TUSKA 2018: BODY COUNT   MESHUGGAH   ARCH ENEMY   LEPROUS   DEAD CROSS   TURMION KÄTILÖT   CROWBAR   BAEST  
29.06.2018 @ Suvilahti, Helsinki

Alle Jahre wieder zieht eine Earshot.at-Delegation in den Hohen Norden nach Helsinki zum Tuska Festival. Geboten wurde dieses Mal neben drei Bühnen und den üblichen Bar-/Bierareas sowie Fressständen (u.a. mit Rentierfleisch-Burgern) auch dieses Jahr wieder ein eigenes Sauna-Zelt, das man kostenlos jederzeit nutzen konnte und auch gut in Anspruch genommen wurde, aber auch einige Neuerungen und Extras schlichen sich aufs Gelände. So gab es neben Vorträgen im Solmusali auch ein Kino und um etwas lärmgeschützter und sogar á la Carte speisen zu können, ein sogenanntes Black Dining Restaurant. Aber gut, irgendwie sind drei Tage doch ziemlich kurz um alles durchzuprobieren und so konzentrierten wir uns erst mal auf das wichtigste bei einem Festival: die Bands.
[Catrine]





Und schon der Festival-Opener hatte es gewaltig in sich. Im schicken lila Zelt, bei dem böse Zungen behaupten es wäre vom Summer Breeze geklaut, wo ja die Tent-Stage nun zur Open Air T-Stage wurde, ballerten bei unserer Ankunft bereits BAEST aus allen Rohren. Wie man dieses Biest ausspricht, und was die Schreibweise zu bedeuten hat, weiß ich nicht, ist mir bei dem brachialen Sound der Dänen aber auch herzlich egal, denn der war alles was zählte. Leider noch etwas schwammig, aber nicht ineffektiv hauten die Dänen Death Metal Brocken, inspiriert vom schwedischen Old-School Sound, aber definitiv mit eigenem Charme versehen, auf die zahlreichen Zuschauer im vorm Regen schützenden Zelt raus. Die Band selbst gab sich gut gelaunt, zog ständig Grimassen und animierte die Fans zum Moshen und Abgehen. Da im August auch das Debüt „Danse Macabre“ ansteht und man davon auch schon einiges bot, zeigte sich das Tuska als perfekte Feuerprobe für den Erstling der Truppe, die auch MORBID ANGEL´eske Züge mitbringt und das Festival mühelos auf erste Betriebstemperaturen brachte, was an diesem Tag bei den kühlen und regnerischen Witterungen auf jeden Fall nötig war. BAEST blieben uns bestens in Erinnerung, denn wenn eine Band auch ohne Album bereits einen Slot auf einer der Hauptbühnen im Ausland ergattern kann, dann heißt das schon was.
[maxomer]

Dann gings zum ersten Mal in Richtung Hauptbühne, auf der zu dieser frühen Stunde dann sogleich die altbekannten Amis von CROWBAR zugange waren. Das letzte Album 2016 veröffentlicht, fanden es aber dann doch eher ältere Tracks in die Setlist und obwohl sie musikalisch solide wie immer agierten, schafften sie es leider nicht wirklich, das doch schon sehr zahlreiche Publikum vor der Bühne mitzureißen. Ohne Umschweife gabs einen zähen Brocken nach dem nächsten, kurz wurde die Freude von Kirk über das Spielen auf der selben Bühne wie BODY COUNT bekundet und nach 50 Minuten schmiss man Sticks und Pics in die Menge und verließ diejenige. Schön, dass ich es geschafft habe, diese Institution auch mal live erlebt zu haben, aber für diese frühe Spielzeit war mit das vorgetragene Material dann doch etwas zu zäh.
[Catrine]





Setlist CROWBAR:

Conquering
...And Suffer As One
All I Had (I Gave)
To Build A Mountain
The Cemetery Angels
Walk With Knowledge Wisely
To Carry The Load
I Am The Storm
Planets Collide
Like Broken Glass


Danach gabs für uns die erste Pause und wir verzogen uns in einen der abgetrennten Bierbereiche, die nur ab 18 Jahren zugänglich waren. Dort gönnten wir uns dann ein Bierchen zum Schnäppchenpreis für 7,50 € der halbe Liter und nutzten schon mal die Bänke, die überall aufgestellt waren. So lässt es sich aushalten! Die Temperaturen hielten sich an diesem Tag leider ziemlich im unteren Bereich, also war es dann doch wieder ganz gut, als wir wieder in Bewegung kamen und uns zur nächsten Band aufmachten wo es bereits rappelvoll vor der Hauptbühne war.

Es standen nämlich lokale Helden am Programm: TURMION KÄTILÖT - die Hebammen des Verderbens - oder wie wir sie aus mangelnden Finnisch-Kenntnissen und zwecks Einfachheit als Eselbrücke umtauften: Turmöl Kitekat. Schon lange habe ich von diesen schrägen Elektronik Crossovern gehört, lieferten sie ja früher Horror-Clubshows, wo verschiedenste Körperteile mit Nadeln durchbohrt wurden und noch vieles mehr passierte. Und nachdem ein herzschlagartiges Intro verklang und die beiden Fronter MC Raaka Pee sowie Spellgoth auf die Bühne stürmten, merkte man sofort, dass ein Groß der Festivalbesucher sehr gut vertraut ist mit dem Kommenden und so stieg sofort die Stimmung. Energiegeladen gingen die Industrial Tracks gespickt mit Samples auf die Menge los, Feuersäulen heizten der Menge ein und MC Raaka Pee und Spellgoth lieferten sich ein Schreiduell nach dem anderen, wobei auch keine Minute der Humor auf der Strecke blieb. Grimassen wurden geschnitten, Tänzchen aufgeführt (die mit der sehr offenherzigen Beinbekleidung des Fronters nicht so ungefährlich waren) und ziemlich viele Witze (leider in Finnisch) gerissen. Das Ganze artete direkt in eine große Party aus und die Stunde Spielzeit war eindeutig viel zu früh vorüber!
[Catrine]





Setlist TURMION KÄTILÖT:

Verta Ja Lihaa
Minä Määrään
Mistä Veri Pakenee
Grand Ball
Kyynelten Tanssi
Hades
Pirun Nyrkki
Jalopiina
Pyhä Maa
Teurastaja
Suolainen Kapteeni
Sikiö
Lataa Ja Varmista


Danach war es auf der Hauptbühne wieder soweit, mit Mike Patton (FAITH NO MORE) sowie Dave Lombardo (SLAYER) betrat alterwürdige Ami-Musikprominenz in Form der Truppe DEAD CROSS die Radio Rock Main Stage. Erst ein Album und eine Tour letztes Jahr hat die Hardcore-Punk Band bisher auf dem Buckel und die bekannten Namen lockten doch einiges Publikum vor die Stage. Fronter Mike Patton bezeichnet ihren Sound gerne als brutal, kompromisslos und auf den Punkt - und das kann ich voll unterschreiben bzw. würde vielleicht noch das Attribut "sperrig" hinzufügen. Denn trotz bestem Sound und Stimm-Akrobatik von Patton, sprang der Funke nicht so richtig auf die wartende Menge über. Mike quittierte dies auch mit Sprüchen wie "Hey, just one more song, then it´s over" oder "We are too looking forward to see BODY COUNT...". Die Musiker sind Profis und versteht mich nicht falsch, das Gebotene war erste Sahne, vor allem was Patton hier vom Stapel ließ, denn der verwendete seine Stimme vollkommen als Instrument und unterlegte diese auch mit diversen Effekten. Aber vielleicht wäre diese wütende Melange aus HC und Punk trotzdem atmosphärisch stimmiger bei einem Hallenkonzert aufgehoben.

Und schon war es Zeit für das nächste Tages-Highlight, die norwegischen Progressive Stars LEPROUS formierten sich im Zelt, flankiert von ihren typischen Visuals auf den Leinwänden links und rechts von der Bühne. Und zum ersten Mal an diesem Tag wurde es so richtig eng vor der Zeltbühne und bereits vom ersten Track an entstand eine so dichte Atmosphäre, dass man bald schon Zuschauer mit geschlossenen Augen lauschend beobachten konnte. Einar Solberg und seine Musikergefährten bewiesen eindrucksvoll, dass die verspielten, progressiven Songs vom aktuellen Album "Malina" auch live perfekt funktionieren und spielten sich vorrangig durch dieses Werk und schwenkten nur kurz zu den drei Vorgängern, während das Debüt komplett ausgelassen wurde. Nicht selten stellte sich Gänsehautfeeling ein, wenn Einar sein eindringliches Organ erklingen ließ und einen die dichte Gitarren- sowie Keyboard-Soundwand fast zu erschlagen schien. Mein Tip: Am 16.09. spielen LEPROUS mit AGENT FRESCO im Rockhouse, Salzburg. Und dort mit längerer Spielzeit und noch mehr Visuals, sowie auch hoffentlich noch viel mehr Tracks von den Vorgängeralben.
[Catrine]





Setlist LEPROUS:

Bonneville
Stuck
From The Flame
Foe
Acquired Taste
Illuminate
The Flood
The Weight Of Disaster
The Price
Mirage


Als nächsten stand auf der Main Stage niemand geringeres als das schwedische Schwerkaliber ARCH ENEMY an. In den letzten Jahren kam man an der Truppe beim besten Willen nicht vorbei. Kaum ein Festival ließ sich die Mannschaft, die gerade ihren gefühlt dritten Frühling erlebt, entgehen. Und so durften die Herren und Dame auch im Nachbarland einen ersten Headliner mimen. Wer ARCH ENEMY in den letzten Jahren gesehen hat, weiß was einen erwartet, nämlich ein energiegeladenes Hitfeuerwerk. Auch wenn es an diesem Tag eher düster und nass war, so hat das Tuska Festival gut und gerne das Problem, dass die Headliner, die oftmals für opulente Bühnen- und Lichtshows bekannt sind, bei Tageslicht oder sogar in der prallen Sonne agieren müssen, da es in Helsinki im Hochsommer nie so richtig dunkel wird und man das Fest mitten in der Stadt schon relativ bald beenden muss. Alissa White-Gluz und der Rest der Meute ließ sich davon ebenso wenig wie die zahlreichen Fans – 12.000 an der Zahl sollten es an diesem Freitag sein – beirren und ballerten ihre Kracher der Marke „The World Is Yours“, „You Will Know My Name“ oder „As The Pages“ von den letzten beiden Werken ab. Ich selbst bin nicht der größte Fan des aktuellen Outputs und freute mich natürlich eher über Klassiker wie „We Will Rise“ oder „Nemesis“, die das Set souverän abschlossen, nicht aber bevor sich Michael Amott und Jeff Loomis gewaltige Riffs und Soli an den Kopf warfen, Sharlee D´Angelo über die Bühne fegte und dabei Grimassen zog und natürlich Alissa alle Register zog mit ihrer physischen und stimmlichen Performance. Dabei wurde natürlich auch die Flagge bei „We Will Rise“ geschwenkt und auch sonst auf keines der typischen optischen Gimmicks verzichtet. ARCH ENEMY sind und bleiben live eine Bank, so auch auf dem Tuska Festival.
[maxomer]





Setlist ARCH ENEMY:

(Set Flame To The Night)
The World Is Yours
War Eternal
My Apocalypse
The Race
You Will Know My Name
Ravenous
The Eagle Flies Alone
First Day In Hell
As The Pages Burn
We Will Rise
Nemesis
(Enter The Machine)


Sowohl stilistisch abwechslungsreich und auch weltoffen war das Tuska sowieso immer schon und so erfreute man sich bereits am Freitag über eine ausgewogene Mischung, die nun mit den Schweden-Extrem Metallern MESSHUGAH weitergeführt wurde. Der abgefahrene Tech-Thrash/Djent Mix ballerte nun bei bestem Sound aus den Boxen unter dem Zelt der Radio-Rock Stage, die zu diesem Zeitpunkt namenstechnisch nicht weiter von der Realität hätte entfernt sein können. Die Nordmänner gaben dabei Vollstoff und feuerten eine Riff-Salve nach der anderen ab, während Drummer Tomas Haake technisch einwandfrei wie ein Berserker für heftige Beats sorgte. Frontmann Jens Kidman legte sich ebenfalls voll ins Zeug und brüllte sich bei chirurgisch genau inszenierten Brechern wie „Clockworks“, „Violent Sleep Of Reason“ oder „Demiurge“ die Seele aus dem Leib. Auch hier entstanden bald Mosh- und Circlepits, sowie rundum zufriedene und zum Ende halbwegs ausgelaugte Teilnehmer. MESHUGGAH sind schon ein ganz spezielles Erlebnis und das bewiesen die Schweden mit Nachdruck an diesem noch frühen Abend in Finnland einmal mehr.
[maxomer]





Setlist MESHUGGAH:

Clockworks
Pravus
Violent Sleep Of Reason
The Hurt That Finds You First
Rational Gaze
Lethargica
Bleed
Straws Pulled At Random
Demiurge


Das Tuska wagte dieses Jahr schon einen eigenwilligen und mutigen Mix an Headlinern, und so durfte die Rap-Thrash Truppe BODY COUNT rund um Ice-T den ersten Festival-Tag beenden. Doch die Fans waren zahlreich erschienen und die Spannung groß, dementsprechend war der Jubel enorm, als Ice-T gemütlich und entspannt auf die Bühne stapfte. Kurz darauf brach aber schon die Hölle los, denn anstatt mit einem eigenen Klassiker aufzugeigen, hauten die Amis mal eben wüst ein „Raining Blood“ Cover raus. Da standen schon einige Münder sperrangelweit offen, da T kein Problem hatte, den Araya zu mimen und auch die restliche Truppe eine Mords Freude an der Nummer hatte. Man merkte schon jetzt in mehrerlei Hinsicht, dass man es nicht mit einer klassischen Metal-Combo zu tun hatte. Neben den quirligen Gitarristen und Bassisten, hüpfte noch jemand an den Backing-Vocals und Samples über die Bühne und der sogenannte Hype Man, der wie sollte es anders sein, in erster Linie die Zuschauer animieren sollte, fegte auch über die Stage. Später erklärte der Fronter, dass es sich bei dem agilen, jungen Mann um niemand geringeres als seinen Sohnemann Little T handle, der hier kräftig mitbrüllte. Nach dem SLAYER Klassiker waren die Amis aber noch nicht fertig mit der Thrash Legende und spielten noch „Postmortem“ an, wo aber plötzlich Ill Will seinen Platz am Drumkit räumte und ehe man sich versah, dort Dave Lombardo Platz nahm und wie ein wütendes Tier in die Felle drosch. Schon jetzt war die Stimmung großartig und der eine oder andere schon fertig mit der (Musik)Welt – und das wohlgemerkt nach knapp 5 Minuten.






Was für ein Einstand. Zwar konnte man diese Intensität leider nicht über die vollen 90 Minuten halten, doch der Stimmungspegel war stets sehr hoch. Und gerade gegen Ende gab es mit Highlights wie dem kontroversen „Cop Killer“, „Talk Shit“, einem SUICIDAL TENDENCIES Cover oder den Zugaben „KKK Bitch“ oder dem finalen „This Is The Day We Ride“ noch mal gewaltige Peaks. Man kann über Rap im Metal sagen was man will, ob man das nun mag oder nicht, was BODY COUNT hier ablieferten, ließ definitiv keinen unberührt. Fett, saucool und als Headliner absolut würdig zeigte sich die Herren hier an diesem ersten Festival-Tag und entließen gegen Mitternacht die Festivalbesucher.
[maxomer]





Setlist BODY COUNT:

Raining Blood / Postmortem (SLAYER)
Bowels Of Rhe Devil
Manslaughter
No Lives Matter
Body Count
Necessary Evil
Drive By
Voodoo
There Goes The Neighborhood
Drum Solo
Black Hoodie
Talk Shit, Get Shot
Cop Killer
-
Institutionalized (SUICIDAL TENDENCIES)
KKK Bitch
Born Dead
This Is Why We Ride


Und so ging schon mal der erste Tuska Tag zu Ende und die Leute schwärmten aus in die kühle und helle Sommernacht um den Abend entweder eines der vielen Rahmenkonzerte zum Beispiel im Tavastia Club oder Virgin Oil zu besuchen, oder einfach in der Innenstadt den Abend ausklingen zu lassen - Helsinki schläft sowieso nicht während die Mitternachtssonne scheint!


FOTOS + E-CARDS
www.tuska.fi/en

Catrine
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Beitrag vom 10.07.2018
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