IN FLAMES  
26.03.2017 @ Freiheiz

Die schwedischen Veteranen und Pioniere des Melodic Death und mittlerweile auch Modern Metal sind immer für eine Überraschung gut. So kündigten die Jungs kurz nach dem Release ihres neuen Hitalbums „Battles“ mit der „In My Room“ Tour – A Night with IN FLAMES, ein ganz spezielle Reihe an Auftritten an.

Zwar gab es vorab nicht viele Infos, doch die Gigs, die in besonderen Locations, teilweise auch in Kirchen und Theater, abgehalten werden sollten, sollten ohne Vorband und in einem kleineren, viel intimeren Rahmen stattfinden. Und damit versprachen Anders Fridén und seine Jungs, die mittlerweile seit 27 Jahren in der Szene für Aufsehen sorgen, kein bisschen zu viel. Zwar konnte man in München keine Kirche auftreiben, doch das verhältnismäßig kleine Freiheiz bot auch einen besonderen Eindruck, und versprach ebenso ein unvergleichliches Erlebnis mit den Megasellern.





Gegen 20:15 wurde es finster im ausverkauften Saal, doch anstelle der Band begrüßten die Fans unter lautem Jubel erstmal ein Streicherquartett, das sogleich ein fulminantes und hochprofessionelles Medley hinlegte. Gut zehn Minuten später schlapften auch Anders, Björn, Niclas und Neuzugang Joe Rickard auf die Bühne. Peter Iwers, der im vergangenen Jahr die Truppe verließ, wurde von Session-Musiker Hakan Sgoker, der mit Niclas Engelin bereits bei PASSENGER und GARDENIAN zusammenarbeitete, vertreten.





So starteten die Jungs ganz leger, teils mit Hoodie und Cappy gekleidet, in das Set mit „Alias“, das durch das Streicher-Quartett, das die Band weiterhin unterstützte, eine ganz neue Dimension annahm. Die Stimmung war schon jetzt großartig, doch dass man es hier mit einem etwas anderen IN FLAMES Konzert zu tun hatte, wurde den letzten sicherlich klar, als Anders das Wort ergriff. Denn anstatt schnurstracks zum nächsten Song überzugehen, begrüßte er die Fans, witzelte lang und breit und schnappte sich ein Bier aus dem auf der Bühne aufgestellten Kühlschrank. Aber nicht nur dieser mutete fremd an, die Bühnendeko, die aufgestellte Couch und weitere Dinge ließen die Stage eher wie einen Mix aus Wohnzimmer und Proberaum erscheinen.





Auch fiel wahrscheinlich schon jedem auf, dass neben der Band noch ein weiterer Herr auf der Bühne verweilte. Dieser stellte sich als kanadischer Künstler heraus und malte während der Show ein Gemälde mit dem Bandmaskottchen Jester, das während der Show für gute Zwecke versteigert wurde, wie Anders bald verriet. Abseits der vielen ungewohnten Eindrücke gab es aber natürlich auch genügend musikalisches Material abzufeiern. „Before I Fall“ und „All For Me“ wurden gleich zu Beginn rausgehauen, ehe man eien Schwenk in die Vergangenheit machte und Fans der 90er mit „Moonshield“ und „The Jesters Dance“ glücklich machte. Im Anschluss wurde das Publikum nochmal mit Hüpfeinlagen zum Dauerhit „Only For The Weak“ gefordert.





Danach verteilte Anders gleich mal ein Bier an einen Fan in der vordersten Reihe, damit er nicht den langen Weg zur Bar auf sich nehmen muste, und es blieb auch nicht bei einem, denn der Mann hatte offensichtlich guten Durst mitgebracht. Nun holte man auch Fans auf die Bühne, scherzte über das Mobiltelefon und plauerte mit den Beiden, die gemeinsam mit dem Drummer und Bassisten auf der Couch Platz nahmen und sogar mit Getränken und einem Brettspiel von Herrn Friedén beglückt wurden. Hakan und Joe gönnten sich nicht zufällig eine Pause, denn nun folgte ein starkes Akustik-Set, das mit dem neuen Track „Like Sand“ begann, das durch Rhythmen aus der Dose versehen wurde, aber recht schwammig startete, doch die Stimmung war nach wie vor großartig und immer wieder gesellten sich die Streicher zurück auf die Bühne. Zum ebenfalls von „Battles“ stammenden „In My Room“ war auch soundtechnisch wieder alles in Ordnung, ehe Anders Fridén den nächsten Track als „Genius idea or fucking suicide“ ankündigte. Doch „Hurt“, das schon von JOHNY CASH erfolgreich in den Charts rangierte, aber eigentlich von Trent Reznors NINE INCH NAILS stammt, erzeugte unmittelbar Gänsehaut und enpuppte sich als geheimes Highlight der Show. Nach „Through Oblivion“ zu dem man die Streicher namentlich vorstellte und abfeierte, sowie dem folgenden „Dawn Of A New Day“, wurden aber wieder die Klampfen für den heavy Sound ausgerüstet und weitere Hits abgefeuert.





„Come Clarity“, „The Truth“ und „Paralyzed“ wurden lautstark mitgesugen, mitgeklatscht und mit lautstarkem Jubel quittiert. Mittlerweile kam der Fronter auch drauf, dass es saudumm ist, einen Hoodie auf der Bühne zu tragen und fluchte grinsend über sein verschwitztes Outfit. Aber da näherten wir uns bereits dem Finale, denn nach einer improvisierten Jam-Session, die ein lachender Björn Gelotte anstartete und damit den Sänger fast etwas aus dem Konzept bracht, markierten der Überhit „The Quiet Place“, die neue Ohrwurm-Single „The End“ und die geniale Gänsehaut-Hymne „Wallflower“, ebenfalls vom aktuellen Output, nach gerade mal zwei Stunden schon da Aus dieser einzigartigen Show.










Setlist IN FLAMES

Streichquartett-Medley
Alias
Before I Fall
All For Me
Moonshield
The Jesters Dance
Only For The Weak
-
Like Sand
In My Room
Hurt (NINE INCH NAILS)
Through Oblivion
Dawn Of A New Day
-
Come Clarity
The Truth
Paralyzed
Cloud Connected
Jam-Session
The Quiet Place
The End
Wallflower

Natürlich verabschiedete sich die Band noch ausführlich mit Verbeugungen, Pleks und geschüttelten Händen, warb nochmal für die Versteigerung und half den Bühnengästen wieder runter ins Publikum, doch für eine Show dieser Preisklasse, hätte man durchaus noch ein paar Songs mit auf die Setlist packen können. Dennoch ist an diesem Abend wahrscheinlich keiner unzufrieden nach Hause gegangen, denn IN FLAMES bewiesen einmal mehr was für eine Ausnahmenband sie sind und die Schweden zu Recht dort stehen, wo sie heute sind, und außerdem nach wie vor sympathisch, offen und am Boden geblieben sind. Das kann durchaus als Seltenheit angesehen werde.


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Beitrag vom 29.03.2017
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