IN FLAMES (ALS JESTERHEAD & THE SWEDISH SODA GROUP)  
08.11.2017 @ Szene

Groß war die Aufregung, als man mit JESTERHEAD & THE SWEDISH SODA GROUP ohne große weitere Infos kurzfristig einen Gig in der Szene ankündigte. Man musste nicht gerade Sherlock sein um zu wissen, welchen genialen Schachzug hier niemand geringeres als IN FLAMES, die am Folgetag gemeinsam mit FIVE FINGER DEATH PUNCH vor tausenden Fans in der Stadthalle spielen sollten, hier wagten. Die schwedischen Melodic/Modern Death Metal Superstars vor einem Publikum von knapp 500 Leuten sehen, und das um läppische € 19,-, das durfte man sich als Fan natürlich nicht entgehen lassen, zumal man ja im Frühjahr auf der In „My Room Tour“ die mehr als das Dreifache kostete, Österreich ausließ und dieser Geheimgig weltweit exklusiv sein sollte. Überraschend nur, dass es doch über eine Woche dauerte, bis genügend Leute überrissen, was hier los war und dementsprehend dann erst ein Sold-Out ausgerufen werden konnte.

Der Start um 20:00 Uhr wurde zum Glück nicht eingehalten, denn unglaubliches Verkehrschaos in und um Wien sollte vielen Metal Pilgern einiges an Zeit kosten, so konnte man, wenn man bereits früh da war, das schicke Bühnen-Outfit mit dem vom "A Sense Of Purpuse" Album bekannten Vogel im Hintergrund, der mit Weihnachtsmützchen ausgestattet wurde, sowie die zahlreichen Christbäume und Lametta auf der Bühne bei einem kühlen Bierchen bestaunen.





Um 20:40 ging dann aber das Licht aus und JESTERHEAD & AND THE SWEDISH SODA GROUP startete auf die Bühne, um mit „Cloud Connected“ das erste Highlight raus zuhauen. Doch die Herren verspielten sich gleich drei Mal und mussten neu beginnen. Natürlich brauchte keiner lange um zu verstehen, dass hier die Crew auf der Bühne stand und sich einen Scherz erlaubte. Das konnte Anders Fridén nicht lange mit ansehen und schritt ein, um Platz für das eigentliche Band zu machen um dann wirklich „Cloud Connected“ bei bestem Sound abzufeuern. Von da an war klar, dass wir es hier mit der inoffiziellen IN FLAMES Weihnachtsfeier zu tun hatten. Dennoch ging es ohne Umschweife mit „All For You“ und dem langjährigen Rausschmeißer „Take This Life“ weiter, ehe man zum ersten Mal das Wort ergriff. Einzig Anders war mit „neuen“ Bandaufdruck bestückten Shirt auf der Bühne, während der Rest der Crew mit roten Hemden eine Einheit bildete. Neben Anders und Björn Gelotte ergab sich vielleicht für alte Fans, die IN FLAMES nun länger nicht verfolgten, ein ungewohntes Bild. Heimkehrer Niclas Engelin ist zwar schon wieder festes Mitglied und kaum mehr wegzudenken, doch auch Drummer Svensson und Basser Iwers fehlen mittlerweile und wurden durch Joe Rickard, beziehungsweise den neuen neuen Live-Bassisten Bryce Paul ersetzt. Dazu gesellte sich außerdem überraschenderweise ein Keyboarder, was bei IN FLAMES ein Novum bedeutet.

Weiter im Programm ging es mit neueren Singles und Krachern der Marke „Drained“, „Before I Fall“ und „Everythings Gone“. Man merkte schon, während 500 Kehlen zu „Cloud Connected“ perfekt mitsangen, wurde das aktuellere Material nicht ganz so gut abgefeiert. Womöglich fanden sich wirklich sehr viele Fans der alten Kost von IN FLAMES ein. Doch Anders, oder der bärtige Fronter mit Kappe und Brille, der immer wieder lachend betonte, dass es sich hier um eine andere Band handele und IN FLAMES doch erst morgen spielen, meinte sogar „you don´t want to hear the old crap?“, worauf er sich nach einigen Buh-Rufen revidierte und meinte, „I mean, you dont´t want to hear the new crap...from this other band“ und startete im Verlauf des Gigs mit dem ältesten und mittlerweile 22 Jahre alten Song „Moonshield“ des Sets, dem sofort das Insturmental „Jesters Dance“, das man seit Jahren nicht mehr live spielte und man ich vorab schon für etwaige Fehler entschuldigte, folgte. Die Band selbst war bestens gelaunt, und freute sich sichtlich über die intensive, dichte Atmosphäre in dem verhältnismäßig kleinen Club. Fridén meinte sogar, dass sie in Zukunft nur noch in Wien spielen. Für eine geniale Atmosphäre im Publikum ist die Szene sowieso bekannt. Weitere Hits, die lautstark mitgebrüllt wurden waren klarerweise der Überhit „Trigger“, das düstere „Where The Dead Ships Dwell“, das zum Hüpfen auffordernde "Only For The Weak", sowie „The Quiet Place“, das sowieso in keinem Set fehlen darf. Die Ballade „Here Until Forever“ kam aber auch ziemlich gut in dem fast zwei Stunden andauernden Set an. Beim flotten „System“ meinte der Sänger dann noch lachend: „This song was easier, when I was 30“. Den Abschluss machte der neue Dauerbrenner „The End“, der nochmals die extatischen Fans forderte, ehe sich IN FLA... äh JESTERHEAD verabschiedeten und neben Sticks und Picks sogar die halbe Deko ins Publikum warfen.


Setlist IN FLAMES:

Cloud Connected
All For Me
Take This Life
Drained
Before I Fall
Everything’s Gone
Trigger
Only For The Weak
Where The Dead Ships Dwell
Dead Alone
Darker Times
Paralyzed
Drifter
Moonshield
The Jester’s Dance
Save Me
Alias
Here Until Forever
The Truth
Deliver Us
Leeches
System
The Mirror’s Truth
The Quiet Place
The End

Die Zeit verging viel zu schnell und in den zwei Stunden hat man wirklich so ziemlich alles erlebt. Lautstarke Chöre, Witzeleien, eine Ballade, Klassiker aus den 90er und sogar einen kleinen Moshpit, der aus Platzgründen aber recht klein blieb. IN FLAMES sind und bleiben eine enorme Live-Macht, die sowohl im kleinen Club als auch auf einem Festival vor abertausenden einzigartigen Atmosphären erzeugen. Nach der mittelgroßen „In My Room Tour“ und dem folgenden Riesen-Gig mit 5FDP am nächsten Tag, muss ich zugeben, dass IN FLAMES mir in diesem einzigartigen, kleinen Rahmen dieses Jahr am besten gefielen. Und so freue ich mich auf die Festivals im nächsten Jahr


www.inflames.com

maxomer
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Beitrag vom 09.12.2017
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