MASTERS OF ROCK: AVANTASIA   SLAYER   AMARANTHE   WALTARI   SEBASTIEN  
15.07.2016 @ Areál likérky Jelínek

Der zweite Tag des Masters Of Rock startete wie erwartet ziemlich wechselhaft und verhältnismäßig kühl. Hatten wir in den vorangegangenen Jahren immer einen Mix aus Sonnenschein mit enormer Hitze und Regen bis hin zu größeren Sturmwarnungen, stand das Jahr 2016 durchwegs im Zeichen der dunklen Wolken. Dadurch ließen sich die anwesenden Metalheads aber nicht die Stimmung vermiesen.

Bereits um 10:00 Uhr morgens, was für viele Festivalbesucher so viel wie „mitten in der Nacht“ bedeutet, standen die Melodic Metaller SEBASTIEN auf der Bühne. Bei den letzten Besuchen überraschte die Truppe noch mit einigen Gastmusikern wie Roland Grapow (MASTERPLAN), Apollo Papathanasio (Ex-FIREWIND), Tony Matin (Ex-BLACK SABBATH) und Katie Joanne (SIREN´S CRY) auf der Bühne, dieses Jahr fiel das Ganze doch etwas schmaler aus. Zwar hatte Frontmann George Rain am Mikro noch Unterstützung, wer sich da bei ihm auf der Bühne befand konnte ich leider nicht herausfinden. Die Band überzeugte jedoch im kurzen Set mit tollen Melodien, kraftvoller Rhythmik und hymnischen Refrains, die den bereits wachen Zuschauern durchaus gefiel. Wirklich große Akzente konnte die Band zwar nicht setzen, solide und unterhaltsam war dieser frühe Auftritt der Tschechen allemal.

Mit heimischen Bands wie SALAMANDRA und DOGA folgten im Laufe des Tages noch weitere Highlights für das tschechische Publikum, fand man diese Truppen doch schon mehrfach im LineUp des Festivals. Wir konnten damit aber nicht besonders viel anfangen und genossen erst mal das Festivalflair, ehe am Nachmittag WALTARI die Bühne enterte. Die Truppe hat ja einen sehr guten Live-Ruf, was die Finnen da ablieferten, spaltete aber so manch Metalfan. Die abgefahrene Mischung aus Rock, Pop, Punk, Techno, Rap und Metal muss man schon mögen. Irgendetwas hatte das Ganze schon und wenn man bereits seit 30 Jahren halbwegs erfolgreich existiert und ein gewisser Sami Yli-Sirniö (KREATOR) zum Bandgefüge gehört, dann kann das ja gar nicht so schlimm sein. Dennoch kann ich nicht erklären was es war und befand das Ganze dann nach ein paar Songs doch zu chaotisch und belanglos.





Das Abendprogramm starteten die Herren und Dame von AMARANTHE gegen 18:00 Uhr. Auch die Schweden standen nicht zum ersten Male auf der Ronnie James Dio Stage und dürften mit ihrer energischen Show sowie der bezaubernden Frontdame Elize Ryd Eindruck hinterlassen haben. Optisch war das schon ein Schmankerl, doch musikalisch treten AMARANTHE nach wie vor auf der Stelle und liefern überambitonierten Plastik-Pop-Metal mit viel Synthie, übertrieben eingängigen Melodien und viel Pathos. Das Ganze wirkt zu weichgewaschen und aufgesetzt um den Metalhead wirklich anzusprechen. Dennoch konnte man mit viel Energie und Motivation das tschechische Publikum wachrütteln und eine grundsolide Show hinlegen, die aber so schnell wieder aus dem Kopf war, wie das Jelinek Stamperl aus der Hand.





Setlist AMARANTHE:

Digital World
Trinity
Hunger
Invincible
1.000.000 Lightyears
Razorblade
Massive Addictive
True
Afterlife
Electroheart
Drum Solo
Leave Everything Behind
Amaranthine
Call Out My Name
-
The Nexus
Dynamite
Drop Dead Cynical


Zwar spielen SLAYER in Europa aktuell wirklich an jeder Steckdose, doch das Masters Of Rock kam bisher noch nicht in den Genuss der #2 der Big4. Tom Araya und seine Jungs sind live immer eine Bank und vor allem eine gewaltige Wucht. Der eine mosht und bangt 90 Minuten ohne Gnade durch, der andere begnügt sich mit den ersten und letzten drei Songs des Sets um alles gesehen und gehört zu haben. Ich gehöre zwar zur zweiten Kategorie, jedoch ist es immer wieder beeindruckend, wie die Thrash Titanen die Stimmung, Wucht und Soundgewalt auf die volle Distanz aufrechterhalten können. Wie schon am Vortag bei TESTAMENT, hatten die Securities vor der Stage alle Hände voll mit unzähligen Crowdsurfern zu tun, behielten die Situation aber souverän im Griff. SLAYER-Rufe wurden an allen Ecken skandiert und kaum ein Zentimeter vor der Bühne war frei, jedoch war bis hinten stets Bewegung zu sehen. Egal ob getanzt, gebangt oder einfach die Faust gen Himmel gereckt wurde, man sah, dass sich die Tschechen über diesen seltenen Gast mehr als freuten. Da kam auch Tom aus der Reserve und musste einige Male grinsen und lachen, als er zu einer kurzen aber sympathischen Ansage ansetzte. Ich hab zwar mehr als genug jetzt nach vier Auftritten innerhalb eines Jahres, doch das tschechische Publikum freut sich definitiv auf eine Wiedersehen.





Mit „Disciple“, „Repentless“, „Postmortem“, „South Of Heaven“ oder dem Jeff Hanneman Tribut (inklusive überdimensionalem In Memoriam-Banner auf der Bühne) „Angel Of Death“ das seit einiger Zeit als Rausschmeißer fungiert und „Raining Blood“ von dieser Aufgabe an eine andere Stelle des Sets bugsierte. Die Fangemeinde trauert immer noch um Jeff, jedoch ist Gary Holt eine riesen Bereicherung für die Band auf der Bühne. Bei dem seit 30 Jahren gleichen Böse-Dreinschau-Gepose von Kerry King ist es eine wahre Freude, dem sympathischen EXODUS-Gitarristen bei der Arbeit auf die Finger zu schauen.
[maxomer]





Setlist SLAYER:

(Delusions Of Saviour)
Repentless
Disciple
Postmortem
Hate Worldwide
War Ensemble
When The Stillness Comes
You Against You
Mandatory Suicide
Fight Till Death
Dead Skin Mask
Die By The Sword
The Antichrist
Born Of Fire
Seasons In The Abyss
South Of Heaven
Raining Blood
Black Magic
Angel Of Death

Der Headliner des zweiten Tages und das wohl größte Highlight des diesjährigen Masters Of Rock durfte einmal mehr Tobias Sammet´s AVANTASIA sein. Vor kurzem noch knapp an der Qualifikation für den Song Contest gescheitert, steht nun schon wieder die Festival Saison vor der Tür. Wer Tobi kennt, der weiß, dass der Sänger und Songwriter nie ohne auserlese Gäste im Gepäck erscheint. Diesmal erwartete die Anwesenden ein 100minütiges Spektakel bei dem unter anderem Michael Kiske (Ex-HELLOWEEN, UNISONIC), Eric Martin (MR. BIG), Ronnie Atkins (PRETTY MAIDS), Bob Catley (MAGNUM) und Jørn Lande (u.a. MASTERPLAN) sowie Herbie Langhans (SINBREED) und auch Gitarrist Oliver Hartmann für die stimmliche Verstärkung sorgten. Der weibliche Part durfte ebenfalls nicht fehlen, so hat Tobi mit Amanda Somerville eine grandiose Sängerin in seinen Reihen.

Wer AVANTASIA schon einmal bewundern durfte, der weiß, wie eine Show mit so vielen namhaften Stars funktioniert, da darf jeder Mal ran und zeigen was er kann. Über die Qualitäten dieser Künstler braucht man wohl nicht viel erzählen, nur dass sie alle hervorragend miteinander harmonieren und sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen. „Also sprach Zarathustra“ sorgte als Intro für Gänsehaut, ehe „Mystery Of A Blood Red Rose“ das fulminante Set einläutete. Die Nummer vom neuen Werk „Ghostlights“ fügt sich gut ein, sorgte aber noch nicht für die ganz große Stimmung. Das steigerte sich langsam mit dem energischen Auftreten von Ronnie Atkins zu „Invoke The Machine“ und dem flotten „Ghostlights“, aber erst „Avantasia“ vom gefeierten Debüt ließ die Fans in Freudentaumel geraten. Michael Kiske sorgte für lauten Jubel und lieferte eine unglaubliche Leistung, sind doch der Glatzkopf und der Bandboss doch schon jahrelang ein hervorragendes Team.





Tobias Sammet, gut aber nicht perfekt bei Stimme, sorgte mit seinen Ansagen wie gewohnt für einige Lacher und scherzte mit seinen Gästen. Hier sind wirklich Freunde am gemeinsamen Musizieren, das merkt man von Beginn an. Mit Bob Catley im schicken blauen Jackett, der schon zum Stammpersonal gehört und Eric Martin durften im späteren Verlauf zwei weitere Größen des Genres die Fans begeistern, was auch mühelos gelang. Bob durfte bei „The Story Ain´t Over“ ran, während ein weiteres Schmankerl mit Amanda am Mikro das schöne „Farewell“, bei dem die Blondine den hinteren Teil der Bühne kurz verließ, um mit Tobi im Mittelpunkt zu stehen, war. Märchenhaft ist wohl die passendste Bezeichnung sowohl für den Song wie auch die Atmosphäre am Festival.

Es folgte ein Hit nach dem anderen, „Dying For An Angel“ oder „Promised Land“ bei dem auch Jorn Lande seine göttliche Stimme einsetzte. Wahrlich schwer jemanden aus dieser Gruppierung hervor zu heben, doch der Norweger, der wohl zu den fleißigsten Musikern im Metal zählt, hob das Niveau noch um eine Spur. Nicht vergessen sollte man die Herren an den Gitarren Sascha Paeth (Ex-HEAVENS GATE) und Oliver Hartmann (Ex-AT VANCE) die sich nicht hinter den großen Namen versteckten und einige fette Riffs abfeuerten. Als Zugabe durfte „Lost In Space“ nicht fehlen, das an diesem Abend wohl am lautesten mitgesungen wurde.





Den krönenden Abschluss bildete ein Medley aus „Sign Of The Cross“ und „The Seven Angels“, bei dem alle Akteure gemeinsam die Stage enterten. Gelungenes Finale bei dem alle Anwesenden noch einmal einzeln abgefeiert wurden.

Auch wenn AVANTASIA ein verdammt umfangreiches Projekt sind und jede Menge Köche und Köchinnen am Werk sind, ist es immer wieder ein Erlebnis zu sehen wie diese Uhrwerk funktioniert. Man kann nur hoffen, dass Tobi noch lange Lust hat, diese tollen Künstler unter seiner Flagge zu vereinen.
[AndyVanHalen]





Setlist AVANTASIA:

(Also Sprach Zarathustra)
Mystery Of A Blood Red Rose
Invoke The Machine
Ghostlights
Avantasia
The Great Mystery
The Scarecrow
Promised Land
Dying For An Angel
Twisted Mind
Farewell
The Story Ain´t Over
Reach Out For The Light
Let the Storm Descend Upon You
-
Lost In Space
Sign Of The Cross / The Seven Angels


So ging auch der zweite, etwas Highlight-arme Tag, wenn man von den Headlinern absieht, sehr positiv zu Ende und man freute sich auf zwei weitere Festivaltage.



FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

maxomer
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Beitrag vom 28.07.2016
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