MASTERS OF ROCK: KREATOR   SAXON   DELAIN   PRETTY MAIDS   ALMANAC   SERENITY    C.O.P.UK  
15.07.2017 @ Areál likérky Jelínek

Der dritte Tag sollte wieder mehr musikalische Gustostücke für uns bereithalten, dafür aber auch so manch Regenschauer und herbstliche Temperaturen, denen wir und die tausenden anwesenden Metalheads trotzten. Doch das Masters Of Rock ist sogar Temperaturen nahe des Gefrierpunktes gewohnt, also sollte dem dritten Festivaltag auch so nichts mehr im Weg stehen.

Gegen Mittag statten wir den britischen Glam Rockern, C.O.P.UK, was eigentlich soviel wie CRIMES OF PASSION bedeutet, einen Besuch ab. Die Jungs mussten mit nur einer kleineren Schar vor der Bühne vorlieb nehmen, feuerten dennoch ohne Rücksicht auf Verluste die Tracks ihres aktuellen Albums „No Place For Heaven“ ab und zeigten ebenso wie schon im Review zur selbigen Platte erwähnt, absolut Potential und wissen wie man eine Live-Show souverän durchzieht. Für die Oberliga mag das noch nicht reichen, doch mit Herzblut und echter Spielfreude, konnten die Inselbewohner an diesem Tag mit Sicherheit noch einige Fans dazugewinnen und sich vielleicht einen weiteren Slot in ein paar Jahren auf dem Festival sichern.

Auch die Tiroler SERENITY sind immer wieder gern gesehene Gäste auf dem Festival. Der Mix aus Power Metal und symphonischen Elementen scheint den Tschechen nicht zufällig zu gefallen. Mehrere Besuche am Masters Of Rock sowie einige Tourneen, unter anderem mit KAMELOT, bescherten unserem Export eine große Fanbase im Ostblock. So wurden Georg und seine Jungs gebührend empfangen, ehe man mit „Follow Me“ vom aktuellen Werk gleich voll durchstartete und mit dem Klassiker „Reduced To Nothingness“, bei dem Basser Fabio einige Shouts abließ sowie „Rust Of Coming Ages“ weitere Uptempo Track nachschmiss. Wie gehabt war die Band bei bester Laune, musste zwar mit einigen technischen Problemen kämpfen, überspielte diese aber charmant und bot noch weitere Hits wie das bombastische „Iniquity“, das flotte „Spirit In The Flesh“ sowie das finale „Velatum“. Doch die größte Überraschung, war das Auftreten von Clementine Delauney, die tags zuvor mit VISIONS OF ATLANTIS auftrat und bekanntlich seit längerer Zeit nicht mehr Bestandteil der Band ist. Doch Georg und Clemy harmonieren auch heute noch wunderbar und so machte dieser Gastauftritt die Show zu etwas Besonderem. Viel zu schnell waren SERENITY wieder fertig mit ihrem Set und lassen auf einen späteren Slot in Zukunft hoffen, zumal man im Zuge des Gigs auch gleich das neue Album ankündigte.





Setlist SERENITY

(Codex Atlanticus)
Follow Me
Reduced To Nothingness
Iniquity
Spirit In The Flesh
Legacy Of Tudors
Serenade Of Flames
Velatum


Etwas später führte uns ALMANAC zurück zur Ronnie James Dio Stage. Zum ersten mal hatten wir nun die Möglichkeit die beiden ehemaligen RAGE-Masterminds jeweils auf ihrem weiteren Werdegang im Direktvergleich zu erleben. Während Peavy Wagner mit RAGE noch auf den nächsten Tag warten musste, durfte Victor Smolksy mit ALMANAC bereits am Samstag zeigen, warum er als Ausnahmegitarrist- und Songwriter gilt. Gemeinsam mit seinen drei Sängern Andy B. Franck (BRAINSTORM), David Readman (PINK CREAM 69) und Jeannette Marchewka (LINGUA MORTIS ORCHESTRA) machte der Weißrusse klar, dass er noch weiter in Richtung, Orchestrierung, Bombast und Atmosphäre gehen möchte. Die Tracks vom Debüt „Tsar“ gehen aber nicht nur unter die Haut, sondern haben durchaus auch Durchschlagskraft. Andy und David sind im Wechselgesang perfekt ausbalanciert, während Jeannette immer da auftaucht wo es nötig erscheint und die Tracks aufpeppt. Leider blieb es auf der Bühne ansonsten recht unspektakulär, denn die Band verzichtet auf jeglichen Schnickschnack und lässt vor allem die Musik für sich sprechen. Aber Tracks wie der Ohrwurm „Self-Blinded Eyes“, das Gänsehaut-Stück „Hands Are Tied“ oder „No More Shadows“ brauchen auch keine große Untermalung. Mit „Loosing My Mind“ und „Sacred Path“ gab es auch schon einen Vorgeschmack auf das zweite Album „Kingslayer“, ehe man mit dem RAGE-Track „Empty Hollow“ das Set beendete und zufriedene Fans hinterließ. Von ALAMANAC werden wir noch einiges zu hören bekommen, da bin ich mir sicher.





Setlist ALMANAC:

Tsar
Self-Blinded Eyes
Hands Are Tied
Loosing My Mind
Children Of The Future
Nevermore
No More Shadows
Sacred Path
Empty Hollow (RAGE)


Die PRETTY MAIDS erleben spätestens seit “Pandemonium”, beziehungsweise dessen noch genialeren Nacholger “Motherland” ihren zweiten Frühling und sind daher wieder ein fester Bestandteil der Melodic Metal Szene. So kommen die Dänen zum Glück auch wieder mehr auf Tour um ihre Hits und Klassiker unter die Leute zu bringen. Auch am Masters Of Rock sollten Ronnie Atkins, der aufgrund einer Verletzung seinen Auftritt mit AVANTASIA auf dem Festival verpasste, mit seinen Herren zum ersten Mal aufspielen. „Mother Of All Lies“ vom erwähnten Album erzeugte sofort Gänsehaut, „Kingmaker“ vom aktuellen gleichnamigen Werke setzte mühelos nach, ehe man sich retour durch die Diskografie arbeitete und mit einem „Another Brick In The Wall“-Zwischenspiel für Freude sorgte. Die Hitdichte war enorm, denn die PRETTY MAIDS haben ja auch einen großen Backkatallog auf den sie zurück greifen können. „Little Drops Of Haven“, das unverzichtbare „Future World“ und „Love Games“ beendeten das Set dann aber mehr als souverän. Nach nur etwas mehr als einer Stunde musste sich die Band aber leider wieder verabschieden und so manch Song ungespielt lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass Ronnie und seine Jungs noch fleißig weitertouren, doch da mache ich mir keine Sorgen, denn Alterserscheinungen waren weit und breit keine zu sehen oder spüren.





Setlist PRETTY MAIDS

Mother Of All Lies
Kingmaker
Back To Back
Red, Hot And Heavy
Yellow Rain
Rodeo
Pandemonium
I.N.V.U.
Bulls Eye
Little Drops Of Heaven
Future World
Love Games
Sit On My Face (MONTY PYTHON))


Eine weitere Entjungferung führten die Briten von SAXON durch, die bisher noch nicht den Weg in die Tschechische Republik fanden. Was soll man über diese Urgesteine noch schreiben, was bisher noch nicht gesagt wurde? Sagenhafte 38 Jahre haben The Voice Peter „Biff“ Byford und sein genialer Gegenpart Paul Quinn an der Gitarre als einzig verbliebene Originalmitglieder von SAXON am Buckel. Somit alles erlebt und keinem mehr Rechenschaft schuldig. Und das merkt man von der ersten unter Strom stehenden Sekunde bis zum letzten Ton aus den Lautsprechern. Wer mit dem wohl besten AC/DC Song aller Zeit als Intro startet (It´s a Long Way To The Top (If You Wanna Rock ´n´ Roll) hat eigentlich schon gewonnen.

Was nun folgte erlebt man leider viel zu selten, es lag Magie in der Luft. Perfekter Sound, ein herausragender Sänger, der perfekt mit seiner Crew harmonierte, ein abgehender Mob vor der Bühne und ein Repertoire an Songs für die manche Musiker ihren linken Arm hergeben würden, machten den Gig der Briten zum absoluten Highlight des diesjährigen Masters Of Rock. Fulminat startete das Set mit „Battering Ram“ ehe anschließend „Power And The Glory“ schon so manchen nach knapp zwanzig Minuten in Strömen schwitzen ließ. Es folgte Hit um Hit: „Solid Ball Of Rock“, “Battalions Of Steel”, das lautstark mitgegröhlt wurde, die Hymne “Motorcycle Man“ oder „747 (Strangers In The Night)“.
Biff mit seinen 66 Lenzen wird anscheinend nicht älter sondern besser, anders kann man es nicht sagen. Wo andere Kollegen schon etwas vom Gas runter gehen, gibt es bei dem weißhaarigen Barden keine Verschnaufpause. Herausragende Leistung. Wer jetzt noch die Kraft hatte sein Bier in die Höhe zu stemmen und noch etwas Stimme sein Eigen nennen durfte, konnte bei „Heavy Metal Thunder“ in den Himmel brüllen oder bei „Strong Arm Of The Law“ die Fäuste oder die Teufelshörner Richtung Bühne strecken. SAXON rockten die Bühne und hatten Energie für zwei Konzerte, denn wer dachte, das wäre es dann wohl gewesen, der sollte seine Alben zu Hause Mal wieder auflegen.





Auch „Wheels Of Steel“ oder der Band-Meilenstein „Crusader“ durften nicht fehlen. Der krönende Abschluss folgte mit „Denim And Leather“, wo man sich neuerlich die Frage stellte, wie viele fucking geile Songs haben diese Rockgötter eigentlich geschrieben. Wenn man etwas bekriteln will, dann nur, dass die Zeit viel zu schnell verflog und man wohl noch ein paar Hits im Fundus von SAXON finden würde, die hier noch abgefeiert werden wollten.

Setlist: SAXON

Battering Ram
Let Me Feel Your Power
Sacrifice
Power And The Glory
Solid Ball of Rock
Dogs Of War
20,000 Ft
Battalions Of Steel
Motorcycle Man
747 (Strangers In The Night)
Heavy Metal Thunder
Strong Arm Of The Law
Princess Of The Night
Wheels Of Steel
Crusader
Denim And Leather


Über KREATOR braucht man wohl auch nicht mehr viele Worte verlieren. Die Teutonen-Thrasher wissen wie man die fangemeinde anheizt und zum Austicken bringt. Und auch am Masters Of Rock, das meist für zartere Klänge bekannt ist, hatten die Deutschen Veteranen rund um Mille Petrozza kein schweres Spiel. Mit einem Mix aus neuen Brechern und klassischen Thrash-Granaten, machten die Herren kaum Gefangene. „Hordes Of Chaos“, das etwas eingängigere „Phobia“ sowie „Satan Is Real“ brachten die Fans auf Betriebstemperatur, während man ein paar Pyros, Lichteffekte und weitere Spielereien abfeuerte. Richtig rund ging es aber dann mit „People Of The Lie“, „Phantom Anitchist“ oder dem brutalen „Enemy Of God“. Klar fanden auch mühelos neue Tracks vom aktuellen Meisterwerk Platz, doch die Thrash-Herzen verlangen natürlich nach „Extreme Aggression“, dass Mille nicht verwehren wollte oder konnte und auch der Zugabeblock sollte keine Überraschungen verbergen, sondern brachte „Violent Revolution“ und „Pleasure To Kill“, während „Tormentor“ ausnahmsweise einmal fehlte.



Pic by Hartl


Setlist KREATOR:

(Choir Of The Damned)
Hordes Of Chaos
Phobia
Satan Is Real
Gods Of Violence
People Of The Lie
Total Death
(Mars Mantra)
Phantom Antichrist
Fallen Brother
Enemy Of God
From Flood Into Fire
(Apocalytpicon)
World War Now
Hail To The Hordes
Extreme Aggression
Civilization Collapse
-
(The Patriarch)
Violent Revolution
Pleasure To Kill
(Death Becomes My Light)


Dennoch blieb wohl kein Fan unzufrieden, bei diesem Thrash Metal Sturm, der viel zu schnell vorüberzog, aber dennoch seine Spuren hinterließ und so manch erschöpften Fan in die Federn schickte.


FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

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Beitrag vom 07.08.2017
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