BEHEMOTH   AT THE GATES   WOLVES IN THE THRONE ROOM  
13.01.2019 @ Arena

Man weiß, dass eine Band den Nerv der Zeit trifft, wenn bei einem Metalkonzert der extremen Spielart die Arena Wien aus allen Nähten platzt und sich bereits beim Einlass eine lange Schlange bildet (ein bisschen blöd, wenn das Wetter genau dann regnerisch ist). So geschehen als BEHEMOTH mit ihrer Ecclesia Diabolica Europa Tour mit AT THE GATES und WOLVES IN THE THRONE ROOM in Wien halt machten. Selbstredend war die Show schon vorzeitig ausverkauft.

WOLVES IN THE THRONE ROOM spielten zwar selbst nicht allzu lange bereits als Headliner in der Arena (aber in der kleineren Halle, wohlgemerkt), der Personenstand vor der Bühne war aber schon recht früh ganz ordentlich. Es wurde emsig geräuchert, was bei der Größe der Bühne in der großen Halle der Arena aber ein deutlich schwierigeres Unterfangen ist, wenn man nur brennende Kräuterballen zur Verfügung hat. WITTRs Spielart des Black Metal mit Ökoresonanz funktioniert zum Glück aber auch ohne völlige Einnebelung, wenngleich das Set sehr kurz ausfiel und aus lediglich drei Nummern des aktuellen Albums „Thrice Woven“ bestand. Buisness as usual. Tour-Schlagzeuger Trevor Deschryver sah beim Spiel aus, als wäre er besessen und Sänger/Gitarrist Nathan Weaver trank Wein aus der Flasche. Vermutlich Natural Wine, wegen der Hipness.





Setlist WOLVES IN THE THRONE ROOM:

Angrboda
The Old Ones Are With Us
Born From The Serpents Eye


AT THE GATES bedienten dann den Death-Metal-affinen Teil des Publikums. Wer AT THE GATES schon einmal gesehen hat, weiß, was geliefert wird. Die Setlist startete wenig überraschend mit „To Drink Form The Night Itself“ (der Single-Auskopplung des neuen Albums) und – natürlich – „Slaughter Of The Soul“. Das wollten die Leute schließlich auch hören. Während vorne im Moshpit einige Leute die Zeit ihres Lebens hatten, ging die BM-Fraktion an die Bar. Voll war es sowieso überall. Auf der Bühne gab es kaum Überraschungen. Das Set hatte die erwartbare leichte Schlagseite auf die letzten beiden Alben. Die Publikumslieblinge von "Slaughter Of The Soul" wurden aber natürlich nicht ausgespart wurden, sonst wäre wohl gemeutert worden. Solide.





Setlist AT THE GATES:

To Drink From The Night Itself
Slaughter Of The Soul
At War With Reality
A Stare Bound In Stone
Cold
Death and The Labyrinth
Heroes And Tombs
Suicide Nation
Daggers Of Black Haze
The Book Of Sand (The Abomnination)
Blinded By Fear
The Night Eternal


Die Umbauphase wurde von BEHEMOTH gleich genutzt, um Stimmung zu erzeugen. Soll heißen, ein Snippet des Intros des aktuellen Albums – sprich ein in Klargewirr eingebundener, leicht verzerrter Kinderchor – lief in Endlosschleife. Fast eine halbe Stunde lang. Mitunter etwas nervtötend. Währenddessen wuselte es hinter einem semi-transparenten Vorhang, der offensichtlich nicht die Aufgabe hatte das Umbautreiben zu verdecken. Oder besser gesagt, wenn das der Fall gewesen wäre, hätte er seinen Zweck wirklich mehr schlecht als recht erfüllt. Tatsächlich entpuppte er sich als überdimensionale Projektionsfläche für ein umgedrehtes Kreuz mit dem Umriss des Gastgeberlandes im Hintergrund, darüber teilweise die Silhouetten der Musiker, die so langsam auf die Bühne schritten. Ein Vorgeschmack darauf, dass bei dieser Show nichts dem Zufall überlassen werden sollte. Durchinszeniertes Chaos. Das begann mit den doch recht feschen Totenkopfmasken, die während der neuen Hymne „Wolves Of Siberia“ getragen wurden. Die Stimmung im Publikum war dementsprechend hoch. Das überraschend zurückhaltend in die Playlist eingebaute Material (gut, „Wolves Of Siberia“ und „God = Dog“ durfte man schon vor dem Release des Albums live hören) zog gehörig und funktionierte tadellos neben den etablierten Klassikern. Das Set zog, da fiel es auch nicht auf, dass die Lichtanlage während der Show repariert werden musste (an dieser Stelle sollte man den Hut vor dem Lichttechniker ziehen, der dem Problem auf einer erschreckend hohen Leiter sehr schnell Herr wurde). Liveshows von BEHEMOTH genießen einen exzellenten Ruf. Und mit jedem Konzert beweisen sie, dass dieser Ruf nicht von Ungefähr kommt. Nur dass „Oh Father, Oh Satan, Oh Svn“ aus der Setlist gestrichen wurde, ist ein bisschen schwer nachzuvollziehen. Das ist jetzt aber Sudern auf hohem Niveau.





Auffällig waren dieses Mal aber wohl die erstaunlich häufigen Kostümwechsel. Ein Phänomen, das man sonst eher nur von Glam Rock oder verhaltensauffälligem Heavy Metal kennt. Nergal als dunkler Anti-Papst, Orion mit einem Hut, der wohl einmal ein halber Fasan gewesen sein muss, Totenkopf-Masken. Da war schon einiges dabei. Nergals schrille Lederjacke bei der Zugabe – das großartige „Lucifer“ und die zweite neue Hymne „We Are The Next 1000 Years“ – sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Sie hätte aus dem Fundus von Nicolas Cages, der einen Hang zu auffälligen Lederjacken hat, stammen können. Black Metal und Haute Couture, für Nergal alles andere als ein Widerspruch. Und als man dann glaubte, es wäre vorbei, weil das Outro schon lief, kamen die Herren in schwere Kapuzen gekleidet und mit Trommeln umgeschnallt auf die Bühne und trommelten das Publikum nach Hause. Das war dann aber auch der letzte Kostümwechsel für den Abend.

Setlist BEHEMOTH:

Wolves Ov Siberia
Daimonos
Ora Pro Nobis Lucifer
Bartzabel
Ov Fire And The Void
God = Dog
Conquer All
Ecclesia Diabolica Catholica
Decade Of Therion
Blow Your Trumpets Gabriel
Slaves Shall Serve
Chant For Eschaton 2000
-
Lucifer
We Are The Next 1000 Years

behemoth.pl

Asator
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Beitrag vom 20.02.2019
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