TUSKA 2018: GOJIRA   AT THE GATES   BOMBUS   KREATOR   HALLATAR   EMPEROR   RED DEATH   THE 69 EYES   BEAST IN BLACK  
30.06.2018 @ Suvilahti, Helsinki

Unser erster Weg am zweiten, und zunächst sogar etwas sonnigen Tag am Tuska, führte uns am Nachmittag zur Hauptstage, wo schon eifrig aufgebaut wurde. Dort durften nun nämlich die Finnen BEAST IN BLACK ihr Tuska-Debüt feiern. Die Truppe wurde 2015 vom ehemaligen BATTLE BEAST Anführer Anton Kabanen ins Leben gerufen und veröffentlichte im vergangenen Jahr das starke Debüt „Berserker“, das auch live eine volle Wucht darstellte. Und wie schon zu erwarten war vom ehemaligen BATTLE BEAST Mastermind, ging auch hier sofort die Post ab und so entfesselte man sofort einen schier endlosen Strom an Energie. Anton und seine Kollegen gaben Vollgas, grinsten, posten, zogen Grimassen ohne Ende und feuerten einen Hit nach dem anderen ab. Natürlich stammte alles vom Debüt, doch für Abwechslung war auf jeden Fall gesorgt, was vor allem auch am stimmgewaltigen Fronter aus Griechenland lag. Yannis Papadopoulos war nicht minder schlecht gelaunt, war zwar zunächst etwas zu laut in den Sound gemixt, aber überzeugte vor allem in den aggressiveren Parts, die richtig harschen Vocals übernahm aber Anton. „Beast In Black“ begeisterte das zahlreiche Publikum sofort, für richtig Aufsehen sorgte man aber mit dem wirklich verrückten „Crazy, Mad, Insane“, bei dem Gitarrist Kasperi und Basser Mate mit Mario und Luigi Maske auf die Bühne stapften. Yannis war sichtlich begeistert und ließ die Jungs noch ein Super Mario Riff rausjagen ehe es im Programm weiter ging. Mit der Single „Blind & Frozen“ gab man nochmal alles und „End Of The World“ beendete das Set lautstark, ehe sich die Truppe bei tosendem Applaus und Zugabe-Rufen verabschiedete.
[maxomer]





Setlist BEAST IN BLACK:

Beast In Black
Eternal Fire
Blood Of A Lion
Go To Hell
The Fifth Angel
Born Angel
Crazy, Mad, Insane
Blind And Frozen
End Of The World


Einen fliegenden Wechsel vollzogen wir dann direkt von der Main Stage wieder ins Zelt, wo pünktlich (wie so ziemlich jede Band auf diesem Festival) die Lokalmatadore THE 69 EYES die Bretter bestiegen. Souverän und cool wie immer agierten die Goth Rocker auf der Bühne und starteten gleich schwungvoll mit "Devils" ins knackige Set. Da sie mittlerweile doch schon einige Veröffentlichungen ihr Eigen nennen können und ebenso viele Hits vorhanden sind, gabs in den knapp 50 Minuten sämtliche Kracher wie "Never Say Die", "Gothic Girl" und sogar "Wasting The Dawn" und dazu wurden fast choreographieartig zwischen Gitarrenfraktion und Fronter Jyrkie 69 immer wieder Stellungswechsel auf der Bühne vollzogen, was ihre 30jährige Erfahrung doch ziemlich deutlich machte. Und als man als letzten Song noch "Lost Boys" anstimmte, war wohl jedes Fanherz bedient.
[Catrine]





Danach stand für uns ein besonderer Termin auf dem Plan. Als Schmankerl für die Journalisten gabs eine Führung zu sämtlichen wichtigen Punkten des Festivals. Zuerst bestiegen wir von rückwärts die Mainstage, auf der bereits die Finnen Thrasher MOKOMA agierten und durften vom Bühnenrand einen beeindruckenden Blick auf die riesige Stage und noch beeindruckender auf 13 000 Metalfans vor der Bühne werfen! Das Verlangen einen Lifemoment zu riskieren und die Bühne zu entern war irrsinnig groß, aber wir konnten uns noch gerade so im Zaum halten, da wir ja doch nächstes Jahr gerne wieder eingeladen werden möchten... Weiters gings noch auf ein Pläuschchen mit den zwei überaus liebenswerten Saunawärtern, die uns davon überzeugen wollten, dass es absolut okay ist für Finnen, auch in der Sauna von ihnen Fotos zu machen, was wir aber dann dankend ablehnten. Ansonsten wurde uns noch einmal das Konzept des Black Dinings und des Kinos vorgestellt, aber am absolut sympathischsten - es gab dann ein Freibier im Backstage-Bereich, das wir uns dann mit den Kollegen schmecken ließen!
[Catrine]


Um wenigstens das Gefühl zu haben, dass es bald Abend wird, ging es danach hinein in die dunkle Halle, wo die amerikanische Crossover Band RED DEATH bereits in den Startlöchern stand. Schwere Klänge gepaart mit Thrash Metal Einflüssen verleiteten einen auch gleich zum Mitbangen. Der rohe und gradlinige Sound und die rotzige Stimme des Sängers wirkten hypnotisierend und mitreißend. Vielleicht lag es aber auch am finnischen Bier und der plötzlichen Dunkelheit, die einen in diese Stimmung versetzten. RED DEATH bewegten zwar keine Menschenmassen, aber gefeiert, gepogt und gemoshed wurde auch hier. Es lohnt sich definitiv somit auch einmal in ihr Album „Formidable Darkness“ reinzuhören, das Ende letzten Jahres erschienen ist.
[Veronica de Groot]


Nun war es an der Zeit für die Legende EMPEROR, die das Tuska mit einem ihrer raren Auftritte zum Jubiläum ihres Albums "Anthems To The Welkin At Dusk" segneten und diesem widmeten sich die norwegischen Black Metaller vorrangig. Eindringlich und überzeugend startete man bereits mit mit "Alsvartr" als Intro und nach Betreten der Bühne mit "Ye Entrancemperium" ins Set und zeigte hier bereits schon deutlich, dass dies ein fesselnder Auftritt werden sollte. Das Publikum ging ab diesem Zeitpunkt schon durch die Decke und Fronter Ihsahn (der am nächsten Tag noch mit seinem Soloprojekt am Programm stand) krächzte und sang sich souverän durchs Set und beschwor mit seinen Musikern eine beeindruckende und alles niederwalzende Atmosphäre. Üblicherweise sind Alben nicht dahingehend konzipiert, an einem Stück live gespielt zu werden, aber wie Ihsahn später in einem Interview erzählte, waren sie damals weit noch nicht auf dem technischen Niveau, auf dem sie heute ihre Instrumente beherrschen und so war es ein Leichtes für die Truppe, "Anthems To The Welkin At Dusk" durchgehend zu performen und es folgte ein Gänsehaut-Moment nach dem anderen und man brachte man ein großartiges Stück Black Metal Geschichte auf die Bühne. Man toppte dies dann noch mit "Curse You All Men!" vom "IX Equilibrium" Album sowie den Übersongs "I Am The Black Wizards" und "Inno A Satana" vom 1994er Debüt. EMPEROR bewiesen somit eindrucksvoll, dass Black Metal nicht unbedingt im Sonnenlicht seine Wirkung verlieren muss.





Setlist EMPEROR:

Alsvartr (The Oath)
Ye Entrancemperium
Thus Spake The Nightspirit
Ensorcelled By Khaos
The Loss And Curse Of Reverence
The Acclamation Of Bonds
With Strength I Burn
The Wanderer
Curse You All Men!
I Am The Black Wizards
Inno A Satana


Nach einer kurzen Verschnaufpause unsererseits stand fetter Thrash Metal der deutschen Urgesteine KREATOR auf der Mainstage am Programm. Zum Auftakt der Show bliesen einem KREATOR „Phantom Antichrist“ vom gleichnamigen Album um die Ohren und die Menge war sofort begeistert und begann im Takt zu bangen. Das Bühnenbild glich einem Altar des Thrash. In den gotischen Kirchenfenstern befanden sich Videoscreens, welche die Show visuell unterstützten. In der Mitte der Bühne lag ein umgekipptes Kreuz vor dem Schlagzeug und alles wurde von der Fratze des aktuellen Albums „Gods Of Violence“ überragt.

Ging es beim nächsten Song „Hail To The Hordes“ vom neuen Album noch eher sanfter zu, wurde es spätestens bei „Flag Of Hate“ richtig brutal. Mille heizte zu Beginn der Menge zusätzlich noch ordentlich mit dem Schwenken einer Fahne ein. In der Mitte der Menge hatte sich schon längst ein großer Kreis gebildet und zum Start des Songs strömte die wilde Horde aufeinander zu und vereinte sich zu einem fetten Moshpit. Nach einer guten Mischung aus Songs vom neuen Album und älteren Tracks gab es dann als Zugabe die altbewährten Lieder „Violent Revolution“ und „Pleasure To Kill“ inklusive Konfettiregen, der sich ziemlich schnell über das gesamte Areal verbreitete.
[Veronica de Groot]

Setlist KREATOR:

Mars Mantra (Intro)
Phantom Antichrist
Hail To The Hordes
Enemy Of God (with Army Of Storms Intro)
Satan Is Real
Civilization Collapse
People Of The Lie
Flag Of Hate
Phobia
Gods Of Violence
Total Death
From Flood Into Fire
Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite)
Fallen Brother
-
Violent Revolution
Pleasure To Kill


Im Schutze des Zeltes wurde in der Zwischenzeit die Stage für die nächste Supergroup vorbereitet. Die Doom-Partie HALLATAR wurde erst letztes Jahr von Juha Raivio (SWALLOW THE SUN) in Gedenken an seine Anfang 2017 verstorbene Lebensgefährtin Aleah Starbridge gegründet und ohne groß zu Suchen hatte er angeblich sofort seine Freunde Tomi Joutsen (AMORPHIS) für die Vocals und Gas Lipstick (Ex-HIM) an den Drums an seiner Seite. Düster und mit Kerzen präsentierte sich die Bühne passend zu den melancholischen Songs. Tomi zeigte sich vocaltechnisch schwermütig wie herzzerreißend und verschiedene melodischere Parts wurden immer wieder von einer zarten Sängerin übernommen, wobei ich aber leider nicht feststellen konnte, ob es sich dabei um Heike Langhans (DRACONIAN) handelte, die bereits auf dem 2017er Debüt ihren Beitrag leistete. Ergänzt wurden die Vocals von zähen Riffs und weichen Keyboardklängen, die harmonisch ineinander griffen und einen teilweise verträumt bedrohlichen Soundteppich erzeugten. Es wurde kein Song vom letzten Jahr erschienenen Werk "No Stars Upon The Bridge", basierend auf Gedichten von Aleah Starbridge, ausgelassen und als Encore gab es mit "Broken Mirror" sowie "Gallows Bird" noch TREES OF ETERNITY-Nummern (Kollaboration von Juha & Aleah zu ihren Lebzeiten) zu hören.
[Catrine]





Setlist HALLATAR:

Mirrors
Raven´s Song
Melt
My Mistake
Pieces
Severed Eyes
The Maze
Spiral Gate
Dreams Burn Down
-
Broken Mirror (TREES OF ETERNITY)
Gallows Bird (TREES OF ETERNITY)


Leider fanden wir dieses Jahr nicht ganz so oft den Weg zur Inferno Stage in der Halle, doch BOMBUS waren ein Pflicht-Termin, rockten die Herren doch schon unter anderem den Linzer Posthof gewaltig und begeisterten mit ihren beiden Werken "The Poet And The Parrot" und "Repeat Until Death" gewaltig. Und der Bandname war auch an diesem Tag Programm, denn die Schweden haben immer noch gewaltig Hummeln im Arsch, denn schon nach ein paar Sekunden war auf der Bühne die Hölle los; mehr denn je, denn nun haben die Herren nun auch noch einen dritten versierten Gitarristen in ihren Reihen. Der Herr hielt sich zwar bewegungstechnisch etwas mehr im Hintergrund, haute aber geile Soli und Riffs raus, während vor allem Fefe Berglund und Matte Saker an den Gitarren und den fair geteilten Gesangsparts jeweils die Rampensau mimten. Doch so geil das auch ist, nötig wäre das bei Hits wie "Let Her Die", dem epischen "Biblical" oder "Rust" nicht, hatten die Heavy Rocker das Publikum zu jeder Sekunde mehr als fest im Griff. Die Shows von BOMBUS sind und bleiben einfach ein Erlebnis. Die Ansagen waren zwar kurz aber energisch und Matte war auch um das eine oder andere Witzchen nicht verlegen, aber auch die Band wurde vorgestellt und das Publikum ausgiebig gelobt. Nochmal richtig rund gings beim aktuelleren Hit "Deadweight", dem noch ein saucooles Drumsolo von Peter Asp folgte, ehe man das Set viel zu früh aber gewaltig eindrucksvoll und schnörkellos mit "Enter The Night" und "Into The Fire" beendete.
[maxomer]





Die legendären Melo-Death/Thrasher AT THE GATES hauten vor kurzem erst ihr zweites Album seit der Reunion raus, und das hat es gewaltig in sich. „To Drink From The Night Itself“ strotzt nur so vor schierer Wut und Energie, zeigt sich abwechslungsreich und intensiv, und passt zu guter Letzt, wie wir seit dem Tuska nun wissen, auch perfekt ins Set der Schweden. Mit dem Titeltrack des neuen Werkes ballerten Tompa Lindberg und seine Jungs auch sofort aus allen Rohren und da hat die Show kaum begonnen, staubte es schon gewaltig im Zelt, denn die ersten Reihen starteten die erste große Mosh-Attacke. Dass die neuen Songs mühelos zu den Klassikern passen, zeigte der direkte Übergang in den Hit „Slaughter Of The Soul“, der von den Fans fast noch mehr abverlangte. Stimmlich war Tompa in bester Form, aber auch sehr bewegungsfreudig, weshalb er sich nach nur wenigen Songs seiner Lederjacke entledigte, die Meute immer weiter anfeuerte und diese zu weiteren Moshs animierte. Auch seine Kollegen bewegten sich viel auf der Bühne, interagierten immer wieder mit den schwitzenden Fans und zeigten ihre Freude über die Rückkehr nach Finnland. Wirklich viel geredet wurde zwischen den Songs nicht, doch die Tracks „Under A Serpent Sun“, „Nausea“ oder das überaus fette „Blinded By Fear“ bei dem es auch einen dicken Circle-Pit gab, waren aussagekräftig genug um die Fans zu weiteren Konzerten der Schweden zu locken. AT THE GATES kamen, sahen und siegten auf ganzer Linie – ein weiteres Highlight auf der Inferno-Stage, das so manch Truppe auf der Mainstage die Show stahl.
[maxomer]





Setlist AT THE GATES:

To Drink From The Night Itself
Slaughter Of The Soul
At War With Reality
A Stare Bound In Stone
Cold
The Circular Ruins
Death And The Labyrinth
The Colours Of The Beast
Under A Serpent Sun
The Chasm
Heroes And Tombs
Nausea
Suicide Nation
The Book Of Sand
Blinded By Fear
Kingdom Gone
The Night Eternal

Doch GOJIRA ließen sich als Headliner des zweiten Tages definitiv nicht die Show stehlen. Die Franzosen sind live fett, doch ob man 90 Minuten lang ein Festival im Griff hat, da war ich mir nicht sicher. Aber bereits nach den ersten Minuten war klar, dass das absolut hinhauen könnte. „Only Pain“ vom aktuellen Brocken „Magma“ sog einen schon förmlich in die unglaubliche Atmosphäre, die GOJIRA hier an diesem noch immer recht hellen, aber zum Glück nicht mehr sonnigen Abend heraufbeschworen. Im diesigen Licht kam die dezente Show der Band perfekt rüber. Zwar hatte man irgendwie sein Equipment verloren und auch keine große Lichtshow mit, wie Joe Duplanier zwischendurch ausplauderte, doch die dezenten, aber doch fett aussehenden und wirkungsvollen Visuals im Hintergrund taten schon genug um zusätzlich zum unglaublichen Sound der Franzosen mit zu wirken. Außerdem ballerte man dankenswerterweise an dem eisigen Abend auch noch einige Pyros und Co2-Werfer raus.





Der Mix aus Prog, technischem Death Metal, Old-School Riffs der Marke MORBID ANGEL und weiteren Genreausflüchten funktionierte über die ganze Distanz perfekt, erzeugte nicht selten Gänsehaut und ließ einen sich komplett im Sound verlieren. Die Band selbst bewegte sich nicht all zu viel, was aber auch passte, nur Drummer Jean verschenkte bereits nach zwei Songs eine Garnitur Sticks und Joe forderte zu „Whales“ einen noch viel größeren Moshpit, was ihm auch prompt geboten wurde. Neben den teils etwas eingängigeren Songs, wenn man das überhaupt so nennen kann, von „Magma“ wie „Silvera“ oder „The Shooting Star“, widmete man sich primär noch den direkten Vorgängern „L`Efant Savage“ und „From Mars To Sirius“, klapperte man die komplette Diskografie zumindest für einen Song auch noch ab, um zwischen den intensiven und melodischen Parts noch ein paar mehr aggressive Death Metal Attacken älterer Tage im Programm zu haben.





Ob jetzt als Fan des heftigen Progs, Death Metal oder einfach dichter Atmosphäre, GOJIRA lieferten für jeden etwas und zeigten sich als würdiger und übermächtiger Headliner als eines der größten Highlights des Festivals. Die Veranstalter haben wohl dazugelernt, denn vor zwei Jahren mussten die Herren noch nachmittags auf einer kleineren Stage spielen.
[maxomer]

Setlist GOJIRA:

Only Pain
The Heaviest Matter Of The Universe
Love
Stranded
Flying Whales
The Cell
Backbone
Terra Inc.
Silvera
Liquid Fire
Drum Solo
The Shooting Star
Explosia


FOTOS + E-CARDS
www.tuska.fi/en

maxomer
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Beitrag vom 14.07.2018
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