CHELSEA GRIN   BETRAYING THE MARTYRS   MAKE THEM SUFFER   VOID OF VISION   VINEGAR HILL   LEONS MASSACRE   DREADED DOWNFALL   PAIN IS    UZZIEL   
04.03.2017 @ Veranstaltungszentrum Judenburg

Es kommt ja leider nicht sehr oft vor, dass in der Obersteiermark Metal-Veranstaltungen über die Bühne gehen. Umso schöner war es für die Fans der härteren Klänge, dass sich ein paar Leute zusammengefunden haben, um 2016 das erste Rise Up Festival auf die Beine zu stellen. Nun gab es die von vielen ersehnte Fortsetzung im Veranstaltungszentrum Judenburg.

Die Location ist schon etwas ganz Besonderes, denn ursprünglich wurde hier eifrig gebetet, da das Stammgebäude eine ehemalige Jesuitenkirche ist. Vor einigen Jahren wurde das Bauwerk stark erweitert und seither finden auch Bälle und andere Events dort statt. Das Festival wurde im ehemaligen Kirchentrakt ausgetragen und so wurden nicht nur die Besucher mit lauten Klängen beschallt, sondern auch die zahlreichen Stuck-Engelchen und aufgemalten Heiligenfiguren.

Beim Eingang bekam man erst einmal ein schickes Festivalbändchen und wurde von Vertretern von Sea Shepherd empfangen, die um Spenden für ihre Organisation baten. Um zur Location zu gelangen musste man erst einmal ein paar Treppenstufen überwinden, wurde aber dafür gleich von der ersten Bar empfangen, wo man neben Getränken auch Imbisse anbot, was für so ein langes Festival immer eine tolle Sache ist, da man bei neun Stunden Dauer ja doch vielleicht einmal Hunger bekommt. Die zweite Bar und der Merch-Bereich waren im seitlichen Glas-Anbau, der einen tollen Blick auf den Judenburger Stadtturm bot.

So viel zu den Rahmenbedingungen für das Rise Up, aber im Vordergrund stand natürlich die Musik, die sich die Oberösterreicher UZZIEL als erster zu verantworten hatten. Mehrere Transparente mit dem Bandnamen umrahmten den Gig optisch, und akustisch ging man nach einem kurzen Intro gleich in die Vollen. Da die Spielzeit um 15:30 doch sehr früh angesetzt wurde, begrüßte Sänger Mex die bereits recht große Besuchermenge mit einem lautstarken „Guten Morgen Judenburg“, und auch im weiteren Verlauf gab es immer wieder Ansagen, wie etwa, dass UZZIEL die geilste Volksmusiktruppe Oberösterreichs wäre, was jedoch durch die kraftvollen Metal-Rhythmen eindeutig widerlegt wurde. Bei den Vocals wechselten sich Bassist Mex und Gitarrist Hati ab, wodurch auch in Sachen Abwechslung keine Wünsche offen gelassen wurden. Die Jungs boten Thrash Metal in Reinkultur, der aber auch mal das Tempo rauszunehmen vermag. UZZIEL kündigten auch ein neues Album für Ende 2017 an, woraus bereits ein neuer Song präsentiert wurde. Auch wenn die Stimmung am Beginn noch etwas verhalten war, so wurde diese doch von Song zu Song besser, und gegen Ende hin klatschten alle fleißig mit. Damit lohnte sich die etwas weitere Anreise für das Quartett auf jeden Fall, und in den nächsten Wochen stehen ja noch zwei Gigs in der Steiermark am Programm.





Setlist UZZIEL:

Intro
Like A God
Lies
This Fear
I’m Dying
Dementia


Die Umbaupausen waren bei den ersten Bands mit 15 Minuten etwas knapp bemessen, aber dennoch entwickelten sich über den Abend hinweg keine größeren Verzögerungen. Zweite Band des Nachmittags waren PAIN IS, die sich im letzten Jahr zu den Durchstartern in der Österreichischen Metalszene entwickelten. Welche heimische Band kann schon auf einen Wacken-Auftritt verweisen? Und das Quartett schaffte auf Anhieb den 5. Platz im Wacken Open Air Metal Battle Worldwide! Dennoch wirkte die Truppe kein bisschen abgehoben und freuten sich über die vielen Anwesenden. Äußerst elegant gekleidet betraten PAIN IS bei einem sehr hymnischen Intro die Bühne, und passten damit perfekt in die noble Location. Bassistin MaC war weniger elegant sondern mehr sexy gekleidet, ließ aber dennoch keine Zweifel an ihrem musikalischen Können aufkommen. Auch die Truppe zeigte einen Mix aus rasanten und ruhigeren Passagen, zu denen Vocalist Jerome Jaw vollen Einsatz zeigte. Dieser fegte wie ein Wilder über die Bühne und machte auch einen kurzen Ausflug in den Fotograben. PAIN IS brachten gewaltig Stimmung in die Bude, und die Leute zum Mitbangen oder Hände in die Höhe reißen, und den meisten waren die 25 Minuten Spielzeit einfach zu wenig. Aber es gibt ja dieses Jahr noch mehrere Termine, wo die Truppe aufspielen wird, was die Fans ganz sicher freut.





Setlist PAIN IS:

Climax
Don’t Let Us Down
One Set Go
Today
What We Are


Deutlich weniger Eleganz strahlte die nächste Band aus, aber der abgerissene Look passte sehr gut zur Musik von DREADED DOWNFALL, die sie selbst als Post Hardcore / Acoustic Rock beschreiben. Die Truppe aus Wien/Niederösterreich startete mit einem relativ sanften Intro mit hallendem Gesang vom Band, aber nachdem dies verklang stand pure Energie am Programm. Nicht nur Vocalist Lukas zeigte vollen Einsatz, sondern auch der Rest der Truppe präsentierte sich von der sportlichen Seite, und vollführte einiges an Laufarbeit auf der Bühne. Ein kurzes technisches Problem wurde mit einem Schmäh überspielt und schon ging es weiter mit einer Mixtur aus rasanten und rockigen Klängen. Sänger Lukas ließ sich immer wieder zu launigen Ansagen hinreißen, und so nach und nach taute das zu Beginn etwas ruhige Publikum immer mehr auf, so wurde gegen Ende hin aus diesem Gig eine richtige Metal-Party, die leider auch nach sehr kurzer Zeit zu Ende ging. Aber die weite Anreise hat sich für DREADED DOWNFALL auf jeden Fall gelohnt, und mit diesem Auftritt konnte auch sicher der eine oder andere neue Fan gewonnen werden.





Setlist DREADED DOWNFALL:

Promises
I’m Broken
My Revelation Left A Note
Lines That Led Us Here
Lost
At Least We Tried


Danach gehörte die Bühne zwei Steirischen Bands. Die erste war LEONS MASSACRE aus Deutschlandsberg, die auf ihrer Facebook-Seite schreiben, dass man zu den Gigs kommen und selbst herausfinden soll, welche Art Musik sie machen. Gesagt, getan! Nach einem Hiphop-ähnlichen Intro und den darauffolgenden Sounds klang es für mich am ehesten nach einem Mix aus Nu Metal und Metalcore, aber das war für das Publikum eigentlich völlig unwichtig. Das doch schon sehr zahlreiche Publikum feierte von Anfang an ordentlich mit der Band mit und zeigte, dass man doch schon einige Fans selber auch angelockt hat. Zu den druckvollen Riffs stampfte Vocalist Alex Ungurusan mit aggressivem Gesichtsausdruck über die Bühne, schmetterte brüllende Growls ins Mikro, und wurde dabei von Basser Michael Semler mit weicheren Vocals unterstützt. Auch LEONS MASSACRE zeigten vollen Einsatz und die Musiker standen kaum einmal still. Die Stimmung war genial, die meisten rissen die Hände nach oben und so manch einer ließ seine Mähne kreisen. Damit wurde das Heimspiel der Steirer zu einem vollen Erfolg und die Fans wurden vollauf zufriedengestellt.





Setlist LEONS MASSACRE:

Intro
Exposed Media
Blackout
This Earth
Our Darkest Days
Fallen Prophet
Shattered Path
Humans Killing Humans
-
Einmal Um Die Welt


Die zweite Steirische Band hatte es etwas näher nach Judenburg. VINEGAR HILL stammen aus Kapfenberg und machen Hiphop-freien Melodic Metal der härteren Sorte. Durch die Veröffentlichung von zwei Alben und zahlreiche Live-Auftritte konnte sich die Truppe eine breite Fanbase aufbauen, und so war es nicht verwunderlich, dass viele sich vom Bierstand trennten um den druckvollen Rhythmen zu lauschen. Nach einem sehr experimentellen Intro, das nach verzweifelter Sendersuche im Radio klang, gaben VINEGAR HILL gleich richtig Vollgas. Von den Vocals her war die Situation ähnlich wie bei den Vorgängern, denn während Dominik Stadler die Leute mit harten Growls einpeitschte, sorgte Gitarrist Michael Dreschnig für Auflockerung mit weniger intensivem Gesang, was ein interessantes Wechselspiel ergab. Auch VINEGAR HILL konnten sich über ein sehr motiviertes und zahlreiches Publikum freuen, das bei den Songs ordentlich abging und auch nicht mit Beifall geizte. Es wird in nächster Zeit mehrere Gigs der Kapfenberger geben, aber das Highlight 2017 wird sicher der Gig am Kaltenbach Open Air werden, wo sich sicher viele Besucher des Rise Up Festivals einfinden werden.





Setlist VINEGAR HILL:
The Cage
Solitary Bay
Risk To Fall
Dead End Bride
The Ominous Needs
Firebirds
Road To Grace


Nach fünf Österreichischen Bands standen zwei Bands aus dem fernen Australien am Programm. Den Beginn machten VOID OF VISION, die sich dem Metalcore verschrieben haben, und offensichtlich auch hierzulande den Fans des Genres ein Begriff sind. Nach einem Hiphop-Intro stürmten die Musiker auf die Bühne und besonders der Sänger wirbelte wie ein Wilder herum, sodass es schwer war, halbwegs vernünftige Fotos von ihm zu schießen. Die anderen Musiker boten teilweise eine richtige Choreographie und bewegten sich gleichmäßig zum flotten Rhythmus. Alle trugen das gleiche Shirt mit den Buchstaben „VOID“ auf der Vorderseite, das mehr nach Sport als nach Musik aussah. Die ausgestrahlte Energie übertrug sich auch auf das Publikum, das extrem abging und so entwickelte sich bald der erste Moshpit, der sich bis zum Ende des Gigs fortsetzte. VOID OF VISION stellten ihr Publikum vollauf zufrieden, doch das einzig Negative war, dass der Truppe angeblich einiges an Merch gestohlen wurde. Aber da ihr Merchstand lange Zeit unbeaufsichtigt war – wie ich selbst beobachtete - muss man wohl sagen, dass die Band daran selbst schuld war.





Die zweite Band aus Australien war MAKE THEM SUFFER. Die Metal/Symphonic Deathcore Truppe aus Perth ist bereits seit 2008 aktiv und veröffentlichte auch einige Alben in der Vergangenheit. Nun gab es für so manchen Fan in Österreich das erste Mal die Gelegenheit, die Combo live zu erleben, und so füllte sich bereits während der Umbaupause die Halle.

Auf ein Intro wurde verzichtet und auch sonst wurde sofort der Dampfhammer rausgeholt, während Vocalist Sean Harmanis knallharten Gesang verlauten ließ. MAKE THEM SUFFER hatten jedoch eine Besonderheit in Gestalt der hübschen blonden Keyboarderin Louisa Burton im Petto. Louisa sorgte immer wieder für Auflockerung und brachte sich mit einprägsamen Melodien mit ein. Auch diese Australier wussten die Fans zu begeistern, sorgten für jede Menge Moshpits und zahllose Headbanger, und nur ungern wurden sie von der Bühne gelassen. Leider ließ der straffe Zeitplan keine zusätzlichen Tracks zu, aber vielleicht kommen MAKE THEM SUFFER ja bald wieder einmal nach Österreich – über Fan-Mangel bräuchten sie sich auf keinen Fall beschweren.





BETRAYING THE MARTYRS stammen aus Frankreich, genauer gesagt aus der Metropole Paris, und hatten ein brandneues Album namens „The Resilient“ mit im Gepäck, aus dem sie den Leuten an diesem Abend einiges zu Gehör brachten.
Auch BETRAYING THE MARTYRS setzten bei ihren kompromissen Core auf Keyboard-Ergänzung, allerdings wurde dieses Instrument hier nicht von einer hübschen Dame, sondern von einem sehr agilen Mann namens Victor Guillet bedient, der sich auch stimmlich beteiligte und den Gegenpol zum Vocalisten Aaron Matts bildete, dessen Gesang klanggewordene Aggressivität darstellte. Aaron fegte wie ein Wilder über die Bühne und ergriff auch immer wieder das Wort, in denen bevorzugt das Wort „Fuck“ vorkam, aber vermutlich sollte dies die kämpferischen Sounds und Lyrics zusätzlich aufpeppen. Im Publikum tobte ein durchgehender Moshpit, und auch eine Wall of Death stand auf dem Programm. Manche ließen sich auch vom Crowdsurfen nicht abhalten, womit wohl keiner gerechnet hatte, da im Fotograben nur ein Security war, und so einige Fotografen zum Herunterheben der Leute eingeteilt wurden. Aber so weit bekannt, ist keinem bei all diesen Aktionen etwas passiert, und an diesen Gig der Franzosen werden sich die Fans sicher noch lange erinnern.





Die Zeit verging wie im Fluge und schon war es auch Zeit für die letzte Band des Abends. Bei so langen Veranstaltungen kommt es leider oft vor, dass bedingt durch übermäßigen Alkohol-Konsum die Abschlussband vor einer Handvoll Leuten spielen muss, aber zum Glück war dies beim Rise Up Festival nicht der Fall.
Bei einem bedrohlich wirkenden Intro kamen die Headliner CHELSEA GRIN auf die Bühne und die Deathcore-Truppe aus Salt Lake City schaffte es auf Anhieb, noch einmal ordentlich Leben in die Bude zu bringen. CHELSEA GRIN feiern dieses Jahr 10jähriges Jubiläum und die aktuelle Tour ist der beste Weg, um dies gemeinsam mit ihren Fans zu tun.





Optisch stachen die Glitzer-Instrumente der Gitarristen und des Bassers ins Auge – ein starker Kontrast zur heftigen Musik, während Vocalist Alex Koehler einen heftigen Mix aus Growls und cleanem Gesang, bei dem er wie ein Wilder über die Bühne rannte, vom Stapel ließ. Auch die Gitarrenfraktion zeigte mit gemeinsamen Kniebeugen und weiterern einstudierten Aktionen während des Spielens vollen Einsatz. Damit brachten die Amerikaner auch das noch zahlreiche Publikum dazu, die letzten Kräfte aufzubieten um noch einmal ordentlich abzufeiern, was mit Headbangen und Moshpits auch tatkräftig umgesetzt wurden. CHELSEA GRIN waren somit der perfekte Abschluss eines langen Festivaltages und alle konnten mit dem Abend völlig zufrieden sein.

Das Rise Up Festival 2017 war ein voller Erfolg für die Veranstalter, die teilnehmenden Bands und natürlich auch für die so zahlreich erschienenen Besucher. Damit sieht es sehr gut für eine Neuauflage im Jahre 2018 aus, und dann wird es wieder heißen: „Kommt nach Judenburg zum Rise Up – es lohnt sich!“


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