PAIN   THE VISION BLEAK   DYNAZTY   BILLION DOLLAR BABIES  
17.10.2016 @ Szene

Peter Tägtgren musste sich aufgrund seiner vielen Projekte ganze fünf Jahre Zeit lassen um endlich ein neues Album mit seinem Industrial Metal-Projekt PAIN auf die Menschheit loszulassen. Doch das Warten auf „Coming Home“ hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn dieses Werk ist das abwechslungsreichste und dynamischste Werk des Projektes und geizt auch keinesfalls an Hits. Zwar spielten Peter und seine Jungs bereits am Summer Breeze einen energischen Gig, doch dieser wurde gezwungenermaßen – die Band stand mit Fieber auf den Brettern – dem Ruf der Truppe einfach nicht gerecht. Dazu kamen diverse Soundprobleme und der neue Track „Black Light Satellite“ konnte auch nicht gespielt werden. Als dann die Tour bestätigt wurde, zögerten wir nicht lange um PAIN nochmals in voller Länge sowie fit und gesund auf der Bühne zu erleben.

Nicht nur für uns war es zunächst überraschend und enttäuschend, dass der Gig in der kleinen Szene stattfand, während die restlichen Gigs der Tour auf mindestens doppelt so großen Bühnen durchgezogen wurden, wie uns Peter im Interview sichtlich von der Tatsache genervt erzählte und per Fotos am Handy zeigte. Davon war aber beim späteren Gig zum Glück nichts zu bemerken, denn PAIN gaben über 90 Minuten Vollgas, egal ob 20 oder 20.000 Fans anwesend gewesen wären.

Zunächst arbeiteten wir uns aber durch das interessante, aber merkwürdig konträre Support-Programm. Den Anfang machten die Jungs von BILLION DOLLAR BABIES aus Schweden. Die Truppe servierte einen coolen und schnell ansteckenden Mix aus Glam, Rock´n´Roll und einem Schuss Metal. Die Jungs agierten energisch und bewegungsfreudig, so sehr es eben die kleine und vollgeräumte Bühne zuließ. Schnell füllte sich die Halle immer mehr und schon jetzt war die Stimmung großartig, während die Schweden vorrangig Tracks ihres aktuellen Werkes „Chemical God“, das dieses Jahr erst veröffentlicht wurde, intonierten. Auch optisch fuhr man schwerere Geschütze auf und beeindruckte mit guter Lichtshow und übergroßen Drehlichtern. Ein gelungener Warum-Up Gig, der Lust auf mehr machte.






Dass die Opener musikalisch kaum zu PAIN passten störte in dem Moment nicht und so hatten die ebenfalls aus Schweden stammenden Melodic Power Metaller DYNAZTY, die kürzlich mit ihrem neuen Werk „Titanic Mass“ begeisterten, leichtes Spiel. Auch wenn, wie schon bei der vorherigen Band, der Sound recht schwammig daherkam, angelten sich DYNAZTY mühelos neue Fans. Kracher wie das flotte und eingängige „The Human Paradox“, oder die vom nicht minder starken Vorgänger „Renatus“ stammenden Hymnen „Incarnation“ oder „Starlight“ wurden mit spürbarer Freude von den Anwesenden aufgenommen und auch schon schnell mitgesungen. Frontmann Nils Molin nutzte die Gunst der Stunde und ließ die Zuschauer sogleich beim Titletrack des erwähnten Neulings „Titanic Mass“ tatkräftig aktiv mitmischen, was die Stimmung nochmals steigerte. Doch nach knapp 30 Minuten war dann auch schon wieder Schluss. Einzige Kritik geht an Bassist Jonathan Olsson, der sich bei einem so kurzen Auftritt sein überlanges Solo zugunsten eines weiteren Tracks hätte sparen können, ansonsten sollte man sich DYNAZTY, egal ob live oder auf Platte, definitiv auf die ToDo-Liste packen.





Setlist DYNAZTY:

The Human Paradox
The Northern End
Raise Your Hands
Titanic Mass
Incarnation
Starlight


Den letzten Supporter machten die deutschen Gothic Metaller THE VISION BLEAK, die zwar den bekanntesten Namen im Reigen hatten, doch am wenigsten in das LineUp passen wollten. Haben die Schweden wenigstens die Energie mit PAIN gemein, so holten uns die Herren nun wieder ziemlich schnell auf den melancholischen Teppich herunter. Versteht mich nicht falsch, THE VISION BLEAK sind eine starke Live-Band, doch zwischen diesen flotten Nummern und der zuvor aufgebauten positiven Stimmung, wollte das Ganze nicht so recht reinpassen. Dazu kam noch, dass die Herren Stock und Konstanz noch maßlos überzogen und den Gig, der - wie man dazu erwähnen sollte - an einem Montag stattfand, unnötig hinauszögerte. Fans der Truppe erfreuten sich aber an einigen starken und intensiv vorgetragenen Gothic-Highlights, die an anderer Stelle auf jeden Fall besser funktioniert hätten.





Setlist THE VISION BLEAK:

From Wolf To Peacock
The Night Of The Living Dead
Carpathia
The Kindred Of The Sunset
Into the Unknown
Descend Into Maelstrom
Kutulu!
Wolfmoon
By Our Brotherhood With Seth


So steigerte sich die Vorfreude auf PAIN umso mehr. Gut eine halbe Stunde später als geplant, gingen endlich die Lichter für die Schweden aus. Nach einem kurzen Intro ging man mit dem neuen Hit „Designed To Piss You Off“, dem Titel entsprechend wütend und energisch, gleich in die Vollen. Wie gewohnt war Peter in seine Zwangsjacke gehüllt, während sich der Rest der Truppe geschmackvoll gekleidet eher im Hintergrund aufhielt und ihm die Show überließ. Peter stachelte zwar das Publikum mit Gesten auf, ließ aber vor allem die Musik für sich sprechen und wandte erst gegen Ende mit einer kurzen Vorstellung der immer wieder wechselnden Live-Mitglieder an die Fans. Hat der Mann zwar versierte, aber meist nur bedingt bekannte Musiker an seiner Seite, überraschte vor allem die Vorstellung des Drummers, den er mit den Worten „We have a Junior back there. Let´s give a big hand for Sebastien Tägtgren“, vorstellte.





Und auch der noch recht junge Sohnemann weiß wie man Musik macht und gab zu Hits und Krachern wie „Monkey Business“, „End Of The Line“ oder „Zombie Slam“ Vollgas. Zu „It´s Only Them“ gesellte sich noch kurz ein weiterer Herr in Zwangsjacke und Maskierung auf die Bühne, für „Coming Home“ wurde die Akustik-Gitarre ausgepackt und auch allerlei weiteres neues Material wurde vorgestellt. Vor allem „Call Me“ sorgte für Schmunzler, denn als der Part von Joakim Brodén anstand, grinste seine Puppe, die man aus den dazugehörigen Video-Clip kennen sollte, vom Bühnenrand runter. Viel zu schnell verging die Zeit und so verabschiedeten sich PAIN bald zum ersten Mal hinter die Bühne, ließen sich aber nicht bitten um mit „Starseed“ eine neue, ruhige, aber intensive Nummer zu präsentieren, während „Dirty Woman“, bei dem Sebastian noch ein kurzes aber fettes Schlagzeug-Solo raushaute, sowieso zum unverzichtbaren Programm gehört.

Dass es das noch nicht gewesen sein konnte, erkannte man schnell an den „Düt-Düddel-Düt...“ Chören von den Fans, die damit natürlich nichts anderes als den Überhit „Shut Your Mouth“ forderten. Peter lieferte auch hier prompt und beendete das starke Set eines Gigs, der absolut keine Wünsche offen ließ, souverän.





Setlist PAIN:

Designed To Piss You Off
Suicide Machine
The Great Pretender
A Wannabe
Zombie Slam
Monkey Business
End Of The Line
It’s Only Them
Pain In The Ass
I’m Going In
Coming Home
Call Me
Black Knight Satellite
-
Starseed
Dirty Woman
-
Shut Your Mouth

PAIN sind nach wie vor eine absolute Live-Wucht. Klar war es schade, dass man das schicke Bühnenoutfit nur zur Hälfte aufbauen konnte, doch auch im kleinen persönlichen Rahmen verlieren PAIN nichts an Wucht und Intensität. Klar, das Ganze ist persönlicher, aber dennoch fragt man sich, warum die Truppe in ganz Europa tausende Leute anlockt, aber in Wien keiner seinen Arsch aus der Wohnung bewegt? Diejenigen haben absolut etwas verpasst und sollten beim nächsten Besuch dieser Live-Wucht definitiv auch vorbeischauen.


www.painworldwide.com
www.the-vision-bleak.de
www.dynazty.com
www.billiondollarbabies.nu




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Beitrag vom 20.10.2016
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