SUMMER BREEZE 2018: W.A.S.P   BLOODBATH   PAPA ROACH   KADAVAR   OMNIUM GATHERUM   ORANGE GOBLIN   PHIL CAMPBELL   ROLO TOMASSI   ONDT BLOD   EINHERJER   THE SLEEPER   NAPOLEON  
18.08.2018 @ Festivalgelände

Zunächst denkt man, dass vier Tage Festival gewaltig anstrengend und lang sein werden, was auch irgendwie stimmt, doch der vierte und letzte Tag kommt dann doch immer schneller als erwartet. Zum Glück hatte das Summer Breeze auch an diesem Tag noch eine Ladung Highlights im Ärmel.

Zunächst stand einmal mehr Metalcore und dessen Subgenres am Plan. Während NAPOLEON ganz in der Tradition der ARCHITECTS vertrackten und technisch hoch anspruchsvollen, aber halt auch anstrengenden Core auf die Meute losließen (und das leider auch mit einer etwas steifen Performance), ballerten etwas später THE SLEEPER bei ihrem Summer Breeze Debüt etwas direkter aus allen Rohren. Die Truppe hatte zudem einen speziellen Auftritt, da man die Aushilfsbassistin an diesem Tag wieder gegen den fixen Basser austauschte, was überraschenderweise wirklich fließend auf der Bühne geschah. So durften sowohl Erik als auch Anja auf diesem Event mitwirken. Eine sympathische Geste. Leider waren mir beide Bands trotz viel Elan, zu gewöhnlich und wenig spektakulär, um auf diesem Festival wirklich nachdrücklich in Erinnerung zu bleiben.





Kontrastprogramm gabs dann mit den Viking Metallern von EINHERJER auf der T-Stage, die am frühen Nachmittag mit einem etwas müden und abgekämpften Publikum vorliebnahmen. Frode „Grimar“ Glesnes bemühte sich trotzdem um seine Fans und spätestens nach vier-fünf Songs, kam dann auch etwas Stimmung zu den recht direkten und etwas melodiearmen Viking Klängen auf. Doch viel mehr als ein Mitschunkeln, gebanntem Lauschen und leichtem Applaus wollte da nicht aus den Fans rausgekitzelt werden. Die Truppe nahms aber gelassen und zeigte eine tighte Performance, die quer durch die langjährige Diskografie führte.





Setlist EINHERJER:

Hedensk Oppstandelse
Berserkergang
Nidstong
Alu Alu Laukar
Nord
Spre Vingene
Dragons Of The North
Far Far North

Im Anschluss ging es zu dem wohl spannendsten Act des Tages. Ex-MOTÖRHEAD Phil Campbell züchtete sich im wahrsten Sinne des Wortes seine eigene Band heran, denn gemeinsam mit seinen Söhnen ist er nun als PHIL CAMPBELL & THE BASTARD SONS unterwegs. Für Fans des Motorschädels sicher kein würdiger Ersatz, aber definitiv eine Rock´n´Roll Truppe die eine Menge Spaß macht und weiß wie man richtig rockt. Zum eigenen Material vom kürzlich erschienenen Debüt, präsentierte man logischerweise auch MOTÖRHEAD- sowie einen HAWKWIND Klassiker, die natürlich beim Publikum verdammt gut ankamen und von Sänger Neil Starr in eigener Weise intoniert wurden. Lemmy kopieren zu versuchen, hätte da sowieso keinen Sinn. Die junge Truppe spurtete und verausgabte sich, während Phil selbst eher lässig an der Klampfe hing und immer wieder grinste. Ein cooler Einstand am Summer Breeze der zeigt, dass Phil es noch drauf hat und mit seiner Truppe durchaus noch Großes schaffen könnte. Wir bleiben jedenfalls gespannt.





Setlist PHIL CAMPBELL & THE BASTARD SONS:

Big Mouth
Welcome To Hell
Rock Out (MOTÖRHEAD)
Going To Brazil (MOTÖRHEAD)
Freak Show
Born To Raise Hell (MOTÖRHEAD)
Get On Your Knees
R.A.M.O.N.E.S.
Ringleader
Dark Days
Silver Machine (HAWKWIND)
Ace Of Spades (MOTÖRHEAD)
High Rule

Zeitgleich trieben die UK-Stoner Metaller ORANGE GOBLIN bereits ihr Unwesen auf der T-Stage. Das wollten wir natürlich auch nicht verpassen und besuchten die starke Truppe rund um Ben Ward, der bestens bei Stimme und Laune war und seine Tracks inbrünstig hinausbrüllte. Zu „They Come Back“ suchte er im Publikum auch noch Fans des guten alten Horror-Films und widmete außerdem einen nagelneuen Song an Lemmy, über den sich nicht nur dieser im Rock´n´Roll Himmel freute, sondern auch die Fans hier auf Erden. ORANGE GOBLIN sind live sowieso immer eine Wucht und feuerten auch hier wunderbar einige Hits und Hymnen, die die Fans begeistern konnten, ab. Unglaublich, dass die Briten in diesem Jahr erst zum ersten Mal den Weg zum Summer Breeze fanden. Nach dieser Performance, wird es aber sicher nicht lange dauern, bis man den orangenen Goblin wieder nach Dinkelsbühl einlädt.





Setlist ORANGE GOBLIN:

Sons Of Salem
The Devil´s Whip
Saruman´s Wish
The Wolf Bites Back
The Filthy And The Few
Renegade
They Come Back
Scorpionica
Quincy The Pigboy
Red Tide Rising


Was war denn da los? ONDT BLOD – nie gehört, nie gesehen, doch die Herren aus Norwegen brannten sich mühelos in meine Erinnerung ein. Auf der Camel Stage zog die Truppe ein Show durch, die etwas schräg, aber irgendwie cool war. Der kleine Fronter mit dem großen Namen Aslak Heika Hætta Bjørn war nicht nur in traditioneller norwegischer Kleidung auf der Bühne, nein er warf sich auch sofort mal vor die Bühne und schmiss sich samt Micro und viel Kabel in die ersten Reihen der Zuschauer, was die Securities (hier auch Grabenschlampen genannt) etwas ins Schwitzen brachte. Apropos schwitzen; bei der Energie und dem inbrünstigen Geschrei zum Post-Core der Truppe, wurde auch Aslak sichtlich heiß und seine Glatze schnell glührot. Als er dann irgendwann nach ein paar Songs wieder auf die Bühne wollte, kullerte er sogleich retour und musste ein paar Verse im Liegen rausdrücken. Irgendwann schaffte er es aber doch noch auf die Bretter zurück und brüllte uns weitere, aggressive Tracks in seiner Muttersprache entgegen. Die Zuschauer wurden immer mehr und hatten sichtlich Spaß mit der Truppe, was sie auch mit Jubel und staubenden Moshpits zeigten.





Setlist ONDT BLOD:

Natur
Store Ord (Røyk Og Speil)
Gjengtegn
Ulva
Giftige Tunga
Start Han Opp
Symbola
Giron

Danach gabs wieder „normale“ Kost auf der T Stage in Form von OMNIUM GATHERUM, die als Veteranen des Melodic Death Metal irgendwo zwischen AMON AMARTH, DARK TRANQUILLITY und CHILDREN OF BODOM eine dicke Fanbase in der Heimat aufbauen konnte, einen Haufen gelungener Alben veröffentlichte und nun auch im restlichen Europa einige Siegeszüge hinter sich hat, um die Popularität der genannten Truppen zu erhalten. Ein guter Schritt dahin wurde auch auf diesem Festival getan. Tight und mit melodischen Krachern spielte man sich mühelos in die Herzen der Fans und wahrscheinlich auch in die der zukünftigen Anhänger. Gut gelaunt und bewegungsfreudig zeigte man sich an diesem Tag und präsentierte auch sogleich, neben einigen Hits und Klassikern, das Material vom, zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienenen, neuen Werk „The Burning“. Die Songs wurden mit Begeisterung aufgenommen und fügten sich wunderbar ins Set ein, was die Finnen rund um Jukka Pelkonen sichtlich freute. So durfte der Fronter auch verkünden, dass das Ganze hier exklusiv für die Anwesenden sei, da man die neuen Songs noch nicht zuvor gespielt hatte und man sowieso in diesem Sommer nur am Summer Breeze als einziges Festival auftrete. So freute man sich gleich doppelt über diesen fetten Gig, bei dem OMNIUM GATHERUM die Zuschauer fest im Griff hatten.





Setlist OMNIUM GATHERUM:

The Burning (Intro)
Frontiers
Refining Fire
Ego
Unknowing
Gods Go First
Skyline
New Dynamic
New World Shadows

Zurück bei der Camel Stage, stand eine Dame mit bravem Pagen-Schnitt und dem „kleinen Schwarzen“ auf der Bühne und bewegte sich zum Intro außergewöhnlich lasziv mit Hüftschwung und starrem Blick. Doch als dann die fetten Post(Hard)core Riffs einsetzten, eskalierte Eva Spence sogleich, haute mächtig böse Growls raus und ging richtig derb ab. ROLO TOMASSI sind somit alles andere als eine typische Core-Band, was man bei diesem intensiven Gig perfekt zur Schau stellte. Aber auch clean und brav kann Eva, aber nur wenn sie will und dann auch nur um gleich viel Vollgas zu Blastbeats, dreckigen Riffs und abgefahrenen Keyboards, zu geben. Auch James Spence, der zunächst recht steif hinter seinem Keyboard stand, preschte plötzlich in die Mitte der Stage und duellierte sich im Brüll-Akkord mit Eva, ehe er schnurstracks wieder zurückdonnerte. Die Briten hielten diese Intensität mühelos über eine halbe Stunde aufrecht und sorgten nicht zu Unrecht für offenstehende Münder. Eine ganz große Überraschung dieses Festivals!





Rolo Tomassi:

Rituals
Balancing
Estranged
A Flood Of Light
Stage Knives
Alma Mater
Aftermath

Der Tag der Kontraste präsentierte uns sogleich KADAVAR, die etwas zu früh starteten und somit nur über ihre Monitore spielten. Als dann nach gut einer Minute die Anlage doch ansprang, war der Jubel groß und das Trio hatte freie Fahrt für ihren intensiven Retro/Hard Rock. Nach ein paar eingehenden ersten Tracks, fragte Frontbart Lupus sogleich „Habt ihr eh ordentlich einen gesoffen?“, und versprach grinsend das Ganze selber nach der Show nachzuholen. Das Trio spielte sich immer wieder selbst in Trance, agierte tight, fokussiert und mit einer Passion, wie kaum eine andere Truppe. Mit Material von vier Alben und einer Traumkarriere, haben die Berliner auch keine Mühe immer wieder das Publikum zu fesseln. Während Lupus hinter seinen zahlreichen Monitoren an Gitarre und Micro gefesselt war, nutzte Hüne Simon „Dragon“ Bouteloup die geräumige Bühne zog Grimmassen und wummerte gewaltig an seinem Bass. Chris „Tiger“ Bartelt ließ in seinem, wie immer recht schrägen Retro-Outfit, hinter den zentral aufgestellten Drums, Mähne und Bart zu Hits wie „Skeleton Blues“ oder „Black Sun“ kreisen. KADAVAR verzauberten mühelos und rockten das Summer Breeze einmal mehr in Grund und Boden.





Setlist KADAVAR:

Creature Of The Demon
Pale Blue Eyes
Into The Wormhole
Doomsday Machine
Skeleton Blues
All Our Thoughts
Black Sun
Forgotten Past
Living In Your Head
Die Baby Die
Come Back Life

Danach wagten wir uns dann doch mal zur Hauptbühne, denn dort gingen schon PAPA ROACH und deren Fans komplett steil. Viel bekamen wir nicht mehr mit, da man sich mit KADAVER überschnitt, doch bei den letzten Tracks hüpften, tanzten und jubelten die Fans der Alternative Rocker mit viel Leidenschaft und Freude. Natürlich explodierte die Stimmung dann noch bei „Last Resort“, dem mittlerweile ziemlich alten Überhit der Amis, welchen Jacoby Shaddix eigentlich gar nicht mehr mitsingen müsste, da den sowieso jeder auswendig kennt.





So freuten wir uns dann noch auf die beiden letzten großen Headliner des Festivals, die verschiedener nicht hätten sein können. Den Anfang machten Blacky Lawless und seine legendären W.A.S.P., die absolut nichts anbrennen ließen und nach Sirenengeheul, auf der in rotem Licht erstrahlenden Bühne, ein Hitfeuerwerk zündeten. „On Your Knees“, „The Real Me“ oder „Love Machine“ rockten wie Sau und heizten das Publikum mühelos an. Geredet wurde nicht viel, dafür umso mehr gerockt. Aber mit dem intensiven „The Idol“ oder der genialen Ballade „Heavens Hung In Black“ sorgte man auch für Gänsehaut. Blacky gab sich redlich Mühe und seine Kollegen fegten quer über die Bühne, als wären sie Mitte 20. Doch nach 50 Minuten verabschiedete man sich bereits und wollte trotz einigen Zugabe-Rufen, sich ganze zehn Minuten nicht mehr blicken lassen, was schon etwas schräg und unsympathisch wirkte. Zwar konnte „Chainsaw Charly“ sofort versöhnen, aber nach nur zwei weiteren Songs, nämlich „Wild Child“ und „I Wanna Be Somebody“, bei dem die Menge in zwei Mitsing-Teile getrennt wurde, war dann endgültig Schluss mit der 90 Minuten Show, die eigentlich nur 65 gedauert hat. So haben wir uns das aber nicht gedacht, Mister Lawless! Aber was soll´s, die gute Stunde war stark und intensiv, sodass man einigermaßen zufrieden auf die nächste Truppe warten konnte.





Setlist W.A.S.P.:

Siren Intro
On Your Knees
Inside The Electric Circus
The Real Me
Love Machine
Crazy
The Idol
Arena Of Pleasure
Take Me Up
Heavens Hung In Black
Chainsaw Charlie
Wild Child
I Wanna Be Somebody

Wir bewegten uns somit nicht von der Mainstage weg und freuten uns auf die Supergroup BLOODBATH, die mit Nick Holmes schon zum zweiten Male auf dem Breeze gastierten. Und der zeigte sich sogleich stimmlich viel besser als noch vor drei Tagen mit PARADISE LOST und gurgelte so die Death Metal Brecher wie „Cry My Name“ oder „So You Die“ aus seiner Kehle. Auch hier war die Bühne in Rot gehüllt und die Stimmung war sowieso ziemlich bedrohlich, während Nick ruhig über die Bühne stapfte und schnell vergessen machte, dass hier mal Namen wie Mikael Akerfeldt oder Peter Tägtgren vor ihm am Micro standen. Bei „Cancer Of The Soul“, dem eingängigen „Outnumbering The Day“ und dem finalen „Eaten“ steigerte sich die Stimmung bei den tausenden Fans nochmals, so dass die Truppe bei der ja auch Legenden von KATATONIA, OPETH und seit kurzem auch CRAFT am Werke sind, bald siegreich von Dannen ziehen konnte. Wem das nicht gereicht hat, der kann sich natürlich auch noch über die Ankündigung eines neuen Werkes namens „The Arrow Of Satan Is Drawn“ freuen. So gehört Death Metal, und nicht anders!





Setlist BLOODBATH:

Let The Stillborn Come To Me
Cry My Name
So You Die
Breeding Death
Anne
Cancer Of The Soul
Like Fire
Outnumbering The Day
Bathe In Blood
Mock The Cross
Eaten

Müde und geschunden wollten wir nach vier langen Tagen Festival etwas früher in die Federn, um am Sonntag möglichst bald die lange Heimreise antreten zu können. Doch um 01:00 Uhr hatten wir definitiv nicht die Rechnung mit der CARPENTER BRUT gemacht. Das Synthie-Spaß Projekt aus Frankreich gastierte noch auf der Hauptbühne und das definitiv um eine dicke Ecke lauter als jede Band zuvor, so dass man am VIP Camping Platz, dank des fetten Basses und trotz Ohropax im Zelt auf und ab hüpfte. Nachdem mit dem unsäglichen "Maniac" Cover dann endlich Ruhe war, startete schon die nächste Truppe auf der T-Stage und war leider ebenfalls nicht unüberhörbar. Na dann gute Nacht!

Das Summer Breeze war wieder ein voller Erfolg. Ein abwechslungsreiches LineUp, kaum Probleme mit Sound oder Verspätungen, nette Crew und Security und top durchorgansiert. Der Sturm ließ uns auch weitestgehend in Ruhe und auch sonst sind keine gröberen Vorkommnisse bekannt. Die Preise auf Festivals sind schon lange am Explodieren, doch dafür stimmt die Qualität und Auswahl an Speisen und Getränken. So kommen wir gerne 2019 wieder!


FOTOS + E-CARDS
www.summer-breeze.de

maxomer
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Beitrag vom 03.09.2018
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