds um die Ohren zu hauen. In Verbindung mit dem schreienden, aggressiven Gesang entstand eine ätzende Atmosphäre, aber genau das hatten sich die Fans ja erwartet. Ab dem ersten Track ließen einige Leute die Mähnen kreisen und feierten MÖRBID VOMIT ordentlich ab. Mir war das eindeutig zu hart, aber ist ja eine feine Sache, wenn auf einem Festival alle Musikgeschmäcker bedient werden.





Setlist MÖRBID VOMIT:

The Seed Of Human Scum
Morbid Gluttony
Beaten From Belief
Engulfed By The Plague


In der Zwischenzeit setzte strömender Regen ein, aber mit Regenumhang ausgerüstet hatten sich viele vor der Main Stage eingefunden um bei den Hardcore-Heroen HATEBREED ordentlich abzufeiern. Die Amerikaner schätzten diesen Umstand sichtlich, zeigten vollen Einsatz und Sänger Jamey Jasta wirbelte über die Bühne, als ob es keinen Regen gäbe. Auch die Besucher ignorierten diesen Umstand, rissen die Hände nach oben und brüllten vor Begeisterung. Dem wahren Metal-Fan macht halt eine Regendusche zwischendurch nichts aus, wenn er die Musik zu hören bekommt, die ihn begeistert. Das wurde bei diesem Gig wieder einmal voll unter Beweis gestellt.





Setlist HATEBREED:

Destroy Everything
Looking Down The Barrel Of Today
A.D.
Live For This
Honor Never Dies
Perseverance
Doomsayer
As Diehard As They Come
To The Threshold
The Language
Something’s Off
I Will Be Heard


Aber natürlich gab es auch Bands, die vom Regen wirklich profitierten. Bei Trockenheit hätten sich DIABLO eventuell nicht über ein so proppenvolles Zelt freuen können. Bei einem Intro mit Frauengesang kamen die vier Musiker von viel Nebel umgeben auf die Bühne und legten von Anfang an gleich richtig los. Licht gab es kaum, denn der Melodic Death Groove-Truppe war wohl eine düstere Atmosphäre wichtiger, denn gesehen zu werden. Die Finnen können bereits auf eine sehr lange Bandgeschichte zurückblicken und so konnten sie aus dem Vollen schöpfen, was die Setlist betraf. Mit flotten Sounds und druckvollem Gesang wussten DIABLO auf Anhieb zu begeistern und viele feierten kräftig mit; also genau das was sich eine Band von so einem Auftritt wünscht.





Setlist DIABLO:

The Call
Isolation
Symbol Of Eternity
Read My Scars
The Serpent Holder
Prince Of The Machine
Mimic47
Living Dead Superstar
Trail Of Kings
Icaros
The Preacher


Leider gab es dann eine totale Überschneidung mit der nächsten Band auf der Inferno Stage und als ich mich endlich durch die Massen im Zelt ins Freie gekämpft hatte, Richtung Halle lief und mich dann dort durch die Massen durchkämpfen konnte, waren NERVOSA schon am Werken. Die drei Mädels aus Brasilien entpuppten sich als sehr großer Anziehungspunkt, denn unter den Leuten herrschte Begeisterung pur. NERVOSA konnten in den Jahren ihres Bestehens eine sehr große Fanbase aufbauen und die drei Damen bewiesen auch in Helsinki, dass Thrash Metal wahrlich kein Privileg der Männerwelt ist. Die Brasilianerinnen haben sicher von diesem Gig tolle Eindrücke mitgenommen und auch den Fans war die große Freude über diesen Auftritt deutlich anzumerken.





Setlist NERVOSA:

Death!
Hypocrisy
Theory Of Conspiracy
Masked Betrayer
Surrounded By Serpents
Twisted Values
Intolerance Means War
Arrogance
Guerra Santa
Failed System
Cyber War
Hostages
Into Mosh Pit


Der Wettergott hatte anschließend ein Einsehen mit den Franzosen GOJIRA und der Regen hörte auf, sodass beinahe alle Festivalbesucher in froher Erwartung vor der Bühne standen. Es gab nur ein sehr kurzes Intro, das bald einmal von Sänger und Gitarrist Joe Duplantier weitergespielt wurde, ehe auch die drei restlichen Musiker auf die Bühne traten. GOJIRA boten einen tollen, rhythmischen Mix aus harter und melodischer Spielart, bei der die Mannen auch gelegentlich einen Hang zu Experimenten zeigten. Dazu gab es den harten Gesang von Joe Duplantier. GOJIRA boten ein abwechslungsreiches Set und natürlich wurden auch Tracks vom neuen Album „Magma“ ebenso wie so manch Klassiker und Hit zum Besten gegeben. Das Publikum ging begeistert mit und damit lohnte sich dieser Zwischenhalt auf der sommerlichen Festivaltour für die Gruppe auf jeden Fall.





Setlist GOJIRA:

Toxic Garbage Island
L´Enfant Sauvage
The Heaviest Matter Of The Universe
Silvera
Stranded
Flying Whales
Wisdom Comes
Backbone
Terra Inc.
Only Pain
Oroborus
Vacuity


Der Abschlussgig auf der Inferno Stage war der dritte Teil der SWALLOW THE SUN Konzerte zum aktuellen, dreiteiligen Album „Songs From The North I, II & III“. Dieser Part war vom Album her bereits der Düsterste und so war es nicht verwunderlich, dass die Musiker fast im Dunklen, maskiert mit schwarzen Streifen im Gesicht standen und die Bühne meist im Nebel versank. Die ruhigen und hochmelodischen Sounds gepaart mit dem harten Gesang von Mikko Kotamäki ergaben eine intensive Stimmung. Vielen Fans standen gebannt vor der Bühne und lauschten der wunderbaren Darbietung der Finnen. Einen schöneren Abschluss auf der Inferno Stage hätte es wohl nicht geben können.





Setlist SWALLOW THE SUN:

Gathering Of Black Moths
7 Hours Late
The Clouds Prepare For Battle
Empires Of Loneliness
Abandoned By The Light


Nicht viel weniger düster war der letzte Auftritt auf der Helsinki Stage. Die Schweden KATATONIA sind ja bereits seit 25 Jahren in Sachen Depressive Rock/Metal aktiv, wenn auch in verschiedenen Ausprägungen. Von der anfänglichen Härte ist bei den neueren Songs kaum mehr etwas vorhanden, was so manchen Fan wohl irritierte, aber dennoch war es im Zelt voll als die Schweden im wabernden Nebel auf die Bühne kamen. Die Musiker zeigten sich sehr agil und fegten über die Bühne, wobei sie druckvolle, melodische Sounds zum Besten gaben. Als Kontrast dazu bewegte sich Sänger Jonas Renkse kaum und ergänzte mit ruhigem, angenehmem Gesang die Musik. KATATONIA boten einen Mix aus älteren und neuen Songs, wobei natürlich auch Titel vom aktuellen Album „The Fall Of Hearts“ nicht fehlten, dessen Artwork das Banner im Hintergrund zierte.





Setlist KATATONIA:

July
Deliberation
Serein
Hypnone
Lethean
Serac
My Twin
Nephilim
Old Heart Falls
Dead Letters
In the White
Forsaker


Und auch der Schlussstrich auf der Main Stage konnte sich sehen bzw. hören lassen. Ein riesiges Transparent, toller Bühnenaufbau und einige gelbe Fässer boten den passenden Rahmen für eine der beliebtesten finnischen Bands, die immer wieder gerne beim Tuska Open Air ihre Fans unterhält. Bereits seit 25 Jahren sind CHILDREN OF BODOM am Werk, demnach fanden sich vor der Bühne schon lange vor Beginn des Gigs viele Leute ein um sich einen guten Platz zu sichern. Den Startschuss bildete ein Donnerschlag und während des nachfolgenden Intros kamen nach und nach die Musiker auf die Bühne, die von Anfang an vollen Einsatz zeigten. Sänger und Gitarrist Alexi Laiho war wie immer der Show-Man der Truppe und ließ zwischendurch launige Ansagen vom Stapel. Bei „Lake Bodom“ kam Netta Skog (ENSIFERUM) mit ihrem Akkordeon zur Unterstützung auf die Bühne und gegen Ende hin gab es noch Cover-Songs in Form von "Lookin´ Out My Back Door" von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL sowie einem RAMONES-Song und einem weiteren Cover zu "Ghost Riders In The Sky". Das Publikum feierte ordentlich mit und die Begeisterung war deutlich spürbar. Damit waren CHILDREN OF BODOM das perfekte Finale für das Tuska Metal Open Air 2016!





Setlist CHILDREN OF BODOM:

Follow The Reaper
In Your Face
Morrigan
Trashed, Lost & Strungout
Hate Me!
Lake Bodom (feat. Netta Skog am Akkordeon)
I Worship Chaos
Angels Don´t Kill
Silent Night, Bodom Night
Hate Crew Deathroll
Children Of Decadence
Downfall
-
Lookin´ Out My Back Door (CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL Cover)
Somebody Put Something in My Drink (RAMONES Cover)
Ghost Riders In The Sky (STAN JONES Cover + Netta Skog)


Das wars mit dem Tuska Open Air 2016! Viel zu schnell vergingen die drei Tage und keiner ließ sich die Laune vom Regen am dritten Tag vermiesen! Auch nächstes Jahr wird es wieder ein Festival in Suhvilahti geben und ich hoffe sehr, dass dann viele wieder den Weg nach Helsinki finden – zu einer Zeit wo es nicht dunkel wird.


FOTOS + E-CARDS
www.tuska-festival.fi

Metalmama
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Beitrag vom 25.07.2016
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