MARDUK   VALKYRJA   ATTIC  
17.04.2019 @ Viper Room

Just vor Ostern ging es im Viper Room, im braven katholischen Wien, so richtig blasphemisch zu. Beim dritten Anlauf ihrer Tourbemühungen zum neuen Album „Viktoria“ (March Of Ash And Rust, Part 3) durch Europa fegte das schwarzmetallische Tourbündel aus MARDUK, VALKYRJA gemeinsam mit ATTIC über die ruhige Stadt hinweg. ATTIC genießen dabei augenscheinlich musikalischen Exotenstatus. Waren frühere Teile der Tour mit den finnischen ARCHGOAT im Ensemble musikalisch noch weitgehend homogener Natur, brechen ATTIC mit ihrem an KING DIAMOND erinnernden diabolisch angehauchten Heavy Metal mit starkem Hang zur Kopfstimme den Rahmen auf. Dazu natürlich die zu erwartende Theatralik. Das kam bei einigen Teilen im Publikum besser an, bei manchen weniger, je nach Erwartungslage. Insgesamt aber ein sehr solider Auftritt, auch wenn zum Abschluss bei „Headless Horseman“ die Stimme von Sänger Meister Cagliostro etwas an Kraft einbüßte und die Treffsicherheit etwas nachließ. Sowas kann aber bei einer vergleichbaren Strapazierung der Stimmbänder eben vorkommen und wird verziehen.





Setlist ATTIC (ohne Gewähr):

Sanctimonious
Satan’s Bride
The Hound Of Heaven
Dark Hosanna
There Is No God
The Headless Horseman


VALKYRJA mussten ja seit ihrer letzten Wien-Show einige Line-Up-Wechsel durchmachen. Auf die Trennung vom langjährigen Sänger AF (der live stets zu überzeugen wusste) folgte ein kurzes Intermezzo mit dem Niederländer RSDX (HELL MILITIA, WELTBRAND, ex-BETHLEHEM), das sich der Distanz zu Schweden geschuldet auch nicht als dauerhafte Lösung entpuppte. Kurzerhand beschloss der Mann hinter VALKYRJA, Simon Wizén aka S.W., neben Gitarre auch die Vocals zu übernehmen und brachte sich nach dem Release des letzten Albums „Throne Ablaze“ in einem Kraftakt bei, solide Gitarre und Vocals zugleich hinzubekommen. Es hat erstaunlich gut funktioniert, aber die Finesse ging trotzdem verloren. Ebenso die Bühnenpräsenz eines AF. Der Platz hinter dem Schlagzeug musste seit dem letzten Wien Gig ebenfalls neu besetzt werden. Jocke Wallgren zog es schließlich zu AMON AMARTH und damit hin zu wesentlich größeren Bühnen. Wenig verwunderlich, gehört er schließlich zu dem Feinsten, das Schweden im Black/Death Drumming zu bieten hat. Victor Parri, der neue Mann an den Drums, spielt gut aber tritt in große Fußstapfen. Was bei den drei Songs des neuen Albums nicht so sehr ins Gewicht fällt – es wurde ja in dem aktuellen Line-Up aufgenommen – stach bei älteren Songs wie „Madness Redeemer“ und „Oceans to Dust“ doch deutlich hervor, wie sehr sie von den Vocals und den Drums auf dem Album getragen werden. Kurzum, wer VALKYRJA 2014 in Wien oder 2015 am Kaltenbach Open Air sah, sah bei dieser Show eine andere Band. Kruder, aggressiver und weniger feingeschliffen. Es funktioniert zwar, aber die selbst gelegte Latte war hoch. Und da wird es schwierig wieder den Anschluss zu finden.





Setlist VALKYRJA:

Crowned Serpent
The Cremating Fire
Madness Redeemer
Opposer Of Light
Frostland
Oceans To Dust
Throne Ablaze


Auch MARDUK traten in leicht veränderter Formation als bei ihrem letzten Wien-Auftritt an. Auch hier wurde hinter den Drums getauscht. Der für MARDUK ohnehin schon junge Fredrik Widigs zog sich zurück, um sich wieder dem Grafikdesign hinzuwenden (ein Mann vieler Talente), und wurde kurzerhand durch den noch jüngeren Simon „Bloodhammer“ Schilling (ex-BELPHEGOR) ersetzt. Seines Zeichens ebenso ein Monster an Präzision und Geschwindigkeit, was er an diesem Abend gleich zur Schau stellt. Das Set wurde nämlich ganz gemütlich mit „Panzer Division Marduk“ und „Baptism by Fire“ begonnen. Also, quasi mehrere Minuten halsbrecherischer Blastbeat. Die Arbeit von Morgan „Evil“ Håkansson an der Gitarre ebenso routiniert, wie jene von Dan „Devo“ Andersson am Bass. Die Vocals von Hans „Mortuus“ Rostén sind sowieso nicht von dieser Welt. Wenn er noch dazu einen guten Tag hat, ist’s noch ärger.





Bei erstaunlich gutem Sound wurde ein Querschnitt durch insgesamt zehn Alben geboten. Nicht einmal dem aktuellen Album „Viktoria“ – quasi der Anlass für diese Tour – wurden mehr als zwei Songs entnommen. Dafür war es umso erfreulicher den spannenden Slide-Riff von „Into Utter Madness“ endlich einmal auch live in seiner vollen Gewalt hören zu können. Mit „The Levelling Dust“, „Of Hell’s Fire“ und „Wolves“ zum Abschluss waren sowieso einige Schmankerl in der Setlist, wenngleich auch keine wirklichen Überraschungen (wenn man von dem eingespielten „Deathmarch“ als seltenes Zwischenstück einmal absieht). Spielerisch wohl aber einer ihrer besten Auftritte in Wien.

Setlist MARDUK:

Panzer Division Marduk
Baptism By Fire
Werwolf
Of Hell’s Fire
The Levelling Dust
Cloven Hoof
Deathmarch
Throne of Rats
Burn My Coffin
Equestrian Bloodlust
The Blonde Beast
Into Utter Madness
Wolves
The Black…

Als obligatorische „Zugabe“ wurde dann noch mit „The Black…“ eine richtig alte Nummer nachgelegt. Schön ist’s, wenn MARDUK für die Einstimmung auf Ostern sorgen.

marduk.nu

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Beitrag vom 04.06.2019
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