LORDI   SILVER DUST   SHIRAZ LANE  
08.10.2016 @ Spinnerei

Wer mag sie nicht, die kleinen überschaubaren Konzerte im engsten Kreis, wo man der spielenden Band so nahe kommt wie sonst nie, wo man die Atmosphäre, das Können der Musiker oder den Schweiß hautnah spüren kann. So fangen fast alle Kapellen mal an, doch es gibt auch Gruppierungen die schon vor 70 000 Fans spielten und sich jetzt erneut mit kleinen Locations begnügen müssen. Die Rede ist diesmal von den 2006er Song Contest Gewinnern LORDI, die ihre fünf Minuten Ruhm wohl hinter sich haben, wenn man sieht, wo sie jetzt ihre Zelte aufschlagen. An diesem Samstagabend durften sich die Einwohner von Traun auf eine gruselige Nacht einstellen, denn die Spinnerei lud zum gemeinsamen Headbangen und Schockieren ein.

Als erste Vorgruppe durften SHIRAZ LANE aus Finnland die nur mäßig gefüllte Halle unterhalten. Die fünf Nordländer mit ihrer Mischung aus Glam und Hard Rock erinnerten sofort an - eh klar - GUNS N‘ ROSES und SKID ROW. Stimmlich konnten einige Parallelen zu einem Justin Hawkins (THE DARKNESS) gezogen werden. Bei Sänger Hannes Kett musste man mehrmals hinsehen, um sich sicher sein zu können, dass hier wirklich ein Mann am Arbeiten ist, denn auch optisch lässt sich ein gewisser weiblicher Touch nicht abstreiten. Im Gedächtnis blieb „Wake Up“ hängen, eine solide Rock Nummer. Guter Auftritt der jungen Finnen, die dann von den Schweizern SILVER DUST abgelöst wurden.





Wen LORDI hier im Vorhinein als Special Guest anpriesen wollten will mir nicht so ganz eingehen, denn auch diese Gruppierung war mir bisher unbekannt. Doch sei es drum und so gab man den ganz in schwarzen Mittelaltermänteln und Zylinder gekleideten Herren eine Chance. Inzwischen fanden sich deutlich mehr Menschen vor der Bühne ein und eine schöne Horror-Deko sorgte für passende Stimmung. SILVER DUST starteten fulminant in ihr Set, wobei man einige Momente brauchte, bis man dahinter kam, in welcher Sprache hier gesungen wurde, denn die Schweizer wechselten zwischen Französisch und Englisch hin und her. Sänger und Gitarrist Lord Campbell, der sich zwischendurch ein Duell auf seinem Instrument mit einem Monster an der Orgel auf einem großen Bildschirm lieferte, traf nicht jeden Ton, konnte aber bei einem starken Solo sein Können demonstrieren. Der Stil der Band, die 2013 gegründet wurde, liegt irgendwo zwischen LORDI‘s Hard Rock und Gruselfilm Soundtrack. Einige gute Ansätze sind vorhanden, doch der radikale Sprung in verschiedene Genres ist recht gewöhnungsbedürftig und so freute man sich dann doch auf das Original aus Finnland.





Nach einem Mega Intro und etwas Verspätung erschienen die Monster auf der doch recht kleinen Bühne, die somit nicht viel Spielraum für große Bewegungen ließ. Eröffnet wurde das Set von „Let’s Go Slaughter He-Man“ vom neuesten Album, das von einem gewissen Skeletor angekündigt wurde. Das neue Material kam bei den Fans gut an und so gab es noch ein paar Nummern vom neuesten Werk wie „Down With The Devil“ oder die Singleauskopplung „Hug You Hardcore“, die live etwas besser funktioniert als auf Scheibe. LORDI haben sich wohl damit abgefunden, dass man inzwischen kleinere Brötchen backen muss und sind gut gelaunt. Besonders Frontmonster Tomi „Mr. Lordi“ Putaansuu war recht redselig und plaudert immer wieder aus dem Nähkästchen. Wer LORDI kennt, der weiß neben einem gelungen Bühnenaufbau dürfen auch gewisse Slapstick-Momente nicht fehlen. Sei es ein Horror Kind auf der Roadie-Dame, die dampfende Kreissäge oder ein rauchendes Kreuz an der Stirn des Fronters hinaufgedrückt durch einen Priester. Für Unterhaltung ist auf jeden Fall gesorgt, auch wenn manches schon etwas ins Lächerliche driftet.





Doch zurück zur Musik, Jussi „Amen“ Sydänmaa an der Gitarre und sein Bestien-Bruder Samer „Ox“ el Nahhal am Bass sind schon seit Ewigkeiten dabei und Meister ihres Faches. Und die tollen Kostüme können auch nach mehrmaligem Besuch immer noch überzeugen. „Babez For Breakfast“ oder „Nailed By The Hammer Of Frankenstein“ kamen gut an und wurden lautstark mitgefeiert. Zwischendurch durfte jeder einmal alleine ran und die obligatorischen Solos verschafften Tomi die nötige Verschnaufpause, den die Hitze war enorm und so rann der Schweiß in Strömen. Die Zeit verging viel zu schnell und „Hard Rock Hallelujah“ kündigte schon das Ende des Abends an. Der Song Contest Siegertitel von 2006 mag schon etwas verstaubt klingen, gehört aber einfach zum Set dazu. Stimmungsmäßiger Höhepunkt war jedoch der Hit schlechthin, „Devil Is a Loser“, der die Halle kochen ließ. Live einfach ein Kracher, der auch nach dem x-ten Male noch gut funktioniert. Dann verschwand man kurz in die Dunkelheit, um „Who’s Your Daddy?“ und „Would You Love A Monsterman?“ als Zugabe auf die Fans abzufeuern.





Setlist LORDI:

Let’s Go Slaughter He-Man (I Wanna Be the Beast-Man In The Masters Of The Universe)
Babez For Breakfast
Nailed By The Hammer Of Frankenstein
Bass Solo
Bite It Like A Bulldog
Icon Of Dominance
Drum Solo (With Bits Of The Unholy Gathering)
Hug You Hardcore
Keyboard Solo
The Children Of The Night
Cadaver Lover
Down With The Devil
Blood Red Sandman
Guitar Solo
Hard Rock Hallelujah
Devil Is A Loser
-
Who’s Your Daddy?
Would You Love A Monsterman?


Ein schöner und durchaus gelungener Konzertabend in Traun, bei dem sich die Monster aus Helsinki wohl doch etwas mehr als 150 Zuseher verdient hätten. Doch wer weiß, vielleicht kommen wieder andere Tage und LORDI sind sowieso nicht nur musikalisch immer einen Besuch wert.



FOTOS + E-CARDS


AndyVanHalen
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Beitrag vom 18.10.2016
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