INFERNO FESTIVAL 2018: OBITUARY   DARK FUNERAL   SHINING   NAGLFAR   ODIUM   ONE TAIL   ONE HEAD   UADA   DODECAHEDRON   ERIMHA  
29.03.2018 @ Rockefeller / John Dee, Oslo

Wenn die Osloer zu Ostern aufs Land zum Skifahren und ähnlichen Vergnügungen aufbrechen, wird in der Stadt genug Platz, um den einströmenden Metalfans aus der ganzen Welt Raum zu bieten, die es um diese Zeit in die norwegische Hauptstadt zieht, um am Inferno Festival mitreißende Bands zu genießen, und jede Menge Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen. Schon einige Zeit vor dem Beginn wurde das „Sold Out“ bekanntgegeben. Viele sind schon seit Jahren dabei, zudem fiel mir dieses Jahr auf, dass auch sehr viele Österreicher in den Hohen Norden gereist waren, und sich über dieses Festival begeistert zeigten. Heuer spielte auch der Wettergott mit, denn alle vier Tage waren von herrlichstem Sonnenschein gekrönt.

Das Festival besteht aus zwei Indoor-Locations: Das Rockefeller ist offenbar ein ehemaliges Theater, wie man an den Galerien erkennen konnte, und fasst gut 1000 Leute. Das John Dee ist deutlich kleiner – hier passen rund 400 Besucher hinein. Es wurden abwechselnd beide Locations bespielt, sodass man wirklich alle Bands sehen konnte. An den Bars bekam man auch gratis Wasser angeboten – falls einem das Bier um ca. 10 Euro für 0,4 Liter zu teuer war. Auf dem Dach des Rockefellers konnten die Raucher ganz gemütlich ihrem Laster frönen, allerdings musste man sich dieses Vergnügen mit dem Bewältigen vieler Stufen regelrecht verdienen. Dort wurde auch für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt, am Grillstand konnte man Burger und dergleichen erwerben.





Im Gegensatz zu den letzten Jahren gab es dieses Jahr keine Clubabende in diversen Osloer Musik-Clubs. Dafür gab es an jedem der vier Festival-Tage fünf Gigs im Rockefeller und vier Gigs im John Dee. Da die Auftritte erst am späten Nachmittag begannen, konnte man sich tagsüber die großartigen Museen zu Gemüte führen, die Stadt oder den Vigelandspark besichtigen, oder mit der U-Bahn auf den Holmenkollen fahren. Auch wenn ab Gründonnerstag fast alle Geschäfte geschlossen hatten, die Museen waren geöffnet und der öffentliche Verkehr funktionierte auch zu dieser Zeit.

Um 17:30 war es Zeit für die erste Band, und beim Betreten des Rockefellers bekam man wegen der Schneeeffekte am Backdrop ein leichtes Frösteln. Das verschwand jedoch beim Erklingen des langen, bombastischen Intros und den darauf folgenden, harten und rasanten Rhythmen sehr rasch. ODIUM agierten bleich bemalt auf der Bühne, und diese Optik unterstützte das akustische Erlebnis stark. Aber es wurde nicht nur drauf losgeknüppelt, sondern durch den Einsatz von gleich zwei Keyboards, wurden dem brutalen Black Metal viele melodische Elemente beigefügt. Auftritte von ODIUM sind trotz des langen Bestehens eine Rarität, und so war die Halle trotz der frühen Stunde bereits sehr gut gefüllt, und das Publikum brachte seine Begeisterung über diesen Gig der Norweger mit jeder Menge Applaus zum Ausdruck.

Setlist ODIUM:

Towards The Forest Horizon
The Sad Realm Of The Stars
The Brightness Of The Weeping Kingdom


Im Gegensatz zum Opener im Rockefeller hatte die erste Band im John Dee eine sehr weite Anreise zu bewältigen. ERIMHA stammen aus Kanada und spielen seit 2010 Melodic Black/Death Metal. Man hielt sich nicht erst lange mit einem Intro vom Band auf, sondern nach einigen Soloriffs ging es gleich in die Vollen. Da es sich bei ERIMHA nur um ein Trio handelte, kamen viele melodische Klangeffekte als Ergänzung zu den heftigen Live-Rhythmen vom Band, was jedoch absolut nicht störend wirkte. Vocalist Gore ließ passend dazu tief schreiende Lyrics vom Stapel. Das John Dee war beim Gig der Kanadier sehr voll, und die Leute gingen von Anfang an gut mit. Damit lohnte sich für ERIMHA der Sprung über den großen Teich auf jeden Fall, und es wurde sicher auch der eine oder andere neue Fan gewonnen.

Die Schweden NAGLFAR stehen seit einem Vierteljahrhundert für sehr brutalen und rasanten Melodic Black Metal, und genau den gab es nach dem Verklingen des opulenten Intros auf die Ohren. Die Musiker traten zwar mit Corpsepaint auf, verzichteten jedoch auf typische Nagelmanschetten. Aber dafür war das musikalische Tempo teilweise extrem hoch, und nur wenige melodische Einlagen minderten den heftigen Gig, dem die ausgedehnten Schreie und Growls von Kristoffer W. Olivius die Krone aufsetzten. Mittlerweile war es auch sehr voll im Rockefeller, und nicht nur der untere Zuschauerraum sondern auch die Balkone waren prall gefüllt, während NAGLFAR ein gut durchgemischtes Set aus ihrem langjährigen Bestehen zum Besten gaben, was auch mit viel Beifall bedacht wurde.

Im John Dee waren in der Zwischenzeit DODECAHEDRON eifrig dabei, alles für ihren Auftritt vorzubereiten. Die niederländischen Avantgarde Black Metaler widmen sich dieser Musik seit 2011, und bei einem mystischen Intro aus Sturmgeheul kamen die Musiker nach und nach auf die Bühne und präsentierten zu Beginn einen sehr intensiven Instrumentaltitel. Danach stürmte Sänger W. Van der Voort auf die Bühne und ließ zu den relativ gemäßigten, aber sehr kraftvollen Klängen gepresste Growls verlauten. Er wirbelte wie ein Wilder über die Bühne, und während des Singens verrenkte er sich in alle möglichen Richtungen. Auch wenn es zum Beginn des Gigs von DODECAHEDRON noch relativ leer war, so füllte sich das John Dee stetig, und immer mehr ließen sich von der Musik faszinieren und geizten auch nicht mit Applaus, sodass sich das John Dee nach und nach in einen Hexenkessel verwandelte.

Ein solcher war auch für den nächsten Gig auf der Rockefeller-Stage zu erwarten. Hier stand SHINING auf dem Programm, und wer die Band kennt der weiß, dass Vocalist Niklas Kvarforth auf der Bühne schlichtweg zu allem fähig ist. Die Schweden sprangen relativ kurzfristig für KATATONIA ein, aber nachdem es mit „X - Varg Utan Flock“ auch ein neues Album zu promoten gab, war das Inferno Festival dazu die beste Gelegenheit. Das Intro bestand aus sanfter Musik mit Frauengesang, aber danach war es mit der Friedlichkeit vorbei, und zu knallharten Rhythmen fetzte Niklas mit irrem Blick von einem Eck ins andere, hielt den Fotografen das Objektiv zu und lieferte auch sonst genau die Show ab, die die Leute von ihm erwarteten. Die Reihen vor der Bühne waren dicht gedrängt, und das Publikum ging für norwegische Verhältnisse voll ab, sodass nur ein bisschen Abstand zu den Hardcore-Fans das Überleben sicherte. SHINING erfüllten jedenfalls alle Erwartungen, und nachdem es vermutlich durch das neue Album auch eine Tour geben wird, brauchen sich die Schweden sicher keine Sorgen um mangelnde Besucherzahlen machen.

Setlist SHINING:

Han Som Lurar Inom
Ohm (Sommar Med Siv) (SEIGMEN Cover)
Framtidsutsikter
Jag Är Din Fiende
Låt Oss Ta Allt Från Varandra
Hail Darkness Hail


Die Erwartungen waren auch an die nächste Band im John Dee sehr hoch, und wer UADA bereits kannte wusste, dass die auch sicher erfüllt würden. Ich hatte die Truppe letztes Jahr in Graz erlebt, und da wussten die US-Amerikaner vollauf zu begeistern, und auch zum Inferno Festival war wohl der Ruf der Amerikaner bereits durchgedrungen, und schon lange vor Beginn drängten sich die Leute vor der Absperrung. Bei einem epischen Intro aus Naturgeräuschen und Wolfsgeheul betraten UADA in Lederjacken gehüllt und die Gesichter unter überdimensionalen Kapuzen versteckt, die Bühne und wussten von den ersten Klängen an voll zu überzeugen. Der druckvolle Mix aus Brutalität und Melodien, gepaart mit intensiven Screams faszinierte alle Anwesenden, und die Leute lauschten gebannt um am Ende der jeweiligen Tracks in Begeisterungsstürme auszubrechen. Es hätte noch viele gegeben, die gerne dabei gewesen wären, aber der Zugang zum John Dee war bald einmal gesperrt, und es durften nur so viele hinein wie heraus kamen. Das waren jedoch wenige und so entging leider vielen dieser eindrucksvolle Gig.

DARK FUNERAL begeisterten seit jeher mit Fan-Nähe und einer gelungenen Show, und auch beim Inferno Festival standen die Schweden den Fans für Autogramme und Fotos zur Verfügung. Der gewaltige Bühnenaufbau mit riesigen umgedrehten Kreuzen und allerlei anderer düsterer Deko verhieß bereits ein gewaltiges Showerlebnis, und das begann mit einem bombastischen Intro, bei dem DARK FUNERAL in einer Art Lederrüstungen und düsterem Corpsepaint auf der Bühne erschienen. Es wurde ein gut durchgemischtes Set anlässlich des 25jährigen Bandjubiläums dargeboten und mit allerlei Soundeffekten, wie auch Glockenklängen, eine besonders düstere Atmosphäre erzeugt, die bis zum Ende nicht abriss. DARK FUNERAL waren mit diesem Gig eines der Highlights des Festivals, und viele hätten der Band wohl noch stundenlang zuhören können. Aber vielleicht gibt es ja noch weitere Jubiläumsshows, bei denen man die Schweden dann in Überlänge genießen kann.

Setlist DARK FUNERAL:

Unchain My Soul
The Arrival Of Satan’s Empire
Vobiscum Satanas
As I Ascend
The Secrets Of The Black Arts
As One We Shall Conquer
Open The Gates
Hail Murder
My Funeral
-
Nail Them To The Cross
Atrum Regina
Where Shadows Forever Reign


Letzte Band an diesem Tag im John Dee waren ONE TAIL, ONE HEAD. Diese norwegische Band schuf sich in letzter Zeit einen ziemlich dubiosen Ruf, besonders was den Sänger Luctus betrifft, der ja gerne einmal seine Aggressionen an den Fotografen auslässt. Trotzdem begaben sich einige Wagemutige in den Mini-Fotograben vor der niedrigen Bühne. Der Gig begann erst mit einem rockigen, dann mit einem gesprochenen Intro, bei dem so nach und nach die Musiker erschienen. Zuletzt erschien Luctus und er hatte seine Haare offenbar in Kunstblut oder ähnliches getaucht, was er dann bangenderweise auf die Fotografen verteilte. Auch sonst verhielt er sich wie ein rasender Irrer und man wusste nie, womit man als nächstes rechnen sollte. Musikalisch stand rasanter Black Metal auf dem Programm, der jedoch fast ein bisschen durch die aggressive „Show“ des Sängers unterging. Diese gereizte Stimmung übertrug sich auch auf das Publikum, das heftiger und brutaler abging als bei den anderen Bands. Deshalb ergriff ich auch bald einmal die Flucht Richtung Ausgang, wo bereits viele warteten, um doch noch was von ONE TAIL, ONE HEAD mitzubekommen.

Vergleichsweise friedlich ging es im Rockefeller zu, wo OBITURARY den Abend beenden sollten. Trotz der späten Stunde waren noch viele Old-School Death Metal Fans unterwegs, um den Urgesteinen zu lauschen. Der Gig begann mit einem Song vom Band, auf den folgte dann live gespielt der Instrumentaltrack "Redneck Stomp" vom Comeback-Album, und dann kam Sänger John Tardy hervor und stieß kraftvolle Growls ins Mikro, während er von einem Ende der Bühne zum anderen lief. Wer dachte, dass es die Altherrentruppe mittlerweile etwas gemütlicher angeht, wurde schnell eines Besseren belehrt. Die Kerle strotzten vor Energie und präsentierten perfekte Beherrschung ihrer Instrumente. Es wurde ein gut gemixtes Set aus älteren Titeln und auch neuen vom aktuellen Album „Obituary“ gespielt, und alles wurde begeistert aufgenommen. Damit waren OBITUARY an diesem Abend die perfekten Rausschmeißer, da sich die Zuschauer noch einmal völlig verausgabten, bevor sie Richtung Bett oder Nachtleben trabten.

Setlist OBITUARY:

Redneck Stomp
Sentence Day
Visions In My Head
Chopped In Half / Turned Inside Out
Find The Arise
A Lesson In Vengeance
Brave
Dying
No
’Til Death
Don’t Care
----
Turned To Stone
Straight To Hell
Slowly We Rot


Weblinks:
www.facebook.com/ObituaryBand
www.facebook.com/onetailonehead
www.facebook.com/darkfuneral
www.facebook.com/OfficialUADA
www.facebook.com/shiningofficial
www.facebook.com/ddchdrn
www.facebook.com/naglfarofficial
www.facebook.com/Erimha
www.facebook.com/odiumrealm

www.infernofestival.net

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Beitrag vom 26.04.2018
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