MASTERS OF ROCK: EDGUY   DEE SNIDER   VINCE NEIL   LACUINA COIL   RAGE   IRON SAVIOR  
16.07.2017 @ Areál likérky Jelínek

Vier Tage Festival sind schon eine verdammt anstrengende Angelegenheit, doch mit Ankündungen von Legenden wie DEE SNIDER oder Vince Neil, da hält man doch gerne durch, aber auch die deutschen Helden von EDGUY und RAGE standen ja noch am Plan.

Ebenfalls aus Deutschland stammen die sehr unterschätzten Jungs von IRON SAVIOR, die man viel zu selten irgendwo live erlebt. Und so kam ich auch zum erstem Mal zu der Ehre Piet Sielck und seiner Truppe, zu der einst auch Kai Hansen (GAMMA RAY) gehörte, auf die Finger zu schauen. Die Truppe machte selbst einen ausgiebigen Soundcheck, ehe Piet die Fans begrüßte und durch das Set, das hauptsächlich aus Track der letzten Alben bestand, führte. Auch wenn die Truppe sträflich unterbewertet ist, dauerte es etwas, bis der Funke übersprang. Zwar legte man sich mit „Way Of The Blade“ und „Starlight“ bereits gut ins Zeug, doch es schien, als müsste IRON SAVIOR noch etwas Arbeit investieren um in Vizovice bekannter zu werden, da die Reaktionen zunächst noch etwas verhalten waren. Doch nach und nach wärmten die Tschechen auf, oder wurden munter und sangen bereits bei „Gunsmoke“ mit. Mir persönlich gefielen die Klassiker „The Savior“ und vor allem „Watcher In The Sky“ vom Debüt am Besten. „Heavy Metal Never Dies“ setzte jedoch auch einen gelungenen Schlussstrich unter das MoR-Debüt von IRON SAVIOR, die eine solide Performance hinlegten und ruhig wieder kommen dürfen.





Setlist IRON SAVIOR:

Way Of The Blade
Starlight
Gunsmoke
Beyond The Horizon
Hall of The Heroes
Watcher In The Sky
The Savior
Revenge Of The Bride
Heavy Metal Never Dies


RAGE sind fleißiger denn je. Es ist knapp ein Jahr her, dass Peavy mit der rundum erneuerten Truppe das Debüt und insgesamt 22. Album der Bandgeschichte vorlegte, da schießt man mit „Seasons Of The Black“ auch schon gewaltig nach. Auch live ist man umtriebig und will das neue Material den Fans natürlich nicht vorenthalten und so startete das Trio ohne Umschweife mit „Don´t Fear The Winter“ ins Set. „Great Old Ones“ und „End Of All Days“ begeisterte die nicht müde werden zu scheinende Meute, während „Blackened Karma“ als gelungener Vorbote des erwähnten Werkes fungierte. Nach so vielen Alben ist es natürlich schwer es jedem Recht zu machen, doch die Truppe gab sich Mühe, feuerte noch „Solitary Man“, „My Way“ und „Higher Than The Sky“ ab und überraschte mit einer genialen Neuinterpretation von DIOs „Holy Diver“, bei dem aber Peavy zur Seite trat und Gitarrist Marcos Rodrigues, der Victors Fußstapfen mühelos füllte, an die Vocals ließ. Der Mann hat den Dio drauf wie kaum ein anderer und lässt mich noch mehr stutzen, warum man dieses Wunderkind nicht auch auf den RAGE-Tracks mal ein paar Lead-Vocals übernehmen lässt. Sei´s drum, Gänsehaut war garantiert und RAGE spielten sich erneut in die Herzen der Tschechen.





Setlist RAGE:

Don´t Fear The Winter
Great Old Ones
Spirit Of The Night
Blackened Karma
End Of All Days
From The Cradle To The Grave
Straight To Hell
Black In Mind
Solitary Man
My Way
Higher Than The Sky
(Tomorrow´s Yesterday)

Um auch etwas italienisches Flair nach Tschechien zu bringen, entschieden sich die Veranstalter die Mailänder LACUNA COIL zu engagieren, und diese Entscheidung war keine schlechte. Mit acht Studioalben und fast 20 Jahren Erfahrung im Gepäck kann man von genügend Routine sprechen, um einen Gig hier problemlos zu zelebrieren. Und genau das gelang den beiden Gesangstalenten Cristina Scabbia und Andrea Ferro und ihren Musikern. Optisch ganz in weiß mit dezenten Blutflecken schritt man einheitlich auf die Bühne und sorgte von Anfang bis Ende für eine gelungene Show. Die Sopranstimme von der hübschen Christina und der gutturale Gesang von Andrea harmonierten hervorragend und sorgten für die nötige Abwechslung zu Genrekollegen. Man konzentrierte sich stark auf das 2016 erschienene Album “Delirium” und spielte mit „Ghost In The Mist“, “Blood, Tears, Dust”, “My Demons”, “Downfall” und der letzten Nummer “The House Of Shame” gleich fünf Stück davon. Die neuen Tracks funktionierten gut und kamen auch bei den Fans großartig an. Mit „Enjoy The Silence“ von DEPECHE MODE wurde noch Helden gehuldigt, ehe „Zombies“ noch einmal das Gaspedal durchdrückte. Solider und durchaus auch ansehnlicher Auftritt der Südländer.





Setlist: LACUNA COIL

Ultima Ratio
Spellbound
Die & Rise
Heaven´s A Lie
Blood, Tears, Dust
Ghost In The Mist
My Demons
Trip The Darkness
Downfall
Our Truth
Enjoy The Silence (DEPECHE MODE)
Nothing Stands In Our Way
Zombies
The House Of Shame


Dee “fuckin” Snider, wie sich Rampensau und TWISTED SISTER Fronter an diesem Abend selbst noch öfter nennen sollte, war schon im Vorfeld die wohl größte Überraschung des Festivals. Ich wusste zwar nicht recht was uns erwartete, doch der Gig mit seiner alten Band überzeugte vor ein paar Jahren und brannte sich in mein Gedächtnis ein. Doch zunächst war ich schockiert ob der technischen Probleme. Die ersten drei Songs klangen katastrophal. Immer wieder brachen Gesang, Gitarre und Drums weg und alles klang äußerst dilettantisch. Die Band gestikulierte immer wieder in Richtung Mischpult und wirkte hektisch, gereizt und gestresst. Doch als Dee dann das Wort ergriff und meinte „We sound like shit, but we have fun! Sorry for that!“ war die Welt wieder in Ordnung. Der Mann hat eine unvergleichliche Art, Ausstrahlung und weiß wie man mit den Menschen umgeht. Lachend erzählte er wie er seine Frau kennen lernte, die neben der Bühne mittanzte und kein Nein akzeptierte, holte weitere Anekdoten raus und begeisterte die Massen nur mit seinen Worten. Doch zum Glück sollte sich auch die Musik bessern und noch so manch Überraschung beinhalten.





Neben seinem Solo-Material durften klarerweise auch einige TWISTED SISTER Klassiker nicht fehlen. „The Kids Are Back“ und „The Price“ machten schon eine Menge Spaß, doch das geniale „We´re Not Gonna Take It“ ließ die Massen überkochen und zur lautstarken Höchstform auflaufen. So stachelte Mister Snider die Fans noch mehr an und streckte den Song ewig, nur um ihn da gereizt abzubrechen und das Wort an ein Mädel in der ersten Reihe zu richten, da diese so gelangweilt zusah und wohl keine Lust auf ihn hätte. Wie sich rausstellte wartete die arrogante Dame auf EDGUY und ließ sich von Dee nicht überreden, wenigstens auch nur ein bisschen mit zu machen. Auch nicht mit dem Argument, dass er doch mit Tobi von EDGUY befreundet sei. Mit einem „Fuck you bitch!“, was sehr viele Lacher einbracht, beließ er es dabei... vorerst. „Head Like A Hole“ sollte als geniales Tribut an die NINE INCH NAILS gelten und war wohl die größte Überraschung. Dazu kam noch „Outshined“ um den verstorbenen Chris Cornell zu ehren.

Die Kinnlade klappte dann wohl nicht nur bei den Fans runter, denn auch die LACUNA COIL Fronter waren komplett überrumpelt, als Dee diese auf einmal auf die Bühne zerrte um bei „I Wanna Rock“ mit zu trällern. „Ha!“ schrie der Meister „I told you EDGUY is a friend“ und holte nachfolgend auch noch einen nicht weniger überrumpelten Tobi auf die Bühne, der dann doch ein „I wanna rock!“ aus der Dame rausholen konnte.





Was für eine Achterbahnfahrt. Zwar trübte der chaotische Einstieg zunächst den Eindruck, doch Dee holte einfach alles aus dieser Show raus und bescherte den Anwesenden einen genialen Abend und bewies einmal mehr, was für ein einzigartiger Sänger, Musiker und Entertainer dieser Mann ist.

Setlist DEE SNIDER

We Are The Ones
The Kids Are Back (TWISTED SISTER)
Close To You
My Own Worst ENEMY (LIT)
Rule The World
Head Like A Hole (NINE INCH NAILS)
We´re Not Gonna Take It (TWISTED SISTER)
Crazy For Nothing
The Price (TWISTED SISTER)
Outshined (SOUNDGARDEN)
I Wanna Rock (TWISTED SISTER)
So What


EDGUY hatten es nun wahrlich nicht leicht, das wusste auch Tobi und wies im Laufe des Gigs auch immer darauf hin, was für eine Herausforderung und Ehre es sei, zwischen Dee Snider und Vince Neil auf die Bühne zu steigen. Doch eigentlich hatte Tobias Sammet ja nach so vielen Auftritten mit EDGUY und AVANTASIA hier quasi ein Heimspiel und keine Mühe die Fans für sich zu gewinnen. Mit einem Best-Of Album im Rücken, sollten die Deutschen auch auf dieser Tour nur ausgewählte, Klassiker, Hits und Singles abfeuern. Es wirkte zwar befremdlich, dass man mit dem schwachbrüstigen „Love Tyger“ ins Set einstieg, doch dann ging es schon Schlag auf Schlag. Das bombastische „Vain Glory Oper“ gefolgt vom flotten „Mysteria“ und der nicht minder legendären Hymne „Tears Of A Mandrake“ ließ keine Zweifel offen, dass EDGUY die geborenen Headliner sind. Klar Tobi quasselte immer mal wieder drauf los und meinte auch, dass er froh sei, dass die Stimmung so gut sei, obwohl hier 9.999 DEE SNIDER Fans und nur ein EDGUY Fan anwesend seien, zeigte sich aber überraschend fokussiert auf die Performance, die durch ein schönes Bühnenbild aufgepeppt wurde. Mit der Zeit kam der aus der „Hellfire Club“ Tour bekannte Wasserspeier zum Vorschein, der später sogar seine Flügel bewegte, während der dicke aufgeblasene Space-Polizist wieder für Staunen und Lacher sorgte, dieser erschien aber erst gegen Ende des Sets.





Überraschend war der überlange, aber grandiose Track „The Piper Never Dies“ der lautstark mitgesungen wurde, während „Lavatory Love Machine“, „Superheroes“ und „Save Me“ sowieso in keinem Set fehlen dürfen. Als zweite Ballade bekam man endlich wieder das Gänsehauterzeugende „Land Of The Miracle“ zu hören und „Babylon“, für das Sammet sich bei Drummer Felix entschuldigte, der hier alles geben musst, legte die Power Metal Wurzeln der Jungs aus Fulda komplett frei. Als netten Bonus feuerte man einen Teil von Maidens „The Trooper“ ab, ehe man sich hinter die Bühne verzog, um im letzten Teil noch „Out Of Control“, bei dem damals Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) mitsang, sowie das unausweichliche „King Of Fools“ unter die Leute zu bringen und sich als würdiger Abschluss des Festivals zu verabschieden.





Setlist EDGUY:

Love Tyger
Vain Glory Opera
Mysteria
Tears Of A Mandrake
The Piper Never Dies
Lavatory Love Machine
Land Of The Miracle
Ministry Of Saints
Babylon
The Trooper (IRON MAIDEN)
Save Me
Superheroes
-
Out Of Control
King Of Fools


Doch halt... da war doch noch etwas. Ein älterer, etwas dickerer Mann namens VINCE NEIL musste ja noch unbedingt auf die Bühne klettern. Der inzwischen 54 jährige, der seine besten Zeiten wohl hinter sich hat und als Sänger der legendären MÖTLEY CRÜE für Furore und Skandale sorgte, konnte uns im Vorhinein wahrlich nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Und der erste Blick auf den US-Amerikaner sollte den Eindruck nur bestätigen, den recht fit wirkte der Bursche nicht, darum stellte man auf der MoR Homepage wohl auch ein etwas älteres Foto online.

Doch egal, was zählt sind ja wohl die inneren Werte, und die waren an diesem Abend... naja ebenfalls durchwachsen, auch wenn Vince stimmlich nicht einen Totalschaden, wie vor wenigen Jahren zuvor noch Sebastian Bach (SKID ROW), ablieferte. Das dieser Auftritt im Zeichen Von MÖTLRY CRÜE stehen sollte, war von vorhinein klar und so spielte sich die Band und ihr Frontmann durch ein Best Of der letzten 37 Jahre. Als Intro gab es kurz AC/DC, ehe „Dr. Feelgood“ prompt die Stimmung anhob. Auch wenn sich der Bewegungsradius inzwischen in Grenzen hält, posen, die Haare laszive durch die Gegend schmeißen und mit den Damen im Publikum flirten geht nach wie vor. Das Hitfeuerwerk war noch nicht abgebrannt, es folgten Klassiker wie „Kickstart My Heart“ aus dem goldenen Hair Metal Jahr 1989, „Girls, Girls, Girls“ von 1987 oder „Wild Side“, dass die Geschichte dieser durchgeknallten Band wohl am besten beschreibt.





Zwischendurch würdigte man BLACK SABBATH („Heaven And Hell“), ZED ZEPPELIN („Whole Lotta Love“) und IRON MAIDEN (“Flight Of Icarus”) mit kurzem Anspielen dieser großartigen Songs, wobei hier Gitarrist Jeff Blando gesanglich sein Können beweisen durfte. Die Stimmung war gut, wenn auch nicht überragend und der Bereich zu später Stunde noch gut gefüllt, auch wenn sich wohl schon einige Besucher Richtung Heimat aufmachten. Nach 90 Minuten beendete man das Set mit „Live Wire“ und lieferte eine ganz nette Show ab, die besser war als gedacht. VINCE NEIL mag nicht mehr der Jüngste, Dünnste, Sportlichste oder Schönste sein, Stimmung macht er aber immer noch, auch wenn hier wahrlich nicht MÖTLEY CRÜE am Werk waren.


Setlist VINCE NEIL:

Dr. Feelgod
Piece Of Your Action
Looks That Kill
Home Sweet Home
Shout At The Devil
Same Ol´ Situation
Heaven And Hell (BLACK SABBATH) / Whole Lotta Love (LED ZEPPELIN) / Flight Of Icarus (IRON MAIDEN)
Kickstart My Heart
Girls, Girls, Girls
Wild Side
Live Wire

Und so endete das 15. Masters Of Rock mit einigen Höhen und Tiefen. Vielen Soundprobleme, die man in diesem Ausmaß hoffentlich nächstes Jahr nicht mehr erleben muss, einigen Debütanten, die durchaus gut passten und vielen Altbekannten die das Masters Of Rock zum richtigen Familientreffen machten, zu dem man jedes Mal gerne wieder kommt um einfach vier Tage die Sau rauszulassen. In diesem Sinne Masters Of Rock 2018, wir sehen uns!



FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

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Beitrag vom 09.08.2017
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