KARMøYGEDDON: SATYRICON   INSOMNIUM   BORKNAGAR   GREEN CARNATION   BRAINSTORM   MOONSPELL   RENDEZVOUS POINT   BLODHEMN   BACKSTREET GIRLS   AINARIKIAR   KOLTED  
06.05.2017 @ Kopervik, Norwegen

Auch der letzte Festivaltag fand unter strahlend blauem Himmel statt, weshalb das Ganze auch als Open Air perfekt funktioniert hätte. Aber das konnte man im Vorfeld nicht wissen, und so war die Lösung mit der Scandic Stage im Cafe MM und der Gassco Stage im großen Zelt die einzig vernünftige.

Bereits um 12:30 ging es auf der Scandic Stage mit dem Opener KOLTED los, die tags zuvor bereits einen Late-Night-Gig hinlegten, aber trotzdem ziemlich taufrisch aussahen. Da ich als erste an der Absperrung stand wurde ich von Sänger Che persönlich begrüßt, der an diesem Tag Geburtstag feierte, was ihm später noch ein Ständchen von den doch schon recht zahlreichen Besuchern einbrachte. Die Spanier KOLTED brachten rockige Cover-Songs von bekannten Bands zu Gehör, die Che mit angenehmen Vocals, bei denen er sich auch durch einen Sturz nicht aus dem Konzept bringen ließ, untermalte. Eine wunderbare Ballade mit Gitarrenbegleitung war auch Teil des Programms, den Abschluss hingegen bildete ein METALLICA-Klassiker. KOLTED konnten nicht nur musikalisch überzeugen sondern auch viele Sympathien durch ihre natürliche, fröhliche Art einheimsen, und werden wohl allen in bester Erinnerung bleiben.

Setlist KOLTED:

Rebel Yell (BILLY IDOL)
Screamager (THERAPY?)
Simple Man (SHINEDOWN)
Thunderstruck (AC/DC)
Crazy Train (OZZIE OSBORNE)
Seek and Destroy (METALLICA)


Die nächste Band hatte den unaussprechlichen Namen AINARIKIAR. Dabei handelte es sich um das Soloprojet des norwegischen Musikers Eirik Svendsbø, der manchen eventuell durch GRAVEMACHINE oder DAWN STRIDER bekannt sein dürfte. Für diesen Gig holte er sich fünf weitere Leute ins Boot, sodass es ganz schön eng auf der kleinen Scandic Stage wurde. Die Herren starteten sehr ruhig, aber doch auch kraftvoll, während Keyboardklänge für einen epischen Touch sorgten. Der Gesamteindruck war durch die extremen Stilwechsel zwischen sanft und knochenhart sehr eigenwillig, kam bei den zahlreichen Zuhörern aber gut an, denn diese schlossen bei den langsameren Parts die Augen und rissen bei den schnelleren die Arme hoch. Die Überraschung des Tages war aber natürlich das DEEP PURPLE Cover, das so wohl keiner erwartet hätte. Somit bewiesen AINARIKIAR eindrucksvoll, dass man durchaus ausgetretene musikalische Wege verlassen kann, und sich das Ergebnis trotzdem gut anhört.





Setlist AINARIKIAR:

A World Is Born
Awake
Dreamscape
Perfect Strangers (DEEP PURPLE)
Shadowdance (GRAVE MACHINE)
Solemn Reign
Who We Are


Obwohl alle Mitglieder der folgenden Band gestandene Mannsbilder waren, nannte sich das Quartett BACKSTREET GIRLS. Die Osloer Hard Rocker bringen schon seit 1984 Bühnenbretter zum Beben, und passten sich auch optisch perfekt an ihren Musik-Style. Was ins Auge fiel war der extreme Größenunterschied zwischen Gitarrist und Sänger, wobei man bei Zweiterem schon Angst haben musste, dass er sich nicht an der niedrigen Decke den Kopf anstößt. Ansonsten war dieser Gig von Beginn an der schiere Wahnsinn! Zu hören gab es einen rasanten Mix aus Hard Rock und Heavy Metal zudem Bjørn Müller schreienden Gesang von sich gab. Wie beliebt diese Band in Norwegen ist, bekam ich bald deutlich zu spüren, denn ab den ersten Klängen ging im Publikum die Post ab, und nachdem ich das dritte Mal einen Ellbogen in die Rippen bekam, verzog ich mich nach hinten. Aber auch dort feierten und tanzten alle mit, und so entwickelte sich der Gig zu einer richtigen Metal-Party, die wohl für so manchen noch länger dauern hätte können.





Setlist BACKSTREET GIRLS:

Barbie Wire
She´s So Bad
Boogie My Life
Awrite
Rattlesnake
I Was Right
It Ain´t Easy
Tattoo Boy
Golden Rose
BSG Boogie
Hisbollah Rockin
Gimme
Gypo


Dann war es wieder an der Zeit, die Stufen hinunter zur Gassco Stage zu gehen. Als die Absperrung Richtung Zuschauerraum weggetragen wurde, folgte ein Wettlauf um die besten Plätze, was nicht wirklich verwunderlich war, denn MOONSPELL standen dort in den Startlöchern. Auf dem Backdrop war das Auge des Ra zu sehen, und auch auf Shirt und Jacke von Vocalist Fernando Ribeiro fand sich dieses Symbol.

Man startete mit einem opulenten Intro, und die Fans in den vordersten Reihen zuckten bereits bei den ersten Klängen voll aus. Fernando betonte in vielen Ansagen immer wieder, wie sehr er sich freute, im Zuge der MOONSPELL 25th Anniversary-Tour diesen Gig zu spielen. Zur gewohnt düsteren Musik sorgte Fernando mit Spiegeln in der Hand oder in einen Vampirumhang gehüllt zusätzlich für Atmosphäre, was alle mühelos in den Bann zog. Als besonders fannah erwies sich die Truppe, als alle Musiker nach dem Gig in den Fotograben hüpften und Hände schüttelten, und damit ihre Fans noch glücklicher machten, als sie an diesem Tag ohnehin schon waren.





Setlist MOONSPELL:

Opium
Awake!
Ruin & Misery
Mephisto
Herr Spiegelmann
Wolfshade (A Werewolf Masquerade)
Vampiria
Alma Mater
Full Moon Madness


Ein großes Transparent wurde aufgezogen und schon ging es auch ohne Umschweife weiter, was viele überraschte. Schlagartig wurde das zuvor ziemlich leer gelassene Zelt wieder voll und BRAINSTORM gaben von Anfang an Vollgas. Wer sich dachte, dass da aufgrund der langen Bandgeschichte eine bequeme Altherrentruppe auf der Bühne erscheint, musste seine Meinung rasch revidieren. BRAINSTORM zeigten vollen Einsatz, präsentierten flotte Power Metal Hymnen, vorgetragen von Fronter Andy B. Franck, der auf der Bühne hin und her stürmte. Diese Energie übertrug sich rasch auf das Publikum, viele rissen die Arme nach oben und manch einer ließ auch seine Mähne kreisen. BRAINSTORM stellten unter Beweis, dass der Begriff Power Metal sehr wohl etwas mit Kraft zu tun hat – zumindest ließen die Deutschen keinerlei Schwächen erkennen, und zogen den Gig energiegeladen durch, und zeigten damit allen, dass man das Alter nicht zu fürchten hat, so lange man noch Spaß am Musikmachen hat.





Setlist BRAINSTORM:

Intro
Falling Spiral Down
World`s Are Coming Through
The World To See
Firesoul
Highs Without Lows
We Are…
Shiva`s Tears
Fire Walk With Me
All Those Words


Erneut wuselten die Techniker über die Gassco Stage und sehr schnell war man bereit für die nachfolgende Band. Ich hatte noch nie zuvor von GREEN CARNATION gehört, aber nachdem es sehr voll war im Zelt, war dies wohl eine Bildungslücke meinerseits. Die norwegische Band bestand aus sieben Leuten, die bei einem mystischen Intro Aufstellung nahmen. Man bekam druckvolle, doch auch sehr atmosphärische Songs zu hören, zu denen Kjetil Nordhus mit viel beschwörender Gestik kräftige Vocals beitrug, was er sonst auch bei TRISTANIA macht. Alle Musiker sind auch bei anderen Gruppen engagiert, und offenbar ist GREEN CARNATION so eine Art Hobbyband, die jedoch wahnsinnig gute Musik macht. Der Mix aus härteren und dann wieder hochmelodischen Klängen konnte alle verzaubern, und als auch eine Mandoline zum Einsatz kam, gab es noch einmal extra Applaus. Das letzte Album der Truppe ist von 2006, und die meisten an diesem Tag Anwesenden würden sich wohl sehr über eine neue Scheibe und viele Live-Gigs in der Zukunft freuen.





Nachdem tags zuvor der norwegische BLODHEMN Mastermind Invisus mit einigen Musikern die spezielle DISSECTION Tribute-Show spielte, stand an diesem Tag die Präsentation seiner eigenen Tracks auf dem Programm. Erneut versteckte Invisus sein Gesicht unter einer Kapuze und stand am Rand der Bühne, während er seinen Bandmitgliedern den Platz im Scheinwerferlicht überließ. Zu Beginn war es vor der Scandic Stage noch relativ leer, da viele noch im Zelt unten verweilten, aber dann stürmten die Hardcore-Fans herbei, und einer davon schubste alle zur Seite, die ihm im Wege waren. BLODHEMN spielten beinharten Black Metal mit hämmernden Rhythmen und aggressiven Growls, bei denen der Sänger immer wieder einmal auf die Absperrung kletterte, um die Leute einzupeitschen. Die ließen sich nicht lange bitten, und gingen voll mit. Manche sogar so heftig, dass der Aufenthalt ganz vorne nur für solche Fans zu empfehlen war, die hart im Nehmen waren, und davon gab es offensichtlich einige, da es doch sehr voll war.





Setlist BLODHEMN:

Djevelen I Menneskeform
Rettersted
Flammens Virke
Nekromani
Aandenes Ansikt
Villmann
Evig Heder


Ohne gröbere Blessuren erreichte ich wieder die Gassco Stage, von wo mir bereits vom Soundcheck inbrünstiges Jodeln entgegentönte, was mich kurz zweifeln ließ, ob ich wohl bei der richtigen Veranstaltung bin. Aber der Anblick der einheimischen Wikinger BORKNAGAR räumte alle Zweifel aus. Schon lange vor Beginn drängten sich viele Leute nach vorne, und als die Musiker bei einem urigen Intro auf die Bühne stürmten, ging es im Publikum gleich rund und ein vielstimmiges Willkommensgebrüll wurde losgelassen. BORKNAGAR brachten druckvolle Viking Metal Sounds zu Gehör, und dazu gab es vielstimmige Gesänge, in denen von tiefen Growls bis zu hohen Tönen alles enthalten war. Zwischendurch eingestreute melodische Parts standen im Kontrast zu den harten Riffs, aber dieser Mix machte den besonderen Reiz aus. BORKNAGAR legten einen absolut überzeugenden Auftritt hin, und die Leute waren auch ohne weitere Jodel-Einlage restlos zufrieden damit.





Setlist BORKNAGAR:

The Rhymes Of The Mountain
Epochalypse
Oceans Rise
Cold Runs The River
Ad Noctum
Frostrite
Ruins Of The Future
The Dawn Of The End
Colossus
Winter Thrice


Letzten September sorgten INSOMNIUM mit dem nur aus einem Titel bestehenden Album “Winter´s Gate“ für jede Menge Aufsehen. Nach einer ausgedehnten Tour sind die Finnen nun auf vielen Festivals zu Gast, und machten auch einen Abstecher nach Kopervik. Das Backdrop mit dem mystischen Album-Artwork wurde bei der Gassco Stage aufgezogen, und ab den ersten Klängen des Intros war die ganze Bühne in schwaches blaues Licht und Nebel gehüllt, was auch die ganze Zeit, in denen “Winter´s Gate“ gespielt wurde, erhalten blieb, und die Fotografen verzweifeln ließ. Aber für das Publikum war dies die optimale Umrahmung für die traumhaften Klänge dieses Titels. Was zu Beginn für Verwirrung sorgte war, dass bei den Überleitungen vom Band, die Musiker immer wieder kurzzeitig von der Bühne gingen. Nach diesem überlangen Track wurden noch vier Klassiker gespielt, und als die Finnen die Bühne endgültig verließen, ernteten sie frenetischen Beifall.





Setlist INSOMNIUM:

Winter’s Gate
Ephemeral
Change Of Heart
While We Sleep
The Promethean Song


Anschließend war erneut die Scandic Stage Schauplatz, und dort bauten in der Zwischenzeit RENDEZVOUS POINT ihr Equipment auf. Dabei handelte es sich um ein Side-Projekt des BORKNAGAR-Drummers Baard Kolstad, der damit deutlich andere Klänge als mit seiner Stamm-Band zu Gehör brachte. Dies erklärte auch den extrem vollen Raum, schon lange bevor mit sanften Keyboardklängen begonnen wurde. RENDEZVOUS POINT brachten Progressive Metal zu Gehör, und teilweise wirkten die etwas abgehackten Sounds etwas seltsam, aber es klang doch sehr interessant und es schadet ja nie, wenn eine Band die ausgetretenen musikalischen Wege verlässt. Blickfang für die männlichen Besucher war die hübsche blonde Bassistin, die jedoch während des Spielens genauso die Mähne fliegen ließ wie ihre männlichen Kollegen. Der Sänger sprang immer wieder auf die Absperrung und peitschte die Leute ein, was jedoch gar nicht nötig gewesen wäre, da das Publikum von Anfang an begeistert mitging. Damit wurde dieser Gig ein voller Erfolg für Band und Besucher, und danach durfte sich Baard auch vom doppelten Einsatz an diesem Tag zufrieden ausruhen.





Setlist RENDEZVOUS POINT:

Through The Solar Storm
Para
Wasteland
Apollo
Mirrors


In der Zwischenzeit bereitete man auf der Gassco Stage alles für den Samstags-Headliner vor. Ich hatte schon einmal bei anderer Gelegenheit erlebt, was für eine Macht SATYRICON vor heimischem Publikum sind, und auch an diesem Abend war es nicht anders. Während noch die Bühnenarbeiter alles vorbereiteten, standen schon extrem viele Leute vor der Bühne, und als der Dreizack-Mikroständer aufgestellt wurde, brandete zum ersten Mal Jubel auf. Ab den ersten Klängen des bombastischen Intros, gab es endgültig kein Halten mehr, und beim Erscheinen von Satyr mit bleich geschminktem Gesicht entwickelte sich der Zuschauerraum zum brodelnden Hexenkessel. Ich hatte schon öfter erlebt, dass Satyr bei Gigs eher auf Distanz blieb, aber hier in Kopervik widmete er sich sehr stark dem Publikum. SATYRICON in Norwegen zu erleben ist immer ein besonderes Ereignis, aber wir Österreicher werden im Oktober erneut die Gelegenheit haben, dem druckvollen Black Metal zu lauschen, und hoffentlich ist die Truppe dann genauso gut drauf wie beim Karmøygeddon Festival.





Setlist SATYRICON:

The Rite Of Our Cross
Now, Diabolical
To The Mountains
The Wolfpack
Black Crow On A Tombstone
Our World, It Rumbles Tonight
The Pentagram Burns
Mother North
Fuel For Hatred
K.I.N.G.


Mein persönlicher Eindruck vom Karmøygeddon Festival 2017 war ein äußerst positiver. Von den Preisen her moderater als andere Festivals, extrem nette Security, und eine familiäre Atmosphäre, in der man sich von Anfang an wohlfühlt.

Nächstes Jahr wird in Kopervik das 15jährige Jubiläum des Karmøygeddon Festivals gefeiert, und der Termin wurde auch bereits fixiert. Von 10.-12.5.2018 wird die Innenstadt erneut mit Metal-Klängen beschallt.



Danke an das Karmøygeddon Festival und Freimen für die Bereitstellung der Fotos!
[Pics by Freimen] www.facebook.com/freimensphoto/


Weblinks:
www.facebook.com/SatyriconOfficial
www.facebook.com/RendezvousPointOfficial
www.facebook.com/insomniumofficial
www.facebook.com/borknagarofficial
www.facebook.com/Blodhemnnorway
www.facebook.com/GreenCarnationNorway
www.facebook.com/officialbrainstorm
www.facebook.com/moonspellband
www.facebook.com/backstreetgirls1984
www.facebook.com/ainarikiarofficial
www.facebook.com/TheKolted



FOTOS + E-CARDS
karmoygeddon.no

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Beitrag vom 16.06.2017
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