THE ROLLING STONES   KALEO   JOHN LEE HOOKER JR.  
16.09.2017 @ Spielberg

Viele erinnerten sich nur allzu gerne an den Gig der ROLLING STONES im Jahre 1995, der damals noch innerhalb der Rennstrecke in Spielberg stattfand. Umso begeisterter wurde die Neuauflage in diesem Jahr aufgenommen, nur dass dieses Mal die Bühne auf der großen Wiese vor dem Redbullring aufgebaut wurde. Auch vor zwei Jahren beim AC/DC-Konzert wurde dieses Gelände genutzt.

Bereits Tage vor dem Konzert veröffentlichte man einen detaillierten Geländeplan. Da zum Teil auch älteres Publikum erwartet wurde, gab es fünf große Tribünen die halbkreisförmig vor der Bühne angeordnet waren. Neben Sitz- und Stehplatzkarten gab es auch noch Tickets für diejenigen die direkt an der Bühne stehen wollten, und obwohl die nicht gerade billig waren, wurde doch eifrig darauf zurückgegriffen. Rund um die Bühne waren riesige Videowalls, auf denen das STONES-Logo prangte, aufgebaut.

95.000 Besucher wurden erwartet, und leider passierte auch dieses Mal das Gleiche wie vor zwei Jahren bei AC/DC. Nämlich dass es Riesenprobleme mit den Shuttlebussen gab und so mancher erst sehr spät zum Gelände kam. An und für sich würde man bei einem Ticket-Preis ab € 100,- ja erwarten, dass Busse von den Bahnhöfen gratis zur Verfügung gestellt werden, aber man musste die Fahrkarten vorab bei Ö-Ticket kaufen. Auch nach dem Konzert gab es die gleichen Probleme, viele erreichten die Sonderzüge nicht und durften die Nacht in den Bahnhofshallen verbringen, um mit den Frühzügen nach Hause zu fahren.


Sollte wieder einmal ein Veranstalter etwas vor dem Redbullring auf die Beine stellen, so wäre großes Augenmerk auf die An- und Abreisesituation auf jeden Fall empfehlenswert, denn wenn es beim Formel 1-Rennen und der Moto-GP funktioniert, dann wäre das auf jeden Fall auch bei einem Konzert zu schaffen. Was schon bei AC/DC nur schlecht funktionierte, war bei den ROLLING STONES eine einzige Katastrophe.



Credit: Nova Music_Heimo Spindler


Das ist jedoch auch der einzige Kritikpunkt an der Organisation, sonst gab es eigentlich kaum etwas zu meckern. Dass es der Wettergott nicht gut meinte, kann ja wirklich nicht den Veranstaltern angelastet werden. Es regnete in den Tagen vor dem Konzert sehr stark, trotzdem waren die Campingplätze gut gefüllt, als ich um 16 Uhr am Gelände ankam. Leider war der Boden bereits dermaßen durchweicht, dass die Schlammschlacht vorprogrammiert war, und Gummistiefel das absolut beste Kleidungsstück darstellten.

Die Getränke- und Essenspreise waren auf normalem Festivalniveau, und dass es spezielle ROLLING STONES-Becher gab, wurde von vielen als positiv empfunden, und die meisten davon als Andenken mit nach Hause genommen. Aufgrund der doch kühlen Wetterverhältnisse wurde auch Jagatee angeboten, der so manchen Abnehmer fand.

Pünktlich um 17 Uhr betrat JOHN LEE HOOKER JR. die Bühne. Der US-amerikanische Blues-Sänger konnte sich schon über viel Publikum freuen, das vor der Bühne im Schlamm ausharrte. Begleitet wurde er nur vom Gitarristen Jeffrey James Horan, der ruhige Klänge beisteuerte, und damit lag der Focus auf der Stimme des Sängers, der mit seinen Liedern richtiges Südstaatenfeeling erzeugte. Fans des Gospel kamen ebenfalls auf ihre Kosten, und bei „When The Saints Go Marching In“ wurde auch lautstark mitgesungen. Offenbar ist JOHN LEE HOOKER JR. ein tiefgläubiger Mensch der dies auch immer wieder zum Ausdruck brachte. Er forderte das Publikum auch lautstark auf „Halleluja“ zu rufen, was von vielen befolgt wurde. Nach 45 Minuten war die melodische Religionsstunde zu Ende und JOHN LEE HOOKER JR. verließ unter viel Beifall die Bühne.

Danach folgte eine über eine Stunde dauernde Pause, doch um 19 Uhr gab es dann Programm für die jüngeren Besucher. KALEO starteten mit dem Song „Way Down We Go“ in den letzten Monaten gewaltig durch, und so konnten sich die Isländer über begeisterten Applaus freuen, als sie auf der Bühne erschienen. Sänger und Gitarrist Jökull Júlíusson war entweder bei uns schon beim Trachtenjanker shoppen oder er trug die isländische Landestracht, die unserer sehr ähnlich ist. Man eröffnete mit Mundharmonikaklängen, die von angenehmen rockigen, teilweise auch bluesigen Gitarrenläufen abgelöst wurden, die sehr gut ins Ohr gingen. Aber vor allem die tiefe, ausdrucksvolle Stimme von Jökull Júlíusson erzeugte immer wieder Gänsehaut und machte den besonderen Reiz von KALEO aus. Außerderm zeigte er gelegentlich auch sein Können was das Pfeifen betrifft. KALEO gaben aber nicht nur ruhige Songs zum Besten, zwischendurch wurde auch erdiger Rock angeboten. Natürlich durfte auch der eingangs erwähnte Hit „Way Down We Go“ nicht fehlen, und da sangen viele begeistert mit.

Im Vorfeld des Konzertes gab es viel Aufsehen rund um das STONES-Logo-dekorierte Flugzeug am nahegelegenen Flughafen Zeltweg, und viele geierten sich um Bilder davon. Die Altrocker hatten ja die Nacht vor dem Konzert stilecht im Steirerschlössl verbracht, und damit einen entspannten Aufenthalt in der Region, bevor es auf die Bühne ging, und auch nach dem Gig ging es nicht gleich weiter, sondern erst am nächsten Nachmittag, sodass die Herren, abgesehen von den gut zwei Stunden auf der Bühne, entspannte Sunden in der Steiermark verbrachten.



Credit: Nova Music_Heimo Spindler


Um 20.30 Uhr wäre es endlich Zeit gewesen für THE ROLLING STONES, aber es verzögerte sich der Beginn um eine Viertelstunde. Mit einem lauten Knall und rotem bengalischen Feuer am oberen Ende der Videowalls startete man aber dann fulminant die Show, und Mick Jagger tänzelte leichtfüßig im Glitzer-Jackett über die Bühne. Man hatte für die Tour auch mehrere Zusatz-Musiker und –Sänger engagiert, um den einzelnen Songs mehr Tiefe zu verleihen, und nicht auf Einspielungen vom Band zurückgreifen zu müssen. Viel Gelächter gab es, als sich Keith Richards erst einmal genüsslich eine Zigarette anzündete, und dies groß auf der Videowall gezeigt wurde. Keith verzichtete auf Glitzer, stand im einfachen Mantel auf der Bühne und trug ein Stirnband um die Wuschelmähne zu bändigen. Ron Wood zeigte sich auch in einer effektvollen Garderobe, und ließ sich nichts davon anmerken, dass bei ihm erst kürzlich Lungenkrebs diagnostiziert wurde, sondern wirbelte sehr begeistert über die Bühne. Ruhepol war wie immer Charlie Watts, der sein Drumset tadellos beherrschte, und hin und wieder lachend zu den anderen Musikern blickte.

Auf der riesigen vierteiligen Videowall wurden immer wieder Bilder und Videos zur optischen Untermalung eingeblendet, oder auch Großaufnahmen der Musiker.
Die rollenden Steine ließen keine Sekunde Zweifel aufkommen, ob es ihnen wohl Spaß macht, im fortgeschrittenen Alter noch auf der Bühne zu stehen. Sie präsentierten sich motiviert und gut gelaunt, und dies schwappte auch auf die Zuschauer über, sodass auch bald die teilweise argen Strapazen der Anreise vergessen waren.



Credit: Nova Music_Heimo Spindler


Mick Jagger überraschte mit einigen Sätzen in fast tadellosem Deutsch, wie etwa „Wo sind meine Gummistiefel?“ oder „Das ist unser 15. Konzert in Österreich!“. Dann kam auch noch „Im Oktober müsst ihr wählen, aber hier habt ihr schon gewählt“ was sich auf die vorab initiierte Auswahl zwischen vier Songs bezog, aus der „She’s A Rainbow“ als Sieger hervorging. Bei zwei Songs warf sich Keith Richards in eine braune Lederjacke und ließ seine Stimme zu „Happy“ und „Slipping Away“ erklingen, wodurch Mick Jagger eine kleine Pause gegönnt wurde. Der kehrte danach agil wie zuvor auf die Bühne zurück, wirbelte herum und nahm viel Kontakt zu den Fans auf.

Die Stimmung wurde immer besser und wäre es nicht so matschig und rutschig gewesen, hätte wohl auch so mancher im Publikum mitgetanzt. So verlegte man sich auf frenetischen Beifall und hochgerissene Hände, was sicherer war.
Gegen Ende hin wurden noch die größten Hits rausgehauen und als „Jumpin´ Jack Flash“ verklang wurden die Besucher noch mit einem Feuerwerk verabschiedet!


Setlist THE ROLLING STONES:

Sympathy For The Devil
It’s Only Rock´n´Roll (But I Like It)
Tumbling Dice
Just Your Fool (BUDDY JOHNSON Cover)
Ride ´Em On Down (JIMMY REED Cover)
Under My Thumb
She´s A Rainbow
You Can´t Always Get What You Want
Paint It Black
Miss You
Happy
Slipping Away
Midnight Rambler
Honky Tonk Women
Street Fighting Man
Start Me Up
Brown Sugar
(I Can´t Get No) Satisfaction
-
Gimme Shelter
Jumpin´ Jack Flash


Die Meinungen nach diesem Konzert waren geteilt, aber bei den meisten Besuchern überwog die Freude, die STONES noch einmal bestens gelaunt und vor Spielfreude strotzend erlebt zu haben. Wer weiß schon, ob es noch ein 16. Konzert in Österreich gibt?

www.rollingstones.com
www.officialkaleo.com
www.johnleehookerjr.com



Metalmama
Weitere Beiträge von Metalmama


Zurück

Beitrag vom 21.09.2017
War dieser Bericht
interessant?

2 Stimme(n)
Durchschnitt: 7
Diesen Beitrag bewerten:
  
Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: