WAVE & GOTIK TREFFEN  
09.06.2000 @ Leipzig, Deutschland

Alles begann so gut. Am ersten Tag begann im Last Episode Zelt gleich einmal die südtiroler Black Metal Partie VOICES OF DECAY. Sie konnten durch ein Gemisch von Melodie und Schnelligkeit das wenige Publikum - die meisten Leute standen zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich noch in der Schlange, um eine Obsorgekarte zu ergattern- schnell überzeugen. Bei einem Song wurde der charismatische Sänger sogar von einem zweiten männlichen Part unterstützt, der die Kunst des Kreischens sehr gut beherrschte.

Leider war das kurze Programm der Südtiroler bald vorbei, aber als Entschädigung bestieg eine Linzer Band die Bühne, die sich eher einer Mischung aus Dark, Gloom, Gothic, Rock und Metal verschrieben hat. Als JACK FROST anfingen, war ich erstaunt, dass sie einen, im Gegensatz zu den anderen Bands des Nachmittags, doch ruhigeren Sound fabrizierten. Aber durch JACK FROST wurde das Programm sehr erweitert. Die durchwegs langsameren Nummern brachten trotzdem ganz schön viel Power rüber und betörten durch eine düstere Atmosphäre. Ich weiß nicht, ob die Band das gerne hört, aber irgendwie erinnerte mich ihre Musik an alte DANZIG-Scheiben.

Danach machten wir uns daran, zu der Pressekonferenz der Österreicher JACK FROST zu kommen. Wir brachen auf in das Hotel, in dem sich das Pressebüro der Veranstalter befand. Da dieses im Zentrum der Stadt lag und die Location am Rande des Stadtgebiets, verpassten wir leider AMORTIS. Die waren aber laut Aussage unserer Mitarbeiterin Lisi gut, wie immer.

Durch die weite Anreise und den Stress gleich zu Beginn der Veranstaltung, die übrigens von Anfang an sehr chaotisch organisiert war, hatten wir genug für diesen Tag und hauten uns auf die Ohren.

Am Samstag brachen wir am Vormittag wieder einmal ins Hotel auf, um uns nach den neuesten Pressekonferenzen zu erkundigen. Leider mussten wir feststellen, dass AMORTIS ihren Pressekonferenz-Termin platzen ließen. Ob das die Schuld der Band oder der schlampigen Oragnisation war, ist uns unbekannt. Nachdem wir uns dann ein wenig die Altstadt von Leipzig angesehen hatten, kamen wir rechtzeitig auf das Agra-Gelände zurück, um in der großen Halle SCHEITAN zu sehen. Da ich diese Band nicht kannte und ihnen auch nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit zukommen ließ, weil sie mich irgendwie überhaupt nicht vom Hocker hauten, möchte ich gleich mit der nächsten Band weitermachen.

Die deutsche Band - ich wußte gar nicht, dass die deutsche Landsmänner sind - AGATHODAIMON betrat die Bühne und die Hölle war los. Die Fans waren begeistert von der Mixtur von Death und Black Metal und ich war auch überrascht von der Band. Ich hätte eigentlich, was ich zugeben muss, nicht gedacht, dass sie doch so einen abwechslungsreichen Sound hervorbringen.

Nach AGATHODAIMON sollten eigentlich OLD MAN´S CHILD, auf die sich Lugi schon ganz besonders freute, auftreten. Leider mussten wir feststellen, dass diese abgesagt haben. Die Veranstalter informierten uns, die Presse und auch die Besucher nicht einmal über solche Gegebenheiten, was ich wirklich kritisieren muss. Irgendein Informationsfluss war in keiner Weise gegeben.

An deren Stelle sollten nun LIMBONIC ART auf die Bühne treten. Haben wir zumindest gedacht, denn nach über einer Stunde Umbaupause funktionierte anscheinend der Drumcomputer immer noch nicht, woraufhin dieser Gig auch noch abgesagt werden musste. Da wurden wir zum ersten Mal richtig sauer.

Nach einer kurzen Erholungsphase gaben wir uns noch BORKNAGAR, die im Melodic-Death-Zelt spielten. Diese fegten los und die Masse war auf 180 vor Begeisterung. Der Sänger grunzte und sang abwechselnd clean, was recht gut zum melodiösen Death Metal, den sich brachten, passte.


Nach fast zwei Tagen sengender Hitze bahnte sich ein gewaltiges Gewitter an, dem wir gerade noch entkamen, indem wir uns ins Auto verkrochen. Das einzig gute daran war die Abkühlung, die es mit sich brachte.

Am dritten Tag begaben wir uns in aller Früh gegen Stadtzentrum, um gemütlich bei einer bekannteren Fastfood-Kette bis "11 Uhr" zu frühstücken. Im Anschluß machten wir wieder einen Abstecher in das Pressebüro, wo eine Pressekonferenz mit MOONSPELL und LOVE LIKE BLOOD auf der Tagesordnung stand. Leider bekamen wir diese zwei Bands nie zu Gesicht, stattdessen wurden wir von dem Rechtsanwalt der WAVE-GOTIK-TREFFEN Veranstaltungs Ges.m.b.H. über deren Zahlungsunfähigkeit aufgeklärt. Den Grund dafür konnte er uns nicht sagen, Gerüchten nach dürfte sich der Hauptveranstalter aber mit einer Menge Geld aus dem Staub gemacht haben.
Es wurde aber noch verlautbart, dass die Veranstaltung durch Initiative einiger Musiker (die auf ihre Gage verzichteten)fortgeführt werden sollte, allerdings in einem kleineren Rahmen. Fazit: Der Sonntag war noch chaotischer als die Tage zuvor, und auch vom Programm her natürlich nicht mehr so attraktiv, der Montag (eigentlich unser Favorit, weil u.a. IN FLAMES, SENTENCED, DARK TRANQUILLITY, THE KOVENANT,... spielen hätten sollen) wurde kurzerhand ohne jeglichen Kommentar seitens des Veranstalters gecancelt.

So gesehen war das Treffen der Reinfall des Jahres. Geld weg (zum Glück nicht unseres), keine Infos, Lieblingsbands nicht gesehen, weite Anreise, keine Obsorgekarte mehr bekommen, teure Getränkepreise (für lauwarmes Bier!!!),.... Würde uns wundern, wenn da noch jemand hingehen will, sollte sich nächtes Jahr eine neuer Veranstalter finden!


Berni

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Beitrag vom 09.07.2000
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