LEPROUS   AGENT FRESCO   ALITHIA   AUSTROSAUR  
18.11.2017 @ Szene

Die norwegischen Ausnahmekünstler LEPROUS waren in den letzten Jahren mehr als fleißig und erspielten sich mit qualitativ hochwertigen Progressive Metal Alben und unermüdlichen Touraktivitäten eine ansehnliche Fanbase. Auch das bisher wohl eingängigste Werk „Malina“ führte zu weiteren verdienten Erfolgen. Im Zuge dieser Veröffentlichung machten sich die sympathischen Herren erneut auf den Weg durch Europa um unvergessliche Abende zu bescheren.

Natürlich waren die Männer nicht alleine unterwegs, sondern holten sich mit AGENT FRESCO tatkräftige Unterstützung aus Neuseeland. Überraschend waren die „Sold-Out“ News aus verschiedensten Venues in Frankreich und Deutschland, aber auch die Szene in Wien war restlos ausverkauft. Wenn ich bedenke, dass vor einigen Jahren im Replugged gerade mal eine Handvoll Leute anwesend waren, eine beachtliche Leistung. Doch wahrlich tat die kürzlich durchgeführte Tour mit DEVIN TOWNSEND ihr Übriges dazu.

Den Anfang machte das Trio AUSTROSAUR, das von LEPROUS persönlich zu dieser Tour eingealden wurde. Da überrascht es nicht, dass die junge Truppe aus Oslo stammt, aber defnitiv nichts für ungeduldige Musikliebhaber ist. Die überlangen Prog/Doom-Rock Songs mit Retro-Vibe verlangten von Anfang bis Ende viel von der Hörerschaft ab. Anstrengend, teils zäh, aber stets spannend zeigten die drei Herren ihr Können und ließen dabei vor allem die Instrumente sprechen. Verzerrer bis zum Anschlag, dynamische Übergänge, schwermütige Riffs, aber auch ein paar Melodien wechselten sich ab, während die Band posierte und sich recht wortkarg durch die überlangen Tracks spielte. Die recht volle Halle nahm mit Applaus das Gehörte zur Kenntnis, aber man merkte auch, dass doch viele relativ überfordert von den komplexen und immer wieder in eine andere Richtung schwankenden Strukturen der Norweger waren.

Es folgten die mir ebenfalls bisher komplett unbekannten Herren und Dame von ALITHIA, die neben AGENT FRESCO ebenfalls als Exoten des Abends galten, stammt die wild zusammengewürfelt aussehende Truppe doch aus Australien, wo man Prog-Metal wohl eher selten vermutet. Die Truppe ist schwer einzuordnen, doch selbst bezeichnen die Aussies ihren Stil als Astral Space Core, was jetzt auch nicht schlauer macht. Wüster Prog mit südländischen Percussion-Einschüben, wütenden Attacken, aber auch einprägsamen Melodien und eingängigen, weiblichen Vocals wechselten sich ab und ließen nicht wenige erstaunt zurück. Zudem ging es auf der kleinen Stage in der Szene dabei auch gewaltig rund. Psychedelisch, experimentell, hoch motiviert und mit gelungenen Ideen spielten sich die Australier schnell in die Herzen der Wiener Fans und erzeugten eine dichte Atmosphäre sowohl mit ihrem Sound als auch ihrer perfekt dazu passenden Bühnenperformance, die meist in dunklem Stage-Licht und viel Nebel gehüllt war. Auch ALITHIA gaben sich wortkarg und feuerten zwischen den Tracks „nur“ die Leute immer wieder an. Normalerweise steht ein gewisser John Rousvanis hinter dem Micro, der aber von einer Dame namens Marjana Semkina ersetzt wurde, da der eigentliche Fronter krankheitsbedingt ausgefallen ist. Diese wurde zudem vom übermotivierten Percussionisten Jeffrey Ortiz Raul Castro immer wieder tatkräftig und lautstark unterstützt. ALITHIA präsentierten an diesem Abend kein gewöhnliches Konzert, sondern vielmehr ein atemberaubendes Erlebnis, das nach wie vor schwer in Worte zu fassen ist.





Da hatten es AGENT FRESCO im Anschluss auch wirklich schwer. Dennoch wurden die Isländer natürlich lautstark empfangen. Die vier Herren spielten sich auch ohne Umschweife oder großen Unterbrechnugen durch ihr Set. Zunächst ging es recht ruhig und emotional zur Sache, doch plötzlich hauten die Herren einen Post-Black Metal Part raus, bei dem nicht wenigen die Kinnlade runterklappte. Die meiste Zeit ging es jedoch recht atmosphärisch zu, sodass vor allem die eindringliche Stimme von Arnór Dan Arnarson im Mittelpunkt stand. Genau diese Stimme zerrte bei mir auf Dauer doch etwas an den Nerven, da sich Arnór fast durchgehend in hohen, etwas anstrengenden Regionen bewegte. Kurz erzählte er aber, dass der Bassist Vignir Rafn Hilmarsson gerade Vater wurde und daher aussetzen musste, aber man eh passenden Ersatz mit habe. Auf der Bühen standen gleich zwei Keyboards, die aber nicht immer besetz waren und wenn doch, dann wechselten sich die drei Musiker immer wieder etwas ab und standen dabei aber mit dem Rücken zu den Zuschauern. Arnór badate zur Freude der Fans auch gegen Ende noch in der Menge und sang von dort aus, ehe man das Set, das aus einem gelugenen Mix aus altem Material und Songs vom aktuellen Werk „Howls“ bestand. Da dieses Album aber auch schon wieder über zwei Jahre alt ist, gab es auch schon einen neuen Song vom kommenden, noch unbetitelten Werk zu hören. AGENT FRESCO waren nach ALITHIA für mich eine kleine Enttäuschung, aber ein durchaus interessanter Act.





Setlist AGENT FRESCO:

Anemoi
He Is Listening
Howls
Pyre
Wait For Me
New Song
See Hell
Angst
Bemoan
Dark Water
Eyes Of A Cloud Catcher
The Autumn Red


Die Vorfreude auf LEPROUS war nun enorm. Doch überraschenderweise betrat zuerst ein Cellist die Bühne, der Mann legte aber gleich gewaltig los und sorgte für Gänsehaut, ehe Drummer Baard mit gereckter Faust die Bühne enterte, was ersten Jubel eibrachte, ehe die restliche Mannschaft folgte. Auch zu den ersten Akkorden von „Bonneville“, dem Opener von „Malina“, wurde lautstark gejubelt und schon ging es Schlag auf Schlag. Auch Einar, der die meiste Zeit vorne auf der Bühne, aber hinter seinem Keyboard und Synthesizer stand, verzichtete auf große Worte und führte lieber stimmgewaltig durch das Set, das eigentlich nur aus Tracks der letzten drei Alben bestand. Auch auf dieser Tour legten LEPROUS einzigartige Konzerte hin, da man bei jedem Gig die Setlist umkrempelte und nun schon ganze 30 Songs über die Wochen präsentierte.

Vor allem das neue Album wurde ausgiebig gespielt, doch Tracks wie das mächtige „Stuck“, das bereits von vorne bis hinten mitgesungen wurde, oder die neue Hit-Stingle „From The Flame“ haben es absolut verdient und wurde überraschend gut abgefeiert.





LEPROUS genossen glasklaren Sound und auch optisch war der Auftritt wieder ein Highlight. Neben diversen Plateaus standen wieder einige LCDs mit verstörenden Visuals und künstlerischen Videos, die perfekt zu den Polyrhythmen und Melodien abgestimmt waren, auf der Bühne, die zusätzlich für Atmosphäre sorgten. Einar schnappte sich aber auch immer wieder das Micro und schüttelte sein Haupt und ging gut ab bei heftigeren Parts, während die restliche Truppe, allen voran Gitarrist Tor Oddmund Suhrke über die Bühne wirbelten. Dass die beiden in der Vergangenheit immer wieder die Mannschaft erneuern mussten, war zu keiner Sekunde zu spüren, auch nicht, dass kürzlich Gitarrist Oystein Landsverk nach 13 Jahren das Handtuch warf. Weiter ging es mit dem ersten älteren Song „Moon“, dem hypnotisierenden „The Law“ und dem äußerst eingängigen „Mirage“. Auch „Rewind“ vom Vorgänger wurde frenetisch abgefeiert, ehe man bei „Slave“ auch mal ein paar alte Post-Black Metal Elemente wieder hervorkramte. Solberg haute dazu ein paar Screams raus, die man so von ihm eigentlich nicht erwartet, wenn man seiner regulären Stimme lauscht, die oft sehr emotional und fast schon fragil wirkt, und man eventuell die alten Alben nicht kennt.





Zwischendurch kam auch immer wieder der Cellist wieder auf die Bühne und sorgte für Verschnaufpausen oder rockte gewaltig mit den Jungs mit. Zwar ging das Cello bei härteren Tracks etwas unter, wenn man aber genau hinhörte, merkte man, dass der Herr eine gewaltige Bereicherung für diese Show war. Nach „Slave“ war eigentlich regulär Schluss, doch das Wiener Publikum ließ nicht locker und holte die Nordmänner noch für einen weiteren Song auf die Bühne. Da kam zwar die perfekt durchinszenierte Show etwas ins Stocken, da LEPROUS wohl nicht damit rechneten, noch einen Song zum Besten zu geben, doch das machte die Jungs nochmal sympathischer und so erfreuten wir uns noch über „The Weight Of Desaster“ vom aktuellen Werk.





Setlist LEPROUS:

Bonneville
Stuck
Moon
From The Flame
Illuminate
Third Law
The Valley
The Flood
The Price
Malina
Mirage
Rewind
Slave
-
The Weight Of Desaster

Was für ein Abend. LEPROUS wurden ihrem Ruf gerecht und toppten sich selbst noch einmal mühelos. Zwar hätte ich noch gerne „Passing“ vom Debüt oder den ein oder anderen Track vom genialen 2011er Werk „Bilateral“ gehört, doch auch die Songauswahl der drei zuletzt veröffentlichten Alben, war eine wahre Ohrenweide. So gibt es eigentlich überhaupt nichts auszusetzen an dieser einzigartigen Performance. Die ausverkaufte Szene war mehr als verdient. Nächstes Mal eventuell schon in der nächstgrößeren Halle in Wien.



FOTOS + E-CARDS
www.leprous.com

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Beitrag vom 22.11.2017
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