SABATON   ACCEPT   TWILIGHT FORCE  
27.01.2017 @ Gasometer

Wenn die Temperaturen so eisig sind wie in diesem Jänner, gibt es einige Mittel um sich aufzuwärmen, doch das Genialste ist sicher, sich in den Gasometer zu begeben und ordentlich zu ACCEPT und SABATON abzugehen. Wobei sich beim ersten Blick auf die Tourdaten die Frage stellte, wer denn da eigentlich der Headliner ist. Doch wer sich mit dem Werdegang der kriegerischen Schweden beschäftigt, dem wird auffallen, dass der Weg von SABATON steil nach oben ging und auch die Verkaufszahlen können sich inzwischen sehen lassen und so gehörte der Platz an der Sonne diesmal der Truppe mit dem Panzer auf der Bühne.

Doch den Anheizer-Slot hatten die Hobbits und Elben von TWILIGHT FORCE aus Schweden gebucht. Was servierten die Nordländer? Genau das was man von der Optik und dem Namen her erwarten durfte, durchschnittlicher Power Metal mit jeder Menge Keyboard Fantasy a la RHAPSODY. Songs wie „The Power Of The Ancient Force“ und „Riders Of The Dawn“ strotzten nur so vor Heldenruhm und Klischees.

Die Stimmung unter dem recht jungen Publikum war schon recht ordentlich, die Jungs auf der Bühne recht motiviert, doch austoben war nicht recht drinnen. Da die nachfolgenden Bands doch recht viel Deko auffuhren, konnten TWILIGHT FORCE nur den vorderen winzigen Bereich nutzen, wodurch auch der Sound litt. Doch die Truppe rund um Sänger Chrileon die auch schon in die schwedischen Charts schnuppern durften hatten sichtlich Spaß. Hat man alles schon besser gehört, doch Soll erfüllt.





Setlist TWILIGHT FORCE:

Battle Of Arcane Might
To The Stars
Riders Of The Dawn
Flight Of The Sapphire Dragon
Gates Of Glory
The Power Of The Ancient Force


Nach den ersten 30 Minuten durften endlich die Teutonen-Rocker von ACCEPT die Bühne betreten. Feine Bühnenaufmachung im Stil eines alten verfallenen Kraftwerkes untermalten den feinen Sound auch für das Auge. Die einzigen beiden Gründungsmitglieder Wolf Hoffmann an der Gitarre und Peter Baltes am Bass wissen was sie tun, den 40 Jahre Rock prägen. Interessanter war jedoch der Wechsel am Schlagzeug, wo sich Stefan Schwarzmann verabschiedete und durch Christopher Williams ersetzt wurde und zusätzlich noch der schwerwiegendere Abschied an der zweiten Gitarre von Herman Frank, der einem gewissen Uwe Lulis Platz machte. Doch die Deutschen zeigten keine Verunsicherung oder Schwächung sondern zogen ein Set der Sonderklasse runter.






Eröffnet wurde das Hitfeuerwerk mit den etwas neueren Songs „Stampede“ und „Stalingrad“, bei denen Mark Tornillo sofort brillierte. Auch nach einigen Jahren kann man immer noch sagen, der Bursche war ein Goldgriff. Keine Zeit zum Verschnaufen ließ uns Wolf, der durchgehend an der Bühnenkante poste und zeigte wer hier der Boss ist. Es folgte der erste Klassiker „Restless And Wild“ gefolgt von dem laut vom Publikum mitgegrölten „London Leatherboys“ - welch geniale Nummer. ACCEPT können anscheinend aus einem schier unendlichen Reservoir an Songs schöpfen und so folgte Hit um Hit. „Princess Of The Dawn“ durfte genauso wenig fehlen wie „Fast As A Shark“ oder „Metal Heart“ mit seinem phantastischen Akustik-Mittelteil. Die Stimmung war überraschenderweise ausgezeichnet da doch viele nur wegen SABATON kamen, doch hier wurde bei perfektem Sound einfach jeder mitgerissen. Neuzugang Christopher Williams agierte hinter den Drums wie ein alter Fuchs und trommelte sich die Seele aus dem Leib - perfekt integriert. Anders Uwe Lulis, der immer etwas verloren wirkte auf der Bühne und sich hinter seine Mitstreiter zurückzog. Musikalisch 1A, jedoch etwas mehr Präsenz hätte nicht geschadet.





Zum Finale dann noch das durch die Wand gehende „Teutonic Terror“, ehe ein lautstark mitgesungenes „Balls To The Wall“ ein viel zu kurzes Konzert einer Weltklasse-Truppe beendete. ACCEPT kamen sahen und siegten, was es für die nachfolgenden SABATON wohl nicht leicht mache würde, den heutigen Sieg im direkten Duell einzufahren.

Setlist ACCEPT:

Stampede
Stalingrad
Restless And Wild
London Leatherboys
Final Journey
Princess Of The Dawn
Fast As A Shark
Metal Heart
Teutonic Terror
Balls To The Wall


Pünktlich um halb zehn fiel der schwarze Vorhang und ließ die Fans in der nun rappelvollen Halle staunen. Ja dieser Panzer ist auch nach mehrmaligen Auftritten immer noch beeindruckend mit seinen Pyros und Scheinwerfern. Das neue Intro „In The Army Now“ von STATUS QUO heizte die Meute ordentlich an, während Oberkrieger Joakim Brodén zu „Ghost Division“ die Bühne stürmte. Dem geschulten Auge fiel sofort auf, dass sich auch bei den Schweden das Bandkarussell erneut drehte, Thobbe Englund an der E-Gitarre räumte seinen Spint für einen gewissen Tommy Johansson. Und diese Entscheidung war keine schlechte, denn der Bursche ist nicht nur optisch wuchtiger, nein er kann sowohl ganz ordentlich singen, Keyboard spielen und passt mit seinen Späßen ebenfalls perfekt in das Team. Doch eines ist klar, nur Joakim Brodén und Pär Sundström sind SABATON.





Weiter ging es mit „Sparta“, bei dem sich zwei durchtrainierte Spartaner-Roadies in voller Montur auf der Bühne positionierten, während sich Joakim einen Helm aufsetzte. Nette Show, die durch die gigantische Videowall im Hintergrund noch gepusht wurde. Finanziell sind jetzt einige feine Sachen möglich bei den Schweden.

Besonders supportet wurde natürlich das neueste Werk „The Last Stand“ mit „Blood Of Bannockburn“ und seinen feinen Dudelsack-Elementen, „The Lost Battalion“ oder „Diary Of An Unknown Soldier“. Das neue Material kam gut an, ging aber stimmungstechnisch noch nicht so ab wie die Hits a la „Carolus Rex“ oder „The Lion From The North“, was auch an dem viel zu leisen Sound gelegen haben mag. Das besserte sich leider auch mit Fortdauer des Gigs nicht. SABATON ohne Bums geht nicht. Trotzdem war die Band gut gelaunt und scherzte auf die gewohnte Art mit den Fans. Das "Noch ein Bier"-Spiel gehört nun auch schon zum fixen Bestand eines Auftrittes und gipfelte in der „Gott mit uns-Noch ein Bier“ Version, das wohl am Inbrünstigsten mitgesungen wurde.





Über das Set könnte man ebenfalls diskutieren, einerseits gut, dass Nummern zum Zug kamen, die man bisher noch nicht so oft hörte, wie „Resist And Bite“, aber einige Hits gingen dann doch ab. „The Final Solution“ in der Akustik-Version klang auch nett, da Lagerfeuerromantik aufkam, doch der steigende Soundpegel der Anwesenden, die sich unterhielten, zeigte, dass man sich etwas fadisierte. Zwischendurch wurde MICHAEL JACKSON gehuldigt, ein bisschen IRON MAIDEN angespielt und viel geplaudert. Natürlich lockert das die Stimmung und dem jungen Publikum gefällt das, aber nach dem elften Besuch wünscht man sich wie bei ACCEPT 90 Minuten Vollgas-Metal.

Bei der Zugabe gaben dann die Jungs noch einmal alles und ließen bei „Primo Victoria“ nichts anbrennen. Nach „Shiroyama“ mit jeder Menge Samurais im Hintergrund, verabschiedete „To Hell And Back“ die Anwesenden mit Feuerwerk und einem etwas gemischten Gefühl.





Setlist SABATON:

(In The Army Now)
The March To War
Ghost Division
Sparta
Blood Of Bannockburn
Swedish Pagans
Gott Mit Uns(Noch Ein Bier)
The Last Stand
Carolus Rex
Union (Slopes Of St. Benedict)
Dominium Maris Baltici
The Lion From The North
Diary Of An Unknown Soldier
The Lost Battalion
Resist And Bite
The Final Solution (Akustik)
Night Witches
Winged Hussars
-
Primo Victoria
Shiroyama
To Hell And Back

SABATON sind nun auch schon 17 Jahre im Geschäft und spielen in der oberen Liga mit, doch sollte man sich vielleicht das eine oder andere Mal auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich die Musik. Und so ging das direkte Duell an diesem Abend klar an die Urväter von ACCEPT. Doch die Vorfreude auf SABATON, die heuer im Sommer ihr einzige mit Orchester begleitetes Konzert am Masters Of Rock spielen werden, ist trotzdem ungebrochen.



FOTOS + E-CARDS


AndyVanHalen
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Beitrag vom 31.01.2017
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