LORDI   SILVER DUST   EGOKILLS  
02.11.2018 @ Freizeitpark Micheldorf

Die Zeiten in denen man Stadien füllte sind anscheinend vorbei oder zumindest in Österreich muss man nun kleinere Brötchen backen. Die Rede ist von den Grusel-Rockern LORDI aus Finnland, die nun auch schon seit 1992 durch die verschiedensten Locations pilgern um dem Volk das Gruseln zu lehren. Spielte man vor zwei Jahren in der Trauner Spinnerei, so zog es die Finnen diesmal ins beschauliche Micheldorf in OÖ um den Freizeitpark unsicher zu machen. Eine schöne kleine gemütliche Halle lud die ca. 200 Anwesenden im Foyer zu kühlen Getränke ein und man fühlte sich in der familiären Atmosphäre sofort wohl. Wer braucht schon Bands die mit ihren überteuerten Preise die Massen in Stadion ziehen, wenn man in Hintertupfing sympathischen Bands ganz nahe sein kann.

Im Gepäck hatte man zwei Formationen, die die Anwesenden ordentlich anheizen sollten. Den Beginn machen EGOKILLS aus Finnland mit ihrem selbstbetitelten Hippie-Metal. Recht viel Platz war den vier Jungs auf der Bühne jedoch nicht vergönnt, da der Headliner wieder ordentlich Raum für Horror-Deko für sich in Anspruch nahm. Doch Sänger Janne Selo und seinen drei Mitstreitern störte dieser Umstand nicht und so wurde ganz ordentlich gespielt. Preise wird man mit dieser Art Musik wohl nicht gewinnen, doch auch wenn sich die Stimmung in Grenzen hielt spielte man die Halle nicht leer, was ja auch kein schlechtes Zeichen ist. Wenn man etwas auf die Optik achtet und die Homepage der Jungs besucht, wird einem schnell klar, dass man den berauschenden Substanzen aus einer gewissen grünen Pflanze nicht abgeneigt ist. Das spiegelt sich wieder in Songs wie zum Beispiel „Mellowhead“ vom neuen Album.






Slot Nummer zwei gehörte wie schon 2016 SILVER DUST aus dem Nachbarland Schweiz. Ihre Mischung aus Dark-Rock mit Gothik und Viktorianischen Elementen passt stilistisch gut zum Hauptact des Abends, doch so richtig will der Funke auch diesmal nicht überspringen. Die Jungs mit so phantastischen Namen wie Sänger Lord Campbell, Drummer Magma, Gitarrist Jiny Pistol oder Bassist Kurghan sind bemüht, versuchen mit ihrer düsteren Show die Menge miteinzubeziehen, wissen aber musikalisch nicht wirklich wo sie dazugehören. Da wird wild gewechselt zwischen melancholischen Dark-Metal, zu Songs mit poppigen Elementen, während im nächsten Moment die Trash Keule ausgepackt wird. Lord Campbell ist zudem der Zeremonienmeister, der durch die Show führt und den Kontakt mit den Fans sucht. Optischer Hingucker ist auf jeden Fall der Spiegel auf der Bühne, der mit Einspielungen und gruseligen Gesichtern immer wieder alle Augen auf sich zieht.





Auch wenn man musikalisch durchaus etwas am Kasten hat, bleibt leider nichts hängen, da man keine Hits in petto hat. Das mag vielleicht noch kommen, doch als Vorband von LORDI vielleicht doch noch nicht reif genug.

Mit etwas Verspätung betreten dann nach der Reihe die finnischen Monster die Bühne und sorgen für die ersten Jubelstürme zum Intro von „God Of Thunder“ (KISS). Und eines gleich vorweg, die ca. 200 Anwesenden sorgen für ordentlich Stimmung, die in Traun ab und zu auf der Strecke blieb. Das könnte daran liegen, dass sich in diese Breitengrade dann doch eher selten jemand verirrt der ein Instrument beherrscht. Mit neuem Album im Gepäck spielt es sich leichter und Songs wie „Sexorcism“, „Your Tongue’s Got The Cat“ und „Rimskin Assassin“ passten super ins Set und saßen auch textlich schon sehr gut bei den Fans. Tomi „Mr. Lordi“ Putaansuu war an diesem Abend wieder der gewohnt charmante Entertainer, den er perfekt beherrscht. Neben kleinen Anekdoten aus den alten Tagen wurde fleißig gescherzt, finnisch unterrichtet oder gefragt ob die Leute lieber seinen Geschichten oder doch den Songs der Band lauschen wollen.

Und weiter im Programm mit dem Klassiker „Would You Love A Monsterman?“ ehe sich der Fronter die erste Pause gönnte, um Mana am Schlagzeug ein Solo vorführen zu lassen. Nicht das letzte Mal, denn auch Hella mit ihrem sexy Outfit durfte am Keyboard alleine ihre Frau oder Monster stehen. Dass anscheinend nicht alles live vorgetragen wurde, konnte man bei der ein oder anderen Einlage der Blondine beobachten. Doch sei es drum, die Show machte Spaß egal ob man den Grusel Rockern das erste Mal oder siebte Mal beiwohnte. Sei es der mitsingende Kopf, eine Jagdtrophäe hinten an der Wand, das auf dem Stuhl gefesselte Monster-Mädchen das in Exorzismus Manier mit dem Stuhl schwebte oder die Kreissäge mit der Tomi auf der Bühne herumlief, es finden immer wieder neue Elemente denn Weg in die Show. Bassist Samer „Ox“ el Nahhal bekam ebenfalls noch etwas Spielzeit und zockte seine Solo zu Techno Beats herunter was für staunende Gesichter sorgte, während Jussi „Amen“ Sydänmaa eher den klassischen Weg ging und einfach seine Gitarre für sich sprechen ließ.





Bei „She’s A Demon“ wurde erneut die etwas verunstaltete Dame auf die Bühne geholt und gefoltert, während bei „Hug You Hardcore“ und „Who’s Your Daddy?“ die Stimmung und Emotionen nochmal anstiegen. Es wurde mit der Druckluft in die Meute geschossen und mit Scherzblut die Robe so Mancher Weiß-Hemd-Träger verunstaltet. Dass man im falschen Film war, merkte man, wenn ein bereits erwähnter Herr im weißen Hemd Amok lief, weil er in typischer Metal Manier in den vorderen Reihen angestoßen wurde und die jüngeren Besucher mit seinen 150 Kilo Kampfgewicht durch die Halle warf. Bitte das nächste Mal bei HELENE FISCHER Sitzplatztickets kaufen.





Nach „Who’s Your Daddy?“ zog man sich kurz zurück um nochmal etwas durch zu schnaufen um für die Zugabe wieder voller Energie zu sein. Und wie sollte es anders sein, diese bestand aus den Bandhymnen „Devil Is A Loser“ und „Hard Rock Hallelujah“, das wohl jeder mitsingen konnte. Gehört einfach dazu wie das Amen im Gebet.

Setlist LORDI:

God Of Thunder(KISS)
Sexorcism
Would You Love A Monsterman?
Missing Miss Charlene
Your Tongue’s Got The Cat
Drum Solo
Blood Red Sandman
It Snows In Hell
Keyboard Solo
She’s A Demon
Rock Police
Rimskin Assassin
Hug You Hardcore
The Riff
Who’s Your Daddy?

Encore:
Devil Is A Loser
Hard Rock Hallelujah


Danach verabschiedeten sich die Monster, teilten noch ein paar Souvenirs aus und bewiesen, dass sie keinen Unterschied zwischen kleinen beschaulichen Hallen oder großen Festivalbühnen machen. Die Stimmung war gut, LORDI zogen ihr Ding durch und am Schluss waren alle zufrieden. So soll es sein.



AndyVanHalen
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Beitrag vom 09.11.2018
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